Judgement Days – Pallenberg im Bann des iPhone 6 und 6 Plus

Es hat lange gedauert, bis ich mich zum iPhone 6 und den anderen Neuerungen von Apple äußern will. Seit dem 9.9. ist raus, womit Apple das nächste Produktjahr bestreiten wird und natürlich habe ich die Keynote verfolgt. Ich habe auch das iPhone 6 in weiss und 128 GB vorbestellt und am 19.9. geliefert bekommen. Leider war das Display defekt. Es gab eine ungleichmäßige Ausleuchtung mit einem hellen Punkt direkt unterhalb der Uhrzeit.

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich dem iPhone 6 eher reserviert gegenüber stehe. Die Begeisterung will sich nicht so leicht einstellen. Ausgerechnet der mutige Schritt von Sascha Pallenberg das iPhone 6 und 6 Plus testen zu wollen hat mich dazu bewogen auch zu erläutern, was ich über das neue iPhone 6 denke und erfahren habe.

Nach dem Umtausch im Apple Store, der problemlos verlaufen ist, hatte ich ein einwandfreies Gerät. Mit einem blauen Plastik-Case von Apple versehen nutze ich das Gerät anstelle meines zwei Jahre alten iPhone 5. 

Das Design vom iPhone 5 finde ich unerreicht gut. Die kompakte Form begeistert mich immer noch. Aber ich wollte wie viele andere auch auf die großen Bildschirmgrößen springen und der Vergrößerungsmodus kommt mir sehr entgegen. Mit dem iPhone 5 waren die Schrift und viele andere Details auf dem Bildschirm für mich zu klein und zu schwer zu lesen. Auch der Standard-Modus auf dem Iphone 6 ist zu klein, deswegen sehe ich den Vergrößerungsmodus auf dem iPhone 6 als absoluten Mehrwert.

Das Design des iPhone 6 finde ich nur schön, wenn ich es ohne Hülle in der Hand halte. Die elegante schlanke Form und die abgerundeten Seiten sind wirklich ein Traum. Obwohl ein Kollege bereits festgestellt hat, daß das Display an der unteren Seite eine deutlich fühlbare Kante hat, im Gegensatz zu anderen Seiten. Diese Kante ist interessanterweise nicht sichtbar. Aber ansonsten ist die Produktionsqualität aussergewöhnlich gut. Leider sind die Antennen farblich zu sehr vom silbernen Aluminium entfernt. Schön sieht anders aus. Auch die herausstehende Kameraöffnung hätte Steve Jobs sicher nie akzeptiert. Wieder zurück in der Hülle sieht man einfach nur ein vergrößertes iPhone ohne viel Designspezialitäten. Die schönen abgerundeten Seiten werden vollständig von der Hülle abgedeckt. 

Eine Erfahrung konnte ich allerdings schon mit der Plastik-Hülle von Apple machen. Die Qualität ist nicht gut. Bereits nach einem Monat kann ich drei Beschädigungen bemerken. Durch das häufige Herausnehmen und wieder Einlegen in die Hülle ist bereits an der unteren linken Ecke ein Stück Plastik herausgebrochen. Darüberhinaus liess sich die weiche Gummi-Beschichtung an einer Stelle (Lautstärkeknöpfe) bereits abkratzen und darunter kommt das glänzende Plastik zum Vorschein. Und beim Mute-Steller ist auch bereits was im oberen Bereich gerissen. 

Umstieg auf ein neues iPhone

Nun zur Migration vom alten iPhone auf das Neue. Zum ersten Mal hatte ich Probleme, als mir iTunes meldete, daß das Backup vom iPhone 5 defekt sei und das iPhone 6 damit nicht wiederhergestellt werden kann. Und nachdem es mir gelungen war musste ich feststellen, daß ich noch aufwändige manuelle Kontrollen und Nacharbeiten durchführen musste. Mittlerweile ist der Migrationsprozess doch ein wenig komplex geworden und kann manchmal die Nutzer überfordern. Aber dann hat man 128 GB zu befüllen und es ist toll, daß ich jetzt meine selbstproduzierten Filme immer mit mir haben kann. Bereits 90 GB habe ich gefüllt und freue mich, daß noch ca. 20 GB frei sind. 

Was die Alltagstauglichkeit angeht bemerke ich sehr wohl, daß der Akku länger hält. Das ist gerade bei langen Geocaching-Touren sehr zu begrüßen. Obwohl ich auch damit nicht über 4,5 Stunden Nutzungsdauer (heavy use von GPS und Nutzung des Geocaching-Programms) hinauskomme. Selbst dann muss ich sicherheitshalber einen Ersatzakku mitnehmen. Der größere Formfaktor führt schon dazu, daß der Tragekomfort in der vorderen Hosentasche eingeschränkt ist. Mit einem Headset angeschlossen fühlt man sich schon sehr eingeschränkt. Aber dies ist jetzt kein iPhone-Mangel, da es ja wirklich sehr flach ist und damit  eigentlich einen maximal möglichen Tragekomfort liefert. Dieses Problem dürften viele andere Smartphones mit diesem Größenformat haben.

Natürlich benötige ich wieder ein neues iPhone-Wallet (Waterfield Designs: noch nicht verfügbar) und eine neue Halterung für mein Auto (VW: noch nicht verfügbar). 

Bluetooth-Probleme mit dem Auto hat es natürlich auch gegeben. Die Lösung war es, das Auto auf die Werkeinstellungen zurückzusetzen. Danach funktionierte alles wieder einwandfrei und zuverlässig. Vorher kam zwar eine Verbindung mit dem Auto zustande, aber das Auto zeigte an, daß das iPhone keine Connectivity zum Telekom Netzwerk hätte, was nicht stimmte. Bei geführten Anrufen konnte mein Gesprächspartner mich hören, ich diesen aber nicht.

Auch WLAN-Probleme gibt es. Ganz zuverlässig ist es nicht.

Wirkliche Einhandnutzung ist nicht möglich. Wenn man den Daumen auf alle Bereiche des Screens lenken möchte, dann liegt das iPhone sehr wackelig in der Hand und wäre mir fast schon mehrfach aus der Hand gefallen. Die Reachability-Funktion ist zwar nett, hat sich bei mir aber noch nicht als wirkliche Hilfe im Workflow durchgesetzt. Zum Glück hat Apple die Streichgeste von links nach rechts in iOS 7 bereits eingeführt und deshalb muss ich nicht immer den Back-Button in der oberen linken Ecke nutzen. 

Neben all den oben angemerkten negativen Punkten gibt es natürlich viele positive Punkte zu bemerken, die aber eher untergehen, weil man sie für selbstverständlich erachtet. Das Display ist zum Niederknien gut. Tolle Farben, Kontraste und Helligkeit. Neben den OLED-Displays unbestritten das beste Display. Die Kamera wird von Generation zu Generation besser. Die Fokussierung mittels Phase Detection Focus ist faszinierend schnell. Fotos im Dunkeln geschossen sind scharf und von überragender Qualität im Vergleich zu Konkurrenzprodukten. Die Touch ID ist ein unglaublich tolles Konfort-Feature. Ich schätze es sehr und würde mir wünschen, daß es in Zukunft häufiger bei allen Formen der Authentifizierung zum Einsatz kommt. Die grosse Bildschirmtastatur und die Vorhersagefunktion für das nächste zu tippende Wort sind toll. Endlich! Die Health App ist nett, da der eingebaute Schrittzähler ausgewertet wird. Auch die zusätzliche Höheninformation aus dem eingebauten Barometer ist eine nette Zusatzinformation.

iOS 8 ist eine willkommene Erweiterung, aber drängt sich fast nirgendwo auf. Ich hatte es bereits auf meinem iPhone 5 und dem iPad Air installiert und es lief einwandfrei und performant. Die Favoriten und Recents im Multitasking Screen habe ich tatsächlich noch nicht genutzt. Auch die neuen Widgets habe ich nicht installiert. Und die Extensions habe ich auch nicht genutzt, da ich tatsächlich kaum Apps habe, die Widgets anbieten. 

Das komplette Paket ist sehr gut. Hardware, Software und Services liefern weiterhin alles, was man als Nutzer innerhalb des Apple-Ökosystems benötigen könnte. 

Fazit

Alles in allem wird es noch einige Zeit dauern, bis ich mich vollständig an das neue iPhone 6 gewöhnt habe. Im Vergleich zu vorherigen Produkten ist die schlechtere Useability des Gerätes der ausschlaggebende Grund, warum die Akzeptanz nicht sofort da ist. Aber hier hat Apple den Kundenwünsche entsprochen und ist nicht seinen wirklich sinnvollen Useability-Richtlinien weiterhin gefolgt. Damit hat Apple aber den Markt der “großen” Top-Smartphones betreten, den die Konkurrenz bisher ausschliesslich bedient hat. Und wie wir an den Verkaufszahlen sehen, wollten viele Menschen einfach ein größeres iPhone haben. Dies ist gut für Apple und schlecht für die Konkurrenz, da sie nicht mehr exklusiv in diesem Markt unterwegs sind und Apple ihnen die Kunden abgreift. Gerade das iPhone 6 Plus scheint ein überraschender Erfolg zu sein. 

Steve hatte zwar recht, aber trotzdem ist es gut, daß Apple mal anders gemacht hat als die Apple-Ikone. Steve hätte vielleicht auch irgendwann mal gesagt: “was interessiert mich die Argumentation, die ich gestern noch hatte. Jetzt gilt „Bigger is better”“ 😉

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