Entwicklung der Computertastaturen

Disclaimer: ich weiß, daß gerade im PC-Bereich die Entwicklung der Tastatur von Herstellern wie IBM und Cherry vorangetrieben wurde. Aber mein Museum enthĂ€lt keine PCs, an denen ich diese Entwicklung aufzeigen könnte. Ich orientiere mich an meinen SammlungsstĂŒcken. Ich finde das viel interessanter 😀


Die Idee zu diesem Artikel kam mir vor ein paar Jahren, als eine Freundin vor meinen Computern stand und mich fragte, warum ich Tastaturen sammeln wĂŒrde. Zuerst musste ich lachen, aber im Nachhinein musste ich doch eingestehen, dass dieser Eindruck entstehen konnte. In meiner Bibliothek stand ein Homecomputer neben dem anderen. Diese bestehen aus einem GehĂ€use, welches den Computer und die Tastatur enthĂ€lt. Und natĂŒrlich nimmt in den meisten FĂ€llen die Tastatur den meisten Raum ein.

Und weil die wenigsten heute diesen Anblick kennen, möchte ich hier eine Galerie dieser Tastaturen prÀsentieren.

FrĂŒher Zustand meines Computermuseums

Der Artikel ist etwas lĂ€nger geraten und deshalb biete ich hier die Möglichkeit auf die fĂŒr euch interessante Gruppe von Tastaturen direkt zu springen:

8bit Homecomputertastaturen der frĂŒhen 80er-Jahre

In dieser Zeit gab es Tastaturen, die manchmal haarstrÀubend schlechte Ergonomie boten und nichts gemein haben mit der QualitÀt heutiger Tastaturmodelle. Und mit diesen schlechten Beispielen (aber auch positiven Ausnahmen) der HomecomputerÀra (1981-1986) möchte ich beginnen:

Homecomputer-Tastaturen der frĂŒhen 1980er Jahre

Sinclair ZX81 (Link): mein allererster Computer und bestes Beispiel fĂŒr billige und unergonomische Tastaturen. Eine Folientastatur ohne jeglichen Druckpunkt. Die „Tasten“ waren mehrfach belegt. Dieser Rechner kam 1981 auf den Markt, war aber bezahlbar wegen all der Kompromisse, die Sinclair eingegangen ist, u.a. bei der Tastatur. Ihr seht hier eine kleine FlĂ€che fĂŒr das Tastenfeld, die Leertaste ist unten rechts und damit keine wirklich große Leertaste unterhalb der Tastatur wie es sonst ergonomisch ĂŒblich ist. Nur eine Hochstelltaste ist vorhanden.


ZX81 Push-Button Keyboard (Link): ob es damit wohl besser geht? Diese Lösung wurde auf die Folientastatur des ZX81 geklebt. Der einzige Vorteil war, daß man mit diesem Aufsatz einen Hub bei den Tasten hatte. Aber im Grunde wurden Stifte auf die Folientastatur gedrĂŒckt, die dann den Kontakt auslösten. Ergonomisch kein großer Gewinn. Trotz allem war ich froh, daß ich diese „KrĂŒcke“ hatte.


Memotech Tastatur fĂŒr den ZX81 (Link): mein letzter Versuch mit dem ZX81. Rein vom Tastaturlayout dieselben EinschrĂ€nkungen wie beim originalen ZX81. Aber vom TippgefĂŒhl um Welten ergonomischer. Der pure Luxus fĂŒr ZX81-Nutzer.


Sinclair ZX Spectrum (Link): der nĂ€chste Versuch von Sir Clive Sinclair. Aber wieder nur billig und abseits jeglicher Standards. „Dead Flesh“ wurde das SchreibgefĂŒhl mit dieser Tastatur von der Presse beschrieben. Das geht mit Sicherheit noch besser.


Sinclair ZX Spectrum+ (Link): dieser Computer sollte eine bessere Tastatur fĂŒr den erfolgreichen ZX Spectrum bieten. Man konnte sogar eine alte Spectrum-Platine in ein solches LeergehĂ€use einbauen. Und das Layout versprach eine professionelle Tastatur mit großer Leertaste und vielen Zusatztasten wie z.B. Cursortasten und zwei Hochstelltasten. Aber das SchreibgefĂŒhl war enttĂ€uschend, weil wieder gespart wurde. Eine Gummi-Matte lieferte einen schwammigen Eindruck und einen richtigen Tastaturklick gab es auch nicht. Aber die Tastatur sah schick und elegant aus.


Sinclair ZX Spectrum 128K (Link): der letzte Versuch von Sir Clive bevor er seine Firma an Sir Alan Michael Sugar verkaufen musste. Aber auch diese nutzte er nicht. Er blieb seiner Devise von preiswert (oder billig) treu. Nicht besser als die Tastatur des ZX Spectrum+. Aber der allerschönste Sinclair Computer. Der ZX Spectrum Next von 2019 (Link) orientiert sich daran. Zum GlĂŒck hat das Team, was den Next rausbrachte ein viel besseres TippgefĂŒhl mit viel Aufwand realisieren können. Ich freue mich schon auf meinen Next (Link), der im August 2021 geliefert werden soll.


Texas Instrument TI99/4A (Link): diese Tastatur sieht zwar gut aus, sie ist es aber nicht. Die Tasten sind zu klein und stehen zu nah zusammen. Das TippgefĂŒhl und -gerĂ€usch war aber besser als bei allen Sinclair-Computern davor. Interessanterweise ist der 4A die verbesserte Version des TI99/4. Die Verbesserung ist die Tastatur.


Acorn Electron (Link): Acorn hat bei seinen Computern immer gute Tastaturen verarbeitet. Selbst bei seinem Spar-Modell Electron wurde dies realisiert. Sehr gutes TippgefĂŒhl und -gerĂ€usch. Die beste Tastatur von allen, die bisher genannt wurden.


Oric 1 (Link): geht es schlechter als beim ZX Spectrum? Ja! Der Oric 1 sollte einiges besser machen als sein großer Konkurrent. Es wurde eine große zentrale Leertaste, Cursortasten und zwei Hochstelltasten vorgesehen. Aber das SchreibgefĂŒhl wurde von vielen Zeitgenossen als noch schlechter, und fast nicht nutzbar beschrieben.


Oric Atmos (Link): auch Oric bekam die Chance die Tastatur beim nĂ€chsten Modell besser zu machen. TatsĂ€chlich ist das fast die einzige Verbesserung, die durchgefĂŒhrt wurde. Selbst ein Softwarebug des Oric 1 ist nicht behoben worden. Das TippgefĂŒhl ist gut. Die Tastatur mit seinem rot/schwarz-Kontrast ist ein Hingucker. Fast eines der schönsten GerĂ€te meines Computermuseums – gerade wegen der Tastatur.


Epson HX20 (Link): was fĂŒr eine großartige Tastatur. Da stimmt einfach alles. Eines der Ă€ltesten StĂŒcke meiner Sammlung. Ein gutes und schickes Layout. Der Rechner wurde bis in unsere Zeit auch von der Bundeswehr fĂŒr unterschiedliche Zwecke eingesetzt. Offensichtlich war die Tastatur auch robust genug. Mein GerĂ€t dĂŒrfte auch aus BundeswehrbestĂ€nden kommen.


Apple IIc (Link): Apple hatte ab dem Apple II immer gute Standard-Tastaturen von guter QualitĂ€t, aber hat schon bei diesen ersten Tastaturen eigene Apfel-Tasten und sonstige Sondertasten eingefĂŒhrt. Das ist bis heute so und leider nicht immer kompatibel mit PC-Software, wenn diese in der VM gestartet werden. Der IIc hat eine ikonische Tastatur, die zu diesem kompakten GehĂ€use passt. Das SchreibgefĂŒhl ist exzellent.


Schneider CPC 464 (Link): der Schneider ist die deutsche Variante des englischen Originals von Amstrad. Und der hatte quietschebunte Steuertasten. Dagegen ist die Tastatur des Schneider nĂŒchtern gestaltet. Aber fĂŒr einen gĂŒnstigen Homecomputer war die Tastatur gut und hatte auch noch einen abgesetzten Ziffern- und Cursorblock.


Commodore Plus/4 (Link): wie alle Commodore Homecomputer der 80er-Jahre (außer dem C116) hat auch der Plus 4 eine gute Tastatur mit einer guten Mechanik. Deshalb wollte ich die Tasten reinigen und habe sie einzeln rausgehebelt. Beim Zusammenbau habe ich festgestellt, dass ich bei dieser Aktion leider einige Tastenbefestigungen beschĂ€digt habe. Sehr Ă€rgerlich. Lustig dagegen sind die pfeilförmigen Cursortasten. Nicht gerade wĂŒrdig fĂŒr das professionelle Publikum, was dieses GerĂ€t kaufen sollte.


16bit Computertastaturen der 80er-Jahre

Mit dem Sprung von 8bit auf 16bit haben sich die Hersteller bemĂŒht, dem gestiegenen Anspruch auch bei den Tastaturen gerecht zu werden. Richtig schlechte Tastaturen gibt es in dieser Zeit selten. Aber dadurch, dass die Ökosysteme der Computerhersteller nicht untereinander kompatibel waren unterschieden sich die Tastaturen bezĂŒglich einiger Sondertasten.

Tastaturen von 16bit Computern

Schauen wir uns mal ein paar Beispiele aus meinem Computermuseum an:


Sinclair QL (Link): ich habe viel mit dieser Tastatur gearbeitet. Sie ist von Sinclair die einzige, die sich an ein Standardlayout hĂ€lt. Keine Mehrfachbelegung der Tasten wie vorher bei den ZX-Computern. Er sollte ein Business Computer werden, aber die Sparmaßnahmen fĂŒhrten dazu, dass keiner diesen Rechner als solchen wahrnahm. Das TippgefĂŒhl war wieder richtig schlecht, da Sinclair nur eine Plastikmatte unter die Tasten legte.


Apricot XI (Link): hier ist die Tastatur eines der wenigen „fast“ PC-Kompatiblen auf dem europĂ€ischen Markt. Aber ACTs Apricot-Computer hatten immer besondere Tastaturen. Dieser hatte ein eingebautes LCD-Display mit sechs programmierbaren Funktionstasten. Daneben gab es 8 normale Funktionstasten. Gutes TippgefĂŒhl.


Atari 260 ST (Link): der ST hatte im Vergleich zu den 8bit XL/XE Homecomputern eine gute Tastatur. Ich habe ĂŒber 20 Jahre mit dieser Tastatur gearbeitet. O.K. eher mit der Tastatur vom Atari Mega ST. Und die war sehr gut. Die rautenförmigen Funktionstasten gab es bei allen Atari ST-Modellen und gehörten zur Designsprache.


Atari Mega ST (Link): die Tastatur des Mega ST (unten, darĂŒber die Tastatur des 260 ST) wurde ĂŒber ein Spiralkabel mit dem Computer verbunden. Das TippgefĂŒhl war großartig. GrosszĂŒgiges Layout. Nur die rautenförmigen Funktionstasten waren gewöhnungsbedĂŒrftig. GegenĂŒber den normalen STs ist der Anschlagdruck der Tasten verbessert worden, die Federung ist hĂ€rter, so daß das Schreiben sicherer und angenehmer ist. Die Tastatur liegt flacher.


Apple MacIntosh Color Classic (Link): beim ersten MacIntosh von 1984 war noch eine sehr kompakte Tastatur ohne separaten Ziffernblock und Cursortasten dabei. Ein paar Jahre spĂ€ter sollten die Knubbelmacs dann schon einen höheren, professionelleren Anspruch ausdrĂŒcken. Und dies wurde u.a. ĂŒber die Tastatur erreicht. Ein zusĂ€tzlicher Ziffernblock, aber noch ohne die bei PC-Tastaturen schon gelĂ€ufigen Cursortasten in der Anordnung zwischen Tastatur und Ziffernblock. Auch Funktionstasten gab es bei diesen Mac-Tastaturen noch nicht. Aber sie waren Ă€ußerst elegant gestylt und man konnte schon damals die Maus an einem Port an der Tastatur anbringen.


Commodore Amiga 600 (Link): auch die 16bit-Modelle von Commodore hatten gute Tastaturen. Hochwertig aufgebaut und langlebig. Heute ist der Schwachpunkt eher das Flachbandkabel, mit dem die Tastatur am Motherboard angebracht ist, wo die Kontakte oxydiert sind. Das lĂ€ĂŸt sich aber leicht beheben.


Apple Mac Performa 5200 (Link): diese Tastatur hat das typische Layout der PC-Tastaturen zzgl. der speziellen Apple-Sondertasten. Keine Experimente mehr, aber totlangweiliges Design. Wartet mal ab, was dann passierte als Steve Jobs kam.


Kompakte Computertastaturen der 90er Jahre

Ab den spÀten 80er-Jahren gab es endlich ausreichend gute Akku-Techniken und sparsamere Prozessoren. Damit waren dann auch tragbare Computer möglich, die auch ohne Netzanschluss eine kurze Zeit mobil genutzt werden konnten. Obwohl Computer wie der Apple Portable mit seinen Bleiakkus alles andere als leicht waren. Und je kompakter die Modelle wurden, desto kleiner und weniger nutzbar wurden die Tastaturen. Eine wirklich interessante Klasse von Computern und ihrer Tastaturen.

Kompromissbehaftet: Tastaturen kompakter Rechner

Cambridge Computer Z88 (Link): der wirklich letzte Streich von Sir Clive Sinclair im Computerbusiness. Nochmal kamen einige spleenige englische Ideen zusammen. Journalisten haben diesen mobilen Rechner gerne eingesetzt – obwohl die Tastatur wieder nicht professionellen AnsprĂŒchen genĂŒgte. Das Layout war in Ordnung, aber das TippgefĂŒhl war absolut schwammig.


Highscreen 386 SX 20 (Link): der Highscreen von Vobis hat eine Standard-Laptop Tastatur, die man bei vielen mobilen PCs der damaligen Zeit genau so vorfand. Ein Zahlenblock wurde ĂŒber mehrfach belegte Tasten simuliert. Windows-Tasten gab es damals noch nicht. Das TippgefĂŒhl ist gut. Das Tastaturlayout war deutsch, was fĂŒr PCs in Deutschland Standard war. Die farbliche Unterscheidung der Sondertasten ist sehr hilfreich. Eine Handballenablage gab es nicht, da die meisten PC-kompatiblen Laptops dieser Zeit ohne Maus genutzt wurden und deshalb kein Trackball oder Trackpad erforderlich war.


Apple Powerbook 180 (Link): Apple hat auch bei seinen ersten Laptops hervorragende Tastaturen mit großem Hub verbaut. Das besondere war aber die Handballenablage, in deren Mitte der Trackball – ein VorlĂ€ufer des Trackpads zur Steuerung des Pointers – positioniert war. Die Tastatur wurde dahinter platziert. Dieses Design ist richtungsweisend gewesen. Heute hat jedes Laptop genau diese Anordnung.


HP 200 LX (Link): ein sehr kompaktes GerĂ€t benötigt eine sehr kompakte Tastatur. Diese hier ist weitab von jeglicher guten Ergonomie. Die Tasten sind klein und trotzdem wurden große RĂ€ume zwischen den Tasten gelassen. Trotz allem wurde auch ein separater abgesetzter Ziffernblock auf dieser kleinen FlĂ€che vorgesehen. Außerdem gab es noch eine zusĂ€tzliche Reihe von Sondertasten zum Starten von gewissen Funktionen des GerĂ€tes. Fazit: ein richtiges MĂ€useklavier 😉


IBM Thinkpad 701CS (Link): dieses Thinkpad ist das SahnestĂŒck meiner Laptopsammlung mit einer Spitzentastatur. IBM war immer bekannt fĂŒr die großartige QualitĂ€t bei den Tastaturen seiner Thinkpads. In einem Blogartikel (Link) habe ich ĂŒber dieses Laptop und die Geschichte seiner Tastatur geschrieben. Dieses mechanische Wunderwerk bietet eine vollwertige Tastatur auf einer kleinen GehĂ€usegrĂ¶ĂŸe. Diese spezielle Mechanik wurde niemals davor und auch nicht danach mehr eingesetzt.


Apple Newton Tastatur (Link): ein typisches Beispiel fĂŒr eine Zusatztastatur mit kompakten Ausmaßen. Der Newton war das erste Beispiel eines PDA zur Eingabe von Texten ĂŒber einen Stift. Da diese Eingabe noch in den Kinderschuhen steckte und alles sehr langsam verarbeitet wurde, sah Apple die Erweiterung einer Tastatur vor. Das Layout ist zwar kompakt aber das TippgefĂŒhl ist gut.


Atari Portfolio (Link): noch ein kompakter Vertreter von PC-kompatiblen GerĂ€ten. Auch hier war der Schwerpunkt das textbasierte DOS und erforderte nur eine Tastatur ohne viel Sondertasten und Pointerdevices wie z.B. einem Trackpad. Sehr enges Layout wie beim HP 200 LX. Aber der Raum ist besser genutzt und deshalb ist das TippgefĂŒhl akzeptabel.


Apple eMate 300 (Link): das eMate 300 war die letzte Inkarnation des Newton PDAs. Diesmal aber mit integrierter Tastatur und es wurde als kompakter Laptop mit Touchscreen konzipiert. Die Tasten sind sehr klein und der hohe Außenrand macht das Tippen sehr schwierig. Alles anderes als angenehm fĂŒr HĂ€nde von Erwachsenen. Aber dieses GerĂ€t war exklusiv fĂŒr den Bildungsbetrieb vorgesehen. Eventuell konnten KinderhĂ€nde besser damit umgehen 😀


Psion Netbook (Link): Psion war immer bekannt fĂŒr seine kompakten PDAs mit Tastaturen. NatĂŒrlich sind diese Tastaturen aufgrund ihrer GrĂ¶ĂŸe nicht wirklich angenehm. Aber dieses GerĂ€t war der bei weitem grĂ¶ĂŸte PDA und hatte damit die komfortabelste Tastatur in dieser Klasse. Der Name deutet es schon an, daß es ein kompaktes Notebook darstellen sollte. Die Tastatur hat einen Tastenabstand von 17 mm und der Tastenhub von 3mm macht sie zu einem der angenehmsten kompakten Notebook-Keyboards.


Apple Laptoptastaturen der Jobs-Ära

Nachdem Steve Jobs zu Apple zurĂŒckkehrte wurde eine Designoffensive sondergleichen gestartet. Zusammen mit Jony Ive wurden nicht nur ComputergehĂ€use sondern auch passend dazu Tastaturen spektakulĂ€r gestaltet. Gerade die tragbaren Computer bekamen aussergewöhnliche Tastaturen eingebaut. Ein paar Beispiele habe ich hier gesammelt.

Meine gesammelten Apple-Laptops

Apple Powerbook G3 „Wallstreet“ (Link): dieses GerĂ€t war sehr beliebt, vor allem wegen seiner Ergonomie. Das Wallstreet war Star vieler Filme und Fernsehserien. U.a. wurde ein Powerbook G3, allerdings das Pismo, von der Hauptdarstellerin Carrie Bradshaw von Sex and the City genutzt, um ihre Kolumne zu schreiben. Diese Tastatur ist ĂŒber viele Jahre in mehreren Powerbook-Generationen gereift und ist außergewöhnlich gut.


Apple iBook G3 „Tangerine“ (Link): das erste Consumer-Laptop von Apple in der Jobs-Ära war ein Design MeisterstĂŒck von Jony Ive. Aber ist die Tastatur auch wirklich gut? Sie fĂŒhlt sich meiner Meinung nach etwas schwammig an. Man konnte die Tastatureinheit leicht herausnehmen, um zusĂ€tzliche Technik wie z.B. RAM-Bausteine zu verbauen.


Apple Powerbook G4 „Titanium“ (Link): auch beim Titanium konnte man die Tastatur herausnehmen. Der Schwerpunkt dieses GerĂ€tes lag eher beim riesigen randlosen Screen und nicht auf der Tastatur. Auch deren TippgefĂŒhl empfand ich eher als schwammig.


Apple Powerbook G4 12“ (Link): die Powerbooks im neuen Aludesign hatten wieder gute Tastaturen mit einem sehr guten TippgefĂŒhl. Bei diesem kompakten 12“-GehĂ€use hatte man es geschafft eine vollwertige Tastatur bis zum Rand zu verbauen. Keine Kompromisse wurden hier eingegangen und deshalb waren Apples Powerbooks als Arbeitstiere bekannt.


Apple MacBook White (Link): dies war mein Einstieg in die Mac Welt. Es war der letzte Mac im White Design und es gab auch eine schwarze GehĂ€use-Variante. Die Tastatur gehört zu den ersten Chiclet-Tastaturen (the term „chiclet“ has also been used to describe low-profile, low-travel scissor keyboards with simplified, flat keycaps separated by a bezel) bei Apple und es ist sehr angenehm darauf zu tippen. Ein Umstieg auf konventionelle Tastaturen mit großem Hub bereitet mir immer wieder Probleme nachdem ich mich an die Chiclet-Tippeigenschaften von modernen Laptops gewöhnt habe.


Apple MacBook Pro 15“ (Link): das MacBook Pro dieser Generation ist auch besonders wegen seiner Tastatur gelobt worden. Danach kamen die Alu Unibody GerĂ€te, die ein Chiclet-Keyboard wie das vorher beschriebene MacBook hatten. Mein Freund Christoph hat jahrelang auf diesen GerĂ€ten programmiert und war mit der Tastatur sehr zufrieden.


IBM Thinkpad (Link): hier ist der King of the Road als Kontrast zu den Apple-GerĂ€ten. Danach leckt sich jeder Tastatur-Affizionado die Finger. Die Thinkpad-Tastaturen von IBM und jetzt Lenovo galten immer als die besten Tastaturen in Laptops. Ich habe sehr gerne mit diesem Rechner gerade wegen seiner Tastatur und dem genialen Trackpoint (ein seeeehr kleiner Joystick) gearbeitet. Das Layout ist perfekt und das TippgefĂŒhl wird von keinem Apple-Laptop erreicht.


Apple Desktoptastaturen der Jobs-Ära

Mit dem ersten iMac von 1997 deutete sich schon an, dass Apples Designoffensive ganz besondere Tastaturen hervorbringen wĂŒrde. Sie waren immer getrennt vom Computer, im Gegensatz zu den integrierten Tastaturen der Laptops. Sie wurden deshalb mit demselben Aufwand gestaltet und mit jeder Design-Generation der Desktops und der TowergehĂ€use wurden passend gestaltete Tastaturen vorgestellt. Viel Spaß bei den hier gezeigten Beispielen.

Desktop-Tastaturenentwicklung bei Apple

Apple iMac G3 (Link): mit dem durchsichtigen iMac kam natĂŒrlich auch eine durchsichtige Tastatur auf den Markt. Dies sah schon sehr ikonisch und speziell aus. Im Grunde entspricht das Tastaturlayout und -Design demjenigen der Mac-Tastaturen aus den spĂ€ten 80er-Jahren. Hier wurde allerdings noch eine Zusatzreihe mit Mini-Funktionstasten vorgesehen. Das TipgefĂŒhl ist angenehm. Allerdings ist die Beschriftung auf den dunklen Tasten nur schwer zu lesen.


Apple iMac G4 (Link): meiner Meinung nach die allerschönste Tastatur aller Zeiten. Fast rahmenloses durchsichtiges Design, leicht ansteigende Tastenreihen und vollstĂ€ndiges und kompromissloses Tastaturlayout. Aber leider sammelte sich Schmutz innerhalb der Tastatur und das sah man. Außerdem vergilbte mit der Zeit das weiße Kunststoff des GehĂ€uses. Diese Tastatur ist mein absoluter Favorit und deshalb habe ich mir sogar speziell ein makellos weißes Exemplar zusĂ€tzlich gekauft.


Apple Power Mac G4 (Link): zu einem Power Mac gehörte natĂŒrlich auch eine passend gestaltete Tastatur. SilberglĂ€nzend wie das GehĂ€use des Computers, mit abgesetztem Cursorblock und Ziffernblock. Sie war fast randlos, aber noch nicht so ikonisch wie die vom iMac G4. Das TippgefĂŒhl war absolut hochwertig, wie es sich fĂŒr ein Apple-Profiprodukt gehört. Auch hier konnte man die Tastaturbeschriftung wegen der dunklen Tasten nicht gut lesen.


Apple iMac (ab 2008): seit ĂŒber 12 Jahren gibt es jetzt schon die Aludesignlinie bei den iMacs. Drei unterschiedliche Designs gab es fĂŒr die Computer, aber die kabelgebundene Tastatur hatte seitdem unverĂ€ndert dasselbe Design. Im Grunde ist es die Umsetzung des Chiclet-Designs der Laptops auf die Desktop-Reihe mit erweiterten Ziffernblock und Cursortastenblock. Es ist minimalistisches DesignstĂŒck in Alu was vielfach kopiert wurde und nicht erreicht ist. Heute hat Apple nur noch kabellose Desktoptastaturen im Angebot.


Kompakte Computertastaturen ab 2000

Ab 2000 deutete sich langsam an, dass Computertechnik immer kompakter werden wĂŒrde und der Laptop als mobiler Computer die Desktop-PCs bezĂŒglich der Verkaufszahlen ablösen wĂŒrde. Ab dieser Zeit wurden immer wieder neue, interessante, mobile Konzepte auf den Markt gebracht. Sehr hĂ€ufig inspiriert von Vertriebsoffensiven vom Wintel-Kartell, bestehend aus Microsoft und Intel. Zum Beispiel gab es die UMPC- und Netbook-Programme, die Herstellern dieser Computer finanzielle UnterstĂŒtzung anbot, wenn sie GerĂ€te nach den vorgegebenen Spezifikationen auf den Markt brachten. Beispiele fĂŒr diese Exoten folgen hier.

UMPCs und Subnotebooks

Sony Vaio VGN-TX3HP (Link): dieses Subnotebook hat meinen Freund Ralf ĂŒber viele Jahre durch die Welt begleitet. Die Tastatur ist aufgrund des kompakten GehĂ€uses nicht so groß wie eine Standardtastatur, aber man konnte gut und bequem auf ihr Tippen. Sony hat Erfahrungen mit guten Tastaturen bei kleinen Computern und deshalb ist es kein Wunder, dass noch weitere Vaios in dieser Auflistung folgen. Von diesen ist diese Tastatur bei weitem die beste.


Sony Vaio UX (Link): wĂ€hrend das vorherige ein gutes Beispiel fĂŒr kleine nutzbare Tastaturen war, ist dies das schlechteste. Diese Tastatur wird unter dem Bildschirm versteckt und erfĂŒllt nur minimalste Anforderungen an eine Tastatur. Ja, man hat Tasten, die man drĂŒcken kann. Aber man will es nicht – so unbequem ist dieses Tastenfeld. Im Grunde habe ich mich zurĂŒckversetzt gefĂŒhlt in die Zeit des Sinclair ZX81 😉


Sony Vaio P11Z (Link): GehÀuse und Tastatur sind noch kompakter als das Sony-Subnotebook. Es handelt sich hier auch um einen UMPC, die von Intel und Microsoft als ultramobile Computer konzipiert worden sind. Diese GerÀte sind selten an der Tastatur gescheitert, obwohl das Tippen nur als Kompromiss angesehen werden konnte. Lange Texte wollte man auch mit diesem Sony Vaio P11Z nicht schreiben. Aber allemal besser als das grottenschlechte Sony Vaio UX.


OQO2 (Link): das letzte Beispiel in diesem Beitrag fĂŒr eine UMPC-Tastatur. Etwas besser als die beim Sony Vaio UX, aber so kompakt wie viele Tastaturen der Smartphones dieser Zeit. Diese waren auch nur ein Notbehelf, weil es noch keine kapazitiven Displays mit Onscreen-Tastaturen gab. Und genauso fĂŒhlte es sich an mit dieser Tastatur zu tippen.


Fazit

Es hat mir sehr viel Freude bereitet diesen Artikel zu schreiben. Schon lange hatte ich die Idee zu diesem Thema nachdem meine Freundin Ilse mich darauf gebracht hat.

Dieser Beitrag ist der bisher umfangreichste und verweist auf eine Vielzahl von vorhandenen anderen Blog-BeitrĂ€gen. Tastaturen sind seit der Z3 von Zuse fĂŒr Computer als Eingabemedium im Einsatz. FĂŒr allgemeine Informationen zu Computertastaturen empfehle ich euch den folgenden umfangreichen Wikipedia-Eintrag (Link).

Meine spezielle Sicht auf Computertastaturen habt ihr mit den Beispielen aus meinem Computermuseum erhalten. Ich hoffe dieser Beitrag hat euch einen schönen Überblick zu den Exoten unter den Computertastaturen neben den Klassikern der PC-Tastaturen gegeben.

Ich selbst habe lange mit dem Sinclair ZX81, dem Sinclair QL, dem Atari ST, dem IBM Thinkpad, verschiedenen MacBooks und iMacs, und unterschiedlichsten PC-Tastaturen gearbeitet. Am besten hat mir die Thinkpad-Tastatur gefallen, dicht gefolgt von meinem alten Apple Wireless Keyboard. Das aktuelle Apple Magic Keyboard hat meiner Meinung nach zu wenig Hub und fĂŒhlt sich nicht wirklich gut an.

Bei meinem Kunden arbeite ich zur Zeit mit einer Dell-Tastatur und fluche, weil die hohen Tasten und der große Hub immer Probleme beim Tippen bereiten. Die Chiclet-Tastaturen von Laptops und der Apple iMacs sind meiner Meinung nach die letzte und beste Evolutionsstufe der mechanischen Computertastaturen.

Übrigens wurde dieser Artikel vollstĂ€ndig auf der Bildschirm-Tastatur meines iPhone 11 Pro max erstellt. 😀 Aber das wĂ€re dann ein Beitrag fĂŒr ein neues Thema: virtuelle Computertastaturen.

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