eBay – unerschöpfliche Fundgrube für Computer-Klassiker

3…2…1…meins?

Abgewandelter Slogan von eBay. Mehr Informationen dazu am Ende des Artikels

Viel häufiger hatte ich das Gegenteil erleben müssen. In der letzten Sekunde noch geschlagen zu werden ist soooo frustierend. Aber der Kick ist großartig. Man läßt die letzten Sekunden verstreichen, man hat schon eine weitere Erhöhung seines Kaufpreises vorbereitet und wartet nur noch darauf die Freigabe eine Sekunde vor Ende der Auktion abzuschicken, und dann wird man doch noch überboten.

eBay – Fundgrube für jedermann

Es scheinen immer noch viele Roboter im Hintergrund zu laufen, die in Sekundenbruchteilen die Preise hochtreiben. Ist das überhaupt erlaubt?

eBay ist faszinierend. Es versuchte sich in den letzten Jahren zu einer Vollvertriebsplattform á la Amazon zu entwickeln. Aber das für mich ausschlaggebende Alleinstellungsmerkmal an eBay ist, daß dort jeder seine alten und gebrauchten Sachen für „nen Appel und nen Ei“ verkaufen oder versteigern kann. Und es gibt ja noch die kleine Schwester eBay Kleinanzeigen.

Für beide Plattformen gibt es Apps für mobile Geräte, die einfach zu verwenden sind. Allerdings kann der eBay-Account nicht für den eBay Kleinanzeigen-Login verwendet werden, und auch nicht umgekehrt. Die Konzepte sind schon sehr unterschiedlich. Zum Beispiel gibt es den eBay-Käuferschutz nicht auf der eBay Kleinanzeigen-Plattform.

Was habe ich für Erfahrungen gemacht?

Ich habe keinerlei Artikel verkauft. Deshalb kann ich nur über Erfahrungen auf der Käuferseite berichten.

Ich nutze eBay intensiv seit 2013 und habe mehr als 60 Artikel für mein Computermuseum (Link) ersteigert. Dabei habe ich Glück gehabt, daß alle Lieferungen zuverlässig und einwandfrei geliefert worden sind. Immer waren genau die Artikel im Paket, die in der Dokumentation der Versteigerung beschrieben waren.

Es gibt durchaus Horrorgeschichten von eBay-Usern, die Probleme mit dem Verkäufer, der Bezahlmethode oder der Lieferung bekommen haben. Diese möglichen Risiken kann man reduzieren, indem man gesunden Menschenverstand nutzt und sich die Dokumentation der Versteigerung SEHR GENAU anschaut. Folgendes ist dabei zu beachten:

  • immer die Artikelbeschreibung anschauen. Es muß klar sein, daß das im Titel genannte und das auf den Bildern erscheinende Produkt auch tatsächlich Gegenstand der Versteigerung ist. In der Vergangenheit kam es häufig vor, daß nur die Verpackung des Produktes in der Artikelbeschreibung angeboten wurde und nicht das Produkt selbst;
  • die Versandoptionen prüfen. Es sollte dort vermerkt sein, daß nach Deutschland versendet wird. Gerade bei internationalen Versteigerungen kommt es vor, daß die Verkäufer nur in ihr eigenes Land versenden und nicht für internationalen Versand vorbereitet sind. Jedoch ist das heutzutage kaum mehr problematisch, da eBay auch den Versand zu internationalen Zielen anbietet und das in den meisten Fällen von den Verkäufern genutzt wird;
  • und ich prüfe auch immer die Info zum Verkäufer. Dort ist es wichtig, einen möglichst hohen Anteil an positiven Bewertungen vorzufinden. Auch die aktuellen Bewertungen über die letzten 12 Monate ist es wert sich anzuschauen.

Wenn all diese Kriterien geprüft wurden, dann hat man das Risiko einer problematischen Versteigerungsabwicklung schon wesentlich verringert.

Nie mit dem Verkäufer parallel zu eBay verhandeln

Weitere Risiken können entstehen, wenn der Verkäufer über eBay Kontakt mit dem Interessenten aufnimmt. Ein übliches Betrugsschema ist es, wenn der Verkäufer darum bittet, daß die weitere Verkaufsabwicklung über Email und nicht weiter über eBay ablaufen soll. Damit geht der komplette eBay-Käuferschutz verloren. Dem Käufer wird suggeriert, daß es eine Ehre ist, wenn sich der Verkäufer exklusiv an ihn wendet und damit alle anderen Interessenten auf der eBay-Plattform leer ausgehen. Viele fallen darauf rein und erleben dann ihr blaues Wunder. Das Geld ist weg, der Artikel kommt nicht oder ist nicht wie versprochen, und man kann eBay nicht nutzen, um den Verkäufer abzustrafen und die Transaktion rückgängig zu machen.

Nicht vom Verkäufer unter Druck setzen lassen

Ein schönes Beispiel dieser Kategorie habe ich am selben Leib auf der eBay Kleinanzeigen-Plattform erlebt. Ich wollte für meine Sammlung einen günstigen Mac Pro (2013) ersteigern. Auf der normalen eBay-Plattform habe ich nichts passendes gefunden, aber auf eBay Kleinanzeigen gab es ein günstiges Angebot in meiner Nähe. Vielleicht zu günstig um wahr zu sein. Für den Mac Pro war ich bereit doch sehr viel mehr als normal hinzulegen und das wollte ich dann persönlich beim Verkäufer abwickeln. Ich wollte mir das Produkt vor Ort anschauen und hätte dann beim Verkäufer direkt bezahlt und das Gerät dann mitgenommen.

Hier habe ich mit einer Persöhnlichen Nachricht angefragt, ob ich diesen Rechner vor Ort anschauen kann. Die Rückmeldung war sehr interessant. Das Gerät wäre nicht an der angegebenen Adresse anzuschauen, sondern würde aufgrund eines Umzugs nun in England stehen. Ich könnte ihn mir gerne dort vor Ort anschauen. Das macht natürlich keiner, wenn man dafür erhebliche Reisekosten und Reisezeit aufwenden müßte.

Ich habe freundlich abgelehnt. Natürlich war der Hinweis mit dem Umzug schon sehr verdächtig. Ich bin dann über SMS-Textnachrichten vom Verkäufer (deutsche Telefonnummer) angeschrieben worden. Er würde mit dem Preis runtergehen, um mir wegen der Entfernung entgegenzukommen. Das hörte sich schon sehr entgegenkommend an und man ist natürlich dann versucht, auf diesen Vorschlag einzugehen. In der Folge erhöhte der Verkäufer den Druck durch regelmäßiges Nachfragen über SMS-Textnachrichten.

Ich habe mich hier nicht unter Druck setzen lassen und dem Verkäufer freundlich abgesagt.

Wenige Wochen später fand ich eine ähnliche Anzeige von einem anderen Verkäufer. Wohlgemerkt ein komplett anderer Name und Adresse war angegeben. Auch diesen habe ich hoffnungsvoll kontaktiert. Nach einem ähnlichen Ablauf konnte ich feststellen, daß der Verkäufer mit derselben Telefonnummer mit mir Kontakt aufnahm.

Ich habe diesen offensichtlichen Betrugsversuch gemeldet und beide Verkäufer bei eBay Kleinanzeigen anzeigen und die Versteigerungsnummern weitergeben können. Innerhalb kürzester Zeit sind sowohl die Verkäufer-Accounts als auch die Versteigerungen auf der Plattform verschwunden. eBay Kleinanzeigen hat auch per Email eine Rückmeldung über diesen Vorfall verschickt und sich für diese Unterstützung bedankt.

Würde ich eBay weiterempfehlen?

Trotz des eben beschriebenen Vorfalls würde ich die eBay-Plattform auf jeden Fall ohne Einschränkung weiterempfehlen. Gesunden Menschenverstand vorausgesetzt.

Shopping für mein Computermuseum

Dieser große Marktplatz ist wie ein großer bunter Antiquitätenladen, wo man sich nicht satt sehen kann, weil es dort so viele schöne Sachen zu kaufen gibt. Ich habe mich auf Computer-Klassiker konzentriert. Dafür gibt es eine spezielle Unterkategorie in eBay nach der man schön filtern kann. Im englischen eBay (Link) heißt die Kategorie Vintage Computer. Ich glaube eigentlich, daß auch das Angebot des englischen eBay auf dem deutschen eBay enthalten ist, wenn man den Filter Artikelstandort auf Europa erweitert. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Manchmal hatte ich das Gefühl, daß es im englischen eBay mehr und andere Artikel gab als auf dem deutschen eBay mit erweiterten Filter.

Interessant ist, daß die meisten Verkäufer gelernt haben ihre Versteigerungen entweder am Samstag oder am Sonntag jeweils um 20 Uhr enden zu lassen. Das scheint der Sweet Spot zu sein, zu dem die meisten Interessenten sich auf der Plattform tummeln. Deshalb können dann die höchsten Preise wegen der Konkurrenz der vielen Interessenten erzielt werden. Ich suche deshalb auch immer gerne Versteigerungen, die während der Woche nicht um 20 Uhr auslaufen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, daß man den Zuschlag bekommt.

Im Laufe der Zeit trifft man auch immer wieder auf dieselben Anzeigen. Manchmal über Monate werden Artikel zu utopischen und unrealistischen Preisen angeboten. Wahrscheinlich in der Hoffnung, daß irgendeiner doch mal den aufgerufenen Preis bezahlt. Aber vielleicht haben die Anbieter (Verkäufer will ich sie nicht nennen) auch keine eigene Webseite und versuchen auf diese Weise ihre Ausstellung zu präsentieren 😉

Das Gefühl der freudigen Erwartung, der Reiz der letzten Minuten vor dem Ende der Versteigerung, die Anspannung, ob man den Zuschlag bekommt, das Abwägen wieviel man maximal bieten möchte – all das sind großartige Gefühle, die süchtig machen können. Manchmal verliert man, was sich sehr schlecht anfühlt. Vor allem wenn es nur ein paar Euro Unterschied waren, die zum Erfolg geführt hätten. Manchmal gewinnt man, was einen in eine Hochstimmung versetzt. Aber die hält auch nicht lange an, da man dann die Kaufabwicklung durchführen muß und dann einige Tage bis Wochen wartet, bis die Pakete angeliefert werden.

Und wie immer ist es dann das ekstatische Gefühl, wenn man ein Unboxing des ersteigerten Artikels macht. Den Abschluß der Transaktion macht man dann in eBay mit der Bewertung der Lieferung des Verkäufers.

eBay ist nicht auf jedem Marktplatz der Platzhirsch. Ich habe lange Zeit erfolglos auf eBay nach einem brasilianischen Sinclair ZX Spectrum-Clone gesucht (Link). Es sollte ein Microdigital TK90X (Link) werden. In Südamerika ist es der Mercado Livre, auf dem man suchen muß. Auch das muß man wissen, wenn man sich für klassische Computer interessiert.

Noch ein Punkt: der griffige Slogan 3…2…1…meins! wird zwar von eBay genutzt, ist aber tatsächlich anderweitig geschützt. Anbei eine interessante Story zum Nachlesen auf der Webseite e-recht24.de (Link).

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