Haussteuerung mit Apple HomeKit

In diesem Artikel möchte ich auf einen faszinierenden Aspekt des Apple-Ökosystems aufmerksam machen. Die Haussteuerung mit Apple HomeKit ist 2014 mit iOS 8 klein gestartet und wird immer weiter ausgebaut. Das Ökosystem von GerĂ€ten, die von Apple ĂŒber das Label Works with Apple HomeKit zertifiziert sind, ist mittlerweile sehr groß geworden und deckt fast alle Aspekte der Haussteuerung ab (Link).

Works with Apple HomeKit
Works with Apple HomeKit (Quelle: https://www.apple.com/de/ios/home/accessories/)
  • Ich selbst habe vor ein paar Jahren mit GerĂ€ten von Elgatos Eve-Reihe begonnen. Vor allem die praktischen Steckdosen, an die man alle möglichen GerĂ€te anstecken kann, damit an- und ausschalten kann und auch den Stromverbrauch messen kann. Gerade fĂŒr meine Hifi-Anlage war es interessant herauszufinden, wie viel Strom unter Belastung von meinem VerstĂ€rker „verbrannt“ wird.
  • Außerdem kamen Eve-Sensoren fĂŒr TĂŒren und Fenster hinzu, die melden, wann eine TĂŒr oder Fenster geöffnet oder geschlossen wird.
  • Schließlich kam auch Philips Hue mit einer Bridge in mein Haus und beleuchtet nun unterschiedliche Bereiche meiner Wohnung in unterschiedlichen Farben. Auch eine Disco-Orgel oder romantische Beleuchtung ist leicht damit zu steuern.
  • Zuletzt kam noch eine Logitech Circle 2 als Überwachungskamera unter HomeKit Secure Video zum Einsatz.

Mit all diesen Komponenten habe ich eine kleine aber feine Haussteuerung mit ein paar Automationen eingerichtet, die auf zentrale Hubs bestehend aus Apple TV und zwei Apple Home Pods in unterschiedlichen RĂ€umen setzt. Es lĂ€ĂŸt sich aber natĂŒrlich noch viel mehr machen, was hervorragend in diesem Artikel (Link) zusammengefasst wurde. Ein guter Freund nutzt auch solche Integrationskomponenten, die Komponenten mit anderer Funktechnik als WLAN und Bluetooth, und auch nicht-zertifizierte Komponenten in das HomeKit-Ökosystem integriert.

Nutzung der Heimsteuerung

Anfangs waren meine Nutzungserfahrungen eher ernĂŒchternd. Zwar ist alles ĂŒber jedes GerĂ€t und mit Siri steuerbar, aber sehr hĂ€ufig waren die Reaktionszeiten extrem lang. Manchmal mußte man bis zu 15 Sekunden warten, bis der Befehl Schalte das Licht aus umgesetzt wurde. Das war vor ca. 5 Jahren und hat sich mittlerweile sehr verbessert. Heute reagieren die meisten Komponenten innerhalb von Sekundenbruchteilen. Vielleicht liegt das auch daran, daß ich mit den beiden HomePods jetzt zwei weitere RĂ€ume abgedeckt habe und es nur deshalb schneller lĂ€uft. Aber ich wĂŒrde schon sagen, daß Technik Zeit benötigt, um zu reifen und sich zu entwickeln.

Was immer noch nicht konsistent funktioniert sind gewisse Befehlsfolgen (wie z.B. ich bin wieder zu Hause), die von einem HomePod sofort verstanden werden, und der andere verweigert die AusfĂŒhrung oder versteht den Befehl nicht. Das ist absolut unlogisch und nervig.

HomeKit-zertifizierte GerĂ€te werden immer mit einem Mehrpreis am Markt verkauft. In anderen Ökosystemen scheinen die Preise und die angebotenen GerĂ€te viel interessanter zu sein. Apple begrĂŒndet das mit einer erhöhten Sicherheit, die ich z.B. mit der Einbindung der Überwachungskamera Circle 2 ĂŒber HomeKit Secure Video erreicht habe. DafĂŒr wird die Firmware von Logitech mit einer speziellen Apple HomeKit-kompatiblen Firmware ĂŒberschrieben und die Kamera kann danach nicht mehr von der Logitech-Steuersoftware konfiguriert werden. Auch sind danach einige spezielle Logitech-Features (wie z.B. Überwachungszonen) nicht mehr verwendbar. Aber die Kamera ist danach bestens in die Home App eingebunden und legt Überwachungsvideos in der iCloud ab. Apple gönnt uns dann auch einen zusĂ€tzlichen kostenlosen iCloud-Speicher von 200GB fĂŒr die hochgeladenen Daten. Und diese Daten sind verschlĂŒsselt und können nur vom User selbst ĂŒber die Apple-GerĂ€te abgerufen werden.

Versprechen von Herstellern, daß sie ihre GerĂ€te nachtrĂ€glich HomeKit-fĂ€hig machen wollen, sollte man mit Vorsicht betrachten. Ein gutes Beispiel, wo eine HomeKit-Integration angekĂŒndigt wurde, aber nie geliefert wurde, sind die Überwachungskameras von Canary. Dieser islĂ€ndische Hersteller ist aus einer Crowdfunding-Initiative heraus gestartet und bietet die Steuerung der Kameras ausschließlich ĂŒber seine App an. Eine Einbindung in die Home App ist damit auch nicht möglich. Deshalb kann die Kamera nicht ĂŒber Siri gesteuert werden und die Daten können auch nicht in die iCloud sicher hochgeladen werden. Stattdessen hat Canary eigene Server aufgebaut und baut sein GeschĂ€ftsmodell auf dieser Datenspeicherung auf. Ich habe es mal fĂŒr ein Jahr als Abo getestet, kann dieses aber nicht empfehlen. Heutzutage sollte man nur noch HomeKit-fĂ€hige GerĂ€te aufsetzen und bei Kameras immer auf HomeKit Secure Video.

Zukunftsmusik

Das neueste Feature sind fĂŒr HomeKit gesicherte Router (Link). Damit soll sichergestellt werden, daß die in vielen FĂ€llen nicht genĂŒgend abgesicherten HeimgerĂ€te von außen nicht angreifbar sind. Es gibt mittlerweile genĂŒgende Presseberichte darĂŒber, wie GerĂ€te zur Heimsteuerung relativ einfach remote ĂŒbernommen werden können. Oder wenigstens die ZustĂ€nde ausgelesen werden können. Dies liegt einerseits an unsicheren Funkprotokollen oder an fehlender VerschlĂŒsselung des Datenstroms.

Bei fĂŒr Homekit gesicherten Routern sollen diese SchwĂ€chen beseitigt werden. Dies erkauft man sich allerdings mit sehr viel zusĂ€tzlichen Aufwand, da jedes einzelne GerĂ€t und auch jede konfigurierte Automation manuell wieder neu eingestellt werden muß. Man fĂ€ngt also auf der GrĂŒnen Wiese wieder an, wenn man diese Sicherheitsoption zieht.

Da erwarte ich von Apple aber noch eine komfortable Migration all dieser Komponenten in die Umgebung des gesicherten Routers. Ich verstehe nicht, warum Apple das nicht von Anfang an bereits anbieten kann. Wir beobachten auch, daß ein Backup der HomeKit-Konfigurationen immer noch nicht möglich ist. Abhilfe könnte hier eine App namens Controller for HomeKit leisten. FĂŒr 10€ erhĂ€lt man die Möglichkeit eine zerschossene HomeKit-Installation (was laut Nutzer-Feedback relativ hĂ€ufig auftreten kann) aus einem Backup wiederherzustellen.

Leider gibt es noch keinen Hersteller, der einen gesicherten Router anbietet. Stand 26.5. sind nur drei GerĂ€te angekĂŒndigt. Zwei von Eero und eines von Linksys. Also wirklich Zukunftsmusik und ich kann noch nicht ĂŒber meine Erfahrungen berichten.

Konfiguration von HomeKit-fÀhigen Komponenten

WorĂŒber ich aber berichten kann ist die Konfiguration von HomeKit-fĂ€higen Komponenten von Elgato Eve, Philips Hue und Logitech. Aber ich kann auch ĂŒber die Canary-Überwachungskamera berichten, die nicht in die Home-App eingebunden werden kann.

Fangen wir mit Elgatos Eve-Komponenten an.

Die Eve-Komponenten, wie Steckdosen, Sensoren und Schalter lassen sich einfach in die Eve-App einbinden und konfigurieren. Man gibt entweder den Zahlencode, der auf der Komponente aufgeklebt ist in die App ein. Oder man scannt den QR Code auf demselben Aufkleber. Die Verbindung wird dann aufgebaut und unmittelbar danach ist diese Komponente auch schon in der Apple Home App verfĂŒgbar. Neben Raumzuordnung, Namensvergabe und einigen wenigen weiteren Einstellungen ist nicht viel weiter zu machen. Die Elgato Eve-App sieht je nach Komponenten-Typ weitere Funktionen vor:

  • Steckdosen: wie auf den Screenshots zu sehen wird der Verbrauch angezeigt. DafĂŒr werden alle paar Sekunden Datenblöcke in der Steckdose gespeichert, die dann von der App abgerufen werden können. Leider ist es erforderlich, diesen Abruf aktiv zu steuern. Wenn man das nicht macht, dann werden ab einem gewissen Zeitpunkt alte Daten ĂŒberschrieben und es stehen dann keine Daten fĂŒr diesen abgelaufenen Zeitraum zur VerfĂŒgung.
  • Sensoren: die TĂŒr und Fenstersensoren speichern ebenfalls lokal die ZustĂ€nde. Wie bei den Steckdosen ist nicht genĂŒgend Speicherplatz fĂŒr lĂ€ngere Speicherung vorhanden. Auch da können LĂŒcken in den Statistiken entstehen, wenn man die Daten nicht aktiv von den Sensoren abruft.

Die Automation ist sehr komfortabel. Sie ist besser und einfacher gelöst, als mit der Home App von Apple. Jede Automation ist nach ihrer Konfiguration aber in der Home App unmittelbar verfĂŒgbar und kann dann auch dort in gewissen Bereichen angepasst werden. Die vollen Konfigurationsmöglichkeiten stehen aber nur in der Elgato Eve-App zur VerfĂŒgung.

Kommen wir als nĂ€chstes zum Philips Hue-System. Das Hue System ist bekannt fĂŒr seine Leuchten in unterschiedlichsten Formen und Farben. Ich habe neben einer farbigen LED-Birne einen Hue Farb-Streifen und eine Hue Go eingebunden. Damit dies möglich ist, muß man bei Philips die Bridge hinzukaufen, ĂŒber die neue Hue-Komponenten angemeldet werden. Auch hier nutzt man eine Philips Hue App zur komfortablen Konfiguration.

Auch hier sind die Hue-Komponenten nach der Konfiguration in der Apple Home App unmittelbar zur weiteren Nutzung und Konfiguration zur VerfĂŒgung. Wieder gilt, daß die vollen Konfigurationsmöglichkeiten nur in der App des Herstellers verfĂŒgbar sind.

Die Apple Home App ist dann die große Integrationszentrale, die Zugriff auf alle HomeKit-fĂ€higen Komponenten erlaubt. Diese sind alle sauber nach Raum getrennt. Ihre ZustĂ€nde werden angezeigt und können entweder auf Knopfdruck oder Siri-Kommando verĂ€ndert werden. Komfortabler geht es nicht.

Kamerabilder werden direkt im Dashboard live angezeigt. Mittlerweile ist die Home App nicht nur auf den iOS-GerĂ€ten verfĂŒgbar, sondern auch auf der Mac OS-Plattform. Und natĂŒrlich hören HomePods sehr genau auf Siri-Befehle zur Haussteuerung. Bis auf die oben beschriebenen schlechten Erfahrungen macht das ganze Paket einen runden Eindruck und lĂ€ĂŸt uns auch viel Möglichkeiten zum Spielen.

Und wie sollte man es nicht machen?

Es ist schade, daß ich wieder auf Canary und seine Überwachungskameras eingehen muss. Die Produkte und der Service sind einwandfrei. Neben der Überwachung durch die Kamera wird auch die Raumtemperatur und die LuftqualitĂ€t gemessen.

Aber dadurch, daß diese nicht HomeKit-fĂ€hig sind, können diese nicht ĂŒber Siri-Sprachbefehle angesprochen werden und man muß zwingend immer die Canary-App aufrufen, um auf die Kamerabilder und die Logs mit den gespeicherten Daten zugreifen zu können. Das geht mit der Logitech Circle 2 einfach besser, die ĂŒber HomeKit Secure Video komplett in die Home App integriert ist.

Bei Canary ist der volle Service nur mit einem kostenpflichtigen Abo verfĂŒgbar. Um die 100 Euro wird hier pro Jahr abgerufen, nur um Zugriff auf seine Kameradaten auch lĂ€nger als 24 Stunden nach der Aufnahme zu bekommen.

Fazit

HomeKit ist mit ca. 770 Millionen potentiellen Usern (Stand: 26.5.2020) zu einem der grĂ¶ĂŸten Haussteuerungs-Software-Frameworks mit einem mittlerweile großen Ökosystem von möglichen HomeKit-fĂ€higen Komponenten geworden.

Apple baut die FunktionalitĂ€t seit 2014 immer weiter aus und erlaubt interessierten Nutzern einen einfachen und sicheren Einstieg in die Haussteuerung und -Automatisierung. Und es ist in allen Apple-GerĂ€ten voll integriert und höchst komfortabel aufzurufen. Das dĂŒrfte fĂŒr viele den Charme ausmachen. Auch wenn wegen der Zertifizierung und Apples Kontrolle des Ökosystems die Komponenten teurer und nicht so zahlreich verfĂŒgbar sind wie fĂŒr andere Plattformen, so dĂŒrfte gerade die Einfachheit das beste Argument fĂŒr viele Nutzer sein, dort einzusteigen. Wenn dann doch nur das Motto „It just works“ wirklich gelten wĂŒrde. SpĂ€testens an den UnzulĂ€nglichkeiten von Siri scheitert man doch immer wieder.

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