Corona-Datenspende an das Robert-Koch-Institut

Vor wenigen Tagen habe ich die Corona-Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf meinem iPhone installiert. Diese App soll das RKI in die Lage versetzen, Infektionen anhand von Fitness-Tracker-Daten zu erkennen und damit regionale Infektionsschwerpunkte identifizieren zu können. Auf diese Fitness-Daten möchte das RKI zugreifen.

Dazu hat es eine Initiative gestartet und Nutzer von Fitness-Armbändern (die Apple Watch gehört dazu) aufgefordert, im Rahmen der Corona-Pandemie eine „Datenspende“ zu geben. Die technisch interessierten Fitnessprofis haben sich nicht lange bitten lassen und Stand 14.3. stellen bereits 300000 Personen ihre Daten dem RKI zur Verfügung.

Das ist viel Vertrauen einem Institut gegenüber, das in dieser schlimmen Zeit eine wichtige Rolle in der Eindämmung und Kontrolle der Corona-Infektionen in Deutschland spielt. Die Hoffnung von uns Technikfreaks ist natürlich, dass mit diesen Daten eine Verbesserung von Statistiken und Modellen möglich ist, die diese Experten erstellen und optimieren wollen.

Aber wir wissen auch, dass hier sensitive persönliche Daten weitergegeben werden, die nicht anonymisiert, sondern nur pseudonymisiert werden. Mit der PLZ, Alter, Geschlecht und Gewicht ist eine relativ genaue Ermittlung der ursprünglichen Person möglich, die diese Daten geliefert hat. In einer Tabelle auf der Webseite der Corona-Datenspende zeigt das RKI auf, welche Daten von den einzelnen Fitnesstrackern bezogen werden.

Corona-Datenspende je Fitnesstracker (Quelle: Corona-Datenspende.de)

Als sensibilisierte Deutsche bzw. Europäer bezüglich Datenschutz, Privatsphäre und Vertraulichkeit von persönlichen Daten ist das natürlich eine bemerkenswerte Akzeptanz und vielleicht auch Sorglosigkeit. Vielleicht ist es auch einfach ein Zeichen für unsere Solidarität und ein kleiner Beitrag, den wir leisten wollen.

Trotzdem muss das RKI nacharbeiten, was die Überprüfung der App durch den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Professor Ulrich Kelber angeht. Auch müssen die Sourcen für gewisse Kontrollen veröffentlicht werden. Trotz Versicherung des RKI ist nicht klar wieviel Daten von den privaten Systemen geladen werden und was letztendlich mit den Daten passiert. Auch sind natürlich die Systeme abzusichern, auf denen diese Daten gespeichert und verarbeitet werden.

Die Installation der Corona-Datenspende-App ist denkbar einfach. Man muss der Freigabe und Weitergabe spezieller Daten von Apple Health zustimmen, gibt dann noch die PLZ ein und schon läuft diese App im Hintergrund auf dem Smartphone. Ein Pseudonym wird angezeigt, das auch später zur Löschung aller bereitgestellten Daten genutzt werden kann. Die App zeigt einem nur noch an, für wieviel Tage man bereits die spezifizierten Daten „gespendet“ hat.

Eine Karte, die auf Basis dieser Daten aufbereitet wird, soll bald auch auf der Webseite (Link) angezeigt werden. Ich bin gespannt, wie diese Daten bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland helfen können und wie sie verarbeitet werden. Ich bin auch gespannt, welche Apps bald noch ausgerollt werden, die im Zuge der Pandemie Zugriff auf unsere privaten (Gesundheits)-Daten haben wollen. Und ich hoffe nicht, dass wir dadurch in eine totale Überwachung wie in China abgleiten werden. Wehret den Anfängen!

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