Ab der Osterzeit beginnt wieder die Saison auf der Nordschleife. Am Car Friday 2024 versammeln sich die Tempo-Jünger und Auto-Verrückten in der Eifel unterhalb der Nürburg. Ihr Ziel ist der Nürburgring, oder genauer gesagt die Nordschleife. Diese ist mit über 20 Kilometern die längste permanente Rennstrecke der Welt. Seit bald 100 Jahren gibt es die Strecke mitten in der Eifel. Im Jahr 2027 feiert sie ihren 100 Geburtstag. Mein Bruder lud mich ein, mit ihm am Osterwochenende in die grüne Hölle zu fahren und dieses ganz besondere Feeling zu genießen, das man nur dort erleben kann. Heute feiere ich die Nordschleife real und virtuell. Virtuell habe ich die Nordschleife schon mindestens hundert Mal befahren. Ich kenne jede Kurve. Auf der realen Nordschleife bin ich bisher erst zweimal gefahren.
Ostern 2024 auf der Nordschleife
Wir fuhren früh um acht Uhr von Düsseldorf los und kamen dann auch ins Ahrtal. Dort konnte man noch die Nachwirkungen der Flutkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 erleben. Weite Flächen rund um den Fluss sehen wie gerodet aus. Überall Baukräne und Bauschutt. An einigen Stellen werden Deiche gebaut (wenigstens sah es für mich so aus). Wenn man das Ahrtal verlässt und Richtung Adenau fährt, dann erlebt man wieder die wunderschöne Landschaft der Eifel rund um den Nürburgring.
Wir haben Glück und sind früh da. Noch sind nicht viele Sportwagen und Racing-Verrückte unterwegs. Die Orte sind sehr durch den Renntourismus belastet. Sie begrüßen aber auch die Gäste, die wegen des Motorsports in diese Gegend kommen. Der Ring ist ein großer Arbeitgeber in dieser eher strukturschwachen Gegend.

In Adenau bekommen wir den ersten Blick auf die Strecke. Jede wichtige Kurve hat einen Namen. Diese Stelle heißt Ex-Mühle. Nach Breidscheid geht es links hoch und der Golf GTI zieht uns durch einige spektakuläre Kurven. Und dann sehen wir die lange Gerade der Döttinger Höhe. Hier habe ich mit meinem virtuellen Porsche 911 GT3 RS (992) um die 290 Stundenkilometer Speed drauf.
Heute werden wir uns die reale Nordschleife an ein paar Positionen erlaufen und nicht selbst befahren. Die virtuelle Nordschleife habe ich mir für den Abend vorgenommen, wenn wir wieder zurückgekehrt sind. Da werde ich mit meiner PSVR2 ins Spiel Gran Turismo 7 (GT7) eintauchen und die Nordschleife mit meinem virtuellen Porsche befahren. Ohne Risiko für Mensch und Material bei schlechter Fahrweise oder Unfällen.
Angekommen am Nürburgring
Kurz vor dem Ort Nürburg ist die Einfahrt zum Ring, wo Touristenfahrten auf der Nordschleife ermöglich werden. Man kauft ein Ticket und kann direkt danach auf die Nordschleife fahren. Es erwarten einen dann mehr als 20 Kilometer unglaubliche Strecke mit berühmten Kurven und Geraden. Namen wie Schwedenkreuz, Fuchsröhre, Wehrseifen und Hohe Acht kennt jeder, durch dessen Adern Benzin fließt.
Ich selbst bin einmal als Beifahrer mit meinem Fahrlehrer diese Runde gefahren. Ich hatte damals noch keinen Führerschein. Ein paar Jahre später bin ich dann mit einem Ford Fiesta 1,6D über die Piste gejagt und habe meinen Freund Elmar mit seinem Opel Kadett 1,8E abgehängt. Was für ein Erlebnis, wenn man mit seinen 54 Diesel-PS die Döttinger Höhe entlangrast und ganz entfernt im Rückspiegel seinen Kumpel mit seinem viel stärkeren Auto sieht. Das ist bereits mehr als 25 Jahre her.
Meine Fahrerfahrungen mit der Nordschleife
Danach zeigte mir mein Bruder den Ort Nürburg mit seinen Anbietern von Track-Tools. Diese Sportwagen kann man mieten und damit selbst über die Nordschleife fahren. Oder man bestellt sich eines der vielen Renntaxis, die einen als Beifahrer richtig schnell über den Ring bringen. Danach fuhren wir an den Tribünen der Grand Prix Strecke vorbei. Auch eine Achterbahn gibt es, damit die Zuschauer auch abends und nachts Spass haben können, wenn die Autos bei einem 24 Stunden-Rennen unermüdlich Runde um Runde nehmen.

Zum Schluss fuhren wir ins Gewerbegebiet, wo alle namhaften Automobilhersteller ihre Hallen haben, um ihre neuen Fahrzeuge zum Test auf der Nordschleife vorzubereiten. Auch der Porsche-Partner Manthey hat hier seine Lokation. Auf dem Parkplatz versammeln sich die Porsche-Jünger und erhalten ihr letztes Briefing vor der Runde auf dem Nürburgring. Dort habe ich dann meinen ersten realen Porsche 911 GT3 RS (992) gesehen. Es sollte der erste von vielen dieser wunderschönen Rennmaschinen für die Strasse sein, die mir im Laufe des Tages begegnen werden.
Das Brünnchen
Auf meinen Wunsch hin fuhren wir zum Brünnchen. Der Parkplatz war noch relativ leer und so bekamen wir einen Parkplatz an einer abgetrockneten Stelle. Das Wetter war wunderbar, doch der Boden war matschig und die Strecke zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig abgetrocknet. Das Brünnchen ist ein Streckenabschnitt an der Nordschleife, der dem Zuschauer ermöglicht, zwei spektakuläre Kurven einzusehen. Dort kommen sie von der Hohen Acht mit Affenzahn angejagt, gehen in eine herausfordernde Rechtskurve mit Gefälle, danach auf eine kurze Gerade und dann wieder in eine schwierige Rechtskurve mit Steigung. In dieser Passage passieren auch viele Unfälle.
Vom Brünnchen aus kann man entlang der Strecke an den Streckenabschnitten Eschbach, Wippermann zur Hohen Acht gehen. Dies ist die höchste Stelle der Nordschleife. Und die ganze Zeit sieht und hört man die Autos. Man riecht die Kupplung, Bremsen und die Reifen der vorbeirasenden Autos. Der Weg runter zum Caracciola-Karussell erlaubt leider keinen Blick auf die spektakuläre S-Kurven Kombination, die ich mir bei GT7 erst mühsam im Training erfahren musste.
Das Caracciola-Karussell
Angekommen beim Caracciola-Karussell erlebt man rund um sich herum die Autos. Dies ist meiner Meinung nach die intensivste Stelle für Zuschauer. Aber dort verirren sich nur wenige Fans am heutigen Tag. Die Autos jagen hier von der Klostertal-Kurve den Berg hinauf, um dann im Karussell in eine Art Steilkurve überzugehen. Viele Autos setzen hier auf, wenn sie zu tief gelegt sind. Und am Ausgang des Karussells rasen sie weiter steil bergauf in Richtung Hohe Acht. Eine wirklich spektakuläre Sicht. Ich habe hier eine halbe Stunde gestanden und eine kleine Statistik gemacht, welche Marken hier an uns vorbeifahren. Anbei meine (nicht-vollständige) Statistik mit den Zahlen von den Marken mit den meisten Fahrzeugen bis zu denen mit den wenigsten Fahrzeugen.

Nach dem Caracciola-Karussell sind wir noch weiter runter zum Klostertal gegangen. In dieser Kurve bremsen die Fahrzeuge nach der Hochgeschwindigkeitsstrecke durch das Kesselchen und der Mutkurve ab, um dann in Richtung Karussell weiterzufahren. Eine halbe Stunde später waren wir wieder am Auto angekommen. Die Mittagspause verbrachten wir am Brünnchen mit einem kleinen Picknick. Während dieser Zeit wurden wir Zeugen eines Unfalls mit einem Audi A3. Der Abschleppdienst hat diesen schließlich abtransportiert. Während dieser Zeit wurde der Verkehr von den Streckenposten an der Unfallstelle vorbeigeleitet.
Devil’s Diner an der Zufahrt zur Nordschleife

Mein Bruder wollte nochmal tief in die Masse der Autos eintauchen, die von der Nordschleife kamen. Am Devil’s Diner stauten sich die Autos, die eine Hochgeschwindigkeitsrunde hinter sich hatten. Es roch nach Öl und Gummi, heiße Luft kam von den Motoren. Viele Motorsportbegeisterte schauten sich das Defilé von Sportwagen aus allen Ländern an. Natürlich waren die Nachbarn aus Belgien und Holland zahlenmäßig stark vertreten. Aber auch Franzosen und Engländer waren viele vor Ort. Skandinavier, Osteuropäer, Schweizer und Österreicher rundeten das Bild einer internationalen Gruppe von Track Tool-Besitzern ab. Auffällig war, dass Supersportwagen wie Ferrari, Lamborghini und andere solcher Marken am Ring nicht, oder selten vertreten sind. Die fahren anscheinend entweder auf der Kö in Düsseldorf oder in Monte Carlo.
Vielen Dank an meinen Bruder. Es war ein gelungener Tag, den ich im folgenden Video zusammengefasst habe. Danach fuhren wir mit vielen Eindrücken nach Hause.
Und nun die Nordschleife virtuell
Auf dem Weg nach Hause entstand die Idee zu diesem Beitrag. Ich wollte die Strecke, die ich zu Fuß entlang der Nordschleife gegangen bin, auf der PS5 mit GT7 nachspielen und diese Fahrtstrecke aufnehmen. Natürlich wäre ich gerne diese Strecke auch real gefahren, aber ich selbst habe kein Auto mehr, mit dem ich es dürfte. Mit einem Firmenwagen sind solche Ausflüge auf eine Rennstrecke wie den Nürburgring nicht möglich. Natürlich hätte ich eines der Track Tools mieten können, die man in Nürburg bekommen kann.
Das Schöne ist aber, dass ich ohne Risiken mit einem Spitzenauto über die Nordschleife jagen kann. Vor wenigen Wochen habe ich mir für über 300000 Credits einen Porsche 911 GT3 RS (992) gekauft und ihn mit zusätzlichen Bauteilen für die Nordschleife fit gemacht. Falls ihr euch fragt, was Credits sind: das sind die Zahlungseinheiten im Spiel Gran Turismo 7. Damit kann ich mir meine Traumautos leisten, die ich mir nie im realen Leben gönnen würde. Aber im digitalen Leben ist dies die einfachste Möglichkeit die Nordschleife mit einem leistungsfähigen Autos in sogenannten Benutzerrennen zu befahren. Ich stelle dann meistens schönes Wetter ein, was normalerweise auf der Nordschleife nicht garantiert ist. Und ich nehme mir herausfordernde Super-Sportwagen als Gegner. Autos, die ich zu Ostern 2024 nicht auf der Strecke gesehen habe. Nach zwei Runden habe ich dann meistens das Rennen gewonnen und dabei schöne Aufnahmen vom Rennen produziert.
Die Nordschleife auf der PS5
Unseren Weg entlang der Nordschleife vom Klostertal bis zum Brünnchen habe ich jetzt auf der PlayStation 5 nachgespielt. Mein Porsche 911 GT3 RS (992) sieht ein wenig ramponiert aus, da mich der Weg an allen Gegnern vorbei und auch Fahrfehler einiges an Kosmetik am Fahrzeug gekostet hat. Zum Glück bekomme ich keine Einschränkungen beim Fahren durch all die Unfälle und kann deshalb das Rennen ungefährdet ins Ziel bringen.
Das coole beim Cockpit-View ist übrigens, dass dies eine Aufnahme meiner Sicht mit der PSVR2-Brille ist. Jede Kopfbewegung mit Blick in den Aussenspiegel oder in die Kurvenrichtung bekommt man hier dargestellt. Natürlich ist ein zweidimensionales Video nicht in der Lage, die Wirkung wiederzugeben, die man mit der VR-Brille erhält.
Die Kombination von PS5, PSVR2 und GT7 ist einfach großartig. Nächstes Jahr möchte ich mir ein Sim-Racing Rig zulegen, um noch mehr Feedback beim Fahren zu erhalten. Bis dahin macht mir diese Kombination Riesenspass.

