Bulletin Boards der 90er – das MausNet

Dies ist wieder ein Beitrag aus der Vergangenheit meines digitalen Lebens. Vor dem Internet gab es das UseNet, das Diskussionsforen zu unterschiedlichen Kategorien anbot, in denen sich Teilnehmer ├╝ber einen Newsreader austauschten. UseNet steht f├╝r Unix User Network und basierte auf miteinander ├╝ber Telefonstandleitungen vernetzten Computern mit dem Unix-Protokoll UUCP. Ab 1986 wurde das UseNet dann schlie├člich auf das Protokoll NNTP ├╝ber TCP/IP-Leitungen umgestellt. Damit konnte das UseNet ├╝ber das Internet dezentralisiert aufgebaut werden. Aber nur die wenigstens hatten damals schon Zugriff auf das Internet und f├╝r all diejenigen gab es Mailboxnetze, die auf denselben Prinzipien basierten, mit denen das UseNet begann.

Ein Mailboxnetz ist eine Ansammlung von miteinander ├╝ber Telefonleitungen verbundenen Mailboxen. Eine Mailbox (english bulletin board system (BBS)) ist ein privat betriebenes Rechnersystem, das per Datenfern├╝bertragung zur Kommunikation und zum Datenaustausch genutzt wird. Ber├╝hmte Mailboxnetze waren das FidoNet, Z-Netz und das MausNet.

Der Betreiber einer Mailbox (SysOp) stellte den Computer mit BBS-Software zur Verf├╝gung, die ├Âffentliche Bereiche, wie z.B. Foren, Bretter oder Echos bereith├Ąlt, in denen sich Benutzer austauschen und diskutieren konnten. Jeder Benutzer hat auch einen privaten Bereich, ein eigenes Postfach, in dem elektronische Nachrichten f├╝r ihn gespeichert und von ihm abgerufen wurden. Im Grunde waren das die Vorl├Ąufer der heutigen Email-Provider und der Web-Foren, auf denen sich angemeldete Benutzer austauschen.

Die Mailboxen eines Netzes tauschten ihre Daten untereinander ├╝ber Telefonverbindungen aus und die Benutzer w├Ąhlten sich ├╝ber Telefonleitung in diese Mailbox ein und synchronisierten ihre Daten zwischen dem lokal installierten Newsreader und dem externen Mailbox-System. Da in Deutschland Telefonanrufe aufgrund hoher Preise m├Âglichst kurz und am besten nur im Ortsnetz gef├╝hrt wurden, suchte man sich als Benutzer einer Mailbox eine nahe Mailbox aus, idealerweise im selben Ort.

Das MausNet

Mehr oder weniger offizielles Logo des MausNet (Quelle: http://www.mausnet.de)

F├╝r mich als Atari ST-Besitzer war gerade das MausNet als Plattform interessant, da dort sich jeder aufhielt, wer Rang und Namen in der Atari ST-Szene hatte. Auch die Support-Mailbox von Atari Deutschland war als Maus MTK in Schwalbach am Taunus erreichbar.

Die Qualit├Ąt der Diskussionsforen, die H├Âflichkeit und Freundlichkeit im Umgang miteinander war vorbildlich. Vor dem Internet konnte man ├╝ber diesen Weg f├╝r alle technischen Fragen innerhalb k├╝rzester Zeit kompetente Antworten erhalten. Jeder Benutzer war mit seinem Realnamen angemeldet.

MAUS ist die Abk├╝rzung f├╝r M├╝nster Apple User Service. Dieses Mailboxprogramm entstand 1984 in M├╝nster auf Initiative von Apple II-Nutzern und wurde auf einem Apple II-kompatiblen Basis 108-Rechner betrieben. Auf dem H├Âhepunkt seiner Ausbreitung hatte das MausNet ca. 120 Mailboxen in Deutschland. Ich wohnte damals in D├╝sseldorf und dort gab es leider keine lokale Maus-Mailbox. Die n├Ąchste war DU3 in Duisburg. Mit dieser tauschte ich dann meine Daten ├╝ber mein 14400bit-Datenmodem regelm├Ą├čig aus. Zum Aufbau der Verbindung nutzte ich die Software Connect und als Maustausch-Software (Newsreader) kam Cat zur Anwendung. Die Maus DU3 nutzte allerdings nicht die MAUS-Software f├╝r PC-kompatible Rechner, sondern die QUARK-Software, die urspr├╝nglich auf Atari ST-Rechnern lieft. Als ich 1997 nach Frankfurt umzog, wurde ich dann Benutzer der Maus Frankfurt.

Heute mit lokalem WLAN und dauerhafter Verbindung ins Internet kann man sich nicht vorstellen, wie eingeschr├Ąnkt die Datenkommunikation damals war. Der Vorl├Ąufer der heutigen Telekom, der Bereich f├╝r Telekommunikation und Fernmeldewesen der Deutschen Bundespost, hat diese Form der Kommunikation durch regulative Eingriffe sehr eingeschr├Ąnkt. Datenmodems mussten aufw├Ąndig zertifiziert sein, Modems mit hohen Transferraten wurden erst sehr sp├Ąt freigegeben, und der Zeittakt machte jede Form von Datentransfer sehr teuer. Besonders f├╝r Jugendliche, die die Telefonleitung der Eltern nutzen mussten und damit Kosten auf der Telefonrechnung erzeugten. Wir alle schauten damals neidig auf die User in den U.S.A, die sehr geringe Telekommunikationskosten hatten.

Auch heute kann man noch sehen, welche Diskussionsgruppen im MausNet vorhanden sind (Link). Dort erkennt man den Atari-Fokus im Namen der „ATARI.xxx“ und „comp.sys.atari.xxx“ Gruppen. Daraus erkennt man auch, da├č es Gateways auch in andere Netze wie das UseNet, MediaNet, RadioNet, z-Net und das FidoNet gab und gibt.

Der Newsreader – CAT

Logo der Maustausch-Software CAT (Quelle: http://www.dimitri-junker.de und http://www.dirksteins.de)

CAT ist das von mir verwendete Maustauschprogramm auf meinem Atari Mega ST. Die Software war maximal komfortabel und nutzte die besonders benutzerfreundlichen Features der MAUS-Software. Gro├čartig war die Kommentarverkettung des MausNet. Sowas habe ich immer noch nicht auf heutigen Web-Foren in dieser Qualit├Ąt wiedergefunden. Man konnte flexibel im Kommentarbaum herumwandern und die Nachrichten lesen und sich an der Diskussion beteiligen. Die Navigation wurde ├╝ber ein Pfeildiagramm („Windrose“) durchgef├╝hrt, das aufzeigte wieviele ├╝bergeordnete, nachfolgende und Nachrichten auf derselben Ebene vorhanden waren. Auch gab es eine Baumdarstellung, ├╝ber die man komfortabel direkt auf eine Nachricht springen konnte. Endlos lange Quotes gab es nicht, weil die Kommentarverkettung dies ├╝berfl├╝ssig machte.

Eine leistungsf├Ąhige und schnelle Suchfunktion mit vielen Optionen war vorhanden, was das Finden von speziellen Informationen erleichterte. F├╝r Details zur Benutzung von Cat (bis zur Version CAT 3.05 beta) gibt es immer noch eine eigene Web-Seite mit einem Online-Handbuch (Link).

Als ich vor einigen Jahren meinen Atari Mega ST nochmal hervorholte, habe ich auch die Programme Connect und Cat gestartet. F├╝r diejenigen, die Connect mal in Aktion sehen wollen empfehle ich meinen Video-Beitrag auf YouTube ab 24:40 (Link). Ein kurzes Video zu Cat muss ich noch nachliefern. Ich dachte, da├č ich dies auch in dem verlinkten YouTube-Video gezeigt habe, aber dummerweise habe ich das rausgeschnitten.

Nachtrag: hier ein kurzes Video zum Maustauschprogramm Cat. Das Material habe ich im Jahr 2010 erstellt und heute schnell zusammengeschnitten. Viel Spa├č.

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