Corona-Statistiken aus dem Internet (Update 07.07.)

Seit dem 17.3.2020 habe ich diesen Text jeden Tag fortgeschrieben. Für die zwei Wochen zwischen dem 15.6. und dem 29.6. habe ich keine Updates durchführt, da die Statistiken sich zum Glück nicht mehr groß geändert haben. Seit 29.6.2020 geht es weiter mit neuem Elan und neuen Zahlen.

Mit Sorge betrachten wir die Zahlen zu der Corona-Pandemie. Es gibt für Deutschland unterschiedliche Quellen, die uns Zahlen über die infizierten Personen, die Geheilten und die Todesfälle liefern.

Für mich sind auch weiterhin zwei Quellen führend.

  1. Der Bing Corona-Virus Tracker von Microsoft (Link), der Daten von seriösen Quellen wie CDC, WHO, ECDC und Wikipedia verarbeitet. Dazu gehören mit Sicherheit auch Daten der Johns Hopkins Universität dazu. Deren Forscher suchen im Internet nach öffentlich zugänglichen Quellen und greifen dort die neuesten Ziffern ab. Das sind Internetseiten oder auch Twitteraccounts von Behörden und Organisationen. Deshalb sind diese Zahlen in der Regel den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) voraus
  2. Das Dashboard des RKI (Link) veröffentlicht erst die Zahlen, wenn der Berichtsweg komplett abgeschlossen ist.

Wie sieht der Berichtsweg des RKI aus?

Diese Information kann man über folgenden Link im Detail abfragen. Ich habe hier eine Kurzversion zusammengefasst.

Ärzte und medizinische Labore in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, eine Corona-Infektion zu melden, sobald sie festgestellt wurde. Die Meldestellen sind die Gesundheitsämter in den Stadt- und Landkreisen. Diese wiederum melden ihre Zahlen an die zuständigen Gesundheitsbehörden der Bundesländer. Von dort erst bekommt das Robert-Koch-Institut meist mehrmals am Tag die Daten übertragen.

Die Meldewege sind überraschend häufig nicht digital. Meldungen von Ärzten oder Laboren erfolgen telefonisch oder mit einem Papierformular. Große Labore erstellen die Meldung automatisch und versenden diese in der Regel per Fax.

Im Gesundheitsamt wird jeder Fall von Hand elektronisch erfasst. Die Mitarbeiter verwenden dabei eine Software des RKI. Jede Erfassung dauert mehrere Minuten, da auch weitere Informationen für die medizinisch-wissenschaftliche Beobachtung einer Epidemie eingetragen werden müssen.

Über dieselbe RKI-Software übermitteln die Gesundheitsämter ihre Daten gesammelt an die Landesgesundheitsbehörde. Personenbezogene Daten werden auf dieser Ebene entfernt. Dann übertragen die Landesgesundheitsbehörden mehrmals am Tag die gesammelten Falldaten an das RKI und melden damit die aktuellen Fallzahlen für das jeweilige Bundesland.

Das RKI übermittelt dann die Daten an die WHO.

Man kann an dieser Beschreibung schon erkennen, wo kritische Stellen in diesem Ablauf sind. Einerseits sind es nicht-digitale Übertragungswege per Telefon und Fax. Andererseits hängt die Erfassung auch von der Kapazität, der Genauigkeit und der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern überall in Deutschland ab. Damit ist auch klar, daß an Wochenenden die Zahlen nicht weiter angepasst werden können, und erst in der Folge am späten Montag nachgearbeitet wurden.

Außerdem ist die Erhaltung der Gesundheit der an diesem Prozess beteiligten Personen erforderlich. Nur wenn Ärzte, Praxispersonal, Labormitarbeiter, Krankenhaus-Personal und Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern gesund bleiben, können Zahlen für die wichtigen Statistiken geliefert werden.

Eine weitere Datenquelle, die sich das RKI jetzt eröffnet hat sind hunderttausende Fitness-Tracker. Sie liefern über die App „Corona-Datenspende“ die erforderlichen pseudonymisierten Daten für eine Früherkennung von möglichen neuen regionalen Infektionsherden. Ich habe hierzu einen Erfahrungsbericht (Link) geschrieben.

Warum sind die Statistiken wichtig?

Für mich persönlich sind sie leider eine Erinnerung und Mahnung, daß die Situation noch immer schlimm ist. Eine Entspannung der Situation ist aufgrund der Zahlen wahrzunehmen. Ich habe seit dem 17.3. regelmäßig einen Screenshot der Zahlen des Bing Corona-Virus Tracker von Microsoft (Link) gemacht und diese Zahlen jetzt in eine Tabelle eingefügt und als Grafik sichtbar gemacht.

Neue Hotspots (z.B. in Gütersloh) führen zu steilen Anstiegen bei den Neuinfektionen. Todesfall-Steigerungen werden zwei Wochen später folgen (Update 07.07.)

Sie zeigen drastisch den Anstieg der Todesfälle und der Infizierten seit nunmehr den 114 Tagen, die ich schon zu Hause bin. Seitdem wurden die behördlichen Anforderungen an das Social Distancing immer weiter verstärkt. Langsam stellten wir fest, daß für Deutschland eine Stabilisierung zu beobachten war. Ab dem 20.4. wurden bundesweit Lockerungen empfohlen.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen geht man davon aus, daß nach der Infizierung mit dem Virus innerhalb von 2-14 Tagen die ersten Symptome kommen können. Und wenn man infiziert ist und noch keine Symptome spürt kann man den Virus ungebremst weiter verbreiten. Es sei denn, jeder von uns nimmt das Social Distancing sehr ernst.

Damit sind immer Zeiträume von mindestens zwei Wochen zu beobachten. Erst dann erhält man ein Gefühl dafür, wie sich die Statistiken verändern. Seit dem 6.5. habe ich auch eine interessante Visualisierung der neuen Infizierten und Todesfälle als 3-Tages Durchschnitt bereitgestellt. Diese zeigt sehr eindrücklich, daß die Entwicklung der Todesfälle ziemlich genau zwei Wochen der Entwicklung der neuen Infizierten nachfolgt. Und außerdem zeigen sich immer durch die Täler in der Kurve die Rückgänge in der Erfassung an den Wochenenden.

Entgegen meiner Erwartungen flachten sich die Kurven noch nicht Ende März ab. Meine Vorhersage bezüglich der Auswirkungen bis 6.4. war glücklicherweise richtig. Die Social Distancing-Maßnahmen führen dazu, daß die Kurven für Infizierte merklich abflachten. Entgegen meiner Erwartung war auch die Kurve der Todesfälle abgeflacht. Ich hatte mit 1700 Todesfällen bis zum 6.4. gerechnet. Dadurch, daß die Steigerungsrate zu dieser Zeit auf unter 10% gesunken ist, waren die absoluten Zahlen mit 1584 Todesfällen immer noch hoch.

Leider sind die Steigerungsraten der Todeszahlen in dieser Zeit seit dem 17.3. bis heute erschreckend.

  • Vom 17.3. bis 2.4. sind die Zahlen von knapp 20 bis 1000 angestiegen. Das waren etwas über zwei Wochen.
  • Um von dort auf 2000 Todesfälle zu kommen, waren nur 6 Tage nötig.
  • Und am 13.4. wurde die Marke 3000 überschritten. Dies waren 5 weitere Tage.
  • Am 17.4. haben wir die Marke 4000 überschritten. Dies waren dann gerade mal 4 weitere Tage. Einfach erschreckend.
  • Meine Befürchtung, daß wir am 20.4. 5000 Todesfälle in Deutschland wegen Covid-19 zu beklagen haben, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Niedrige Steigerungsraten haben dazu geführt, daß wir am 20.4. bei 4648 Todesfällen lagen. Tatsächlich hatten wir am 22.4. die Marke mit 5000 Todesfällen überschritten. Damit hatte es 5 Tage gedauert für die Steigerung um weitere 1000 Todesfälle.
  • Eine Verlangsamung zeigt sich endlich nach 7 weiteren Tagen. Am 28.4. haben wir die 6000er Marke in Deutschland überschritten.
  • 9 Tage später wurde die 7000er Marke erreicht.
  • Am 16.5. ist der nächste traurige Meilenstein mit 8000 Todesfällen aufgetreten. Dieser wurde nach 10 weiteren Tagen erreicht.
  • Am 15.6. (also fast einen Monat später) haben wir mit 8867 Todesfällen und geringen täglichen Steigerungsraten zum Glück noch nicht den nächsten Meilenstein erreicht. An diesem Tag habe ich meine täglichen Beobachtungen und Updates für diesen Beitrag für zwei Wochen ausgesetzt.
  • Am 26.6 hat in Deutschland die Zahl der Todesfälle die Marke von 9000 überschritten. Dies ist mehr als einen Monat später.

Lothar Wieler, Präsident des RKI, hatte allerdings schon Anfang April gesagt, er halte die Todesfallzahlen in Deutschland für unterschätzt. Nicht jeder Gestorbene sei zuvor getestet worden, sagte er. „Ich gehe davon aus, dass wir mehr Tote haben als offiziell gezählt werden.“ Damit müssen die niedrigen Todesfallzahlen in Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarn in einem anderen Licht gesehen werden. In Deutschland wird nachlässig getestet!

Welche Entwicklung ist zu beobachten?

Anfang April machte ich mir Hoffnung, daß wir die Spitze bereits erreicht und hinter uns gelassen haben. Leider stellten wir am 7.4. fest, daß dies wieder nur ein Wochenendeffekt war. Es wurden nicht alle Zahlen über das Wochenende gemeldet und dadurch war erst am Dienstag klar, daß die Todeszahlen weiterhin ungebremst stiegen.

Sollten wir während der Ostertage nicht unvorsichtig geworden sein, dann besteht Hoffnung für uns alle. Leider häuften sich aber auch die Meldungen, daß die Menschen sich wieder versammeln wollen. Sei es für gemeinsame Treffen im Park, oder auch in Kirchen oder Moscheen. Wieder ist die Disziplin das größte Problem der Menschen dieser Zeit. Zum Glück haben auch die religiösen Führer in aller Welt die physische Gesundheit ihrer Gläubigen als höchstes Gut erklärt und die Gottesdienste in anderer Form abgehalten. Auch die Zeit des Ramadan erfährt Einschränkungen durch Social Distancing.

Aber seit dem 14.4. sahen die Zahlen konsistent aus. Geringe Steigerungsraten bei Todesfällen über mehrere Tage bedeuteten allerdings immer noch bis zu 300 Opfer pro Tag. Und das sah noch nicht gut aus. Trotzdem wurde im Sinne von Hammer and Dance (Link) eine Lockerung der Maßnahmen ab dem 20.4. empfohlen. Jedes Bundesland konnte Auflagen festlegen unter denen Geschäfte und Schulen wiedereröffnen können.

Voraussetzung für eine Lockerung der Maßnahmen ist, daß der mündige Bürger auch weiter Social Distancing übt. Meine persönliche Meinung ist, daß die Menschen undiszipliniert sind und deshalb eine zweite Welle auf uns zurollen wird. Diese Wirkung werden wir dann allerdings erst Mitte Mai in den Statistiken sehen können. Wichtig ist, dass frühzeitig im Sinne von Hammer und Dance wieder der Isolationshammer eingesetzt wird und die Lockerungen zurückgenommen werden. Vielleicht bekommen wir mit viel Testen diese feine Justierung hin. Leider zeigen Presseberichte auf, daß die Testkapazitäten in Deutschland nicht ausreichend genutzt werden. Das ist fahrlässig. Gerade Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime, Schulen und Kindergarten sollten regelmäßig jetzt getestet werden.

Es werden immer häufiger Todesfälle in Alters- und Pflegeheimen gemeldet. Die bis dahin geschützten und isolierten älteren und vorbelasteten Menschen unserer Gesellschaft trifft es jetzt. Kritiker deuten an, daß durch die Lockerungen seit dem 20.4. italienischen Verhältnisse eintreten werden, weil durch Nachlässigkeiten und Undiszipliniertheit in der Bevölkerung das Durchschnittsalter der Infizierten steigen wird. Der Vorteil, den Deutschland bis Mitte April hatte, ginge leider jetzt verloren.

Am 6.5. stellte ich voller Überraschung und Freude fest, daß nur drei (3!) weitere Todesfälle durch Covid-19 für Deutschland gemeldet wurden. Dafür wurde am 7.5. eine neue Spitze von 279 neuen Todesfällen vermeldet. Haben die Statistiker den Tag davor geschlafen und die Zahlen nicht verarbeitet?

Psychologie der zweiten Infektionswelle

Die Angst geht aber um, dass eine weitere Infektionswelle das Land viel stärker trifft als es die erste Welle im ersten Quartal 2020 getan hat. Die Angst ist nicht unbegründet, da 1918 bei der Spanischen Grippe (Link) genau dies zu beobachten war. Nicht nur eine zweite, sondern auch eine dritte Welle, beide stärker als die erste Welle, sorgten für großes Leid und noch gewaltigere Opferzahlen. Hoffentlich bleibt uns das erspart.

Seit Mitte April häufen sich aber unangemeldete Demonstrationen und Ansammlungen von Gruppierungen, welche die strengen Distanzierungsregeln nicht mehr einhalten wollen. Interessant ist es die Zusammensetzung dieser Gruppen zu sehen. Von ganz links bis extrem rechts ist alles dabei. Vordergründig bewegt alle diese Menschen, daß die beschlossenen Maßnahmen gegen die Regeln unserer Demokratie verstoßen. Leider verfolgt jede Gruppierung ihre eigene Agenda. Viele sind Verschwörungstheoretiker, die ihre Anhänger und sich in Gefahr bringen. Auch die Demonstrationen am 1. Mai sind wieder ein Nachweis dafür, daß die jungen Autonomen nichts verstanden haben. Aber nicht nur die Autonomen, sondern auch die Menschen, die sich in Massen vor den Ikea Möbelhäusern ohne Sicherheitsabstand und ohne Mundschutz drängelten haben nichts verstanden. Leider bringen sie mit ihrem Verhalten auch uns alle und unsere Gesellschaft in Gefahr.

Ich wüßte gerne, wie diese Menschen denken. Ist es wirklich Sorge um die Demokratie? Ist es Unverständnis für die Maßnahmen, obwohl vielleicht gerade deswegen die Todeszahlen in Deutschland so niedrig ausgefallen sind bis jetzt? Ist es mangelnde Geduld und der unbedingte Wille, wieder zum alten Leben (trotz des Virus) zurückzukehren? Ist es die Sorge um die Wirtschaft und die persönliche finanzielle Betroffenheit?

Oder ist es einfach Ignoranz, Dummheit, falsches Verständnis von Sorge, politische Absichten?

Ich weiß es leider nicht. Ich würde mich freuen, wenn ein Psychologe mal analysieren könnte, was und warum die Menschen auf die Strasse gehen und wirklich gut gemeinte Maßnahmen wie Social Distancing und das Tragen von Masken ablehnen? Warum dieser Trotz? Warum all diese Verschwörungstheorien? In der Geschichte gab es immer Rattenfänger und Schlangenölverkäufer, die vermeintlich einfache Antworten und Lösungen hatten und mit Aufrufen gegen „die da oben“ Menschen um sich scharten, die dann zu einer Bewegung wurden. Die Grünen sind ein Beipiel aus den Protesten gegen Kernkraftwerke und die Startbahn West in Frankfurt. Die AfD ist ein Beispiel aus der Zeit des Euroskeptizismus. Aber ist dies in Zeiten einer Pandemie eine gute Idee, wo der Feind ein Virus ist, der alle befallen kann?

Wenn ich die Bilder von Massen vor der Volksbühne in Berlin sehe, Demonstrationen vor den Rathäusern in München und Nürnberg, wo Menschen ohne jeden Schutz dicht an dicht stehen, dann frage ich mich, ob diese Menschen verstehen, daß sie womöglich die Ursache einer zweiten Infektionswelle sind? Ich möchte keinen Kontakt mit diesen Menschen haben und auch nicht mit denen, die sie nach diesen Veranstaltungen treffen. Leider sind diese Massenveranstaltungen mögliche Hotspots für die Ausbreitung des Corona-Virus. Ich werde meine Statistiken weiterführen und werde ein Auge darauf haben, ob und wie sich eine zweite Corona-Welle andeutet.

Ab 11.5. sind in Deutschland weitere Coronavirus-Lockerungen, natürlich weiter unter strengen Auflagen ausgesprochen worden. Das Leben scheint sich zu normalisieren, aber Social Distancing und das Tragen von Masken in geschlossenen Räumen zeigt immer noch wie weit wir vom „alten Normal“ entfernt sind. Im Sinne von Hammer and Dance (Link) ist ein Schwellenwert von 50 Neuinfizierten pro 100000 Einwohnern in 7 Tagen definiert worden. Ist dieser Schwellenwert überschritten, dann sollen die lokalen Behörden wieder weitgehendere Einschränkungen aktivieren dürfen. Die ersten Erfahrungswerte zeigen, daß viele Behörden diesen Schritt scheuen, obwohl der Schwellenwert überschritten wird. Gerade in Gemeinden, in denen ausländische Niedriglohnarbeiter unter beklagenswerten Umständen in Deutschland leben und über Sub-Unternehmen in der Lebensmittelindustrie vermittelt werden, entstehen ganz schnell neue Infektionsherde. Auch hier gilt wieder die Entwicklung zwei Wochen später zu betrachten. Ab 25.5. wußten wir, wie sich die Coronavirus-Lockerungen ab 11.5. auf die Zahl der Infizierten und der Todesfälle ausgewirkt haben. Nämlich überhaupt nicht. Keine signifikante Steigerung der Infizierten- und Todeszahlen.

Mittlerweile funktionieren die Detecting und Tracking Mechanismen so gut, daß man neue Hotspots schnell erkennen kann. Fälle in Kirchengemeinden, Familienfeiern und Restaurants konnten schnell nachvollzogen werden. Leider zeigt sich aber auch, daß die betroffenen Menschen immer weniger Verständnis aufbringen und Aufforderungen des Gesundheitsamtes zur Kontrolle nicht mehr folgen.

Auf der Suche nach glaubwürdigen Projektionen der aktuellen Todesfallverläufe für unterschiedliche Länder habe ich eine interessante Webseite (Link) des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle gefunden. Hier wird unter Verwendung eines Modelles eine Aussage getroffen wie sich die Zahlen der Todesfälle bis in 3 Monaten entwickeln können. Natürlich unter Angabe des Bereiches, in den denen sich die Zahlen im besten und im schlechtesten Fall entwickeln können. Anbei die Grafiken für die Länder USA, UK, Brasilien und Deutschland zum Stichtag 16.5.2020.

Nach diesen Projektionen ist Stand 16.5. für die Länder bis zum 4.8.2020 folgendes zu erwarten (ohne die Annahme einer zweiten Infektionswelle):

  • für Deutschland ein weiterer Anstieg der Todesfälle um 24% von 8001 auf 9905 (oder absolut: 1904);
  • für UK ein weiterer Anstieg der Todesfälle um 28% von 33998 auf 43479 (oder absolut: 9481);
  • für die USA ein weiterer Anstieg der Todesfälle um 66% von 88507 auf 147040 (oder absolut: 58533);
  • für Brasilien ein weiterer Anstieg der Todesfälle um 490% von 14962 auf 88305 (oder absolut: 73343).

Zwei Wochen später habe ich mir die Projektionen nochmal angeschaut. Folgende Zahlen ergeben sich am 2.6. für diese Länder bis zum 4.8.: Deutschland -> 9146 (-759); UK -> 44389 (+910); USA -> 135109 (-11931); Brasilien -> 125833 (+37528).

Ich habe am 15.6. beschlossen die Statistik für zwei Wochen auszusetzen, da sich die Zahlen nicht groß verändert haben. Am 29.6. habe ich die Statistiken wieder aufgenommen und mußte feststellen, daß es wieder ein paar schlimme Hotspots gegeben hat, die die Zahlen nach oben getrieben haben. Der Virus ist also nicht tot.

Es zeigt sich durch die Corona-Pandemie sehr deutlich, wo unsere Gesellschaft die Schwächsten schlecht behandelt. Diesmal sind es ausländische Arbeiter, die über Werkverträge mit geringen Gehältern in menschenunwürdigen Unterkünften zusammengepferscht werden. In den letzten Wochen waren es immer Schlachtbetriebe, in denen unglaubliche Infektionszahlen festgestellt wurden. Die letzten Wochen ist es der Schlachthof Tönnies in Gütersloh, der in der Presse ist. Die NRW-Regierung hat bereits im Sinne von Hammer and Dance Maßnahmen ergriffen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Und Österreich hat schon eine Reisewarnung für NRW ausgesprochen. Dadurch sieht man, wie wichtig es ist, daß jeder von uns dazu beiträgt eine zweite Welle zu verhindern.

Flatten the Curve – Verfügbarkeit von Intensivbetten

Eine weitere interessante Statistik ist die Anzahl der durch Covid-19-Fälle belegten Intensivpflegeplätze in Deutschland. Und natürlich auch die Anzahl der schweren Fälle mit Beatmung. Dies ist vor allem wichtig, da bereits zwei Kliniken in Wolfsburg und München die Aufnahme gestoppt haben (Stand: 1.4.2020) und damit ausfallen in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Stand 2.4. gab es 6353 Intensivbetten für leichte Fälle von denen 46% verfügbar sind. Für schwere Fälle gab es 13639 Intensivbetten von denen 41% verfügbar sind. Auf der Webseite der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) fand man den Tagesreport DIVI Intensivregister (Link). Dieser Report war eigentlich als Tagesreport angekündigt, wurde aber zuletzt am 3.4. aktualisiert und nicht täglich, da die Datenbank umgestellt wurde. Dort wurde in einem pdf-Dokument aufgelistet, wieviele Covid-19 Fälle intensivmedizinisch behandelt werden und wieviele davon beatmet werden müssen. Stand 10.4. gibt es diesen pdf-Report nicht mehr. Stattdessen kann man unter folgender Adresse (Link) nun eine andere Ansicht auf die Daten erhalten. Laut diesem müssen 48,3% (Vortag 50,6%) der Covid-19-Patienten beatmet werden oder als absolute Zahl 144 (Vortag 161) Menschen. Außerdem wird aufgezeigt, daß 11602 (Vortag 11042) von 32573 (Vortag 32361) Intensivbetten (35,6%, Vortag 34,1%) noch belegbar sind (Stand 07.07.).

Ausgewertet wurde im alten Report auch, bei wievielen von den intensivmedizinisch behandelten Menschen die Behandlung als abgeschlossen betrachtet wurde (1532, Stand 3.4.) und wieviele von diesen „abgeschlossenen Behandlungen“ als verstorben vermerkt wurden (482, Stand 3.4.). Dieser hohe Anteil von 31% ist sehr erschreckend. Das könnte implizieren, daß weitere 44 (Stand 07.07., Vortag 49) Menschen sterben können, die zur Zeit in Beatmung sind.

Seitdem ich diese Statistik beobachte kann ich feststellen, daß die Zahlen der beatmeten Covid-19-Patienten stetig zurückgegangen ist und die Entwicklung insgesamt sehr positiv ist. Der Anteil der freien Intensivbetten lag während der ganzen Beobachtungszeit zwischen 35% und 40%.

Warnung vor gefälschten Live-Karten, Apps und mehr

Jeder von uns bekommt gerade über alle Informationskanäle nicht nur glaubwürdige Zahlen. Deshalb meine Empfehlung. Nutzt nur seriöse wie die Zahlen im Bing Corona-Virus Tracker von Microsoft (Link) und vom RKI (Link).

Diese haben aufschlußreiche Kartendarstellungen bis auf Bundeslandebene herunter.

Bing Covid-19-Tracker (Update: 07.07.)

Leider gibt es auch solche Menschen, die unser Bedürfnis nach Information schamlos ausnützen. Diese bieten Live-Karten oder Apps an, die als Ransomware unsere Systeme und Daten gefährden (Link).

Ein weiteres Problem spricht dieser Artikel des Deutschlandfunks an (Link). App-Anbieter versuchen immer wieder Möglichkeiten zu finden, wie man an die Daten der User kommt. Dafür bieten sie für die spezielle Situation Apps mit Mehrwerten an (wie z.B. Übersichten zu Covid-19-Statistiken), fordern aber weitgehende Zugriffe auf Daten der User bei der Installation.

Also, seid vorsichtig, was ihr euch auf eure Geräte ladet und prüft genau, welche Quellen seriös sind. Diese Regel ist auch in Zeiten einer Corona-Pandemie weiterhin gültig.

Empfehlenswerte Infos in YouTube-Videos

Ich habe vier bemerkenswerte Videos, die ich auf YouTube gefunden habe und die ich mit euch teilen möchte.

Das erste Video ist ein sehr emotionales Video, was von zwei italienischen Musikern anlässlich der Corona-Pandemie für ihre Heimatstadt Bergamo geschrieben wurde. Laut einem der Musiker werden alle Einnahmen aus Downloads, Urheberrechten und Redaktionsrechten vollständig gespendet zugunsten des Papa Giovanni XXIII Krankenhauses in Bergamo für den Kauf von medizinischen Geräten (Link).

Rinascero, Rinascerai: Video für die von Covid-19 stark betroffene Stadt Bergamo (Quelle: YouTube)

Das zweite Video beschreibt, warum wir wirklich bei Corona aufpassen müssen und es nicht mit der normalen Influenza-Erkrankung vergleichen können. Auch kann ich eine Visualisierung der Zahlen von Todesfällen unterschiedlicher Epidemien empfehlen (Link). Dies ist auch all denjenigen gewidmet, die den Corona-Virus und seine Folgen leugnen – aus welchen Gründen auch immer.

Warum Covid-19 gefährlicher ist als Influenza (Quelle: YouTube)

Das dritte Video zeigt, warum die USA gerade am Schlimmsten unter Corona zu leiden haben. Stand 12.4. führen diese leider die Schreckensbilanz an. An diesem Tag haben sie auch Italien als das am schwersten belastete Land als Epizentrum dieser Pandemie abgelöst.

Quelle: worldometers.info vom 07.07.2020 13:20

Dieses Video zeigt deutlich die Führungsschwächen in der amerikanischen Regierung auf. Dieser Präsident bekommt hoffentlich die Quittung beim Wahltermin im November präsentiert. Aber vielleicht gleitet auch diese Katastrophe wieder wie Teflon an ihm ab. Aber schaut euch das Video bitte an und ein Tip für die Amerikaner unter euch: MAKE AMERICA GREAT AGAIN, BUT WITHOUT TRUMP. Eine Welt ohne ein starkes und kooperatives Amerika ist unvorstellbar.

Saluting the Heroes of the Coronavirus Pandumbic (Quelle: The Daily Show with Trevor Noah, YouTube)

Zum Schluss ein Beitrag des Auslandsjournals, hervorragend recherchiert und präsentiert, der aufzeigt warum Trump und seine Unterstützer dieses Amerika (und unsere Welt) so sehr gefährden. Zwar ist die Anzahl der Todesfälle pro 1 Millionen Einwohner noch weit unter der von europäischen Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich, UK und Belgien (Stand 16.5.). Aber im Gegensatz zu diesen Ländern ist der Trend bei den Zahlen der Inifizierten und der Todesfälle nicht signifikant fallend, sondern zeigen eher eine Seitwärtsbewegung.

Beitrag des Auslandsjournal zu „Trump und die Coronakrise – der Unverantwortliche“ (Quelle: ZDF Heute, YouTube)

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