Apple iMac Problemlösungen

Fusion Drive tot

Lesedauer: 8 MinutenZwei iMacs sind mir kaputt gegangen: Fusion Drive tot. Einmal wegen der SSD und einmal wegen der HDD. Nie wieder möchte ich das erleben.

Dies ist ein weiterer Beitrag in meinem Blog zum Thema Apple Probleme und Lösungen. Und ihr könnt euch vorstellen, dass ich einen solchen Beitrag gerne vermieden hätte. Immerhin hieß es ja früher: Apple, it just works. Meine Erfahrung über nun 17 Jahre Apple-Nutzung sagt was anderes aus. Meine letzte Erfahrung mit meinem iMac von 2019 war wieder sehr negativ. Seit Mitte Juni 2024 ist dieser fast nicht mehr nutzbar. Nach längerer Analyse habe ich herausgefunden, dass die 3 TB Festplatte beschädigt ist. Mit dem unmittelbaren Ergebnis: das Fusion Drive ist fast tot. Und das bereits zum zweiten Mal in meiner Geschichte mit Fusion Drives von Apple.

Fusion Drive: eine nette Idee – mit fatalen Auswirkungen

Bereits bei meinem iMac 2011 (Sandy Bridge) hatte ich ein Fusion Drive konfiguriert. Immerhin hatte dieser Rechner über acht Jahre bis 2019 seinen Dienst zuverlässig geleistet. Dann aber stellte sich heraus, dass die SSD einen Fehler hatte und so entschied ich mich den Anfang 2019 verfügbaren iMac (Kaby Lake) mit 128 GB SSD und 3TB HDD als Fusion Drive zu konfigurieren.

iMac 2011 neben iMac 2017
iMac 2011 neben iMac 2017 – beide Geräte sind mit Fusion Drive ausgestattet

Wir sind nun im Jahr 2024 und das Fusion Drive auch dieses iMacs ist defekt. Diesmal ist es die HDD, die nicht mehr zuverlässig funktioniert. DriveDx empfiehlt sofort ein Backup der Daten zu machen.

Natürlich habe ich an meinen iMac eine Festplatte zur regelmäßigen Time Machine Sicherung angeschlossen. Das fatale an einer defekten Komponente eines Fusion Drive ist, dass damit das komplette Fusion Drive nicht mehr zuverlässig nutzbar ist. Manchmal kommt es auch zu einem Totalausfall des Fusion Drives, auch wenn eine Komponente, in meinem Fall die SSD, noch voll funktionsfähig ist.

Warum sollte man ein Fusion Drive kaufen?

Ein Fusion Drive nach Apple-Art besteht aus einem schnellen kleinen Datenträger und einem großen langsamen Datenträger. Über Software werden diese beiden Datenträger so verbunden, dass die häufig genutzte Software wie das Betriebssystem auf dem schnellen kleinen Datenträger gespeichert wird. Die wenig genutzten Daten und großen Dateien werden immer auf dem großen langsamen Datenträger gespeichert.

Daraus erhält man theoretisch das Beste aus beiden Welten. Schnelle Zugriffe von der SSD und große Speicherkapazitäten auf der HDD. Ein solches Fusion Drive ist immer dabei den optimalen Mix der Dateien zu finden und schiebt andauernd Daten zwischen den beiden Datenträgern hin und her.

Dies funktioniert alles sehr schön im Hintergrund. Solange ein Fusion Drive einwandfrei läuft, hat man immer einen sehr schnellen Rechner und kann große Datenmengen speichern.

Warum sollte man nicht ein Fusion Drive kaufen?

Durch die Kombination beider Datenträger erhöht sich das Risiko des Ausfalls. Beide Komponenten des Fusion Drives werden dauerhaft belastet. Stärker als es bei zwei getrennten Laufwerken der Fall wäre. Fällt eine Komponente aus, dann sind im schlimmsten Fall die Daten auf dem Fusion Drive nicht mehr nutzbar. mac-tv hat diese Problematik gut in einem Video-Beitrag beschrieben.

Bei meinem ersten iMac war es die SSD, die nicht mehr funktionierte. Bei meinem zweiten iMac war es die Beschädigung der HDD, die das Fusion Drive beeinträchtigte.

Aber warum kauft man nicht sofort eine große SSD anstelle eines Fusion Drives? Nun ja, das liegt an Apples Aufpreispolitik für Speicher. Sowohl RAM als auch Storage sind bei Apple prohibitiv teuer. Natürlich verbaut Apple gute und schnelle Komponenten, aber trotzdem sind die Preise mehrfach höher, als wenn man diese Produkte am Markt kauft. Ich habe mich auch davon abschrecken lassen und habe damals ein paar hundert Euro gespart, indem ich das Fusion Drive konfiguriert habe.

Ein schwerer Fehler – ich habe das gleich bei zwei iMacs erlebt. Und ein teurer dazu. Ich brauchte einen weiteren Rechner, auf den ich die Daten übertragen konnte. Immerhin knapp 1,2 TB an persönlichen Daten, die ich seit 2007 auf meinen Macs gesammelt habe.

Datenrettung

Dazu bin ich zweigleisig vorgegangen. Erstens habe ich eine Sicherung der operativen persönlichen Daten vom Fusion Drive gestartet. Dazu habe ich mir eine SanDisk Portable SSD mit zwei TB Kapazität gekauft. Zweitens habe ich meine Datensicherungsplatte mit der Time Machine Sicherung erstmal vom iMac abgezogen, um die Daten durch fehlerhafte weitere Datensicherungen nicht zu beschädigen.

Die Sicherung auf die externe SSD stellte sich als besondere Herausforderung dar. Erstens dauerte es manchmal dutzende Minuten bevor der iMac überhaupt nutzbar war und ich anfangen konnte Daten zu kopieren.

Minutenlang nur der Beach Ball. Nervig

Dann stürzte er fast regelmäßig ab und startete neu. Manchmal musste ich den Rechner erstmal mehrere Stunden laufen lassen. Erst danach war eine gewisse Stabilität vorhanden, so dass ich dann mehrere hundert Gigabytes auf einmal sicher kopieren konnte. Außerdem war auch die Bluetooth-Verbindung zu Tastatur und Trackpad unstabil.

Diese Datensicherungsmaßnahme dauerte knapp zwei Wochen. Nach mehreren sorgfältigen Kontrollen hatte ich dann einen Stand erreicht, der überraschenderweise konsistent zum Stand auf dem Fusion Drive war.

Es gab nur eine große Datei, die ich nicht kopieren konnte. Es war eine Virtuelle Maschine mit Windows 11, welche knapp 40 GB groß war. Aber egal. Mein nächster Rechner würde ein MacBook Air mit M2-Prozessor sein. Auf dem würde diese Virtuelle Maschine nicht nutzbar sein, da es eine x86-Virtualisierung ist.

Fusion Drive adé – hello SSD

Ich hätte auch schreiben können: iMac adé – hello MacBook Air. Ich habe meine iMacs geliebt. Das waren richtige Arbeitstiere, die mir über all die Jahre gut gedient haben. Ich habe sie immer maximal ausgestattet. Gespart habe ich immer aber an dem zu teuren SSD Storage.

Im Nachhinein bin ich jetzt schlauer. Ich hätte auch jetzt wieder gerne einen iMac in 27″ gehabt. Da gibt es nichts vergleichbares mehr bei Apple. Leider ist der Ausfall meines Fusion Drives genau in die Phase gefallen, in der es nur einen iMac in 24″ bei Apple zu kaufen gibt. Eine Alternative wäre ein Mac mini mit M-Prozessor und ein Apple Studio Display (oder ein anderes 5K-Display) gewesen. Alleine das Display hätte mich mal eben 1749 € gekostet. Und für den Mac mini mit 2 TB SSD kommen auch mal eben 2191 € auf die Rechnung.

In diesem Jahr wollte ich aber für ein Arbeitsgerät nicht so viel Geld ausgeben. Aber es sollte zukunftsfähig sein. Und ich wollte ein großes Display haben. Mir war natürlich bewusst, dass ich diesmal kein 27″ Display erhalten würde. Ein 24″ iMac (M3) mit 24 GB RAM und 2TB SSD ist neu für 3209 € erhältlich. Ein Refurbished Model liegt hier noch bei 2729 €.

Die aktuelle Palette von iMacs bei Apple – mehr als 24″ gibt es nicht mehr

Wieder arbeitsfähig mit einem MacBook Air 15″

Ich habe mir ein maximal ausgestattetes MacBook Air 15″ mit M2 Prozessor von 2023 als Refurbished Mac aus dem Apple Online Store gekauft. Das Laptop hat 24 GB RAM und 2 TB SSD an Bord. Und es hat auch als Refurbished Mac seinen Preis. Mit seinen 2339 € ist es weit in MacBook Pro Gefilde angekommen. Aber ein ähnlich mit 2 TB SSD ausgestattetes MacBook Pro 16″ (M3 Pro, 16 GB RAM) würde schon bei 3689 € Neupreis liegen. Ein vergleichbares Refurbished MacBook Pro 16″ (M2 Pro, 16 GB RAM) bekommt man schon für 2979 €. Alles sehr viel mehr, wenn man Wert auf eine große interne SSD legt. Aber das ist die spezielle Apple Tax, die man als Apple-Käufer bereit sein muss zu zahlen. Vergleichbare Laptops im Wintel-Bereich erhält man schon für 1300 €.

Das Aufsetzen des MacBook Air war eine schnelle und befriedigende Prozedur. Wenig später waren auch alle in der iCloud gespeicherten Daten zugreifbar, z.B. 1,7 TB an Fotos und Videos. Und die Übertragung von der externen SanDisk Portable SSD 2 TB war eine Freude. So schnell habe ich noch nie Daten von einem Rechner auf den anderen übertragen. Das machte Spaß.

Fazit

Fusion Drives klangen nach einer guten Idee, als ich mir 2011 meinen ersten iMac gekauft habe. Selbst 2019 waren sie immer noch eine günstige Alternative gegenüber reinen SSD-Lösungen. Aber die Gefahr eines Ausfalls ist massiv erhöht, da das Risiko des Ausfalls sich bei einer Kombination von zwei unterschiedlichen Techniken erhöht. Und genau dieses Risiko ist zweimal bei mir eingetreten und hat den Rechner unbenutzbar gemacht. In einem Fall ist die SSD beschädigt gewesen, beim anderen Fall war es die HDD. In beiden Fällen stand ich vor der Herausforderung meine Daten zu retten und auf ein neues System zu sichern.

„fool me once, shame on thee; fool me twice, shame on me“

Binsenweisheit, musste ich leider für mich erleben

Screenshot

Fusion Drives sind also ein untauglicher Versuch Geld bei Apple zu sparen. Während man mit 2 TB SSD ausgestattete Wintel PCs für wenig Geld bekommen kann, findet man bei Apple furchtbare Aufpreise. Apple möchte 920 € Aufpreis für eine 2 TB SSD gegenüber einer 256 GB SSD haben. Das ist weit überhöht gegenüber Marktpreisen.

Aber dieser Rechner ist mein Arbeitswerkzeug und muss zuverlässig laufen. Fusion Drive ist eine schlechte Idee und leider auch nicht für längere Zeit zuverlässig. So habe ich mit dem MacBook Air und seinem 15″ Screen eine gute Arbeitsplattform hoffentlich für die nächsten Jahre.

Apple hat bereits November 2021 entschieden, dass sie kein Fusion Drive mehr anbieten. Seitdem werden nur noch SSDs in Apples Macs verbaut. Allerdings zu unverschämten Preisen.

2 comments

  1. Hi, hab‘ nicht alles gelesen. Nur kam mir sofort folgende Idee: „normalerweise“, also mit Linux oder SUN/Solaris würde man sich 2 Fusion Drives anschaffen und die spiegeln – geht das nicht?

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