Das Zeitalter der Mobiltelefone

Nach meinem Beitrag über Nokia-Mobiltelefone (Link) habe ich in meiner Sammlung mal nachgeschaut, welche Mobiltelefone noch vorhanden sind. Und dabei habe ich festgestellt, daß ich diese nicht in meine Liste der Sammlungsstücke aufgenommen habe. Vielleicht, weil ich diese Geräte nicht als ernsthafte Computer wahrgenommen habe. Natürlich sind das recht einfache Geräte im Vergleich zu heutigen Smartphones. Aber es sind Bestandteile meines Digitalen Lebens und deshalb verdienen sie auch eine besondere Würdigung.

Ich habe drei Siemens-Geräte gefunden und drei Nokia-Geräte und alle funktionieren nach dem GSM-Standard:

Siemens- und Nokia-Mobiltelefone in meiner Sammlung
  • Siemens S3 com,
  • Siemens S6d,
  • Siemens S35i,
  • Nokia 3210,
  • Nokia 6210,
  • Nokia 6310i.

Das Global System for Mobile Communication (GSM) ist der Standard, der ab 1991 die D- (DeTeMobil, Mannesmann) und E-Netze (E-Plus, Viag Intercom) ermöglichte. Damals konnten digitale Sprachkommunikation und Kurzmitteilungen (SMS) abgewickelt werden. GSM wurde nach der ersten Generation von Mobilfunknetzen (A, B, und C-Netze) als 2G bezeichnet. In einigen Ländern (wie Belgien und Bulgarien) wird GSM synonym für Mobiltelefon genutzt.

Wenn man heutzutage nach GSM-Mobiltelefonen sucht, findet man tatsächlich noch eine große Auswahl an topaktuellen Mobiltelefonen, die noch genau mit der Technik funktionieren, wie sie vor 20 Jahren aktuell war. Mittlerweile dürften dies aber keine 2G-Telefone mehr sein, sondern auf UMTS (3G) oder LTE (4G) Funktechnik aufbauen. GSM wird es in absehbarer Zukunft nicht mehr geben. 5G soll dann als Nachfolgestandard für alte 2G-Geräte (z.B. in Ampelsteuerungen, Feueralarm) die 2G-Technik emulieren.

Aktuelle Auswahl von GSM-Mobiltelefonen (Quelle: Google Shopping nach GSM Mobiltelefone)

Diese Mobiltelefone werden auch als Feature-Phones bezeichnet, da sie mehr als die grundlegenden GSM-Services leisten, aber doch noch von der Kategorie der Smartphones entfernt sind. Als Betriebssysteme werden KaiOS, Java ME und Symbian OS verwendet.

Feature-Phones als gesellschaftliches Phänomen

Nach der Einführung des 2G-Standards hat sich das Mobiltelefon als gesellschaftliches Phänomen durchgesetzt. Anfangs noch sehr teuer wurde es Ende der 1990er-Jahre auch für den Normalverdiener möglich, ein Mobiltelefon zu kaufen. Mein Vater hatte als niedergelassener Arzt in seinem Auto ein Siemens S3 com (Link) eingebaut und konnte damit außerdem erstmals SMS versenden. Das war für 1995 ein revolutionäres Feature. Ich selbst habe mir 1997 dann mit meinem ersten Job als Systemanalytiker bei der Firma Gesellschaft für Mathematik und Informatik (GMI) in Aachen ein Siemens S6d (Link) mit einem Mannesmann D2-Vertrag leisten können. Diese damals vergebene Mobilfunknummer habe ich dann bis 2007 noch genutzt.

Mit dem Vertrag bekam man schon damals eine SIM-Karte (Subscriber Identity Module), die erforderlich war, um den Benutzer, seinen Tarif und das Handy logisch und technisch zu verbinden. Diese SIM-Karten sind über die Jahre immer kleiner geworden und wir reden heute von der Nano-SIM als Standardgröße. Aber es zeigt sich schon, daß die SIM-Karte bald obsolet wird durch die Einführung der eSIM (embedded SIM), die keine physikalische Karte zum Einstecken mehr darstellt.

Auch heute gilt noch eine weitere liebgewonnene Tradition wie vor über zwanzig Jahren. Ein Mobilfunkvertrag wurde nach zwei Jahren automatisch verlängert (das haben wir nicht gemocht) und man konnte dann wieder ein subventioniertes Mobiltelefon auswählen (super). Dies führte natürlich dazu, daß Feature-Phones regelmäßig erneuert wurden und der Mobilfunkmarkt bezüglich der Absatzzahlen der Mobiltelefone explodiert ist.

Die Hochzeit der Mobiltelefone war zwischen Ende der 1990er und Anfang 2010. Damals wurden die Geräte ihrem Namen Feature-Phone gerecht, da mit jeder Generation neue Features hinzukamen. Es wurden

  • Kameras (ab 1999) eingebaut,
  • Radio-Empfang war mit eingesteckten Kopfhörer möglich, der als Antenne fungierte,
  • Musikplayer konnten Musik von Speicherkarten (ab 2001) abspielen,
  • mit Erweiterungen wie GPRS und EDGE konnte dann auch im Internet gesurft werden. Man nannte dies dann WAP-Browsing, da die Datenmengen gering gehalten werden mußten. Das „richtige“ Internet gab es dann erst mit 3G und 4G,
  • GPS-Lokalisierung wurde möglich gemacht (ab 2005)
  • und Apps konnten über Java ME (1999-2007) auf diese Geräte gespielt werden.

Kulthandys kamen damals auf den Markt, die jeder haben wollte. Schön ist bei Nokia (Link) zu sehen, wie sie ihre Produkte segmentiert haben und für unterschiedliche Kundengruppen jedes Jahr neue Geräte rausgebracht haben. Beispiele sind:

  • Nokia 3210: gehört zur sogenannten Youth Expression Series. Früher waren das Prepaid-Geräte, dann später Modelle der mittleren Preisklasse (Nokia 3210, Nokia 3310/Nokia 3330, Nokia 3410, Nokia 3510). Dieses Gerät hatte ich dann im Jahr 1999 gekauft. Es war das erste Handy ohne die vorher obligatorischen Antennenstummel. Sehr elegant und man konnte die Außenschalen austauschen und damit seinem eigenen Geschmack anpassen. Außerdem gab es mit diesem Gerät auch die Texteingabeunterstützung T9, die das SMS-Schreiben erheblich beschleunigte, wenn man T9 nutzte. Ich habe mein persönliches 3210 auch heute noch, es ist in einem großartigen Zustand und Bestandteil meines Computermuseums (Link) geworden.
  • Nokia 6210: vielen Dank an Elmar für diese Spende zu meinem Computermuseum (Link). Dieses gehört zur Classic Business Series mit Modellen für hauptsächlich geschäftlichen Einsatz. Schlichtes, funktionales Design und gedeckte Farben. Das 6210 erschien 2000 und hatte einen WAP-Browser und einen relativ großen Speicher für Kontaktdaten.
  • Nokia 6310i: das Nokia 6310i wurde 2002 veröffentlicht und ist Teil von Nokias Classic Business Series. Es wurde speziell für Geschäftskunden entwickelt. Das i im Namen weist darauf hin, dass es sich um die verbesserte Version dieses klassischen Geräts handelt. Die Lebensdauer der Batterie, die Signalstärke und die Langlebigkeit dieses Mobiltelefons sind auch heute noch legendär. Es besaß zwar keine Kamera, bot aber Bluetooth-Konnektivität. Auch dies ist eine Spende meines Vaters, die ich hiermit in mein Computermuseum (Link) aufgenommen habe.
  • Siemens S35i: man mag es nicht glauben, aber dieses unscheinbare Mobiltelefon war 2000 das Flaggschiff von Siemens (Link). Siemens war damals der fünftgrößte Mobiltelefon-Hersteller in der Welt und die Firma hatte gerade mit dem Consumer-Gerät C35 sein erfolgreichstes Mobiltelefon überhaupt herausgebracht. Das S35i war das dazugehörige Business-Gerät und hatte keinen Antennenstummel wie das C35. Es hatte eine beeindruckend abgerundete, fast handschmeichlerische Form. Mit Dual Band Abdeckung für D- und E-Netz war es für alle Kunden in Deutschland nutzbar. Eine Sprechzeit von 6 Stunden hat einen sehr gut durch den Business-Tag gebracht. Ich weiß allerdings nicht mehr, woher ich dieses Gerät für mein Computermuseum (Link) bekommen habe. Ich erinnere mich, daß ich als Firmentelefon das Nachfolgegerät Siemens S45 hatte, was mir dann aus dem Auto gestohlen wurde. Vielleicht war es ein Ersatzgerät der Firma.

Was ist geblieben?

Mit der Einführung der Smartphones mit Touchscreens hat sich das Interesse der Kunden relativ schnell weg von den Feature-Phones entwickelt. Trotzdem gibt es auch weiterhin einen Markt für diese Geräte mit ihren Tasten und kleinen Bildschirmen. Gerade in Entwicklungsländern sind diese Geräte wegen ihres günstigen Preises und der Robustheit immer noch sehr gefragt.

Aber die große Zeit der Feature-Phones war spätestens 2013 vorbei, obwohl Nokia mit 61,1 Millionen verkauften Geräten (Feature-Phones und Smartphones) noch auf Platz 2 im Ranking der Handy Hersteller auftauchte.

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