Ich will ein eBike kaufen – hier ist mein KTM Macina Cross SX Elite
Lesedauer: 9 MinutenIch will ein eBike kaufen was fast an ein Bio-Bike herankommt. Ich habe das perfekte eBike gefunden, das diese Anforderungen erfüllt
Seit mehreren Jahren beobachte ich den Markt der eBikes. Teuer sind sie. Viel teurer als ein gutes „Bio“-Bike, was man nur mit seiner eigenen Körperkraft und ohne Elektromotor vorantreibt. Nach mehr als zwanzig Jahren wollte ich mein geliebtes Scott Atacama durch ein neues Fahrrad ersetzen. Ich wollte ein eBike kaufen. Aber eines, das meine ganz speziellen Bedürfnisse erfüllt. Im letzten Jahr habe ich das Yamaha CrossCore RC Probe gefahren. Dieses Jahr bin ich mit meiner Frau auf die Cyclingworld Europe gegangen, um mir die Produkte des Jahres 2026 anzuschauen. Und ich habe eine Entscheidung getroffen und mir ein eBike gegönnt.

eBike kaufen – meine Anforderungen an ein eBike
Mir war schon relativ schnell klar, was meine ganz besonderen Anforderungen an ein eBike sein würden.
- Es sollte leichter als 20 Kilo sein. Ich will es auf meinem Fahrradträger zusammen mit dem eBike meiner Frau transportieren können.
- Es sollte von einer bekannten Marke sein und nicht von einem vermeintlich günstigen Anbieter. In den letzten Jahren sind zu viele dieser Anbieter Pleite gegangen. Und deren Kunden wurden mit den Produkten alleine gelassen.
- Es sollte ein Bosch Smart System haben, weil ich deren Integration mit dem Smartphone sehr schätze.
- Es sollte eine ähnliche Geometrie wie mein Scott Atacama oder das Yamaha CrossCore RC haben. Völlig naked ohne Gepäckträger, Schutzbleche und Lichtsystem.
- Es sollte eine Gangschaltung haben, mit dem ich das eBike dynamisch an meine Trittfrequenz anpassen kann. Ein Singlespeed-Bike habe ich ausprobiert und mochte es nicht.
- Es soll auch ohne Elektromotorunterstützung von mir dynamisch in den 30er bis 35er km/h-Bereichen bewegt werden können.




Hier ist es – das KTM Macina Cross SX Elite
Im Juli 2026 war es dann soweit. Mein Händler lieferte das bestellte eBike an mich aus. Es ist ein KTM Macina Cross SX Elite. Hier ist der Reality Check, wie sehr dieses Fahrrad meine Anforderungen erfüllt:

- Gewicht: ohne Akku wiegt das eBike unter 17 Kilo. Der Namenszusatz Elite deutet auf den leichten Carbonrahmen hin.
- Marke: KTM ist ein bekannter österreichischer Fahrrad-Anbieter. Seine Macina-Reihe von eBikes ist seit Jahren etabliert und wird von KTM bewusst weiterentwickelt und gepflegt.
- Bosch Smart System: das eBike hat den Bosch SX Motor und das Purion 200 als Bedieneinheit. Natürlich kann ich mit dem Bosch Smartphone Grip mein Smartphone an das eBike anbinden und aufladen.
- Geometrie: Es ist ein klassischer Diamantrahmen und hat einen sehr cleanen Look. Ich liebe diese Rahmengeometrie, auch wenn der Lenker höher ist als beim Scott Atacama.
- Gangschaltung: es ist eine Shimano Cues mit 11 Gängen verbaut. Auch wenn mir ein paar Zwischenstufen in den Gängen fehlen, so ist die Auswahl doch ausreichend gut.
- „Bio“-Bike: Ja, das eBike ist leicht genug, um es sportlich auch ohne Elektromotorunterstützung zu bewegen. Der Bosch SX Motor leistet keinen Widerstand beim Treten, wenn er auf Off gestellt ist.
Meine Erfahrungen in den ersten Wochen
Ein eBike erfordert nach dem Kauf weitere Ausgaben für ein sicheres Schloss, eine eBike-Versicherung, Anbauteile wie den Smartphone Grip und ein provisorisches Lichtsystem. Ich habe dieses eBike privat gekauft und nicht über Jobrad, was über meine Firma auch möglich gewesen wäre. Das ist schon eine ziemliche finanzielle Belastung.




Aber ich wusste ja, was an Kosten auf mich zukommt und hatte diesen Betrag schon zurückgelegt.
Unser Fahrradhändler übergab uns die eBikes fertig zusammengebaut. Das Schloss von Abus bauten sie nach dem Kauf auch gleich an den Rahmen. Die Versicherung schlossen wir direkt über den Fahrradhändler ab und sicherten damit ab, dass das eBike schon ab dem ersten Nutzungstag versichert war.
Dass der Lenker nicht sauber nach vorne ausgerichtet und der Sattel zu niedrig eingestellt war, stellte ich erst bei der ersten Fahrt vom Fahrradhändler nach Hause fest.
Smartphone-Integration
Schon einen Tag später bestellte ich den Bosch Smartphone Grip Vertikal mit allen Zubehörteilen. Da bei einem Carbonrahmen die Newtonmeter (Nm) peinlich genau beachtet werden müssen, kaufte ich mir einen Drehmomentschlüssel, bevor ich den Lenker und den Sattel neu ausrichtete. Wenige Tage später montierte ich dann auch den Smartphone Grip und genieße seitdem die volle Integration von iPhone und Apple Watch. Die Bedienung der Flow App über das Purion 200 ist mustergültig implementiert. Natürlich nutzte ich alle Funktionen der Bosch Flow App, um mein eBike abzusichern. Ausserdem kann ich alle Seriennummern von Fahrrad, Schlössern und Rechnungsmaterial in der App speichern.
Leider ist die Übergabe der Pulsmessung von der Apple Watch an die Flow App immer wieder unterbrochen. Warum es bei mir nicht funktioniert weiß ich nicht. Bei meiner Frau läuft diese Integration einwandfrei.
Provisorische Lichtanlage
Hier habe ich ein einfaches Set von Frontscheinwerfer und Rückleuchte gekauft, deren Akkus über USB C geladen werden können. Aber durch die gekrümmte Lenkerstange strahlt der Scheinwerfer nicht geradeaus, sondern leicht nach links. Deshalb benötige ich noch eine andere Lösung. Zum Beispiel eine Lampe, die ich mittig am Lenker befestigen kann.
Fahrerfahrungen
Obwohl das KTM Macina Cross SX Elite zu den Light eBikes gehört fühlt sich das Fahren nicht so dynamisch an, wie mit einem wirklich leichten Bio-Bike. Der Lenker ist wegen der breiten Stossdämpfer nicht mehr als 80 Grad in beide Richtungen schwenkbar. Starke Kurven beim Schieben sind mir damit nicht möglich.



Ich schätze es sehr, dass ich das eBike einfach und ohne Elektromotorunterstützung bewegen kann und es mühelos auf Geschwindigkeiten über 35 km/h auf der Geraden beschleunigen kann. Es ist also ein wirkliches Bio-Bike.
Aber es unterstützt mich auch sehr gut bei Gegenwind und leichten Steigungen mit dem Elektromotor. Der Bosch SX Motor ist aus meiner Sicht ein guter Kompromiss von Kraft, Gewicht und Reichweite. Ich habe mir die Unterstützungsmodi individuell zusammengestellt. So habe ich den vorkonfigurierten eMTB+ Modus deaktiviert und stattdessen den Auto Modus hinzugefügt.

Akku-Erfahrungen
Der Akku ist mit 400 Wh eher klein im Vergleich zu den meisten eBikes. Aber so ist er auch leichter und unterstützt damit den Light eBike Charakter meines KTM. Dadurch, dass ich meistens im Off Modus fahre, habe ich den Akku noch nie mehr als 20% entladen auf einer 50 km Tour.
Diese Erfahrung beruhigt sehr, da die Reichweiten, vollelektrisch gefahren, nicht besonders sind. Mehr als durchschnittlich 70 km mit Akku-Unterstützung sind nicht möglich.
Der Akku ist entnehmbar und innerhalb kurzer Zeit wieder aufgeladen.
Sicherheit?
eBikes dieser Qualität werden gerne gestohlen. Wie fühlt es sich an mit einem solchen eBike zu fahren? Und wichtiger noch ist die Frage, wie es sich anfühlt, wenn es geparkt und abgesichert ist?
Das KTM Macina Cross SX Elite ist ein tolles eBike, das mir als Fahrer jederzeit ein sicheres Gefühl beim Fahren gibt. Die gut profilierten Reifen sind nicht nur für Asphalt, sondern auch für Wanderwege bestens geeignet.
Geparkt ist das Gefühl der Sicherheit aber anders. Selbst das beste Schloss verhindert keinen Diebstahl. Eine Versicherung für eBikes hilft bei der Wiederbeschaffung eines vergleichbaren eBikes, wenn es gestohlen würde. Ein AirTag, im Rahmen des eBikes versteckt, verschafft eine trügerische Sicherheit. Bis der Dieb das Versteck entdeckt hat, kann ich das eBike noch über Apples Wo ist? App orten.
Den eBike-Elektromotor kann man in der Flow App sperren und entsperren. Aber trotzdem kann der Dieb das eBike weiter ohne Elektromotorunterstützung fahren. Das gleiche gilt für den Akku. Er ist entnehmbar und nur mit einem einfachen Schloss und einer dünnen Kunststoffklappe gesichert. Also sollte er bei jedem Parkvorgang auch entnommen werden. Was für ein Gewicht, was man dann mit sich herumschleppt.
Transport
Einen Nachteil des Carbonrahmens habe ich erst nach dem Kauf festgestellt. Er ist zwar leicht, aber dann auch fragil, was Druck angeht. Deshalb darf das eBike nicht beim Transport auf dem Fahrradträger am Rahmen fixiert werden. Stattdessen muss die Sattelstütze aus Aluminium als Haltepunkt eingeklemmt werden.
Fazit
Das KTM Macina Cross SX Elite ist das perfekte eBike für mich. Es erfüllt alle meine Anforderungen. Ich kann es wie ein Bio-Bike bewegen. Der Elektromotor unterstützt nur bei Gegenwind und Steigungen. So habe ich mir das vorgestellt.

Auch wenn das Label Light eBike für mein KTM wahr ist, so ist es doch alles andere als leicht zu tragen. Mein Versuch, das eBike eine Treppe hochzutragen zeigte mir deutlich auf, wie viel schwerer ein Light eBike gegenüber einem normalen Fahrrad ist.
Es ist viel Geld, was ich investieren muss für den Kauf, und später auch für den Erhalt. Aber für mich war es eine langfristige Entscheidung, die ich getroffen habe. Ich hoffe, dass ich viele Jahre Freude an diesem eBike haben werde. Und ich hoffe, dass mir keiner dieses eBike stiehlt.
Interessanterweise bringt das eBike-Jahr 2027 viele neue interessante Möglichkeiten. Bosch bietet jetzt auch einen Hinterradnaben-Motor an. So sollen die damit ausgestatteten eBikes günstiger werden. Schade, das wäre auch eine schöne Alternative gewesen. Aber ich wollte kein weiteres Jahr mehr warten und bin auch sehr zufrieden.
Nachtrag – KTM Vermarktung und Distribution
Nach den enttäuschenden Erfahrungen beim Kauf der KTM eBikes kann ich festhalten, dass die Produkte der Firma KTM Bikes aus Mattighofen hervorragend sind. Aber der Einkauf gestaltet sich schwierig. Auf den offiziellen Seiten der Firma KTM werden Produkte angeboten, die man nicht oder sehr schwer kaufen kann. Auch offizielle KTM Händler/Partner konnten oder wollten mir nicht das KTM Macina Cross SX Elite bestellen oder verkaufen.
Das große Problem von KTM Bikes ist derzeit nicht das Produkt, sondern die Vermarktung und Distribution. Ein technisch hervorragendes eBike, das der Kunde beim Händler nicht bekommt, ist im Markt praktisch unsichtbar. Und genau hier könnte KTM in Deutschland Marktanteile verschenken.
KTM hat zwar ein sehr großes Produktportfolio, aber die Verfügbarkeit und Händlersteuerung wirken für Kunden eher abschreckend.

