25 Jahre Windows 95

Ihhh, Microsoft und Windows. Wer wollte denn diesen Schrott 1994 haben, wenn man ĂŒberzeugter Apple- oder Atari ST-User war. Microsoft war der Antichrist und Windows for Workgroups 3.11 war einfach unsexy.

Zwar hatte Microsoft den PC-Nutzern ein Betriebssystem auf die Rechner gespielt, das schon recht gut funktionierte. Aber die ausgereiften Plattformen von Mac und Atari waren einfach besser, eleganter und schöner.

Und dann kĂŒndigte Microsoft Windows 95 an. Das Ă€nderte alles.

Die berĂŒhmte Windows 95 Box

Vorstellung von Windows 95

Microsoft war sehr stolz auf das was sie mit Windows 95 geleistet hatten. Die Vorstellung sollte auch besonders sein. Sie starteten eine riesige Marketing-Kampagne und eine Kickoff-PrÀsentation, die es in sich hatte.

FĂŒr drei Millionen Dollar wurden die Rechte fĂŒr den Rolling Stones Song „Start Me Up“ gekauft. Eine Anspielung an den neuen zentralen Start Button. Dieser Start Button war eines der visuell am meisten herausstechenden Merkmale der neuen Windows-Welt. Über diesen Button startete man Programme, fand die letzten benutzten Dateien, kam von dort in die Einstellungen und man konnte auch den Computer herunterfahren. Ja richtig – mit dem Start Button konnte man den Computer stoppen. Dieser Widerspruch an sich wurde lange kontrovers diskutiert.

Diesen Start Button fand ich damals so cool, dass ich diesen auch in meine Atari ST OberflĂ€che integrierte 😉

Der Start Button in meiner Atari ST-Konfiguration

DarĂŒber hinaus lud Microsoft den Late Night Talker Jay Leno auf ihre Mega Launch Party in Redmond bei Seattle ein. Zusammen mit Bill Gates kam dabei eine launige PrĂ€sentation des neuen Windows 95 zustande. Der folgende YouTube-Film zeigt diese PrĂ€sentation.

Quelle: YouTube

Neben der Launch-Party gab es auch ikonische Commercials mit dem Stones-Song im Fernsehen, um den weltweiten Verkaufsstart am 24.8.1995 von Windows 95 vorzubereiten.

Quelle: YouTube
Quelle: YouTube

Der Launch von Windows 95 war ein Triumph des Marketing (Link). Tausende Menschen auf der ganzen Welt warteten in Schlangen vor den LĂ€den, um die ersten zu sein, die die Windows 95-Schachtel bekommen. Microsoft war es gelungen, die Menschen fĂŒr ein StĂŒck Betriebssystem-Software zu sensibilisieren und auch zu begeistern.

Features von Windows 95

Aber was war anders an Windows 95, so dass auch viele technisch uninteressierte Menschen dieses OS-Upgrade haben wollten?

Rein optisch war das System viel schöner und feiner gezeichnet. Der Start-Sound wurde von niemand geringeren als Brian Eno erstellt. Neben dem bereits genannten Start Button gab es die neue Taskleiste und den Infobereich. Diese Struktur hat auch heute in Windows 10 noch Bestand, obwohl der Start Button seit Windows 8 durch ein Windows Logo ersetzt wurde.

Es wurde nicht mehr zwischen einem Programm Manager und einem Datei Manager unterschieden. Es gab nun den File Explorer, ĂŒber den man Dateien und Programme finden und starten konnte. Dateien und Programme konnte man jetzt auf dem Desktop ablegen. Wenn man Dateien löschen wollte, dann verschob man diese in einen Papierkorb. Mac OS ließ grĂŒĂŸen.

Bei Dateinamen war man nicht lĂ€nger auf 8 plus 3 Stellen beschrĂ€nkt. Es wurde mit Win32 eine Programmschnittstelle fĂŒr die Zukunft geschaffen, die ein sauberes preemptives Multitasking von Win32-Applikationen erlaubte. Aber viel zu oft wurde Windows 95 durch Win16 oder DOS-Applikationen ins Stolpern gebracht. Die Registry wurde eingefĂŒhrt, eine Datenbank zur einheitlichen Konfiguration des Systems.

Um Spieleentwickler auf die Win32-Plattform zu bringen wurde die DirectX-Schnittstelle geschaffen. Ein Internetbrowser war noch nicht dabei, erst mit dem 100 DM teuren Plus!-Paket kam der Internet Explorer dazu.

Das DOS war zwar auch noch da, aber Windows 95 verdeckte die alte Kommandozeile mehr oder weniger vollstÀndig. Trotzdem liefen alle DOS-Programme und auch Win16-Programme. Es gab also eine vollstÀndige KompatibilitÀt zu dem Riesenbestand an Software.

Auch auf der Hardware-Seite gab es mit Plug & Play was neues. Erweiterungskarten wurden von Windows 95 erkannt und wurden mehr oder weniger einfach ins System integriert. Die manuelle Einstellung von Jumpern oder Miniaturschaltern war nicht mehr erforderlich. Dazu hat sich Microsoft vorab mit den Hardware-Herstellern an einen Tisch gesetzt, um diese Änderung zu vereinbaren.

Erfolg am Markt

Windows 95 hat die Grundlage fĂŒr Microsofts moderne Betriebssysteme auch fĂŒr Consumer gelegt. GegenĂŒber Windows NT, was vor allem im Business-Bereich eingesetzt wurde, war es weniger technisch aufwĂ€ndig konstruiert, kam aber hĂŒbscher daher.

Windows 95 Desktop (Quelle: https://www.flickr.com/photos/jpasden/5447816379/)

Alle Betriebssysteme von Microsoft haben in der Folge dasselbe grundsĂ€tzliche Look & Feel wie das Betriebssystem aus dem Jahre 1995. Deshalb war es ein ganz wichtiger Meilenstein der Computergeschichte und hat auch einen Ehrenplatz in meinem Computermuseum bekommen (Link). Es war so erfolgreich, dass der unbestrittene Vorsprung des Mac OS mit einem Mal eingeholt war. Mit echtem preemptiven Muktitasking war dieses Betriebssystem dem Mac OS ĂŒberlegen und der bereits offensichtliche Niedergang von Apple setzte sich mit Riesenschritten fort. Nach weiteren zwei Jahren war Apple und sein Mac OS obsolet und musste von Steve Jobs und Bill Gates gemeinsam gerettet werden.

Windows 95 hat sich trotz des großartigen Marketings und der ersten Erfolge mit langen Schlangen vor den LĂ€den doch nicht so gut verkauft, wie von Microsoft erwartet. Ende 1995 hatten nur 6% der PCs in den USA Windows 95 installiert. Trotzdem wurden in einem Jahr vierzig Millionen Kopien verkauft und Microsoft war oben auf.

Die Kombination von PC Hardware auf Intel-Basis und Windows-Software von Microsoft begrĂŒndeten die berĂŒhmt-berĂŒchtigte Wintel-Plattform, die vielleicht bald durch Apple Silicon oder ARM-Architekturen abgelöst wird. Aber das ist eine ziemlich steile These und die Zeit wird es erst zeigen.

Man sollte die Riesen Intel und Microsoft nie unterschÀtzen. Mit Windows 95 fing alles an und Windows 10 in all seinen Inkarnationen ist weiterhin omniprÀsent.

3 Kommentare

  1. Commodore wurde zwar 1994 aufgelöst, der Amiga mit Workbench war m. M. n. Windows 95 ĂŒberlegen.

    Ich habe Windows 95 gehasst und kaum benutzt. Da ich aber der einzig greifbare Computerfreak in meiner Umgebung war, musste ich jedem Win95 installieren, einrichten und mich mit Treibern herumschlagen. Meine Wenigkeit blieb bei DOS, da hatte ich alles im Griff. Windows 98 war nicht wesentlich besser, aber Internet, Photoshop und anderer „Schnickschnack“ zwangen mich, es zu nutzen. Die heile Welt war fĂŒr mich dennoch DOS. Erst mit Windows XP konnte ich mich damit halbwegs anfreunden. Auch, weil es unter DOS keine neuen Spiele und Demos mehr gab.

    Der Erfolg von Windows 95 kam nicht durch seine QualitĂ€t, sondern vorwiegend, weil Commodore und Atari tot und Apple kurz davor waren. Es gab im Prinzip nur noch den PC, den vorwiegend Microsoft beherrschte. OS/2 konnte man ja nicht fĂŒr voll nehmen. Wie auch, ohne Software.

    GefÀllt mir

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