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PonoMusic Store von Neil Young

Der Ponoplayer sollte seine hochwertigen Musikdaten vom PonoMusic Shop von Neil Young erhalten. Eine gute Idee. Wirklich?

Highres Audio! Wird jetzt alles besser? Es scheint so, wenn man Protagonisten wie Neil Young und seiner Pono-Initiative glauben will. Auf einer Web-Seite erläutern viele Musiker, Aufnahmetechniker und Produzenten warum wir Highres Audio brauchen und warum jetzt alles besser sein wird. Diese Webseite gibt es nicht mehr und den PonoMusic Shop von Neil Young auch nicht mehr. Was ist passiert?

Ponoplayer. PonoMusic von Neil Young
Ponoplayer (Quelle: Amazon)

Um was geht es denn eigentlich bei Highres Audio?

Highres Audio ist Musik in einem digitalen File, welches verlustfrei ist. Music Stores verkaufen es in der digitalen Auflösung, wie es von den Aufnahmetechnikern aufgenommen und abgespeichert wurde. Wir erhalten also mit Highres Audio Musikfiles, die identisch zu denen sind, wie sie von den Aufnahmetechnikern nach der fertigen Abmischung abgespeichert wurden. Sie argumentieren, dass damit der Endkunde genau das bekommt, was sich Musiker, Aufnahmetechniker und Produzenten vorgestellt haben, als sie diese Musik freigegeben haben.

Grundsätzlich finde ich es hervorragend, auf die sogenannten Aufnahmen in Studio Master Quality zugreifen zu können. Dies ist eine andere Bezeichnung für Highres Audio. Dies entspricht dem Original der Aufnahme und besser geht es nicht. Ja, haben wollen 😉

Aber was haben wir denn in der Vergangenheit von der Musik bekommen?

CDs und auch SACDs sind uns als die Gralshüter der digitalen Qualität von Musikaufnahmen versprochen worden. Am Anfang war es auch so, dass sich die Produzenten für die Premiumformate CD und SACD bemüht haben. Sie wollten audiophile Aufnahmen in bestechender Qualität auf die Datenträger brennen. Aber je mehr diese Medien zu Mainstream wurden und die Vinyl-Platte als bevorzugtes Abspielmedium der Konsumenten abgelöst wurde, umso mehr Mainstream-Musik in bescheidener Qualität ist auf diese digitalen Medien gebracht worden. Ich nenne hier beispielhaft den Loudness War, der uns allen Aufnahmen in schlechter Qualität brachte. Wir erhielten in Folge des Loudness War’s nur laute und stark komprimierte Musik. Der Hörer bevorzugte diese Art der Aufnahmen zwar zuerst wegen der höheren Lautstärke. Aber das Gehör ermüdet schnell wegen der fehlenden Dynamik. Diese Aufnahmen sind bewusst von Musikern, Aufnahmetechnikern und Produzenten schlecht gemacht worden. Reine kommerzielle Interessen stehen dahinter. Garbage in – garbage out.

Alles Heuchler

Dieselben Protagonisten wollen uns davon überzeugen, dass alles mit Highres Audio besser wird. Letztendlich kann man davon ausgehen, dass auch bei Highres Audio die Musikindustrie nach denselben Mechanismen funktioniert, wie ich sie bei den ehemaligen Premiumformaten CD und SACD beschrieben habe. Irgendwann werden die Produktionen nicht mehr mit besonderer Sorgfalt produziert, sondern es regiert wieder der Kommerz.

Also kein Grund, auf diesen Zug aufzuspringen und seinen CD oder MP3/AAC-Katalog anzupassen. Ich persönlich habe nur eine geringe Anzahl an Highres Audio Titeln in meiner iTunes Datenbank. Diese liegen wieder in unterschiedlichen Speicherqualitäten vor. 24/88, 24/96 und 24/192. Auch ein paar Apple-Lossless Aufnahmen, die von der CD in 16/44,1 aufgenommen wurden. Aber diese Aufnahmen zählen nicht als Highres Audio im Sinne der neuen Philosophie.

Allerdings besteht der Großteil meiner iTunes-Library aus Titeln in AAC 256K Qualität. Nahe an der CD, wenn man überhaupt Unterschiede hören kann.

Leider ist meine Erfahrung, dass es nur mit Zusatzsoftware auf dem Mac möglich ist, die Musik in seiner gedachten Qualität ohne viel Umkodierung an den externen DAC zu liefern. Auch verarbeitet mein DAC Magic nur bis 24/96. Er würde Titel in 24/192 ebenfalls zuerst auf 24/96 umkodieren, bevor die Musik in ein analoges Signal umgewandelt wird. Diese Mehrfachkodierung ist mit Sicherheit dem gedachten Klang nicht förderlich. Sie führt damit wieder die grundsätzlich Gute Absicht der Highres Audio Initiative ad absurdum.

Bevor sich Highres Audio in der Masse durchsetzen wird, ist noch viel Investment in neue Soft- und Hardware beim Endkunden erforderlich. Erst dann erreichen wir die Convenience des aktuellen mobilen Musik-Lifestyles.

Das Schicksal des PonoMusic Stores

Nach einer der erfolgreichsten Kickstarter Kampagnen wurden über 6 Millionen US$ eingesammelt. Damit brachte es das Team fertig die Ponoplayer und den PonoMusik Store in der zugesicherten Zeit auf den Markt zu bringen.

Leider übernahm Apple den PonoMusik Store-Anbieter Omnifone. Damit war der Store nicht mehr zu erreichen. Man konnte allerdings auch alles andere digitale Musikmaterial hochladen. Egal ob hochauflösend lossless oder lossy.

Trotzdem erklärte Neil Young das Projekt im April 2017 als gescheitert.

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