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Hörgeräte-Test: Signia Active Pro

Die Signia Active Pro sind mein zweiter Versuch ein Hörgerät zu nutzen. Earbuds Design und Bluetooth-Streaming sind Argumente

Nach meinen ersten Erfahrungen mit den Signia Silk NX bat ich meinen Hörakustiker, mir die Hörgeräte Signia Active Pro zur Verfügung zu stellen.

Signia stellte die Signia Active Pro Anfang 2021 vor und sie sind eine Mischung zwischen Hörgeräten und Hearables. Sie sind ein Versuch der Hörgeräteindustrie eine weitere Bauform für Hörgeräte, nach Hinter-dem-Ohr (HdO) und In-dem-Ohr (IdO) zu etablieren.

Signia setzt dabei auf die Akzeptanz der jüngeren Generation, die Hearables in ihren Alltag integriert hat. Neben Apples AirPods gibt es viele weitere Produkte, die dauerhaft sichtbar im Ohr getragen werden. Selbst während Konversationen verbleiben die Hearables im Ohr, da Transparenzmodi eingeschaltet werden können.

Rein optisch entsprechen die Signia Active Pro den Samsung Galaxy Buds. Damit sind die Gehäuse nur in der Ohrmuschel sichtbar und gegenüber Apples AirPods eher dezent.

In diesem Bericht möchte ich über meine Erfahrungen mit diesen Geräten schreiben und die Vor- und Nachteile gegenüber den Signia Silk NX herausarbeiten.

Konfiguration der Signia Active Pro

Die Signia Active Pro sind Hörgeräte, die das Label Made for iPhone (MFi) unterstützen. Deshalb verbinden sie sich über Bluetooth mit dem iPhone und werden sofort als Hörhilfe in das System vollständig integriert.

Damit entfällt auch die Konfiguration über ein Kabel beim Hörakustiker. Stattdessen setze ich die Hörgeräte in die Ohren und der Hörakustiker misst mit meiner Hilfe für unterschiedliche Frequenzen mein Audiogramm über seine Konfigurationssoftware. Das ist schon ausreichend. Dann kommt noch die Auswahl der Hörprogramme hinzu. Dies sind wie beim Silk NX wieder 6 unterschiedliche, wobei mit Halliger Raum ein neues Programm hinzugekommen ist. Auf meinen Wunsch wurde für HiFi-Ansprüche das Programm CD Musik hinzugefügt.

Dann hat der Hörakustiker mich noch in die Bedienung des Ladegehäuses eingewiesen, was drei zusätzliche volle Ladungen für die Hörgeräte ermöglicht. Damit ist man dann für bis zu vier Tage von einem Stromanschluss unabhängig. Das entspricht der Nutzungszeit der Signia Silk NX mit ihren Zink-Luft-Batterien.

Geöffnetes Ladegehäuse der Signia Active Pro
Geöffnetes Ladegehäuse der Signia Active Pro

Zum Schluss druckt der Hörakustiker noch den QR Code aus, mit dem er die Signia App konfiguriert. Damit ist dann das Signia Active Pro mit der Signia App verbunden und kann darüber gesteuert werden. Interessanterweise nutzt das Gerät hierfür nicht Bluetooth, sondern das iPhone erzeugt die Steuerbefehle als hochfrequente (für andere hörbare) Tonsignale und diese verarbeitet das Hörgerät. Deshalb mahnt die Signia App an, wenn die Lautstärke des iPhones zu niedrig eingestellt ist. Viel komfortabler und zuverlässiger geht das aber über die Hören-Bedienungshilfe im Kontrollzentrum des iPhones oder der Apple Watch. Und dafür wird Bluetooth verwendet. Doch dazu später mehr.

Was sind die Signia Active Pro?

Die Signia Active Pro sind das neueste Produkt in der Produktpalette für 2021. In einem YouTube-Video der Signia Launch Keynote 2021 stellt die Firma ihre Innovation vor (ab 11:50).

Es ist das erste Hörgerät-Produkt, was wie ein Earbud aussieht und nicht speziell angepasst wird. Einzig die Aufsätze für sicheren Halt im Ohr können verändert werden. Es ist in drei Farbkombinationen verfügbar: weiß/roségold, schwarz/silber oder schwarz.

Es wird über Bluetooth mit einem iPhone verbunden (MFi) und damit können vom iPhone Musik, Podcasts und Telefongespräche zum Hörgerät gestreamt werden.

Signia Marketing (Quelle: Signia Hearing)

Das Active Pro ist das Spitzenprodukt der Active-Produktreihe, was der Technologiestufe 7 bei Signia entspricht. Es gibt eine sehr viel günstigere und einfachere Variante Active. Es nutzt Signias Xperience-Technologieplattform, die es jetzt seit ein paar Jahren gibt. Die neueste AX-Technologie ist nicht verfügbar.

Es bietet wie alle neuen 2021er-Produkte von Signia die Lithium-Ionen-Akkutechnologie. Ein kompaktes weißes Ladegehäuse wird mitgeliefert.

Ob diese Hörgeräte erfolgreich werden hängt vor allem davon ab, ob die Kunden diesen Look akzeptieren. Die Active Pro sind halt sehr prominent sichtbar.

Folgende Testberichte konnte ich finden:

Technische Spielerei?

Die Signia Active Pro sind ein großartiger Beitrag zu meinem Digitalen Leben. Sie versprechen die Integration in meine Apple-Produktpalette und erlauben das Streamen von Telefonanrufen und anderen akustischen Inhalten von den Apple-Produkten direkt auf das Hörgerät.

Tatsächlich ist die Integration der Einstellungsmöglichkeiten der Hörgeräte in das iPhone gut gelungenen. In der Bedienungshilfe Hören kann ich den Akkustatus für jedes Hörgerät separat ablesen. Auch die Mikrophonempfindlichkeit kann ich gut für beide Seiten separat einstellen. Und ich kann zwischen den eingebauten Programmen schnell umschalten. All das lässt sich vor allem komfortabel mit der Apple Watch erledigen.

Spezialitäten wie die Richtungssteuerung der Microphone und die Höhenverstärkung lassen sich nur über die Signia App verändern. Leider werden diese Änderungen nur dann zuverlässig an das Hörgerät übermittelt sobald die hochfrequenten Töne laut genug vom iPhone abgespielt werden.

Richtungshören - Einstellung in der Signia App
Richtungshören mit dem Signia Active Pro

Weitere Features der Signia App wie Signia Assistant, die individuelle Lautstärkeregelung für linke und rechte Seite und der Maskenmodus sind durch meinen Hörakustiker nicht aktiviert worden. Auch den Remoteeinstellungsservice bietet er nicht an. Angeblich bietet Signia auch eine Tinnitus Notch-Therapie an. Wo ist diese einstellbar?

Viele dieser Fragen konnten wir später nach einem Anruf beim Signia Service-Desk klären. Doch dazu später mehr.

Ein weiteres technisches Feature sind die eingebauten Akkus und das Ladegehäuse. Nie wieder Batterien wechseln. Ob man die Akkus später mal wechseln kann?

Tragen der Signia Active Pro im Alltag

So weit so gut mit den technischen Möglichkeiten. Wie fühlen sich die Signia Active Pro im Alltag an? Die Entnahme aus dem Ladegehäuse und das Einsetzen in die Ohren ist erstmal etwas schwierig zu erlernen. Aber man stellt innerhalb kürzester Zeit fest, wie man die Hörgeräte greift und dann in die Ohren schiebt. Alles ganz easy mit der Zeit und mit ein wenig Training. Auch hilft einem das Ladegehäuse und die Ausrichtung der Hörgeräte in den Ladeschalen sehr.

Wenn die Signia Active Pro im Ohr stecken, dann sollten sie sich nicht als Fremdkörper anfühlen. Ich bin seit einigen Jahren schon In Ear-Kopfhörer gewohnt und hatte deshalb auch keine Schwierigkeiten mit den Active Pro. Sie sind spürbar. Da ich diese von früh bis spät trage, vergesse ich sie im Laufe der Zeit. So sollte es sein.

Sitz und Halt

Aber sie sollten auch im Ohr stecken bleiben und sich nicht lockern. Oder schlimmer noch: herausfallen. Dabei sollen Aufsätze helfen, die nicht nur die empfindlichen Geräte vor Ohrenschmalz schützen. Sie sollen auch für einen sicheren Halt sorgen. Dafür habe ich von meinem Hörakustiker zwei unterschiedliche Aufsätze erhalten. Bereits bei der ersten Anprobe habe ich gemerkt, daß die kleinen Aufsätze, die ich bereits bei den Signia Silk NX getragen habe, nicht für einen sicheren Sitz der Active Pro sorgen.

Diese Erfahrung wurde bekräftigt, als ich Badminton spielte und ich alle paar Minuten den Sitz korrigieren musste. Mit den etwas größeren Aufsätzen war es zwar besser, aber immer noch nicht perfekt. Im Laufe von Gesprächen veränderte sich der Sitz und die Position der Hörgeräte im Ohr relativ schnell und häufig. Ich habe also noch nicht die richtigen Aufsätze gefunden. Signia bewirbt das Active Pro immer mit unterschiedlichen Sleeve-Aufsätzen. Diese werde ich bei meinem Hörakustiker anfragen und ausprobieren müssen.

Nutzung von Hörgeräten über den ganzen Tag?

Der Wechsel von Hörgeräten auf meine AirPods Pro geht wirklich schnell, wenn ich mal mit hoher Qualität Audiocontent hören möchte. Damit sich die Hörgeräte abstellen, muss ich diese dann wieder in das Ladegehäuse legen. Der Vorteil ist, daß die Active Pro dann auch gleich weitergeladen werden. Das ist sehr komfortabel, da das Ladegehäuse sehr klein ist und ich es auch in der Kleingeldtasche einer Jeans mit mir nehmen kann.

Die Soundqualität ist über die Signia Active Pro wirklich grottig schlecht. Aber vollkommen ausreichend. Es wird halt kein Bass wiedergegeben und der Klang ist sehr mittenlastig. Das ist vor allem dadurch begründet, weil ich immer noch offene Aufsätze nutze. Mit Sleeves würden die Ohren abgeschlossen werden. Mit allen Vor- und Nachteilen. Auch dazu später mehr.

Telefonanrufe werden sofort auf die Hörgeräte durchgestellt. Das ist der Vorteil der vollständigen Integration in das iOS. Leider hat Signia da nicht weit genug gedacht und einen Handsfree-Betrieb nicht vorgesehen. Das ist sehr bedauerlich, da ich für diesen Fall dann das Microphon meines iPhone nutzen muss und nicht die (vorhandenen) Microphone der Hörgeräte nutzen kann. Das wird dann wahrscheinlich erst in der nächsten Generation gehen. Solange muss ich das iPhone nah an den Mund halten. Das ist schon sehr umständlich, da ich Handsfree über die AirPods Pro gewohnt bin.

Audiostreaming ist toll

Das Signia Active Pro sieht also Audiostreaming vor und das macht es sehr gut. In kürzester Zeit habe ich Podcasts als neues Interesse für mich entdeckt, da das iPhone diese komfortabel in die Hörgeräte streamt. Die Folge sind mehrere Stunden Audiostreaming am Tag.

Eine Akkuladung hält über den ganzen Tag. Selbst mit Audiostreaming auf die Active Pro habe ich am Ende des Tages noch zwanzig Prozent Restladung in den Geräten. Das ist praxisnah und absolut ausreichend. Allerdings weiß ich wie schnell Lithium-Ionen-Akkus bei iPhones erschöpft sind. Mehr als zwei Jahre halten diese nicht durch und verlieren dann bis zu 40% ihrer Ladekapazität. Das wird wahrscheinlich auch die Zukunft für die Akkus in den Signia Active Pro sein. Ob ich die Akkus nach zwei Jahren austauschen lassen kann? Oder sind die Hörgeräte dann Elektroschrott und müssen ausgetauscht werden? Die Zeit wird es zeigen. Auf jeden Fall werde ich bei Signia und meinem Hörakustiker nachfragen, ob der Akku ausgetauscht werden kann.

The Good

Nun aber zu den guten Ergebnissen meiner zwei Wochen Nutzung der Signia Active Pro:

  • Super: wird als Hörhilfe und MFi-Gerät erkannt und integriert sich vollständig in iOS
  • Super: Steuerung auch auf der Apple Watch möglich. Verbindung mit den Hörgeräten ist mit der Bedienungshilfe Hören sogar zuverlässiger als mit der Signia-App ohne Fehlermeldungen und nerviges Nachjustieren der Lautstärke
  • Das CD Musik Programm erfüllt meine Anforderungen und ich kann Hifi Musik auch mit den Hörgeräten genießen. Der Mitten- und Höhengewinn ist großartig und macht süchtig. Auch wenn ich noch manchmal ein leichtes Scheppern glaube wahrzunehmen. Aber dies ist wirklich zu vernachlässigen. Die Signia Xperience Technologie unterstützt meine Hifi-Leidenschaft und alleine deshalb muß ich diese Geräte haben
  • Mein Favorit ist das Streamen von Telefongesprächen und Audiocontent
  • AKKU!! Keine Batterien mehr
  • Und das wichtigste: ich kann bei Konversationen genauso gut folgen wie mit den Signia Silk NX. Die Technik unterstützt mich also optimal beim Hören. Das ist das ultimative Ziel

The Bad

Und hier sind die schlechten Erfahrungen, die ich gemacht habe.

  • die Reichweite bei Streaming ist sehr eingeschränkt. Maximal 10 Meter ohne Wand sind möglich. Dann bricht die Verbindung schlagartig ab. Wer AirPods gewöhnt ist, wird sehr enttäuscht von den Signia Active Pro sein
  • die Hörgeräte unter Kopfhörern während Telefonkonferenzen zu tragen verursachen auf Dauer Schmerzen. IdO-Geräte sind in dem Fall vorzuziehen. Die Bauform als Earbuds ist eher schlecht für diesen Einsatz geeignet
  • der Sitz der Hörgeräte im Ohr verändert sich stark bei Gesprächen. Ich muss immer wieder nachjustieren. Ich hoffe, mit Sleeves erziele ich einen besseren Tragekomfort
  • die Hörgeräte sind sehr sichtbar und auffällig in der Ohrmuschel. Vor allem die weißen. Sie werden allerdings eher als Earbuds wahrgenommen. Ich tendiere mittlerweile zu den ganz schwarzen Active Pro. Aber auch in schwarz sind die Geräte nicht dezent und verlangen Mut sie in persönlichen Face to Face Konversationen zu tragen. Man kann als unhöflich angesehen werden, wenn man sie trägt und muß sich wahrscheinlich häufig erklären
  • das Laden funktioniert nicht immer zuverlässig. Zum Beispiel wurde das rechte Hörgerät nicht richtig in der Ladeschale positioniert und war am nächsten Morgen nicht aufgeladen
  • die Klangbalance verschiebt sich manchmal nach links. Das bedeutet, daß das linke Gerät lauter spielt als das rechte. Das kann ich nur korrigieren, indem ich die Hörgeräte in die Ladeschale gebe. Dadurch werden sie ausgeschaltet. Beim erneuten herausnehmen, starten sie wieder neu und dann ist die Klangbalance wieder ausgewogen. Das muß ich unbedingt über längere Zeit beobachten, ob das ein wiederkehrendes Problem der Signia Active Pro ist
  • Windgeräusche sind manchmal hörbar aber es sieht so aus, als würde sich die Technik darauf einstellen und dann hört man sie nicht mehr so stark.

Vergleich mit den Signia Silk NX

KategorienSignia Silk NXSignia Active Pro
GrößeSehr kleinKlein
SichtbarkeitUnsichtbar im OhrDeutlich sichtbar in der Ohrmuschel
Technologiestufen1, 2, 3, 5, 77
EnergieversorgungBatterie (Größe 10)Lithium-Ionen-Akku mit Ladehäuse
Nutzungszeit mit einer Ladungca. 4 Tageca. 1 Tag
+ 3 zusätzliche Tage mit Ladung aus Ladegehäuse
FernsteuerungApp (hochfrequente Töne)App (hochfrequente Töne),
MFi (in iOS und Watch OS integriert)
BluetoothNeinJa
StreamingNeinJa
TelefonieNeinJa (nicht Handsfree)
WindgeräuscheNeinJa
ProgrammeBis zu 6 (je nach Technologiestufe)6
Hifi-KlangJa (mit Störgeräuschen)Ja
Einstellung RichtungshörenNeinJa
Tinnitus-TherapieProgramm TinnitusProgramm Tinnitus,
Notch-Therapie?
TragekomfortSehr gutGut
(Schlecht bei aufgesetzten Kopfhörern)
OkklusionKeineKeine (mit den richtigen Aufsätzen)
Akzeptanz durch TrägerGroß
(wegen Unsichtbarkeit)
Wenig
(wegen deutlicher Sichtbarkeit)
Fernkonfiguration möglichNeinJa
Eigene Konfiguration möglichNeinJa
(über Signia Assistant in Signia App)
Auf dem Markt seit20182021
Vergleich von Signia Silk X und Active Pro

Besuch beim Hörakustiker

Am 28.10.2021 bekam ich die Gelegenheit meine Beobachtungen weiterzugeben und ein paar Änderungen umzusetzen. Diese waren:

  • ich bekam Click Sleeves (klein) für besseren Halt eingesetzt.
  • der Hörakustiker passte das Programm Laute Umgebung an auf meine Wünsche. Weniger Umgebungsgeräusche, mehr Stimmenverstärkung und damit hoffentlich mehr Verstärkung der eigenen Stimme.
  • auch das Tinnitus Programm konfigurierte er nach meinen Wünschen. Das Signal wurde um 4,5db auf beiden Seiten verstärkt.
  • von dem Maskenmodus hat er noch nicht gehört. Selbst eine Rückfrage bei einem Kollegen ergab kein Ergebnis. Er versprach aber sich darum zu kümmern.
  • auch den Signia Assistant in der Signia App kann er noch nicht für den Kunden konfigurieren. Auch da versprach er die Lösung herauszufinden.
  • und den Preis nannte er mir für die Hörgeräteversorgung mit den Signia Active Pro.

Mit diesen Änderungen verließ ich meinen Hörakustiker und machte mich wieder auf den Weg zur Arbeit. Im Strassenverkehr hatte ich den Eindruck, daß die neuen Einstellungen wirken. Der Strassenlärm war etwas gedämpfter und ich konnte meine Stimme besser hören. Auch im Auto beim Hören der Fahrgeräusche und des Radioklangs war ich zufrieden.

Panik

Zu Hause angekommen merkte ich auf einmal eine Art Okklusion. Ich konnte Umgebungsgeräusche in der ruhigen Atmosphäre der Wohnung nur stark bedämpft wahrnehmen. Gerade die eigenen Schritt- und Bewegungsgeräusche konnte ich nicht mehr wie gewohnt hören. Ich fühlte mich dadurch unsicherer in der Bewegung. Auch das Hintergrundrauschen in der Umgebung war wie hinter einem Vorhang verdeckt. Zusätzlich nahm ich Reibegeräusche im Ohr bei Ohrbewegungen wahr.

Und zu allerletzt war Trittschall im Ohr zu hören, wie ich das von verschlossenen und nicht belüfteten In Ear Kopfhörern kenne.

Panik! Das ist eine signifikante Verschlechterung der Hörsituation. Ein schneller Test mit dem CD Musik Programm unterstützte die Einschätzung, dass das Hörerlebnis stark eingeschränkt ist. Umgebungsgeräusche kann ich fast nicht mehr wahrnehmen. Zum Beispiel das Tippen auf dem iPhone-Screen ist praktisch unhörbar. Alles wirkt total bedämpft wie mit In Ear Kopfhörern, die komplett abdichten.

Signia Active Pro mit aufgesetzten Sleeves
Signia Active Pro mit aufgesetzten Sleeves (Quelle: hearly.de)

Vor lauter Panik habe ich die anderen Aufsätze ausprobiert, die mir der Hörakustiker noch mitgegeben hat. Diese waren wie die ursprünglichen geformt, aber etwas größer für besseren Halt. Damit höre ich z.B. das Tippen meiner Finger auf dem Touchscreen wieder. Puh. Ich habe sofort meinen Hörakustiker kontaktiert und gefragt, ob damit wieder eine andere Einstellung als für die Sleeves erforderlich ist. Er bestätigte das und lud mich für den Folgetag für eine Anpassung der Konfiguration in sein Studio ein,

Mit den anderen Aufsätzen sind wieder die gewöhnten Umgebungsgeräusche da. Alles fühlt sich wieder natürlicher an, aber auch unangenehm vom Klang und der Lautstärke. Ein kurzer Test mit dem Programm CD Musik hast das auch bestätigt.

Abdichtung des Hörkanals

Die Sleeves, selbst in der kleinen Ausführung, haben das Ohr so sehr verschlossen, daß ich leise Umgebungsgeräusche nicht mehr wahrnehmen konnte. Interessanterweise hat das die Konfiguration des Hörgerätes nicht kompensiert. Da muss sich mein Hörakustiker kritische Fragen von mir gefallen lassen. Er hätte eigentlich neu einmessen müssen.

Eine Anmerkung noch zur Abdichtung des Hörkanals durch Hörgeräte. In den meisten Fällen ist das gewünscht, denn nur dadurch kann ein definiertes Signal durch die Hörgeräte in die Ohren geliefert werden. Und man kann Lärm und Umgebungsgeräusche herausfiltern. In meinem Fall genieße ich allerdings noch die Möglichkeit der offenen Aufsätze. Ansonsten würden Trittschall und eigene laute Körpergeräusche auftreten. Aber wahrscheinlich muß ich das in der Zukunft akzeptieren, wenn mein Gehör noch schlechter wird.

Erneute Anpassung

Am Folgetag korrigierte der Hörakustiker die Konfiguration und passte diese auf die neuen etwas größeren Aufsätze an. Ich hatte aufgrund der falschen Einstellung starke Kopfschmerzen entwickelt. Die Sleeves gab ich wieder zurück und führte meinen Test mit den neuen Aufsätzen weiter fort. Der Sitz und Halt ist zwar besser, aber durch die Größe hatte ich am Abend Schmerzen im Ohr. Ich hoffe nicht, daß eine Entzündung und Unverträglichkeit entsteht.

Eine Lösung für die Aktivierung des Maskenmodus und des Signia Assistant in der Signia App lieferte dann ein Anruf beim Signia Servicedesk. Des Rätsels Lösung war die Signia App per Bluetooth anstelle mit QR-Code zu verbinden. Direkt nachdem diese Verbindung hergestellt wurde, erscheint das Symbol für den Maskenmodus und das Symbol für den Signia Assistant. Danach gibt es auch keine Fehlermeldungen mehr wegen zu geringer Lautstärkeeinstellung des iPhones. Die Steuerung der Hörgeräte erfolgt dann auch mit der Signia App nur noch über Bluetooth und nicht mehr über hochfrequente Töne.

Der Austausch der Akkus in den Hörgeräten sei möglich. Man müsse dann die Hörgeräte an Signia senden.

Der Preis einer Hörgeräteversorgung

Mein Hörakustiker konnte schon einen Preis für die Hörgeräteversorgung liefern. Diese beinhaltet neben den Geräten auch die Aufwände auf seiner Seite während der letzten Wochen und die zukünftigen Aufwände für die nächsten sechs Jahre. Für ein Hörgerät der Mittelklasse (Selbstaussage von Signia im YouTube Video ab 16:00) ruft er einen sehr viel höheren Preis auf als auf einschlägigen Webseiten üblich. Ich habe diesen Preis aber akzeptiert, da der bisherige Ablauf der Beratung und Unterstützung für die Zukunft Gutes erhoffen läßt.

Ein Akkutausch ist nicht in diesem Preis enthalten. Aber er machte mir Hoffnung. Die bisherige Erfahrung würde zeigen, daß ein Akkutausch erst nach drei Jahren fällig sei.

Fazit

Hier habe ich ein technisches Hilfsmittel testen können was akustisch alles richtig macht. Aber das Konzept als Earbud verlangt viel Mut diese Geräte zu tragen. Vor allem wenn man nicht zeigen möchte, daß man schon schwerhörig ist. Die Signia Active Pro passen allerdings hervorragend in meinen Alltag und leisten alles was ich brauche.

Eine wichtige technische Einschränkung ist der fehlende Handsfree-Modus beim Telefonieren. Das ärgert mich wirklich, weil es schon technisch möglich wäre. Eventuell ist dann der Energieverbrauch höher und Signia kann dann nicht mehr einen Full Day Akku sicherstellen.

Für den Hörakustiker ist die Unterstützung dieses Gerätes sehr einfach. Eine Anpassung für den Gehörgang des Kunden ist nicht erforderlich. Die Konfigurationssoftware macht das meiste automatisch. Die richtige Auswahl der Aufsätze ist die wichtigste Aufgabe des Hörakustikers. Nur damit bleiben diese Geräte dann fest in den sehr unterschiedlichen Gehörgängen seiner Kunden.

Der Preis für die Hörgeräteversorgung ist happig. Ich persönlich erhoffe mir aber, daß die Signia Active Pro (und mein Hörakustiker) mich für die nächsten 6 Jahre in privaten und beruflichen Konversationen bestens unterstützen werden. Das ist für mich das wichtigste. Diesen Preis bin ich dann auch bereit zu zahlen. Und in sechs Jahren sieht der Markt meiner Meinung nach dann ganz anders aus. Ich bin überzeugt, daß dann Marken wie Apple und Samsung (medizinische) Produkte anbieten werden, die mindestens genauso gut sind wie die der heutigen Anbieter. Die Nutzung von Audiogrammen bei AirPods ist schon ein Zeichen für diese strategische Ausrichtung.

Und ich würde darauf tippen, daß der Kunde dann nicht so viel zahlen muss wie es zur Zeit in diesem Markt üblich ist. Der Beruf des Hörakustikers wird als Folge daraus aussterben. Auch wenn ich der Überzeugung bin, daß eine gute Beratung und Heranführung an die richtige Lösung wertvoll ist.

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