Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Macintosh (Teil 1)
Lesedauer: 17 MinutenSteve Jobs veröffentlichte mit sichtlichem Stolz seinen Apple Macintosh am 24.1.1984. Alles Gute zum 40. Geburtstag Macintosh.
Vor vierzig Jahren brachte Apple einen Computer heraus, der zuerst langsam, dann aber umso schneller und intensiver unseren Umgang mit Computern veränderte. Der Macintosh, das Kind von Jeff Raskin und Steve Jobs, erblickte das Licht der Welt. Bei seiner Präsentation erkannte der Macintosh allerdings nur Steve Jobs als seinen Vater an. Herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstag Macintosh.
Er stellte sich damals selbst mit folgenden Worten vor 😉
Hello, I am Macintosh
it truly is great to get out of that bag
Unaccustomed as I am to public speaking, I’d like to share with you a maxim I thought of the first time I met an IBM mainframe
Never trust a computer you can’t lift!
Obviously, I can talk, but right now I’d like to sit back and listen.
So it is with considerable pride that I introduce a man who has been like a father to me…
Steve Jobs!
Macintosh spricht das erste Mal öffentlich. Macintosh Präsentation 24.1.1984, Apple-Aktionärsversammlung im De Anza College Campus
Folklore.org als ultimative Informationsquelle
Über den Apple Macintosh, seine Entstehungsgeschichte und die handelnden Personen ist in den letzten 40 Jahren schon viel geschrieben worden. Auch ich hatte in einem Beitrag mit dem Titel Apple Computer im Laufe der Zeit im Jahr 2019 schon meine Sicht auf diese historischen Aspekte des Macintoshs wiedergegeben. Diese will ich heute nicht wiederholen. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass es genau eine Website gibt, die soviele intime Informationen aus dem Entstehungsprozess des Apple Macintoshs gesammelt hat, und die man deswegen unbedingt lesen sollte. Dies ist die Seite folklore.org von Andy Hertzfeld, dem brillanten Software-Ingenieur des Macintoshs.

Ich habe diese Geschichten schon mehrfach gelesen. Sie sind eine kostbare Sammlung von Erinnerungen der beteiligten Personen an diese herausfordernde Zeit ihres Lebens.
Stattdessen soll mein heutiger Beitrag einen speziellen Fokus auf die weniger bekannte öffentliche Präsentation des Macintosh am 30.1.1984 bei der Boston Computer Society legen.
Den meisten dürfte die Macintosh Präsentation am 24.1.1984 auf der Apple-Aktionärsversammlung im De Anza College Campus in Cupertino bekannt sein. Aber sechs Tage später in Boston wiederholte Steve Jobs nicht nur seinen Sales Pitch zum Macintosh, sondern brachte Teilnehmer seines Entwicklungsteams auf die Bühne. Die Frage-und-Antwort-Session mit den kritischen Mitgliedern der Boston Computer Society ist wahnsinnig interessant. Dabei sind Mac Promis wie Bill Atkinson, Andy Hertzfeld, Burrell Smith und andere wichtige Persönlichkeiten, die Rede und Antwort stehen.
Teil 1 von 2 zum 40. Geburtstag des Apple Macintosh
Als ich diesen Text fertiggestellt habe, stellte ich fest, dass dies mein längster Beitrag in meinem Blog ist. Mit 7000 Worten und knapp 31 Minuten Lesezeit war dieser Beitrag doch etwas lang geraten. Deshalb habe ich beschlossen diesen Beitrag in zwei Teile aufzuteilen.
Teil 1 veröffentliche ich am 24.1.2024. Dies markiert den 40. Geburtstag der Veröffentlichung des Apple Macintosh bei der Aktionärsversammlung im De Anza College Campus. Dieser Teil beinhaltet meine Besprechung des Sales Pitch von Steve Jobs bei der Boston Computer Society. In weiten Teilen ist er identisch mit dem Vortrag, den Steve Jobs vor den Aktionären und Mitarbeitern von Apple gehalten hat.
Teil 2 werde ich am 30.1.2024 veröffentlichen. Dies ist dann der 40. Jahrestag der Präsentation des Macintosh bei der Boston Computer Society. Da werde ich dann die Frage-und-Antwort-Session der Apple Experten vor den Mitgliedern der BCS analysieren. Freut euch auf diesen spannenden zweiten Teil.
Von der Apple Lisa zum Macintosh
Als ich im Januar 2023 meinen Beitrag über die Apple Lisa veröffentlichte, hatte ich lange zur Entstehungsgeschichte dieses Computers recherchiert. Genauso wie beim Macintosh war der Besuch im Xerox PARC die Initialzündung für die graphische Oberfläche der Lisa. Die Konzepte sind in beiden Computern parallel eingebaut worden. Bill Atkinson hatte in beiden Projekten die Verantwortung für die Grafikroutinen.
Beide Projektleiter, John Couch für die Lisa und Steve Jobs für den Mac pflegten ein Konkurrenzverhältnis zwischen den beiden Entwicklungsteams. Aber die Lisa war am 19.1.1983 über ein Jahr schneller am Markt als der Macintosh. Und offen gestanden war die Lisa das bessere Produkt. Der Macintosh war von Anfang an als günstiger Computer konzipiert und alle Designentscheidungen ordneten sich dieser Maxime unter. Mit 128 KB RAM war dieser Rechner zwar mit knapp 2500$ viel günstiger als die Lisa (10000$), aber auch nicht wirklich nutzbar. Erst mit 512 KB RAM machte dieser Computer Spaß.
Die Vorstellung bei der Boston Computer Society
Umso interessanter ist deshalb die Präsentation des Macintoshs bei der Boston Computer Society nur wenige Tage nach der offiziellen Veranstaltung in Cupertino zu werten. Wurde dort ein Macintosh mit 512 KB RAM verwendet? Mittlerweile weiß man, dass Apple Schwierigkeiten hatte die Präsentation mit einem 128 KB RAM Mac zu machen. Deshalb nutzten sie heimlich still und leise einen mit 512 KB RAM.
Das Publikum der Boston Computer Society (BCS) bestand aus Computerfans aus der Region. Eine Region mit vielen Top Universitäten und dem Massachusetts Institute for Technology (MIT) als Heimat der besten Ingenieure dieser Welt. Viele Mitglieder der BCS waren wichtige Persönlichkeiten der Computerindustrie. Im Jahr 1984 hatte die BCS 10000 Mitglieder. Viele Firmen stellten auf Veranstaltungen der BCS ihre Produkte vor. So auch IBM seinen neuen PC im Jahr 1982 und Apple seinen Macintosh am 30.1.1984. Dieses Publikum war kritisch und wollte natürlich überzeugt werden.
In der Folge dieses Beitrages werde ich mich auf diesen YouTube-Beitrag des Computer History Museums beziehen und die Time Stamps der interessantesten Szenen nennen. Viel Spaß bei meiner Kommentierung dieser spannenden Veranstaltung.
Steve Jobs präsentiert den Macintosh
IBM und seine Produkte und Entscheidungen
Steve beginnt seine Präsentation mit der Zeitleiste der IBM-Fehlentscheidungen (ab 0:48). Steve Jobs pflegt mit Big Blue eine ganz besondere Hassliebe. Einerseits kann er akzeptieren, dass IBM eine Firma ist, die mit ihren Produkten Standards setzen kann. Aber er zeigt auch deutlich auf, dass kleine Firmen dynamischer und effektiver neue Lösungen in der Computerindustrie finden können und IBM Konkurrenz machen können.
Immerhin ist aber IBM mit seinem PC ein neuer Standard neben dem Apple II gelungen. Und das dadurch, dass sie ein kleines dynamisches Team abseits von IBMs starrer Organisation und Prozessen an einer neuen Architektur haben arbeiten lassen.
Schließlich kommt er mit seiner Beschreibung der IBM-Apple Konkurrenzsituation ins Jahr 1984 (ab 2:50). Er zeigt uns, warum 1984 nicht so sein wird wie George Orwell es sich vorgestellt hat.
Will big blue dominate the entire computer industry?
The entire information age?
Was George Orwell right?
Steve Jobs bei seiner Präsentation des Macintoshs am 30.1.1984 bei der Boston Computer Society
Er zeigt daraufhin den ikonischen Macintosh Werbefilm von Ridley Scott (ab 3:33). Dieser lief nur ein einziges Mal öffentlich beim Super Bowl XVIII des Jahres 1984. Und trotzdem kennt ihn jeder IT-Experte dank YouTube.

Trotzdem erkennt er an, dass IBM eines der seiner Meinung nach zwei wegweisenden Produkte der aktuellen Computergenerationen entwickelt hat: den IBM PC (ab 5:04). Das zweite ist der Apple II. Steve Jobs grinst und das Publikum lacht, weil die Slide mit beiden Computern zuerst nicht erscheinen will.

Was ist der dritte Industriemeilenstein?
Steve Jobs leitet über auf den seiner Meinung nach dritten Industriemeilenstein (ab 5:12). Der Maintosh mit seiner Tastatur und Maus erscheint. Auf seinem Bildschirm steht in großen eleganten Buchstaben Macintosh und in Schreibschrift Insanely Great!. Er nennt den Preis dieses Computers von 2495$ (ab 5:37).

Interessant ist, dass er bei der Erläuterung dieses Produktes auf die Lisa verweist. Der Macintosh würde Lisa Technology verwenden (ab 5:50). Dieser Computer hatte ein Jahr vorher die Welt mit seiner grafischen Benutzeroberfläche erschüttert. Statt kryptischer Kommandos und Tastatur Shortcuts wurde dieser Computer mit der Maus bedient und man musste nicht ein Experte sein, um dieses Gerät zu benutzen.
Die Hardware
Und er zeigt auf, dass auch der Macintosh dieselbe technische Basis mit einem Motorola 68000 Prozessor hatte.
This thing eats 8088 for breakfast
Steve Jobs über den Motorola 68000 Prozessor (ab 6:05)
Aus heutiger Sicht wirklich bemerkenswert ist das eingebaute ROM mit dem Betriebssystem und den Routinen für die grafische Benutzeroberfläche. Der IBM PC musste sein Betriebssystem erst vollständig vom Datenträger laden. Ein Mac war sofort betriebsbereit. Heutzutage gibt es diese schnelle Betriebsbereitschaft eines frühen Macintoshs nicht mehr bei aktuellen Apple Produkten.
Dann bringt er den Fokus auf die damals neuen 3,5“ Disketten (ab 6:35). Seiner Meinung nach sind die 5,25“ Disketten ein Speichermedium der 70er Jahre gewesen. Damit schiebt er auch den PC und seine Klone in die Ecke der veralteten Hardware. Darüberhinaus könne man auf den kleineren Disketten viel mehr Daten speichern und sie sind auch stabiler als die altertümlichen Floppy Disks. Später wird er eine 3,5“ Diskette über die Bühne schmeißen als Nachweis ihrer Haltbarkeit.
Mit der seriellen Schnittstelle könne man ein kleines Netzwerk von Macintoshs aufbauen ohne zusätzliche Kosten (ab 6:50). Bei PCs braucht man dafür wieder eine Steckkarte und spezielle Netzwerktreiber. All das bietet der Macintosh schon standardmäßig.
Steve Jobs gibt einen sehr kurzen Hinweis auf vierstimmigen Sound und Sprachfähigkeiten des Macs (ab 7:06). Und sofort danach weist er auf die hochauflösende Grafik hin, wobei die Auflösung zweimal höher sei als bei einem IBM PC oder einem Apple II. Eine merkwürdige Abfolge von fast beliebig aneinander gereihten Featurebeschreibungen.
Switching on the Mac
Dann versucht er uns zu vermitteln, dass der Mac ein wirklich tragbarer Computer ist und nur ein Drittel eines IBM PC wiegt (ab 7:38). Danach geht er rüber zu einem Macintosh in seiner Tragetasche. Er entnimmt den Mac und seine Maus und verbindet den Computer mit dem Netzstecker (ab 8:26). Nachdem er den Computer angeschaltet hat ertönt ein Signalton. Steve Jobs holt triumphierend eine Diskette aus seiner Brusttasche und hält sie dem Publikum grinsend hin. Mittlerweile erscheint auf dem Display des Macs ein Mac-Icon. Steve Jobs führt die Diskette ein und der Mac beginnt die Daten zu laden. Die Demonstration beginnt automatisch.
Der Sound von Vangelis kommt bombastisch über die Lautsprecher des Saals. Die Kamera schwenkt auf die große Leinwand, auf der das Bild des Macintosh-Screens dargestellt wird. Das Publikum jubelt beeindruckt. Macintosh insanely great wird in Schreibschrift geschrieben. Eine Serie von Bildern der Mac Apps wird gezeigt. Viele hochauflösende Grafiken und Schriftarten sowie ein Schachspiel in 3D erscheinen auf dem Screen.

Steve Jobs unterbricht die Präsentation und lässt Macintosh nun für sich selbst sprechen (ab 10:35). Man merkt Steve Jobs an, dass er viel Spaß mit der Präsentation hat. Er drückt die Maustaste und der bereits oben in meinem Beitrag zitierte Text wird vom Mac gesprochen. Das Publikum ist begeistert von der Rede des Macs.
Steve ist gerührt.
Positionierung des Macintosh auf dem Markt
Aber fast übergangslos fängt er an die Zielgruppen für den Macintosh zu beschreiben. Die erste seien die 25 Millionen Knowledge Worker in Büros. Die zweite seien die 11 Millionen College Worker in den höheren Bildungsanstalten. Sie würden die Knowledge Worker der Zukunft sein. Für diese beiden Zielgruppen sei der Mac gemacht. Er sei eine Schreibtisch-Lösung wie es das Telefon schon lange davor war (ab 11:57).
Diese Lösung muss den Knowledge und College Workern auch präsentiert werden. Dafür habe Apple einige Werbespots vorbereitet, die sie während der olympischen Winterspiele im Februar zeigen werden (ab 12:55).
Insgesamt zeigt Steve Jobs fünf Werbespots. Und alle enden mit der Tagline:
Macintosh
The computer for the rest of us
Apple Werbung
College Workers als Zielgruppe – das Apple University Consortium
Stolz verweist Steve Jobs auf die Tatsache, dass 70% der in der Bildungswelt genutzten Computer von Apple sind. Insgesamt 24 Colleges und Universitäten fasst Apple in einer Initiative Apple University Consortium zusammen. Am Tag dieser Präsentation würden diese 24 Institutionen Bestellungen bei Apple im Wert von 15 Millionen Dollar auslösen: für Macintosh Computer. Einem Computer, der noch nicht auf dem Markt ist. Da sieht man wie intensiv Apple im Hintergrund den Markt für den Macintosh vorbereitet hat. Und eine Vielzahl von weiteren Colleges überall im Jahr hätten auch schon zurückgemeldet, dass der Macintosh der perfekte Computer für diese Bildungsinstitute sei. Das Apple University Consortium ist ein Who-is-Who der einflussreichsten Bildungsstätten der USA. Auch die sieben Institute der Ivy League sind vollständig enthalten.

Wie schnell kann der Bedarf an Macintoshs gedeckt werden?
Diese hohe Nachfrage würde auch entsprechende Produktionskapazitäten erfordern. Deshalb sei der Macintosh der erste Computer, der so gestaltet wurde, dass er millionenfach produziert werden kann. Eine Fabrik wurde konzipiert, die am Tag der Präsentation schon 500 Macs pro Tag produzieren kann. Geplant ist, dass diese Zahl sich in den nächsten Monaten auf 3000 Macs pro Tag steigern läßt.
Lisa 2 und Mac – die neue Computergenerationen
Auch die Lisa soll in dieser Planung der Produktionskapazitäten eine Rolle spielen. Aber nicht so, wie es sich das Lisa Team vorgestellt hat. Stattdessen wird es eine Lisa 2 geben, die voll kompatibel zum Macintosh gemacht wird. Diese wird dann das professionelle Segment über dem Macintosh bedienen. Während der Macintosh für 2500$ angeboten wird, kommen folgende Lisa 2 zusätzlich auf den Markt:
- Lisa 2 mit 500 KB RAM und einem 3,5″ Diskettenlaufwerk für 3495$
- Lisa 2/5 mit einem zusätzlichen externen 5 MB Profile-Festplattenlaufwerk für 4495$
- Lisa 2/10 mit einem eingebauten 10 MB Festplattenlaufwerk für 5495$.
Auch die Lisa Besitzer der ersten Stunde können ihre Computer auf Macintosh Kompatibilität umrüsten lassen. Eine Lisa 1 wird von Apple auf eine Lisa 2/5 aufgerüstet und das kostenlos.

Diesen Schritt muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ein technisch hochwertigeres Produkt wie die Lisa wird zu einem schlechteren Produkt wie den Macintosh umgewandelt. Vielleicht wurde aber auch nur eine Macintosh Emulation unter dem Lisa OS ermöglicht. Steve Jobs verkauft dies, als wäre dies eine großartige Maßnahme. Natürlich wird damit auch offensichtlich, dass Steve Jobs und Apple kein Interesse daran hatten, die Lisa in ihrer ursprünglichen Form weiterzuentwickeln.
Aber wer meinen Beitrag über die Entstehung der Lisa gelesen hat, der weiß, dass die Lisa das bessere Produkt war und professionellere Lösungen wie Multitasking und einfachen Speicherschutz schon enthielt. Features, die der Macintosh erst viele Jahre später erst erhielt. Der Macintosh war ein Rückschritt. Und die Lisa 2 war es auch.
Steve Jobs verkauft dies mit den folgenden Worten.
So as we move forward with the second iteration of this technology
we absolutely don’t wanna penalise those pioneers
so we are pulling them right along with us at no additional cost
Steve Jobs erläutert, warum die Lisa 1 auf Lisa 2 upgegradet wird (ab 20:16)
Ist die Lisa 2 wirklich ein gutes Angebot?
Ein Schelm, der böses dabei denkt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Lisa 1 kein großer kommerzieller Erfolg. Steve Jobs hatte in allen Präsentationen der Lisa auch auf den zukünftigen Macintosh hingewiesen. Deshalb hat der Markt die Lisa auch nicht angenommen, weil ja ein günstigeres und angeblich besseres Modell bald herauskommen würde.
Und ein weiteres bemerkenswertes Zitat von Steves Jobs (ab 20:40).
And together these four workstations are the foundation
of what we are calling the Apple 32 SuperMicros
It’s a family of compatible products based on Lisa Technology in 32 bit infrastructure
Steve Jobs und seine Apple 32 SuperMicros.
Interessant ist aber schon, dass der Preispunkt einer Lisa damit von 10000$ auf Preise zwischen 3495$ und 5495$ verschoben wurde. Das hört sich eigentlich schon nach einem guten Angebot an.

Aber der Markt hat anders entschieden. Bereits 1985 wird die Produktion der Lisa eingestellt. Lagerbestände sind noch bis September 1989 verfügbar. Die letzten 2700 Lisa werden in einer Müllkippe in Utah vergraben.
Apple Bus – der Netzwerkstandard
Das nächste Thema dessen sich Steve Jobs in seiner Präsentation annimmt ist die Vernetzung von Computern. Laut seiner Analyse gibt es keinen vernünftigen Netzwerkstandard am Markt. Ethernet habe sich noch nicht im Markt etabliert, bzw. ist zu teuer nachzurüsten. Apple packt dieses Problem mit seiner Apple Bus Technologie an. Alle Apple 32 SuperMicros hätten Apple Bus bereits eingebaut. Der Standard liefert eine Netzwerkgeschwindigkeit von 32 kBit/s und kann auf Netzwerkstrecken bis tausend Feet (knapp 300 Meter) genutzt werden. Man müsse allerdings noch eine kleine Box für 25 Dollar kaufen und an der Rückseite des Computers anschrauben. Dann können bis zu 32 Apple 32 SuperMicros ein Netzwerk bilden. Auch hier hat Steve ein schönes Zitat geliefert.
And we think that this will be a really good idea for the next twenty four months
until the networking really shakes out
Sort of think it is freenet
Apple erklärt die Nutzung von Apple Bus als Networking Standard (ab 22:09)
Ausdruck in hoher Qualität
Auch für den hochqualitativen Ausdruck hat Steve Jobs einige Ankündigungen zu machen. Wer den verfügbaren Apple ImageWriter Drucker zusammen mit einem Macintosh kauft zahlt hundert Dollar weniger. Er wird dann für 495 Dollar angeboten. Aber bei dieser Ankündigung bleibt es nicht.
Zum Ende des Jahres 1984 werde Apple laut Steve Jobs den hochauflösenden Ausdruck mit einem neuen Laserdrucker (breakthrough Laser Xerography) für weniger als 5000 Dollar revolutionieren. Wir wissen, dass dieser Drucker schließlich 1985 mit Postscript-Technologie auf den Markt gekommen ist. Zum selben Zeitpunkt kam Aldus Pagemaker auf den Markt. Mit einem Mac, Pagemaker und dem Apple Laserwriter konnte dann hochqualitatives Desktop Publishing (DTP) zu Hause gemacht werden. Dies war die erste Killerapplikation für den Macintosh. Zwei Jahre später im Jahr 1987 kam dann schließlich QuarkXPress heraus, das der Marktstandard für DTP wurde.
Anschluss eines Macs an einen IBM Mainframe als Terminal
Eine weitere Spitze gegen IBM kann sich Steve Jobs nicht verkneifen. Wenn man eine weitere knapp 1000 Dollar teure Box kaufe, dann könne man den Macintosh an jeden IBM Mainframe verbinden. Der Mac wäre dann ein Terminal und könne über den 3278 Datacom-Standard mit dem Mainframe kommunizieren. Und das besser als jeder IBM PC.
Im Herbst würden dann auch günstige Fileserver kommen, die in ein Apple Bus Netzwerk integriert werden können. Damit kann jeder im Netzwerk angebundene Macintosh oder Lisa 2 Computer auf diese zentral abgelegten Daten zugreifen.

Auch Unix bekommt eine Spitze von Apple weg, obwohl sein späteres OS X voll auf Unix setzen sollte. Na ja, auch ein Mann wie Steve ist lernfähig.
Unix is a pretty lousy operating system to put in a workstation
It’s old technology, it’s really big and you need a Winchester.
You cannot ever make a workstation cheap.
We think it is a great operating system in a multi user environment
Steve Jobs erläutert Apples Sicht auf Unix (ab 23:36)
Trotz aller Bedenken würde es bald die Möglichkeit geben, die Apple 32 SuperMicros auch an Unix Server anzubinden.
Warum ist der Macintosh kein IBM PC kompatibler Computer geworden?
Steve Jobs spricht auch an, warum sie keinen IBM PC kompatiblen Computer anbieten. Laut ihrer Marktanalyse hätten sie viele solcher Computer verkaufen können. Aber Apple habe das Selbstbewusstsein einen zweiten Industriestandard neben dem IBM PC in Büros zu etablieren. Interessant ist an dieser Aussage, dass er damit den erfolgreichen Apple II vergisst zu erwähnen, der vor dem IBM PC der erste wirkliche Bürostandard war. Steve Jobs gibt damit also zu, dass er den Apple II als alte Technologie und nicht konkurrenzfähig zum IBM PC ansieht. Eine interessante Selbsterkenntnis.
What we wanted to do is we want to establish a second standard in the office
Based on radical ease of use
and a kind of power that this kind of workstations are able to provide
Steve Jobs erläutert die Marktpositionierung des Macintosh (ab 24:17)
Aber er erkennt an, dass man auch als zweiter Bürostandard Brücken zum PC Standard von IBM vorsehen muss. Dies bedeutet, dass jede grosse Software auf beiden Plattformen vorhanden sein muss und die Datenformate austauschbar sein müssen. Außerdem müssen sowohl Apple 32 SuperMicros und IBM PC Kompatible sich über LAN verbinden können. Und der Kommunikationsstandard 3278 muss von beiden Plattformen unterstützt werden.

User Interface? Historischer Rückblick – Telegraph und Telefon
Zum Schluss widmet sich Steve Jobs noch dem wichtigen Thema, warum ein Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche besser sein soll als ein Computer mit traditioneller Bedienung durch Tastenkürzel und Kommandos (ab 25:16). Er bemüht dafür einen Vergleich aus der Vergangenheit. Die Kommunikation über Telegrafen konnte Informationen über tausende Kilometer in kurzer Zeit übermitteln. Dafür benötigte man eine spezielle Ausbildung, um diese Telegramme zu erstellen und zu entziffern. Die Idee einen Telegrafen auf jeden Schreibtisch zu stellen hörte sich erstmal gut an. Jeder könnte dann mit jedem über weite Strecken kommunizieren.
Die Erfindung des Telefons war allerdings der Todesstoß für diese Idee. Jeder Mensch konnte über ein Telefon viel einfacher akustisch mit anderen kommunizieren. Es war keine Übersetzung in einen Morsecode erforderlich. Das Telefon war damit die erste erfolgreiche Schreibtisch-Lösung for-the-rest-of-us.
Steve Jobs war der Meinung, dass jeder Mensch mit dem neuen grafischen Benutzerinterface der Apple 32 SuperMicros umgehen konnte. Diese neue Technologie war die zweite erfolgreiche Schreibtisch-Lösung. Der IBM PC sei alte Technik und nur für Spezialisten nutzbar, die Benutzerhandbücher lesen und Trainingskurse für die Bedienung der Software absolvieren.
Mit dieser Betrachtung leitet er über zu der Podiumsdiskussion mit seinem Macintosh Team. Diesen Teil werde ich dann am 30.1. in einem zweiten Beitrag veröffentlichen.
Fazit zu dieser Veranstaltung
Was kann es schöneres geben, als nach 40 Jahren erstmals eine solche Veranstaltung wahrzunehmen, die man bis dahin noch nicht kannte. Ich hatte viel Freude an der Analyse dieser Präsentation. Vor allem aus der Retrospektive betrachtet kann man viele der Aussagen von Steve Jobs einem Reality Check unterziehen.
Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, was für eine bemerkenswerte Persönlichkeit Steve Jobs war. Schon in diesem jungen Alter hat er eine Professionalität, aber auch eine Lockerheit gezeigt, die manche Menschen in dieser Branche nie erreichen werden. Er ist maximal kompetitiv, der Konkurrent IBM bekommt regelmäßig in dieser Veranstaltung böse Seitenhiebe. Seine Argumentation ist in den meisten Fällen absolut schlüssig und fokussiert auf die Fragestellungen.
Was die Mitglieder der Boston Computer Society damals erleben durften weckt Neid in mir. Dies war der Startpunkt einer großartigen Geschichte, die meine Welt und die Welt für die meisten Menschen verändert hat. Und diese Leute durften dabei sein und Steve Jobs und seinem Team Fragen stellen.
Es ist nur schade, dass noch weitere 17 Jahre vergehen mussten, bis mit OS X erst das Betriebssystem rauskam, was eigentlich schon 1984 erforderlich gewesen wäre. So hat man der Konkurrenz von Microsoft die Zeit gegönnt, um seine Windows Betriebssystem-Reihe über die Jahre reifen zu lassen.
Die Künstler von Apple hatten mit einer Kraftanstrengung diesen Macintosh und sein Betriebssystem im Januar 1984 veröffentlicht. Leider zeigten die folgenden Jahre nur noch evolutionäre kleinere Weiterentwicklungen. Hat sich Apple auf seinen Lorbeeren ausgeruht? Oder hat der Abgang der Leitfigur Steve Jobs zu einem kreativen Vakuum geführt?
Und hier geht es zum Teil 2 des Beitrags zum 40. Geburtstag des Macintoshs.
