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Cryptowährungen, Blockchains und Energieverschwendung

Cryptowährungen sind die Zukunft für den digitalen Zahlungsverkehr, Blockchains sind im Trend, aber die Energieverschwendung ist ein Problem.

Dies ist eine kritische Betrachtung der schlimmsten Energie- und Ressourcenverschwendung unserer Zeit. Cryptowährungen werden in Blockchains dokumentiert und auf Kosten einer gewaltigen Energieverschwendung geschürft. Die erzeugten Bitcoins, Ethers, Dogecoins (und wie sie alle sonst noch heißen) werden in elektronischen Wallets gespeichert. Elektronische Börsen für Cryptowährungen bieten als Marktplatz den Austausch von virtuellen Währungen in richtiges Geld und umgekehrt an.

Glücksritter bringen jeden Tag neue Arten von Cryptowährungen, Wallets und Cryptowährungs-Börsen auf den Markt. Missbrauch und Gier ist an der Tagesordnung. Investoren stecken jeden Tag Milliardenbeträge in diese Branche und halten den Hype am Laufen.

Wie lange noch?

Was gibt es für Cryptowährungen?

Es ist großartig, wenn man eine Übersicht aller Cryptowährungen angezeigt bekommt. Nach über 1000 Cryptowährungen habe ich aufgehört weiter durch die Liste zu scrollen. Tatsächlich tummeln sich über 10000 Cryptowährungen auf dem Markt und versuchen Investoren, Miner und andere Personen davon zu überzeugen, daß mit ihnen ein neues interessantes Investmentmodell vorhanden ist. Sogar digitaler Zahlungsverkehr soll damit möglich sein. Zweitausend Cryptowährungen sind seit der Entstehung von Bitcoin im Jahr 2009 gescheitert.

ripple etehereum and bitcoin and micro sdhc card
Cryptowährungen Bitcoin, Ethereum und Ripple. Photo by Worldspectrum on Pexels.com

Stand 26.7.2021 hat die Nummer 1000 auf der Liste der Cryptowährungen Linker Coin (LNC) eine Marktkapitalisierung von knapp fünf Millionen Euro. Die beiden größten Cryptowährungen Bitcoin und Ethereum haben eine Marktkapitalisierung von 840 Milliarden Euro. Die nächsten 8 Cryptowährungen (Tether, Binance Coin, Cardano, XRP, Dogecoin, USD Coin, Polkadot, Binance USD) haben in Summe eine Marktkapitalisierung von 222 Milliarden. Das ist ein riesiger Markt.

Mining und Blockchains

Blockchains sind Datenbanken, die man verteilen kann, die aber nicht editiert werden können. Sie sind als Sequenz von Blöcken organisiert, wobei jeder Block einen Time Stamp hat. Neue Blöcke werden immer mit dem zugehörigen Time Stamp an das Ende der Block Chain hinzugefügt. Bitcoin war die erste sinnvolle Anwendung von Blockchains. In den Blöcken der Bitcoin-Blockchain werden die verifizierten Finanztransaktionen der Cryptowährung gespeichert.

Die meisten Cryptowährungen basieren auf dem Mining-Prinzip der Bitcoins, Ether oder wie auch immer die Cryptowährungseinheiten genannt werden. Wenn Transaktionen über das Netzwerk weitergeleitet werden, werden sie von Minern abgepasst und in Blocks von 1MB Größe verpackt, die wiederum durch komplexe kryptografische Berechnungen geschützt sind. Dabei setzen Miner hochperformate IT-Infrastruktur ein und lösen mathematische Probleme auf Kosten eines unglaublichen Energieverbrauchs. Als Entschädigung für die Nutzung ihrer Rechenressourcen erhalten Miner Belohnungen für jeden Block, den sie erfolgreich der Blockchain hinzufügen. Zum Zeitpunkt der Einführung von Bitcoin im Jahr 2009 betrug die Belohnung 50 Bitcoins pro Block: diese Zahl halbiert sich mit jeden 210.000 Blocks, die neu geschürft werden — was etwa vier Jahre dauert. Bis zum Jahr 2020 war der Block Reward dreimal halbiert und beläuft sich nun auf 6,25 Bitcoins.

Profitiert jeder Miner?

Was wichtig zu wissen ist, daß nicht jeder Miner belohnt wird, der einen Block bearbeitet. Tatsächlich muß er der erste Miner sein, der eine 64-stellige Hexadezimalzahl (einen “Hash”) findet, die kleiner oder gleich dem Ziel-Hash ist. Das ist im Grunde reine Spekulation. Die Miner konkurrieren also um die Bitcoins und deshalb wird viel Energie durch parallele Berechnungen verschwendet und am Ende gewinnt nur der schnellste.

Für die Erstellung, Verteilung, den Handel und die Speicherung dieser virtuellen Währung wird die Blockchain verwendet. Die Blockchain ist ein dezentrales Buchführungssystem. Die Zahlungen erfolgen durch Peer-to-Peer-Technologie. Um die Blockchain zu pflegen und zu aktualisieren, verlassen sich die Anbieter von Cryptowährungen auf die Rechenleistung globaler Computernetzwerke. 

Kappung der Cryptowährungen im Volumen

Meistens sind die zu erarbeitenden Volumina nach oben beschränkt. Der Aufwand wird also immer höher, um die letzten Reste des verfügbaren Volumens zu erarbeiten. Als Beispiel kann man die Nummer eins unter den Cryptowährungen nennen:

18.767.081 BTC Coins und ein Maximalvorrat von 21.000.000 BTC Coins (Stand 26.7.2021)

Quelle: CoinMarketCap

Der Gesamtvorrat von Bitcoin ist durch die Software des Gründers Satoshi Nakamoto begrenzt und kann die Anzahl von 21.000.000 Coins nicht überschreiten. Eine Schätzung geht davon aus, daß der letzte verfügbare Bitcoin im Jahr 2140 gemined wird. Das bedeutet aber nicht, daß die Aktivitäten der Miner danach vorbei wären. Sie werden auch darüber hinaus die Zahlungsverkehrstransaktionen weiterhin in Blöcken in der Blockchain verifizieren. Für diesen Aufwand werden sie Gebühren in Form von Bitcoins erhalten.

Cryptowährungs-Börsen

Cryptowährungen werden auf speziellen Cryptowährungs-Börsen gehandelt. Die Top-Börsen für den Handel mit Bitcoin sind derzeit BinanceOKExBybitHuobi Global. Dabei halten die Investoren oder die Miner ihren Bestand an Cryptowährungseinheiten in sogenannten Wallets.

Ein Cold Wallet ist eine Offline Hardware, auf der man seine Cryptowährungseinheiten speichert. Demgegenüber sind Hot Wallets mit dem Internet verbunden. Wenn man das Passwort für den Zugriff auf die Wallets und die dort gespeicherten Daten vergisst, dann ist der Zugriff auf die Wallets nicht mehr möglich und die Cryptowährungseinheiten sind verloren. Alle Transaktionen sind in der Blockchain dokumentiert und sind transparent nachvollziehbar.

Schlechte Erfahrungen?

Im Jahr 2014 musste eine japanische Cryptowährungsbörse namens Mt. Gox Konkurs anmelden. Hacker hatten den Gegenwert von $460 Millionen in US-Dollar gestohlen. Und das ist nicht das einzige Mal, dass solche Börsen angegriffen wurden oder von ihren Gründern als Instrument des Betrugs genutzt wurden.

Ein solcher Fall ereignete sich 2019, als Gerald Cotten, Gründer der in Kanada ansässigen Cryptowährungsbörse Quadriga, unerwartet verstarb. Er war die einzige Person, die die wichtigen Passwörter der Börse kannte. Ohne diese Informationen konnten seine Kunden nicht auf die insgesamt 250 Millionen US-Dollar auf ihren Konten zugreifen. Dies führte verständlicherweise zu einem Aufruhr unter den Kunden. Einige forderten sogar, Cottens Leiche zu exhumieren, um zu beweisen, dass er tatsächlich tot war und sie nicht betrogen hatte. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei der Börse ebenfalls um ein Betrugssystem (Ponzi Schema oder Schneeballsystem).

Cryptowährungen als digitales Zahlungsmittel?

Schon in einem früheren Beitrag hatte ich über die Chancen und Risiken von Cryptowährungen als digitales Zahlungsmittel geschrieben. Aber wie bekomme ich meine ersten Cryptowährungseinheiten (Alt Coins)?

Woher bekomme ich Alt Coins?

Entweder ich investiere in Computer-Equipment und fange an zu minen. Das lohnt sich in einem Land wie Deutschland nicht mehr, da die Energiekosten zu hoch sind. Es rechnet sich einfach nicht.

Deswegen versuchen findige Entwickler im Netz zugängliche Rechner mit einer Software zum Minen zu infizieren und dann verteilt die Alt Coins zu erarbeiten. Das ist natürlich ein funktionierendes Geschäftsmodell auf Kosten der Betreiber dieser infizierten Rechner. Man sollte also regelmäßig überprüfen, ob der Energieverbrauch des eigenen Rechners signifikant angestiegen ist.

Ein weiterer Weg an Alt Coins zu kommen ist über einen Broker.

Über eine der oben genannten Cryptowährungsbörsen kann man ebenfalls in Coins investieren. Meistens handeln diese Börsen gleich mehrere Alt Coins. Dazu erstellt man einen Account bei einer dieser Börsen, hinterlegt seine Bankverbindung und überträgt Geld auf diesen Börsenaccount. Die damit gekauften Alt Coins kann man dann in seinem Börsenaccount liegen lassen oder auf die eigene Wallet übertragen.

Und schließlich kann man noch in Anteile von Firmen investieren, die die Cryptowährungen herausbringen.

Und los gehts mit dem digitalen Zahlungsverkehr

Ab dem Augenblick, wenn man Alt Coins in seiner Wallet hat, kann man diese als digitales Zahlungsmittel einsetzen. Die Transaktionen werden über private und öffentliche Schlüsselpaare abgesichert, die die Zahlungsverkehrsabwicklung verschlüsseln. Was man nicht vergessen darf ist, daß dieser Markt nicht reguliert ist. Aufgrund der Volatilität der Coins ist der Wert dieser Zahlungen sehr unterschiedlich. Tesla hatte mal Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert ist aber auch wieder davon abgerückt. Konstanz gibt es bei Cryptowährungen nicht.

Energieverschwendung beim Minen von Cryptowährungseinheiten

Gewaltige Energiekosten entstehen beim Minen von Cyptowährungseinheiten. Hochgerüstete Computersysteme laufen rund um die Uhr und erzeugen durch den Energieverbrauch Abwärme. Abwärme, die auch die eingesetzten Komponenten, wie Grafikkarten, in ihrem Betrieb stark belasten. Um die Rechner zu kühlen wird weitere Energie aufgewendet. Durch die Daueranwendung an der Leistungsgrenze fallen diese Komponenten auch häufiger aus und müssen ausgetauscht werden. Eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen.

“Right now, millions of Bitcoin mining devices around the world are generating 130 quintillion of such guesses every second of the day non-stop. Combined, these machines are now consuming as much electrical energy as a country like the Netherlands”

Alex de Vries, a financial economist who runs Digiconomist

Wo entstehen Mining Farms?

In unseren Breiten ist Strom teuer. Stattdessen bauen die Miner ihre Technik in Ländern auf, die geringe Stromkosten anbieten können. Dazu gehört Texas, das durch seinen deregulierten Energiemarkt einen niedrigen Strompreis anbieten kann. Das allerdings auf Kosten des Erhalts der Infrastruktur, die nun häufiger ausfällt. Zum Beispiel während der Kältewelle im Winter und nun auch während der Hitzewelle im Sommer. Für Miner ist natürlich eine stabile Energieversorgung genauso wichtig wie geringe Stromkosten. China bietet sich da an. Aber China verbietet mittlerweile diese Energieverschwendung, die durch Mining von Cryptowährungen entsteht.

„A research paper published by Guan and colleagues in April showed, for instance, that the energy consumption of the Bitcoin blockchain in China was expected to generate an amount of greenhouse gas emissions equivalent to the yearly output of the Czech Republic or Qatar.“

CNBC.com

Diskussionen finden statt bezüglich der Verwendung von erneuerbaren Energien und der Priorisierung anderer Abnehmer im Falle von Energieknappheit. Meiner Meinung nach sind das überflüssige philosophische Betrachtungen, da ich persönlich das Konzept des Minings als Schwachsinn ablehne.

Proof of Work vs Proof of Stake?

Die grundlegende Idee der Cryptowährungserfinder war, daß man wie im normalen Leben für Coins Arbeit aufwenden muss. Und diese Arbeit sollte durch Computer geleistet werden. Wenn aber Energie nur noch zum Zweck der Erstellung von immer mehr Alt Coins verschwendet wird, dann ist das alles andere als nachhaltig und umweltfreundlich.

Um dieses Problem zu adressieren, soll dieses Proof of Work genannte Konzept bei Bitcoin (und anderen Cryptowährungen) in Zukunft in ein sogenanntes Proof of Stake genanntes Konzept (z.B. bei Ethereum 2.0) gewandelt werden. Damit könnte der Energieverbrauch um 99,95% reduziert werden. Die Umsetzung des Proof of Stake Konzepts scheint aber nicht sehr realistisch zu sein.

Nettes Detail am Rande: jeder Miner von Bitcoins speichert auf seiner Platte die komplette Blockchain. Stand November 2020 war diese Blockchain knapp 656GB groß.

Cryptowährungen als Investitionsobjekt?

Wer Cryptowährungen als Investitions- oder Spekulationsobjekt nutzen will, dem empfehle ich investopedia, um sich in das Thema einzuarbeiten. Die Vielfalt der Alt Coins bietet viele Möglichkeiten. Man sollte sich aber sehr genau über die Hintergründe, die Ziele der Währung, die verwendeten Begriffe und die Unterschiede zu anderen Cryptowährungen informieren.

While it was created seemingly as a joke, Dogecoin’s blockchain still has merit. Its underlying technology is derived from Litecoin. Notable features of Dogecoin, which uses a scrypt algorithm, are its low price and unlimited supply … Dogecoin has a loyal community of supporters who trade it and use it as a tipping currency for social media content.

investopedia

Als Investions- oder Spekulationsobjekt sind Cryptowährungen phantastisch. Solange sie sich nicht als Betrugsschema herausstellen, kann man zur Zeit beobachten, daß die Kurse nur nach oben zeigen. Die Kursentwicklung ist besser als bei allen Aktienindizes.

Aber dies ist auch nicht ungewöhnlich, da Investoren zur Zeit verzweifelt Anlagemöglichkeiten mit Traumrenditen suchen. Und da fließen jeden Tag Milliarden Fiatgelder (also US$, Euro, usw.) in diese digitalen Cryptowährungen. Hier regiert die Gier nach Renditen und eine völlige Unkenntnis der Materie. Das ist der Wilde Westen oder der Goldrausch.

Experiment mit Cryptowährungen

Ein absolut lesenswertes Experiment mit Cryptowährungen haben im Juni drei Zeit-Redakteure begonnen und betreiben es ein halbes Jahr. Das Ziel ist es jeweils 500€ in eine beliebige Auswahl von Cryptowährungen zu investieren und dann Ende des Jahres zu schauen, welcher den größten Erfolg hat.

Dabei hat jeder der Redakteure eine andere Investmentstrategie gewählt.

  • Influencer-Strategie von Lisa Nienhaus: „Im Verlauf des Experiments will ich weiteren Krypto-Influencern (wie Elon Musk) folgen. Ein paar habe ich schon im Auge.“
  • Grüne Strategie von Jens Tönnesmann: „Gibt es eine grüne Börse, auf der sich klimafreundliche Coins finden und klima-unschädlich handeln lassen?“
  • Shitcoin-Strategie von Lars Weisbrod: „Maximales Risiko. Kein Coin ist mir zu billig, kein Anbieter zu unseriös.“

Ich werde dieses Experiment und die Kursentwicklung in ihren Wallets im Auge behalten. Eine wirklich schöne Aktion.

Fazit

Meine persönliche Meinung ist, daß dieser Markt gefährlich ist. Allein die Vielzahl der Cryptowährungen, Broker, Walletanbieter und Cryptowährungsbörsen deutet darauf hin, daß hier viele unseriöse Personen ein großes Stück vom Kuchen haben wollen. Dieser Markt ist weder transparent, noch kontrolliert. Sein Geld dort reinzustecken ist reine Spekulation und kein Investment. Im Moment sind die Erwartungshaltungen der meisten Marktteilnehmer positiv, deshalb wird es noch eine Weile nach oben gehen. Eine Spekulationsblase deutet sich auf jeden Fall an, die auch jederzeit platzen kann.

Es wird hier viele Gewinner geben, die davon profitieren. Es wird aber noch viel mehr Verlierer geben, die alles verlieren werden.

Und hier noch ein paar Tips von Bitcoin, auf welche Maschen von Betrügern man nicht reinfallen sollte.

Und ein sehenswerter YouTube-Report über The Insane World of Bitcoin.

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