Computer in den 2020ern?

Für mich als Sammler von interessanten Computermodellen waren die letzten 40 Jahre sehr ergiebig. Doch was wird es voraussichtlich in den 2020ern noch an interessanter Hardware geben, wo doch die Zukunft Cloud Computing sein wird?

Die letzten 40 Jahre

Bei mir fing die Computerleidenschaft in den frühen 80er-Jahren an. Und in dieser Zeit domierten die 8bit-Homecomputer. Es gab eine Vielzahl an interessanten Produkten von unterschiedlichen Herstellern, die höchst unterschiedlich waren. Diese Computer hatten dann auch eine sehr kurze Nutzungszeit, bis auf wenige sehr ikonische Produkte von Commodore und Sinclair, die auch heute noch eine treue Fangemeinde haben. Die meisten Computer können heute in Software emuliert werden und alle Softwareprodukte, die damals vorhanden waren, sind heute als digitale Files zum Download vorhanden. Auch wenn mit Sicherheit Rechte verletzt werden, ist es großartig, diese Spiele nochmals nachzuspielen. Ich persönlich spiele gerne Fort Apocalypse auf dem C64 mini.

Auch in den früheren 80ern begann die Zeit der PCs und der Macs. Damals in der Funktionalität noch sehr eingeschränkt, haben diese Geräte aber den Industriestandard geschaffen, auf den sich Unternehmen verlassen haben und deshalb in diese Kategorie von Hard- und Software investiert haben. Die IBM PCs sind mit Sicherheit eines der Must Haves in jeder Sammlung. Genauso wie frühe Apple MacIntoshs.

Während der Industriestandard noch wenig Farbgrafik und Sound vorsah, waren die 16bit-Computer ab Mitte der 80er-Jahre in diesen beiden Kategorien unglaublich fortgeschritten. Besonders Atari ST und Commodore Amiga waren die Beherrscher dieses Marktes. Viele Nutzer der 8bit-Homecomputer sind auf diese Rechnerkategorie umgestiegen und haben viel Spaß mit diesen Geräten gehabt.

Ab Anfang der 90er-Jahre war die Wintel-Plattform der Industriestandard. Microsoft und Intel hatten IBM als Trendsetter abgesetzt und trieben diesen Standard mit ihren Hardwarepartnern voran. Die Plattform war mittlerweile leistungsfähiger als die 16-bit Rechner der späten 80er-Jahre und sie wurden auch bezahlbar und wurden über die Elektronikmärkte an die Consumer verkauft.

Mitte der 90er-Jahre war die Wintel-Plattform so dominant, daß Apple fast vom Markt verschwand. Mit dem Einstieg von Steve Jobs konnte Apple einen der beeindruckendsten Turnarounds feiern und hat mit Design-Computern den Markt in den späten 90er-Jahren aufgerollt. Allerdings in kleinem einstelligen Marktanteil. Laptops lösten die Tower- und Desktop-Gehäuse ab. Mobilität war Trumpf.

Anfang des neuen Jahrtausends deutete sich schon an, daß es noch mobilere Plattformen als die Laptops geben wird. Mobiltelefone wurden immer leistungsfähiger – man nannte sie dann auf einmal Smartphones. Ab 2007 war dann mit dem iPhone ein Smartphone auf dem Markt, das die Richtung für die nächsten Jahre vorgab. Alle Konkurrenten folgten genau diesem Vorbild. Wer dies nicht tat, ist mittlerweile vom Markt verschwunden.

Ab 2010 kamen dann auch die Tablets als größere Smartphones auf den Markt. Nur Apple war in der Lage über die Jahre ihre iPad-Plattform hardware-, OS- und softwareseitig auszubauen. Aber trotz der aktuellsten iPad OS-Implementierung sind die Tablets immer noch nicht an die Reife der PC-Betriebssysteme Windows 10 und Mac OS herangekommen.

Und in den späten 2010ern deutete sich schon an, daß immer mehr Logik und Daten in der Cloud ausgelagert werden und wir bei guter Datenbandbreite nur noch intelligente Ausgabe- (Displays) und Eingabe-Technologien (Keyboard, Maus, Trackpad, Touchscreen, Voice) benötigen.

Computerhardware in den 2020ern

All die oben genannten Geräte aus den vergangenen 40 Jahren habe ich in meiner Sammlung. Aber was wird es an interessanten Computern in diesem Jahrzehnt geben? Wird die Cloud-Technologie Computer obsolet machen? Werden wir in Zukunft nur noch intelligente Ausgabe- und Eingabe-Geräte haben, die auf unsere Systeme, Software und Daten in der Cloud zugreifen?

Die späten 2010er haben schon angedeutet, daß interessante neue Hardware-Konzepte weiterhin ihre Berechtigung haben. Beispiele sind das Microsoft Surface Studio und der neue Apple Mac Pro. Anscheinend benötigt eine professionelle Klasse von Nutzern doch noch lokal verfügbare leistungsfähige Technologie, um kreative und leistungshungrige Aufgaben umzusetzen. Obwohl auch dieses meiner Meinung nach mittlerweile mit Cloud-Lösungen realisiert werden könnte, da die Datenbandbreiten zum schnellen Zugriff auf Applikationen und Daten auch für professionelle Anwender ausreichend sind. Aber vielleicht sind diese beiden Systeme auch Extremlösungen, die durchaus ihre Berechtigung haben.

Aber benötigt der durchschnittliche Consumer noch einen eigenen Computer, ein Tablet oder Smartphone? Oder laufen wir in Zukunft nur noch mit einem intelligentem Anzeigedevice und einem Security-Token zur sicheren Authentifizierung und Autorisierung herum?

Nun ja, solange wir für mobile Daten noch weiterhin pro verbrauchtes GByte bei den Telekommunikationsprovidern zahlen, werden wir natürlich noch so viel wie möglich mit unseren mobilen Systemen lokal arbeiten wollen, bis wir in Bereiche kommen, in denen unbegrenzte Datenbandbreite und -volumina nichts mehr kosten (z.B. unser lokales Wireless LAN). Für diese Bereiche sind in Zukunft große und flexible Ausgabe- und Eingabemedien und unser Security-Token ausreichend, um auf unsere Ressourcen in der Cloud zuzugreifen. Warum sollte nicht Apple genauso wie es z.B. Shadow.Tech bereits macht, seinen Nutzern einen kompletten High-Performance Mac über die Cloud anbieten? Keine teuere (aber schöne) Hardware mehr, die wir kaufen müßten. Wir zahlen nur noch für die Nutzung und die Datenhaltung bei einem solchen Anbieter, je nachdem welche Plattform man vorzieht.

Aber soweit sind wir noch nicht. Zur Zeit sind die großen Panels der TV- und Monitor-Anbieter nur etwas intelligentere Panels, haben aber noch nicht genügend Technik an Bord, die uns mit diesen Anbietern, seien es z.B. Apple, Shadow.tech oder Microsoft, verbinden. Und dann auch dauerhaft verbunden halten. Jeder Bereich unserer Wohnung kann dann zum großen Display werden. Bei der Eingabesteuerung bin ich mir noch nicht im Klaren, wie hier mobile und jederzeit in der Wohnung nutzbare Eingabemedien gestaltet sein müssen. Eine Tastatur herumzutragen ist meiner Meinung nach nicht wirklich hilfreich, da wir für eine sinnvolle Nutzung die Tastatur doch wieder irgendwo ablegen müssen. Die perfekte Ablage für Tastatur, Maus und Trackpad ist schon der Schreibtisch. Nur dort hat man die Ergonomie, die man für diese Eingabemedien benötigt. Auch auf der Couch hat man noch genügend Ablagefläche – auch da kann ich mir aus eigener Erfahrung die Nutzung dieser Eingabemedien vorstellen. An alle anderen Orten in der Wohnung müßten Voice, Touch-Eingabe und Gesten genutzt werden. Also muß jedes Ausgabemedium entsprechende Mikrophone, Kameras und Touch-Oberflächen bereithalten, um unsere Eingaben festhalten und interpretieren zu können.

Tom Cruise in Minority Report (Quelle: 20th Century Fox)

Wie gesagt: so weit sind wir noch nicht. Damit werden in diesem Jahrzehnt auch wieder ein paar Jahre vergehen, bevor all dieses zur Verfügung steht. Auch sehe ich noch nicht Apple so weit auf sein immer noch einträgliches Mac-Hardwaregeschäft zu verzichten. Auch wenn es über die letzten Jahre gegenüber dem iOS-Marktsegment winzig wirkt, so gibt es doch noch genügend Kunden, die einen MacIntosh-Computer aus den unterschiedlichsten Gründen kaufen. Aber nicht immer aus den richtigen Gründen. Viele Consumer benötigen meiner Meinung nach keinen Laptop oder Computer mehr. Sie sind mit den mobilen Devices Smartphone und/oder Tablet/iPad bestens versorgt. Viele Menschen sehen das aber noch nicht ein, da sie noch an Computer gewöhnt sind, und glauben, nur mit dieser Technik wirklich produktiv arbeiten zu können.

Fazit

Die Cloudifizierung ist schon weit fortgeschritten und wir können uns schon fast vollständig in der Cloud bewegen, ohne große eigene Computerhardware zu besitzen. Aber dieser Prozess ist auch noch lange nicht abgeschlossen, als daß Computer heute schon obsolet wären. Es geht also noch ein wenig Zeit ins Land und dann wird es für den gemeinen Consumer nur noch intelligente Eingabe- und Ausgabegeräte geben und keine vollwertigen Computer geben. Wie sich schon heute bei Smartphones andeutet, werden diese Gerät eine möglichst große Anzeigefläche mit minimalem Rand haben. Wirkliche Designmerkmale sind schwierig zu plazieren, die ein Gerät einzigartig machen würden. Ich schätze, daß diese Geräte für mich als Sammler nur noch wenig interessant sind. Die Design-Vielfalt der vergangenen 40 Jahre wird sich wahrscheinlich nicht mehr fortsetzen. Ich tippe eher darauf, daß es neue Kategorien von elektronischen Companions geben wird, die uns begleiten und uns always on mit unseren Daten in Verbindung halten werden.

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