Früher waren mir Autos sehr wichtig. Ich las regelmäßig die Auto, Motor & Sport und erfreute mich an den neuen Modellen der Automobilindustrie, Autotests und technische Details. In den 80ern kaufte mein Vater Oberklasse-Modelle wie den Volvo 264 GLE und in der Folge dann zwei S-Klassen von Mercedes Benz. Mein erstes eigenes Auto war ein VW Vento, praktisch ein Golf in Limousinen-Form. Mein persönliches Highlight war ein E 280 in den frühen 2000ern. Nie wieder bin ich schneller auf deutschen Autobahnen gefahren. Danach fuhr ich Dienstwagen von Audi, VW und Ford, die mir meine Firma zur Verfügung stellte. Alles solide Diesel mit bis zu 150 PS. In der Zwischenzeit bin ich über Autovermietungen schon einige Hybriden gefahren. Auch ein Elektrofahrzeug durfte ich testen. Dies war ein Tesla Model X 100D, über den ich einen Erfahrungsbericht auf meinem Blog veröffentlichen konnte.

Was mir heute an Autos wichtig ist, sind Komfortmerkmale wie Apple CarPlay, Soundsysteme, Lenkrad- und Sitzheizung. Seit Jahren interessiere ich mich nicht mehr für Autos und ich lese auch nicht mehr die Auto, Motor & Sport. Autos sind mir zu teuer geworden. Sie fangen halt mit Au an und hören mit O auf. Mein Vater hat für den Oberklasse-Volvo in den 80ern noch knapp über 30000 DM bezahlt. Heutzutage bekommt man fast kein vernünftiges Auto für 30000 Euro. Auch wüsste ich nicht, was ich heute kaufen würde, wenn ich ein Auto haben will. Ich würde ja immer noch einen Verbrenner (ICE=Integrated Combustion Engine) bevorzugen. Bei Elektrofahrzeugen (EV=Electric Vehicle) ist mir die Ladezeit zu lang und die Ladeinfrastruktur nicht gut genug ausgebaut. Und ohne eine eigene Wallbox und nächtlichen Ladevorgang würde ich kein EV fahren wollen.
Veränderungen in der Automobilindustrie
Was mich aber sehr interessiert, ist die Veränderung des Automobilmarktes und der Fahrzeughersteller, die auf dem deutschen PKW-Markt ihre Produkte verkaufen. Hier werden sich in Zukunft Verschiebungen von Europa, Japan und Korea nach China ergeben. Erst letztens habe ich gesehen, wie in Behördensystemen dieser neuen Realität Rechnung getragen wurde, und eine große Anzahl von chinesischen Autoherstellern in ein Verzeichnis aufgenommen wurde. Innerhalb der nächsten Jahre werden fast zwanzig zusätzliche chinesische Hersteller ihre Produkte auf den europäischen Märkten verkaufen.
Staatlich gewollt werden immer mehr EVs gekauft. Bis Ende 2023 wurden EVs stark vom deutschen Staat gefördert und dieser hat den Ausstieg von Verbrennerfahrzeugen forciert. Auch wenn aktuell Bestrebungen laufen, das Verbrenner-Aus nach hinten zu schieben, sind EVs wahrscheinlich nicht aufzuhalten.
Betrachtung spezieller Automarken
Premiummarken wie Mercedes Benz, BMW und Audi haben neben den Firmen der VW-Gruppe den deutschen Automobilmarkt über die letzten Jahrzehnte dominiert. Früher waren auch Ford und Opel Lieferanten von Volumenmodellen. Hunderttausende von Fahrzeugen wurden in diesen Jahren verkauft.

Die großen europäischen Autofirmen waren Peugeot, Citroen (PSA Groupe) und Renault aus Frankreich, sowie Fiat aus Italien. Die großen japanischen Firmen waren Toyota, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan und Subaru. Die Koreaner waren mit Hyundai und Kia vertreten.
Außerdem sind noch die VW-Konzerntöchter Seat und Skoda relevant in den deutschen PKW-Zulassungsstatistiken.
Elektrofahrzeug-Hersteller wie Tesla sind erst in den letzten Jahren relevant geworden. Im Jahr 2024 haben EVs weniger als 20% des Marktes ausgemacht.
Alle anderen Marken sind zwar auf dem deutschen Automobilmarkt vertreten, werden allerdings kaum in großen Stückzahlen verkauft.
Um mein Bauchgefühl zur Entwicklung des deutschen PKW-Marktes mit Zahlen zu unterstützen habe ich die jährlichen Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) gesammelt. Ab dem Jahr 2003 konnte ich zuverlässige Zahlen zusammentragen, die ich in einer Tabellenkalkulation zusammengefasst habe und daraus Grafiken zu den Statistiken erstellt habe.
Entwicklung des PKW-Bestandes in Deutschland
Drei Statistiken sind hier interessant:
- Die Anzahl aller in Deutschland zugelassenen PKWs (PKW-Bestand)
- Die neu zugelassenen PKWs
- Und die Bestandsumschreibungen, also Ummeldung und Zulassung von Gebraucht-PKWs.

Kommen wir zuerst zum PKW-Bestand in Deutschland. In den letzten Jahren sind die Zahlen von knapp 41 Millionen auf über 49 Millionen kontinuierlich gestiegen. Die Kurve ist nur bei 2009 und 2010 nach oben durchbrochen und flacht aber in den letzten Jahren ein wenig ab. Dies liegt vor allem daran, dass die Anzahl der neu zugelassenen PKWs in diesen Zeiträumen auch kleiner geworden ist.

In den letzten zwanzig Jahren liegen die jährlichen PKW-Neuzulassungen immer um die drei Millionen Fahrzeuge, aber mit einer fallenden Tendenz. Einen auffälligen Ausbruch nach oben gibt es im Jahr 2009 nach der Wirtschaftskrise. Damals führte der deutsche Staat eine Umweltprämie (Abwrackprämie) von 2500€ ein. So sollten deutsche Kunden zur Verschrottung alter Fahrzeuge und zum Neukauf neuer Fahrzeuge animiert werden. Diese Absicht hat funktioniert.
Ab 2020 zeigen sich die Folgen der Corona-Pandemie in den PKW-Neuzulassungszahlen.
Die jährlichen Gebrauchtwagenverkaufszahlen liegen in einem Korridor von sechs bis sieben Millionen, im Jahr 2022 auf einem absoluten Tief von 5,6 Millionen.
PKW-Neuzulassungen nach Automarken
Doch schauen wir uns an, wer die großen Anbieter am deutschen Automobilmarkt sind? Wie haben diese sich in den letzten zwanzig Jahren geschlagen?

Anhand der von mir oben beschriebenen Auswahl an Automarken sieht man, dass diese den Großteil der jährlichen knapp drei Millionen Neuzulassungen ausmachen. Man sieht aber auch, dass der Absatz hier mittlerweile unter 2,5 Millionen gefallen ist und damit viele andere Automarken den großen vierzehn Konkurrenz machen. Dass dies so ist, sieht man an der nächsten Statistik.

Der Anteil ist in den letzten zwanzig Jahren von neunzig Prozent auf knapp achtzig Prozent gefallen.
Volumenmarken – VW, Opel und Ford
Für mich als Ford Mondeo Fahrer ist der Niedergang der Marke Ford in der nun folgenden Statistik sehr deutlich geworden.

Die Zahlenreihe zeigt auf, dass Ford Anfang der 2000er noch regelmäßig um 250000 PKW pro Jahr verkauft hat. In den letzten Jahren sind die Zahlen auf 100000 PKW pro Jahr gefallen. Ford ist damit nicht mehr einer der großen Volumenhersteller. Die deutschen Premiummarken verkaufen weit mehr als der günstige Anbieter Ford. Aber ist Ford heute wirklich noch günstig? Es gibt keinen Ka, keinen Fiesta und auch keinen Mondeo mehr. Ford hat all diese PKW-Reihen eingestellt und dabei auf teure EVs (wie den neuen Capri und Mustang Mach-E) gesetzt.

Auch Opel ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Trotz interessanter Modelle werden Opel nicht mehr so viel verkauft. Aber gegenüber Ford ist Opel noch relevant und heute Teil des Stellantis Konzerns.
VW ist der große Elefant am deutschen PKW-Markt. Der Anteil ist hoch und bei ungefähr 20% über all die Jahre geblieben. Während aber in den ersten neunzehn Jahren unseres Jahrtausends jährliche Zulassungszahlen von 600000 normal bei Volkswagen waren, hat die Pandemie deutlich Spuren hinterlassen. VW liegt nun bei eher 500000 neu zugelassenen PKWs in den letzten Jahren.
Deutsche Premiummarken – Mercedes, BMW und Audi

Während die früheren Volumenanbieter Ford und Opel Federn lassen mussten, haben es die deutschen Premiummarken Mercedes, BMW und Audi verstanden ihre Verkaufszahlen im Bereich zwischen 200000 und 300000 PKW pro Jahr hochzuhalten.

Dabei ist ausgerechnet die teuerste Marke Mercedes auch die erfolgreichste was die jährlichen PKW-Zulassungen angeht. BMW ist in dieser Gruppe der zweite und Audi folgt kurz darauf. Aber in der Statistik sieht man deutlich, dass auch bei diesen Marken der Absatz über die Jahre massiv eingebrochen ist. Auch hier hat die Pandemie einen deutlichen Einbruch in den Zulassungszahlen gezeigt.
Interessant ist, dass die Premiummarken im erfolgreichen Jahr 2009 nicht so profitieren konnten wie die günstige Konkurrenz. Damals haben sich die Bezieher der Abwrackprämie eher für günstige Fahrzeuge nicht von den Premium-Herstellern entschieden.
Importmodelle ausländischer Hersteller
Die nächste interessante Gruppe von Herstellern sind die ausländischen Hersteller mit ihren Importmodellen. Noch sind die chinesischen Hersteller im deutschen PKW-Vertrieb nicht wirklich relevant. Aber wahrscheinlich ist es unvermeidlich, dass wir sie bald in den Zulassungsstatistiken finden werden, da nur diese in der Lage sein werden günstige EVs anzubieten.
In den letzten zwanzig Jahren sind es die schon oben beschriebenen ausländischen Hersteller aus Europa, Japan und Korea, die mit ihren Importmodellen am deutschen PKW-Markt erfolgreich sind.

Man sieht, dass der deutsche PKW-Käufer im Jahr 2009 auf günstige Importmodelle gesetzt hat. Hier haben die ausländischen Hersteller besonders von der Abwrackprämie des deutschen Staates profitiert.
Während die französischen Anbieter immer weniger PKW in Deutschland verkaufen, sind die VW-Konzernmarken Seat und Skoda sehr erfolgreich.

Gerade wegen der günstigen VW-Konzernmarken steigt in den letzten zwanzig Jahren der Anteil von ausländischen Importmodellen von knapp 22% auf über 25% an. Allerdings ist der Abstieg der französischen Marken von 11% um das Jahr 2000 auf nunmehr unter 7% sehr auffällig. Gut, dass Renault eine Marke wie Dacia hat, die heute die günstigsten europäisch produzierten Automodelle anbietet. Dacia und seine knapp 71000 verkauften PKW im Jahr 2024 hatte ich in meinen Statistiken nicht berücksichtigt.
Antriebsvariationen – Diesel und alternative Antriebe
Als Dieselfahrer der letzten fünfzehn Jahre interessierte mich vor allem, wie hoch der Anteil der Diesel an den neuzugelassenen PKW war. Und ich wollte wissen, ab wann die alternativen Antriebe wie Hybrid oder EV wirklich relevant wurden und in der Statistik auftauchen.

Während der Diesel in den ersten sechzehn Jahren dieses Jahrtausends hohe Anteile im 40% Bereich aller zugelassenen PKW hat, so sinkt dieser Anteil stark mit der Einführung der alternativen Antriebe, die im Jahr 2024 immerhin 47,6% aller zugelassenen Fahrzeuge ausmachten. Eine interessante Beobachtung ist auch, dass im Jahr 2009, im Jahr der Abwrackprämie, die meisten Käufer nicht den Diesel, sondern den günstigeren Benziner bevorzugten.
Bemerkenswert ist wirklich die Entwicklung der EVs, die in den letzten Jahren einen Zulassungsrekord nach dem anderen erreicht haben. Aber die Einstellung der E-Auto-Förderung Ende 2024 führte wieder zu einem Einbruch beim Absatz dieser PKWs.


Ab 2026 soll es wieder eine E-Auto-Förderung geben. Diese ist aber nur für eine Einkommensgrenze bis 80.000 Euro zu versteuerndes Haushaltsjahreseinkommen möglich. Damit soll vor allem dafür gesorgt werden, dass günstigere EVs auf den Markt kommen.
Autopreise – gefühlte gegen reale Preissteigerungen
Was waren das noch für Zeiten, als man einen Golf 1 für 8000 DM kaufen konnte. Das war im Jahr 1974. Bei einem Medianeinkommen von 18000 DM eines deutschen Arbeitnehmers in diesem Jahr musste dieser fünf Monate für einen Golf arbeiten.
Für den Golf 4 sollte man im Jahr 1997 schon 30000 DM hinlegen. Der deutsche Arbeitnehmer musste schon zehn Monate für sein Auto arbeiten bei einem Medianeinkommen von damals 35000 DM.
Weitere zwanzig Jahre weiter und wir erleben, dass die Durchschnittspreise aller neu angebotenen PKW mit alternativen Antrieben (z.B. Hybride oder EV) im Jahr 2017 bei 46490€ lag und nur wenige Jahre später im Jahr 2023 auf 59972€ gestiegen sind. Die Zahlen sind Ergebnisse einer ADAC-Studie. Diese massive Preissteigerung resultiert unter anderem aus Lieferengpässen, die in der Pandemie entstanden sind.
Warum sind neue Autos so wahnsinnig teuer geworden? (Quelle: carwow.de, YouTube)
Diese Entwicklung ist aber auch das Ergebnis der Margenstrategie der Automobilhersteller. Nicht mehr die Masse zählt, sondern der Gewinn pro Fahrzeug.
Das Netto-Medianeinkommen des deutschen Bürgers lag im Jahr 2024 auch schon bei 28000€. Das bedeutet, dass der private Autokäufer heute mehr als zwei Jahre für sein (Elektro-)Auto arbeiten muss.
Kein Wunder also, wenn die Verkaufszahlen bei PKW-Neukäufen durch Privatkunden massiv runtergehen und die Quote gewerblich genutzter Fahrzeuge (also z.B. Dienstwagen) in den letzten Jahren so gestiegen ist.

Apple Car – wo bist Du?
Nach all den Betrachtungen zu Automarken, ihre Verkaufszahlen und Autopreisen stellt sich die Frage, ob die großen Tech-Firmen wie Apple oder Samsung bald eigene Fahrzeuge herausbringen werden?
Die kurze Antwort ist wohl nein. Apple hat zwar mit dem Project Titan ab dem Jahr 2014/2015 ein voll autonomes Auto geplant. Im Jahr 2019 stellte Apple auch Auto-Experten mit E-Auto Expertise von der Konkurrenz (Tesla, Mercedes, BMW) ein. Teststrecken wurden reserviert und Apple hatte wohl auch eine Lizenz für autonome Tests. Dann hörte man von Zeitplanverschiebungen bevor im Jahr 2024 das Projekt eingestellt wurde.
Heute konzentriert sich Apple wohl eher auf das Thema KI und nicht mehr auf ein eigenes Auto. Wenigstens scheint mit CarPlay Ultra ein Forschungsergebnis dieses Projektes langsam auf den Markt zu kommen. Aston Martin ist der erste Anbieter dieser hoch-integrierten Lösung in die Fahrzeugtechnik.
Dass Apple es nicht schaffte ein eigenes Auto zur Marktreife zu bringen, bedeutet nicht, dass nicht andere Tech-Konzerne dies schaffen können. Samsung ist ein Riesen-Konzern und könnte dies sehr wohl anstreben. Und mit Xiaomi hat ein chinesisches Tech-Unternehmen sein erstes vielversprechendes Auto herausgebracht.
Fazit
Ich selbst bin in den 80ern groß geworden. Wir wurden auch die Generation Golf genannt, weil unser erstes Auto meistens ein Golf war. Ich selbst hatte als erstes eigenes Auto einen VW Vento, einen Golf mit Stufenheck. Mobilität war das wichtigste für uns. Und das Auto half uns dabei unsere Welt zu entdecken. Ich bin Hunderttausende Kilometer mit vielen Autos gefahren. Vor allem privat, aber auch viel beruflich zu meinen Kunden.
Früher hat mir Autofahren auch viel Spaß gemacht. Mittlerweile ist der Verkehr viel dichter und Staus und Baustellen sind viel häufiger. Autobahnsperrungen nach Unfällen hat es früher nur selten gegeben. Heute werden diese Maßnahmen fast täglich ergriffen und ich selbst stand auch schon in einigen und habe mich gefragt, wann es denn wieder weitergehen wird.
Die Elektromobilität krankt meiner Meinung nach daran, dass EVs zu teuer sind, Ladezeiten zu lang sind und es zu wenig Ladestationen gibt. Außerdem wird Strom immer teurer und die meisten Deutschen leben in Städten ohne die Möglichkeit eigener Wallboxen für das E-Auto. Nur über eine eigene Wallbox sind günstige Strompreise möglich. Meistens sind die Preise an öffentlichen Ladestationen bis zu doppelt so teuer wie der private aus der Wallbox.
Zum Glück sind seit der Pandemie die Mobilitätsanforderungen stark gesenkt worden. Aus dem Home Office bedienen wir unsere Arbeitgeber und Kunden. Und dafür benötigen wir kein Auto mehr. Aber mobil möchte ich trotzdem sein, und da ist das Auto weiterhin ungeschlagen. Es muss kein privates sein. Carsharing-Plattformen sind wahrscheinlich die Zukunft.

