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10 Jahre iPad – Happy Birthday

Steve Jobs glaubte an das iPad. Es war eines seiner letzten Produkte. Das iPhone ist erfolgreicher als das iPad. Das iPad feiert Geburtstag

Das iPad feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Am 27.1.2010 prĂ€sentierte Steve Jobs noch höchstpersönlich das neue iPad und die Hoffnungen waren groß, daß Apple eine neue ebenso erfolgreiche Produktkategorie wie das iPhone auf den Markt bringt. Ein schon sichtlich gesundheitlich angeschlagener Steve Jobs prĂ€sentierte die Nutzung des iPad gemĂŒtlich auf einem Sessel sitzend.

Steve Jobs prĂ€sentiert die neue GerĂ€tekategorie. Quelle (Youtube – allaboutstevejobs)

PrÀsentation des iPad im Jahr 2010

Seine Motivation, warum man zwischen dem Laptop und dem Smartphone noch ein weiteres GerĂ€t positionieren wollte, war einfach großartig. Es sollte nicht das Netbook sein, was damals im PC-Bereich so unglaublich erfolgreich war. Sein Zitat von damals hat sich bei mir in den Kopf eingegraben:

„Netbooks aren’t better at anything. They are slow, they have low quality displays, and they run plenty old PC software. So they are not better as a laptop at anything. They are just cheaper. They are just cheap Laptops“.

Steve Jobs, iPad introduction (27.1.2010)

Zwischen Laptop und Smartphone wurde dann das iPad als weiteres mobiles GerĂ€t positioniert. Dieses Zitat, warum das iPad das next big thing werden wĂŒrde, ist fĂŒr mich eines der besten Zitate von Steve Jobs:

„Again, using this thing is remarkable. It’s so much more intimate than a laptop and it’s so much more capable than a smartphone with this gorgeous large display.“

Steve Jobs, iPad introduction (27.1.2010)

Mein erstes Tablet

Ich bin damals mit großer Begeisterung den weiteren AusfĂŒhrungen von Steve Jobs gefolgt, was das iPad fĂŒr seine zukĂŒnftigen Nutzer ausmachen wĂŒrde. Als das GerĂ€t am 28. Mai 2010 auf den deutschen Markt kam, war ich einer der ersten Kunden, der das iPad in seiner maximalen Ausbauform bestellte. Und was war das fĂŒr eine großartige 1. Version. Es hatte ein wunderschönes Design und Apple und seine Software-Partner brachten vom ersten Tag an angepasste Software-Versionen fĂŒr das grĂ¶ĂŸere GerĂ€t heraus. Dies war von Anfang an der Vorteil der Apple-Tablets gegenĂŒber der Android- und WebOS-Konferenz.

Von Anfang an stiegen die Verkaufszahlen von iPads (und wenig spĂ€ter auch von Tablets anderer Hersteller) rasant an und erreichten 2013 ihren absoluten Höhepunkt. Die Netbook-Kategorie verschwand unmittelbar nach Veröffentlichung dieser neuen GerĂ€tekategorie in der Bedeutungslosigkeit. Alle Leute stĂŒrzten sich auf das iPad und andere Tablets.

Die Hoffnung war, daß diese Kategorie eine Ă€hnliche Entwicklung wie die Smartphones nehmen wĂŒrde. Aber die Smartphones haben einen unfairen Vorteil: die Subventionierung durch die Telekommunikationskonzerne beim Abschluß eines Mobilfunkvertrages. Am Anfang subventionierten die Mobilfunk-Konzerne auch die Tablets, da es auch Varianten mit Mobilfunk-Connectivity gab und damit eine Zusatzkarte und Tariferweiterungen möglich waren.

Entwicklung der Verkaufszahlen bei den iPads

Aber diese Subventionierung ist wieder massiv eingeschrĂ€nkt worden und so sind die Absatzzahlen nach einigen Jahren wieder gefallen. Die Tablets werden nicht wie Smartphones alle zwei Jahre durch neuere Versionen ausgetauscht, sondern ĂŒber 5 und mehr Jahre genutzt.

iPad Verkaufszahlen weltweit 2010 bis 2018
iPad-Verkaufszahlen weltweit 2010-2018 (Quelle: de.statista.com)

Und dies zeigt sich auf den Statistiken zum Absatz von iPads und Tablets. iPads haben einen Boden von ca. 43 Mio verkauften GerÀten pro Jahr gefunden und sind seit wenigstens drei Jahren stabil.

Tablet Verkaufszahlen weltweit 2010 bis 2019
Tablet-Verkaufszahlen weltweit 2010-2019 (Quelle: de.statista.com)

Dagegen ist der weltweite Tablet-Markt (inklusive iPad) seit Jahren rĂŒcklĂ€ufig. Ein Boden ist nicht sichtbar. Woran liegt das?

iPad OS vs. Android vs. Windows Tablets

Apple pflegt trotz nicht wachsender Verkaufszahlen seine iPads sehr intensiv. Sie haben immer dafĂŒr gesorgt, daß jedes Jahr bessere GerĂ€te auf den Markt kommen. Apple iPads decken von 7″ bis 12,9″ alle GrĂ¶ĂŸenkategorien ab. Apple bietenteine Pro-Sparte an, die leider extrem hochpreisig, aber auch extrem leistungsfĂ€hig ist. Es wird ein Stift angeboten, der Apple Pencil. Steve Jobs lehnte diesen immer ab, da wir mit unseren Fingern die besten Pointing-Devices haben.

Im Jahr 2019 hat Apple sogar die Entscheidung getroffen, daß ein spezieller Fork seines iOS-Betriebssystems erforderlich ist, das iPad OS, damit die Tablets in der ProduktivitĂ€t mit den Laptops gleichziehen können. Meine persönliche Meinung ist, daß dies der richtige Schritt war, jedoch ist trotz aller Verbesserungen das iPad immer noch eher ein GerĂ€t zum konsumieren und nicht zum produzieren.

Reife der Tablet-Software

WofĂŒr die Desktop-Betriebssystem viele Jahre zum Reifen benötigt haben, sind die Tablet-OS noch nicht soweit benutzerfreundlich geworden, daß damit wirklich produktiv gearbeitet werden kann. Einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr mich ist, daß es nicht genĂŒgend angepasste Tablet-Versionen der Desktop-Software gibt. Es fehlen essentielle Funktionen, oder die Bedienung ist nicht intuitiv und einfach genug. Die Möglichkeit mehrere Apps gleichzeitig auf dem Screen anzuordnen geht zwar in die richtige Richtung, aber dafĂŒr mĂŒssen die Apps erst vorbereitet werden. Und das ist nur bei Apple Apps und ein paar Fremdapps der Fall. Ein Drag und Drop von einer App zu einer anderen App, die nicht auf dem Screen angeordnet ist, ist immer noch zu kompliziert in mehreren Schritten und zu vielen Fingern auf dem Screen durchzufĂŒhren.

WebOS und Android

Ganz anders sieht der Tablet-Markt neben der Apple-Welt aus. WebOS ist mit der Übernahme durch HP kaputt gegangen. Ich persönlich habe das HP Touchpad in meiner Sammlung. Bezeichnenderweise ist es mit WebOS und Android als Dual-Boot-Tablet aufgesetzt. Google hat schnellstens nach Apple eine Tablet-fĂ€hige Android-Version auf den Markt gebracht und die folgenden Jahre auch gepflegt. Und es gab viele Hardware-Partner, die auf diesen Zug aufgesprungen sind, und Tablet-Modelle auf den Markt brachten. Wenige leistungsfĂ€hige und teuere Android-Tablets wurden auf den Markt gebracht, darunter die Google Pixel Slates oder Samsung Galaxy Tablets.

Die meisten Tablets waren billig und wurden verscherbelt, meistens als Giveaway zu irgendeinem anderen Produkt. Auch Amazon brachte mit seinen Amazon Fire Tablets eine ganze Kategorie von Android-Tablets heraus, die aber sehr auf den Vertrieb von Produkten auf der Amazon-Plattform ausgerichtet waren und deshalb zu richtig gĂŒnstigen Preisen fast verschenkt wurden. Der grĂ¶ĂŸte Nachteil der Android-Platform ist allerdings, daß die App-Entwickler ihre Smartphone-Apps nie auf die neue GrĂ¶ĂŸe des Screens und der damit einhergehenden Möglichkeiten angepasst haben. Und damit haben die Tablet-Nutzer keinen wirklichen Mehrwert.

Microsoft

Microsoft ist seit Windows 8 einen anderen Weg gegangen. Nachdem spĂ€testens ab 2010 mit dem Aufkommen der Tablets der Absatz von Laptops (und Netbooks) sank, war klar, daß Microsoft tĂ€tig werden und eine Antwort geben mußte, wie Tablets in der Windows-Welt aussehen sollten. Sie taten dies, indem sie kein separates Tablet-OS herausbrachten, sondern mit Windows 8 eine kombinierte Desktop- und Tablet-OS-Version herausbrachten. Ich empfand diesen Ansatz als Ă€ußerst interessant, was ich damals in einem Blog-Beitrag dokumentierte (Link).

Microsoft wurde allerdings von den Nutzern abgestraft, da diese mit diesem Ansatz nicht viel anfangen konnten. Allerdings muß man auch zugeben, daß Microsoft Fehler begangen hat. Zum Beispiel haben sie fĂŒr die Tablet-OS-Variante eine eigene Kontakte-App vorgesehen, was ĂŒberhaupt keinen Sinn macht, wenn man seine Kontakte auf dem Desktop-OS bereits unter Outlook verwaltet. Trotzdem hat es Microsoft geschafft mit der Surface-Tablet- und der -Laptop-Reihe ĂŒber die letzten Jahre eine interessante Kategorie auf den Markt zu bringen. Viele Windows-Laptops haben mittlerweile Touchscreens und können damit genauso komfortabel wie iPads genutzt werden. Der große Vorteil ist aber, daß immer Zugriff auf die vollstĂ€ndige Desktop-Software möglich ist und damit eine uneingeschrĂ€nkte ProduktivitĂ€t gegeben ist.

Tablets vor dem iPad

Tablets in ihrer Form als große DisplayflĂ€che mit Touch-Bedienung gibt es in Konzeptform schon viele Jahre vor der Veröffentlichung des iPad.

  • Das Dynabook geisterte schon in den 60er- und 70er-Jahren als Zukunftskonzept fĂŒr tragbare Computer herum
  • Bei Star Trek Next Generation kann man in den 80er-Jahren Captain Picard hĂ€ufiger mit einem PADD (Personal Access Display Device) sehen
  • GRiD Systems hat 1989 ein GRiDPAD auf den Markt gebracht
  • Ab Anfang 1991 brachte Microsoft die Pen Extensions fĂŒr Microsoft 3.1 auf den Markt
  • Die ersten PDAs von Apple (Newton), Palm (Pilot) und anderen Firmen wurden in den 90er-Jahren veröffentlicht
  • 2001 prĂ€gte Microsoft den Begriff Tablet PC und brachte eine erweiterte Version von Windows XP auf den Markt, die Stifteingaben verarbeiten konnte.

Aber ohne leistungsfÀhige kompakte Hardware und Software waren alle AnsÀtze vor dem iPad nur konzeptionell gut, aber nicht wirklich vielversprechend im Alltag.

Vielversprechendes Konzept

Ein großartiges Konzept war auch das Microsoft Courier, welches 2010 vorgestellt wurde. Die angedachte Bedienung hat mich damals begeistert. Dieses GerĂ€t basierte auf zwei Displays, die wie ein Buch aufgeklappt werden konnten. Leider hat sich Microsoft wegen der Veröffentlichung von Windows 8 dann entschieden, dieses Konzept nicht weiter zu verfolgen. Mit dem angekĂŒndigten Surface Duo könnte dieses Konzept nun endlich RealitĂ€t werden. Allerdings setzt die großartige BenutzerfĂŒhrung des Microsoft Courier voraus, daß die OberflĂ€che und viele Bedienungsparadigmen von Windows verworfen werden mĂŒssen. Ich persönlich glaube nicht an die Umsetzung der Courier-Konzepte.

Wahrnehmung des iPads durch Presse und Anwender

Das iPad hatte ab dem ersten Tag eine unglaubliche Wirkung auf Presse und Anwender. Die Presse hypte sehr gerne diese neue Kategorie von Mobilen Computern und berichtete sehr intensiv ĂŒber die Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Deshalb sprangen dann auch viele GlĂŒcksritter wie die deutschen Vermarkter des WeTab auf diesen Zug auf. Ein nettes Konzept aber leider schlecht prĂ€sentiert und ausgefĂŒhrt. Auch andere Firmen versuchten interessante Konzepte zu entwickeln, meistens auf Basis von Android.

Der Einfluss des iPads und der anderen Tablets auf den Absatz anderer Mobilcomputer war deutlich zu spĂŒren und Marktforschungsinstitute ĂŒberlegten, wie diese neue Kategorie gezĂ€hlt werden sollte. Nach einigen Jahren hat man die Tablets nun der Kategorie der Mobilcomputer zugeschlagen und weist die Absatzzahlen der Tablets nur noch selten separat aus. Auch die Microsoft Surface-GerĂ€te sind in dieser Kategorie aufgegangen.

Die Anwendersicht

Die Anwender begrĂŒĂŸten das iPad sehr, da man dieses genau wie ein Smartphone nutzen konnte. Es war nur weniger handlich und hatte einen grĂ¶ĂŸeren Screen. Meine persönliche Sicht ist, daß ich durch das iPad Pro 12,9″ kein Laptop mehr benötige, und daß dies auch fĂŒr die meisten Consumer der Fall sein mĂŒĂŸte. Aber interessanterweise sind Tablets und speziell iPads dann doch seltener bei Consumern zu finden als Laptops. Anscheinend sind die meisten Anwender doch der Meinung, daß ein Tablet noch kein Laptop-Ersatz ist und das Smartphone in den meisten FĂ€llen vollkommen ausreichend ist. Vielleicht kommt da auch die fehlende Subventionierung bei Tablets, bzw. die Subventionierung bei Smartphones zum tragen. Superbillige Tablets werden immer gerne gekauft, liegen dann aber hĂ€ufig wenig benutzt herum.

Meine heutige Wahrnehmung ist, daß das iPad ein bestens eingefĂŒhrtes Produkt ist. Es steht im Wettbewerb mit Windows 10-GerĂ€ten mit Touchscreen und auch mit Googles Chromebooks. Große Absatzsteigerungen wird es aber erst geben, wenn Lösungen beim Userinterface (z.B. vereinfachter Datenaustausch mit Drag und Drop zwischen mehreren Apps) gefunden sind und Apps mit demselben Funktionsumfang wie auf dem PC-OS bereitgestellt werden. Dann kann das iPad gerne als PC-Ersatz angesehen werden. Android-GerĂ€te sind ohne Pflege durch Google und die App-Entwickler nur fĂŒr reine Consumer-Tasks ausreichend. Microsoft hat zur Zeit meiner Meinung nach die Nase vorn mit seiner Surface-Linie. Die Hardware-Partner von Microsoft folgen mittlerweile dichtauf mit interessanten Lösungen.

Meine eigene iPad-Historie

Seit 2010 hatte ich mehrere iPads. Teilweise sind diese wieder in mein Museum zurĂŒckgekehrt.

  • iPad 1: ein wunderbares GerĂ€t. Tolle Version 1. Ich habe viel Spaß damit gehabt. Heute nicht mehr nutzbar. Safari stĂŒrzt bei jeder Webseite ab
  • iPad 3: tolles Redesign des ursprĂŒnglich kantigeren GehĂ€uses. Und mit Retina Display. Habe ich mir damals mit einer persönlichen Gravur bei Apple bestellt. Dieses GerĂ€t ist an meine Nichte gegangen. Der Akku war wegen des Retina Displays immer unglaublich schnell leer
  • iPad Air: wirklich sehr viel leichter. Dieses GerĂ€t ist spĂ€ter an meine Nichte gegangen und sie hat es heute immer noch, obwohl sie es nicht mehr nutzt. Sie setzt jetzt wĂ€hrend ihres Studiums auf ein einfaches HP Laptop
  • iPad Pro 12,9″ (Generation 1): ich bin immer noch sehr zufrieden mit diesem GerĂ€t. Ich mag kein kleineres Tablet mehr haben. Es ist auch heute noch komplett ausreichend, obwohl das Design wirklich altbacken wirkt. Ich schiele schon auf die aktuelle Version

Berichte zum iPad Geburtstag in der Presse

Auch die internationale Presse hat schöne Artikel zu diesem JubilÀum veröffentlicht. Hier eine kleine Auswahl:

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