Aktienkauf leicht gemacht – aber auch wirklich erfolgreich?

Seit Monaten nervt mich eine Werbung bei YouTube, wo mir suggeriert wird, dass bei Verwendung einer speziellen App der Aktienhandel so easy ist, dass man in 5 Minuten eine erfolgreiche Transaktion gemacht hat. Schöne neue Welt, aber meiner Meinung nach braucht es nicht diese App. Dies geht schon seit Jahren ganz easy ĂŒber alle möglichen Bank-Apps. Aber ist man mit dieser App auch erfolgreich? Dazu gehört schon ein bisschen mehr als nur so eine App einzusetzen.

Aktienkauf wirklich leichtgemacht? (Quelle: Trade Republic auf YouTube)

Ich bin ein sehr risikoaverser Investor. Deshalb habe ich schon immer eine Abneigung gegen Aktien gehabt. Und wenn sich der Aktienmarkt seit Jahren in einer Hausse befindet, dann ist jeder Einstieg mit dem Risiko verbunden, dass bald wieder Korrekturen nach unten kommen werden. Deshalb habe ich nur in Aktien investiert, die ich fundamental kannte und von denen ich die sichere EinschĂ€tzung hatte, dass sich der Kurs positiv entwickeln wĂŒrde.

Aber Aktien bieten auch interessante Chancen bezĂŒglich der Kursentwicklung. Man kann in relativ kurzer Zeit bis zu 50% Gewinn machen, wovon ich selbst profitiert habe. Allerdings ist dieser Erfolg vor allem der seit Jahren andauernden Hausse geschuldet und mit Sicherheit nicht mein Verdienst aufgrund meiner Entscheidungen.

Ich persönlich habe nicht in Aktien der Old Economy (Banken, Chemie, Automobilkonzerne) investiert, sondern in solche der New Tech. Selbst Telekommunikationskonzernen wird keine positive Kursentwicklung zugetraut, obwohl gerade die Corona-Epidemie viele Kunden dazu treibt die Telekommunikations-VertrÀge neu zu verhandeln.

Erfahrungen mit Aktien

Ich selbst habe als Teil meines Wirtschaftswissenschafts-Studium den Schwerpunkt Bank- und Börsenwesen belegt. Ich habe dort den Unterschied zwischen der Fundamentalen und der Technischen Aktienanalyse kennengelernt.

Beide Analysemethoden haben das Ziel den Wert und die Entwicklung einer Aktie besser einschÀtzen zu können. Sie sind aber von den Vorgehensweisen vollkommen unterschiedlich und können damit auch zu völlig anderen Ergebnissen kommen.

Die Fundamentale Aktienanalyse

Bei dieser Methode werden fundamentale Daten ĂŒber die Entwicklung der Firma, die diese Aktie auf den Aktienmarkt gebracht hat, gesammelt und bewertet. Je mehr aktuelle GeschĂ€ftszahlen, Informationen und belegbare EinschĂ€tzungen fĂŒr den Erfolg dieser Firma in der Zukunft vorliegen, desto besser kann die Entwicklung der Aktie vorhergesagt werden. Das erfordert natĂŒrlich eine intensive BeschĂ€ftigung mit der Firma, um eine erfolgreiche EinschĂ€tzung zu erhalten.

Die Technische Aktienanalyse

Bei dieser Methode wird der historische Aktienkurs analysiert und auf Basis von Mustern des Kursverlaufes, UnterstĂŒtzungslinien und anderen Informationen im Chart die zukĂŒnftige Kursentwicklung „vorhergesagt“. Da dieses Verfahren auf einem breiten Konsens der Marktteilnehmer aufsetzt, funktioniert das fast wie eine selbsterfĂŒllende Prophezeiung. Auch die technischen Börsensysteme sind so programmiert und deswegen verstĂ€rken sich zu gewissen Zeitpunkten bei Signalen die Kauf- oder Verkaufsentscheidungen. Mir kommt das Ganze wie Kaffeesatzlesen vor 😉

Typischer Chart (Quelle: marketscreener.com)

Wie ist man am Aktienmarkt erfolgreich?

Der alte Börsenguru André Kostolany sagte schon immer:

Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“

– AndrĂ© Kostolany

Was wir daraus lernen sollen ist, daß man Geduld haben muß. Aktieninvestitionen sollten langfristig gemacht werden. Und deshalb auch nur Geld einsetzen, was man nicht kurz- oder mittelfristig benötigt. NatĂŒrlich gibt es immer mal wieder Phasen des Turbo-Kapitalismus, wie die eBusiness-Blase und den Neuen Markt Ende der 90er-Jahre, wo man innerhalb kĂŒrzester Zeit viel Geld machen konnte. Leider hat die Gier dazu gefĂŒhrt, daß nur wenige Anleger dauerhaft davon profitieren konnten. Wer aber damals sein Geld in die „richtigen“ Aktien angelegt hat, und bis heute in diesen Papieren geblieben ist, der hat gute Renditen gemacht.

TatsĂ€chlich sind die meisten Experten nicht in der Lage dauerhaft ĂŒberdurchschnittliche Renditen am Aktienmarkt zu erwirtschaften. Aber sie sind sehr gut darin, ihre Empfehlungen glaubhaft ihren Kunden fĂŒr viel Geld in Börsenbriefen zu empfehlen. Auch das kann ein funktionierendes GeschĂ€ftsmodell sein.

Ich persönlich habe wegen meiner Vorsichtigkeit beim Investment in Aktien nur in zwei Firmen investiert. Zuerst Apple und dann Facebook. Bei beiden lag ich mit der langfristigen EinschÀtzung richtig. Aber kurzfristig habe ich FehleinschÀtzungen abgegeben.

  1. Als Apple bei der Veröffentlichung des iPhone Xs den hohen Preis beibehalten hat, bin ich davon ausgegangen, dass der Markt Apple abstrafen wird. Einerseits habe ich erwartet, dass die Analysten ihre Kursempfehlungen senken wĂŒrden, da Apple nicht in der Lage war die Einsparungen in der Supply Chain an die Kunden weiterzugeben. Andererseits war ich der Meinung, dass die Kunden Apple abstrafen wĂŒrden, weil die GerĂ€te zu teuer sind und kein iPhone Xs mehr kaufen wĂŒrden. Bei beiden EinschĂ€tzungen lag ich falsch. Die Analysten waren begeistert, dass Apple damit einen hohen Average Price per Unit erzielte. Und die KĂ€ufer kaufen halt gerne Premium-gepreiste und vermarktete iPhones
  2. Die Apple Keynotes und die Bilanzpressekonferenzen sind die Zeitpunkte, wo sich andeutet, in welche Richtung sich der Aktienkurs entwickelt. Ich lag schon so hÀufig daneben, obwohl ich der Meinung war, dass ich Apple fundamental gut verstehe. Deshalb bin ich auch aus der Aktie ausgestiegen als ich einen 70% Gewinn gemacht habe. TatsÀchlich hÀtte ich noch viel mehr Rendite machen können, wenn ich der Firma weiter vertraut hÀtte.
  3. Facebook ist meine zweite Aktie, wo ich 50% Rendite gemacht habe. Aber hier haben Datenschutzskandale wie der von Cambridge Analytica sehr viel mehr Chancen zerstört. Auch die Diskussion um die Zerschlagung von Facebook durch die amerikanische Regierung haben die Entwicklung des Aktienkurses immer wieder gestört. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Facebook mit seinem Portfolio von Instagram und WhatsApp eine besonders positive Entwicklung auch weiter in der Zukunft hat.
  4. Ich bin vor der US-Wahl im November 2020 aus den Facebook-Aktien ausgestiegen, da ich davon ausgegangen bin, dass die Wahl durch Nutzer von Facebook maßgeblich beeinflusst wird und Facebook nicht in der Lage ist wirksam gegenzusteuern. Meine EinschĂ€tzung war falsch.
  5. Auch bin ich davon ausgegangen, dass ein Erfolg der Demokraten den amerikanischen Aktienmarkt nach unten ziehen wird, und man dann in der Folge wieder gĂŒnstig einsteigen kann. Dies ist nicht so eingetroffen.
  6. Zur Zeit steige ich nicht wieder ein, da nach meiner EinschĂ€tzung die unklare Situation nach der Wahl zu Chaos und damit zu einem Zusammenbruch der AktienmĂ€rkte fĂŒhren kann. Aber auch diese EinschĂ€tzung muss nicht richtig sein. TatsĂ€chlich scheinen die Marktteilnehmer abzuwarten. Seit mehreren Monaten stagnieren die Aktien.

Wahrscheinlich hÀtte jeder Investor, der vor sieben Jahren mit mir eingestiegen ist denselben Erfolg gehabt. Die Indizes kannten seitdem nur den Weg nach oben.

Meine Empfehlungen fĂŒr 2021

Mit meinem Track Record von zwar erfolgreichen Investments aber total falschen EinschĂ€tzungen bezĂŒglich der Entwicklung der von mir gewĂ€hlten Firmen, fĂŒhle ich mich nicht wohl dabei Empfehlungen abzugeben. Es sollte auch keiner auf diese Empfehlungen hören und stattdessen genau prĂŒfen, was fĂŒr seinen Erfolg ausschlaggebend ist.

Als IT-Berater setze ich natĂŒrlich immer wieder gerne auf Firmen in Zukunftsbereichen meiner Branche. Ich habe zwei Kandidaten in der engeren Wahl. Einerseits Amazon und andererseits Microsoft. Und zwar nur wegen des CloudgeschĂ€fts der beiden Firmen. Wenn es möglich wĂ€re wĂŒrde ich nur in Amazon Web Services (aws) und Microsoft Azure investieren wollen.

TatsĂ€chlich ist das CloudgeschĂ€ft noch nicht als eigenstĂ€ndige Firmen ausgegrĂŒndet worden. Hier wĂŒrde ich eine sehr positive Entwicklung sehen, wenn man das CloudgeschĂ€ft isoliert betrachten könnte.

Aber auch bei diesen beiden Aktien ist seit mehreren Monaten ein Abwarten zu beobachten. Ich persönlich hÀtte mit einem Einbruch in der Folge der US-amerikanischen Wahl gerechnet. Interessanterweise ist das nicht passiert und die Aktienwerte verbleiben unverÀndert hoch. Vielleicht ist das gerade nicht der perfekte Moment einzusteigen.

Eine Aktie mit einer sicheren, aber kleinen Rendite ist die Telekom-Aktie. Da ist aber die Strategie, dass man sein Geld langfristig in der Aktie liegen lĂ€sst und die jĂ€hrliche Dividende erhĂ€lt. Im Aktienkurs selbst liegt keine Phantasie. Aber eine gewisse Sicherheit, dass man sein eingesetztes Kapital auch wieder zurĂŒckerhĂ€lt.

Safe haven? Telekom-Aktie (Quelle: Apple Aktien App)

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