Apple Computer Jubiläum Persönlichkeiten

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Macintosh (Teil 2)

Lesedauer: 17 MinutenSteve Jobs und seine Apple Experten stellen sich den Fragen der Boston Computer Society. Alles Gute zum 40. Geburtstag Macintosh.

Vor vierzig Jahren brachte Apple einen Computer heraus, der zuerst langsam, dann aber umso schneller und intensiver unseren Umgang mit Computern veränderte. Der Macintosh, das Kind von Jeff Raskin und Steve Jobs, erblickte das Licht der Welt. Bei seiner Präsentation erkannte der Macintosh allerdings nur Steve Jobs als seinen Vater an. Herzlichen Glückwunsch zum 40. Geburtstag Macintosh.

Heute folgt Teil 2 meines Beitrags zum 40. Geburtstag des Macintoshs. Teil 1 habe ich vor sechs Tagen zum 40. Jahrestag der Welturaufführung des Sales Pitch von Steve Jobs vor seinen Aktionären und Mitarbeitern herausgebracht. Dieser Beitrag ist dann dem 40. Jahrestag der Präsentation des Macintosh bei der Boston Computer Society (BCS) gewidmet. Heute werde ich die Frage-und-Antwort-Session der Apple Experten vor den kritischen Mitgliedern der BCS analysieren. Diese Session ist wahnsinnig interessant. Dabei sind Mac Promis wie Bill Atkinson, Andy Hertzfeld, Leroy Burrell und andere wichtige Persönlichkeiten, die Rede und Antwort stehen.

Freut euch auf diesen spannenden zweiten Teil.

Die Vorstellung bei der Boston Computer Society

Das Publikum der Boston Computer Society bestand aus Computerfans aus der Region. Eine Region mit vielen Top Universitäten und dem Massachusetts Institute for Technology (MIT) als Heimat der besten Ingenieure dieser Welt. Viele Mitglieder der BCS waren wichtige Persönlichkeiten der Computerindustrie. Im Jahr 1984 hatte die BCS 10000 Mitglieder. Viele Firmen stellten auf Veranstaltungen der BCS ihre Produkte vor. So auch IBM seinen neuen PC im Jahr 1982 und Apple seinen Macintosh am 30.1.1984. Dieses Publikum war kritisch und wollte natürlich überzeugt werden.

Vorstellung des Mac bei der BCS (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

In der Folge dieses Beitrages werde ich mich auf diesen YouTube-Beitrag des Computer History Museums beziehen und die Time Stamps der interessantesten Szenen nennen. Viel Spaß bei meiner Kommentierung dieser spannenden Veranstaltung.

Das Mac Team und Steve Jobs stellt sich den Fragen des Publikums

Steve Jobs brachte zu dieser Veranstaltung Top-Leute seines Macintosh Teams mit (ab 28:26). Diese waren:

  • Steve Capps: arbeitete am ROM des Mac, Mitautor des Finders
  • Andy Hertzfeld: verantwortlich für die Systemsoftware des Macintoshs
  • Randy Wigginton: Autor von Mac Write
  • Bill Atkinson: Autor der QuickDraw Grafikroutinen und Mac Paint
  • Bruce Horn: arbeitete am ROM des Mac, Mitautor des Finders
  • Burrell Smith: Hardware Ingenieur und verantwortlich für das Logic Board des Macintoshs
  • Owen Densmore: verantwortlich für die Druckeranbindung
  • Rony Sebok: Autorin der Trainingsdokumentation für die Mausbedienung
Das Panel mit Steve Jobs und Mac Experten
Das Panel mit Steve Jobs und Mac Experten (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Steve Jobs läßt zuerst Bill Atkinson und Randy Wigginton die Nutzung ihrer Software Mac Paint und Mac Write vorführen (ab 29:38).

Mac Paint Demo von Bill Atkinson

Was Bill Atkinson damals zeigte war für viele Computer Nutzer nicht neu. Es gab schon auf früheren Computern die Möglichkeit Linien, Ellipsen oder Rechtecke in unterschiedlichen Dicken oder Füllungen auf den Screen zu malen. Aber die Bedienung mit der Maus war neu. Und Bill Atkinson zeigte diese wirklich sehr einfache Nutzung sehr anschaulich an einigen Beispielen. Gerade das zielgenaue Löschen von Bildschirmbereichen mit der Maus begeisterte das Publikum (ab 30:40).

Bill Atkinson zeigt sein Mac Paint
Bill Atkinson zeigt sein Mac Paint (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Und er zeigte immer mehr Grafikfunktionen wie das Ausfüllen von gezeichneten Kurven oder Polygonen, die Anwendung von Pinseln mit Mustern, Schreiben von Texten mit der Maus, die additive Nutzung von Spraydosen oder die Bearbeitung der Bilder mit vergrößerten Pixeln.

Das Publikum ist hörbar begeistert je weiter Bill Atkinson die Präsentation fortführt. All dies ist für uns normal, aber für das damalige Publikum war das Rocket Science. Und diese Technik konnte man nach dieser Podiumsdiskussion auch ausprobieren. Was für eine Ehre, wenn man damals dabei sein konnte. Ein solches Gefühl hatte ich persönlich nur, als ein HP Mitarbeiter mir das erste HP Touchpad vor seiner Veröffentlichung in die Hand drückte.

Er markierte Bereiche der Grafiken und führte Operationen auf die Inhalte der markierten Bereiche aus, wie Drehung, Invertierung oder verschob diese Bereiche auf den Screen (ab 36:01).

Anwendung von Mac Paint mit Bill Atkinsons QuickDraw-Routinen
Anwendung von Mac Paint mit Bill Atkinsons QuickDraw-Routinen (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Auf einem anderen Teil der Zeichenebene hatte er bereits einen Fisch gemalt und vorbereitet, den er markierte und in die Zwischenablage kopierte. Damit übergab er an Randy Wigginton, um Mac Write zu demonstrieren. Begeisterter Applaus vom Publikum der Boston Computer Society.

Anwendung von Copy und Paste mit dem Bitmap-Fisch
Anwendung von Copy und Paste mit dem Bitmap-Fisch (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Mac Write Demo von Randy Wigginton

Randy Wigginton erwähnt die Quickdraw Routinen von Bill Atkinson, die erst all diese grafischen Features ermöglicht haben (ab 37:35). Speziell die Überlagerung von Fenstern ist etwas, was nur durch die Programmierkunst von Bill Atkinson möglich gemacht wurde.

Randy Wigginton stellt Mac Write vor
Randy Wigginton stellt Mac Write vor (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Er leitet erstmal damit ein, dass Mac Write die Erstellung von Texten trotz all der Funktionen so einfach wie möglich machen soll. Keine kryptischen Befehle sind zu erlernen. Und das Dokument soll bereits am Screen so aussehen, wie es später auf dem Drucker herauskommt (What you see is what you get). Er hat bereits einen Text geladen und positioniert den Mauszeiger auf eine Textstelle. Dann erst tippt er seinen Text ein. Alle vorherigen Schritte hat er nur mit der Maus durchgeführt.

Mac Write wird präsentiert
Mac Write wird präsentiert (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Das Klacken der Tastatur hört sich satt an. Auch wenn die Tastatur mit Sicherheit nicht an die Klasse der IBM PC Tastatur herankommt (kein Cursorblock, kein Zehnerblock), so scheint sie für professionelle Textverarbeitung gut geeignet zu sein. Ich persönlich vermisse allerdings den Cursorblock. In meinem Workflow gehört einfach die Nutzung von Cursortasten zwingend dazu. Das hat Apple im Laufe der Zeit auch eingesehen und so hat jede Apple-Tastatur heute auch einen Cursorblock.

Randy Wigginton zeigt die Markierung von Texten und die Änderung des Textstils, der Schriftart und der Textfarbe (unterschiedliche Graustufen). Gerade die Nutzung von unterschiedlichen Schriftarten zeigt die Stärke der grafischen Benutzeroberfläche. Auch wenn die Schriftarten heute eher selten genutzt werden. Sie sehen einfach zu wenig professionell aus. Aber damals hat man auch diese Beispiele gerne gezeigt, um die Vielfalt der Möglichkeiten aufzuzeigen.

Cut and Paste Demo

Tabellen in Mac Write haben unterschiedliche Tabulatoren für die Ausrichtung von Text und Zahlen. Der Text im Dokument kann unterschiedlich ausgerichtet werden. All das ist für uns heute Standard. Damals war dies ein kleines Wunder was dem Publikum gezeigt wurde. Randy Wigginton und Bill Atkinson haben die Elemente ihrer Präsentation sauber aufeinander abgestimmt und zum Schluss wird der kopierte Fisch aus der Zwischenablage in den Text eingefügt (ab 41:12). Mit dem Fisch macht er ein paar Anpassungen im Dokument und bringt das Publikum zum Lachen.

Copy und Paste mit einem Bitmap-Fisch
Copy und Paste mit einem Bitmap-Fisch (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Fazit dieser beiden Präsentationen

Alles was vorgeführt wird, fühlt sich schnell und flüssig an. Es macht Spass der Präsentation all der Möglichkeiten von Mac Write und Mac Paint zu folgen. Das Publikum bekommt Appetit darauf, den Macintosh später in der Hands On Area auszutesten.

Die Frage-und-Antwort-Session ist eröffnet
Die Frage-und-Antwort-Session ist eröffnet (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Interessant ist die Nutzung eines Undo für alle Operationen. Wahrscheinlich nur immer der letzten Aktion, aber das war damals schon ein gern gesehenes Feature. Steve eröffnet damit die Fragerunde des Publikums an die Teilnehmer des Podiums (ab 42:55).

Fragen des Publikums

Programmierung der Klangerzeugung?

Die erste Frage geht an Burrell Smith und Andy Hertzfeld. Der Frager möchte wissen, welcher Chip für die Soundgenerierung eingebaut ist und wie Sound programmiert werden kann.

Burrell Smith beantwortet Fragen zur Sound-Hardware im Mac
Burrell Smith beantwortet Fragen zur Sound-Hardware im Mac (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Burrell deutet darauf hin, dass kein spezieller Soundchip verwendet wird, sondern die Klangerzeugung durch Software herbeigeführt wird und dabei die Hardware für den Sound komplett in die Logik und das Timing des Macintosh integriert ist (ab 43:15). Die Software unterstützt 4 Soundkanäle (Stimmen) mit 24 bit Auflösung zur Generierung von Sprache.

Andy Hertzfeld beschreibt (ab 43:35), wie er die Software für die Klanggenerierung mit der Hardware von Burrell Smith abgestimmt hat, damit die Programmierung für den Nutzer so einfach wie möglich gemacht wird. Er beschreibt, wie seine Systemsoftware die entsprechenden Sound-Daten für den Digital Analog Wandler aufbereitet.

Andy Hertzfeld beantwortet Fragen zur Sound-Programmierung
Andy Hertzfeld beantwortet Fragen zur Sound-Programmierung (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Ist ein hochwertiger Textdrucker in Kürze verfügbar?

Der nächste Frager möchte wissen, ob es in Kürze von Apple einen hochwertigen Textdrucker geben wird (ab 45:00). Die Beantwortung der Frage übernimmt zuerst Steve Jobs selbst. Er führt aus, dass Apple vor allem die Laserdrucker-Technologie mit viel höherer Druckauflösung auf den Markt bringen will. Die bisherigen hochqualitativen Textdrucker sind nicht in der Lage mit der Vielfalt der Schriftarten des Macintoshs und den eingebetteten Grafiken und Grafikelementen wie Tabellengitter umzugehen. Deshalb sollten diese nicht verwendet werden.

Er übergibt an Owen Densmore, den er als Printer Guru vorstellt (ab 45:39). Owen Densmore beschreibt seine Herausforderung die Druckersteuerung so konfigurierbar wie möglich zu gestalten. Damit kann ohne Probleme ein Typenraddrucker angesteuert werden. Aber mit dem Mac und seiner Grafikpower ist so viel mehr möglich. All das wird die Druckersteuerung unterstützen. Zum Schluss verweist er auf die Zukunft der Textverarbeitung mit der Gestaltung und Nutzung hochwertiger Schriftarten und dem Setzen von Texten. Damit nimmt er die bald kommende DTP Revolution auf dem Mac schon vorweg.

Owen Densmore beantwortet Fragen zur Druckausgabe
Owen Densmore beantwortet Fragen zur Druckausgabe (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Steve Jobs fügt noch hinzu (ab 46:52), dass bereits der günstige ImageWriter ein exaktes Abbild des in Mac Write gestalteten Dokuments ausgeben kann. Um die Qualität zu verbessern ist natürlich eine höhere Auflösung erforderlich. Und das kann dann nur ein Laserdrucker. Viele Jahre später erlaubten auch Tintenstrahldrucker hohe Druckauflösungen von bis zu 300 dpi und haben die Matrixdrucker vollständig ersetzt. Noch ein schönes Zitat von ihm ist folgendes.

You’d be surprised how good [the output quality of a cheap ImageWriter] is

And the beauty of the fonts in many cases makes up for the slight lack of resolution

You’d gonna take a look at it. It’s pretty good

Steve Jobs erläutert die Ergebnisse des Ausdrucks auf einem ImageWriter (ab 47:02)

Wann wird der neue Assembler vorgestellt?

Leider hört man auf die Frage hier nur leise die Antwort von Steve Jobs. Er verweist auf die spätere Hands-On Möglichkeit mit dem Macintosh und den Apple Experten.

Wie können die moderne 16 bit Welt und die alte 8 bit Welt miteinander kommunizieren?

Der nächste Frager möchte wissen, wie man zwischen Macintosh und Apple II in Zukunft Daten austauschen beziehungsweise untereinander kommunizieren kann (ab 47:37). Randy Wigginton antwortet darauf, dass das Terminal Emulation Programm von Apple bald kommt. Damit können dann Files untereinander ausgetauscht werden. Natürlich ohne die Formatierungsinformationen in den unterschiedlichen Dokumenten, da diese im Moment nur auf der neuen Macintosh Plattform vorhanden sind.

Sind die Operationen in Mac Write nur auf das komplette Dokument anwendbar?

Der nächste Frager (ab 48:07) hat beobachtet, dass die Textausrichtung (Links, Rechts, Zentriert, Blocksatz) immer auf das komplette Dokument angewendet wird. Großer Lacher im Publikum und man hört leider nicht die Antwort von Randy Wigginton. Ich vermute aber er weist auf die Anwendung der Operationen auf markierte Textblöcke hin. Auf jeden Fall lachen auch die Apple Experten auf dem Podium mit. Der Frager stellt noch eine weitere Frage bezüglich der Ersetzung von Worten mit unterschiedlichen Längen. Steve Jobs grinst und sagt: you can do it whatever you like.

Welche Entwicklungstools werden von Apple verwendet?

Die nächste Frage geht an Steve Capps (ab 48:58). Der Frager möchte wissen was für Entwicklungstools Apple nutzt. Steve Capps führt aus, dass die Lisa 1 als Entwicklungsplattform für den Macintosh verwendet wird. In Zukunft soll die Entwicklung komplett auf dem Mac gemacht werden. Die nächste Frage zielt auf die Programmiersprachen ab. Steve Capps erwähnt Pascal und Assembler. C kann es in Zukunft auch auf dem Macintosh geben, aber er kann kein Datum nennen.

Steve Capps beantwortet Fragen zur Entwicklungsumgebung
Steve Capps beantwortet Fragen zur Entwicklungsumgebung (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Wie sieht die Zukunft für die Apple II Nutzer aus?

Eine tricky Frage (ab 49:49). Natürlich haben die Apple II Nutzer mitbekommen, dass Apple alles auf die neue 16 bit Technologie mit seiner grafischen Benutzeroberfläche setzte. Wo würde der Apple II bleiben und wie würde Apple seine Apple II Kunden weiter unterstützen?

Diese Frage übernimmt Steve Jobs mit einem Lächeln. Er weist den Frager darauf hin, dass er mit dem Apple IIe die erfolgreichste Personal Computer Reihe der Welt nutzt. Außerdem werde der Apple IIe in sehr hohen Stückzahlen verkauft. Erst in zwei bis drei Jahren würde seiner Meinung nach der Macintosh den Apple II überholen, was die Stückzahlen angeht. Erst dann ist die Frage wirklich gerechtfertigt.

Und wieder gibt es eine Spitze gegen IBM und die Ankündigung des IBM PC Junior.

What happened was we had a sort of flat October

Because it’s hard to compete against a product that doesn’t exist

The minute the PC Junior was introduced our sales went through the roof

Steve Jobs zur Reaktion des Marktes auf den IBM PC Junior (ab 50:33)

Er bekräftigt die Unterstützung der Apple II Nutzer und die Weiterentwicklung der Apple II Produktlinie. Eine Maus sei nun auch für den Apple II verfügbar und eine Mac Paint ähnliche Applikation würde auf dem Apple II dieselben Quickdraw Routinen von Bill Atkinson verwenden.

Schließlich lädt er noch Steve Wozniak ein, auf die Bühne zu den anderen Podiumsteilnehmern zu kommen. Dieser setzt sich dann direkt neben Steve Jobs auf den Platz von Randy Wigginton.

Wird es ein Tabellenkalkulationsprogramm für den Mac geben?

Auch diese Frage beantwortet Steve Jobs (ab 51:59). Microsoft veröffentlichte bereits seine Macintosh-Version der Multiplan-Software auf dem Markt. Lotus passt seine 123-Software zur Zeit an den Macintosh an.

Wann wird weitere Software von Apple für den Macintosh veröffentlicht?

Auch die Frage nach neuer Software von Apple für den Macintosh wird vom Chef direkt beantwortet (ab 52:18). Mac Write und Mac Paint kommen mit dem Macintosh raus. Das Terminal Programm soll im Februar veröffentlicht werden. Mac Pascal soll im März kommen. Mac Logo und Mac Basic sind verschoben worden in die Mitte des Jahres. Und Microsoft Basic sei bereits fertig und kann schon gekauft werden.

Ist die 3,5″ Diskette ein Handicap für die Nutzer?

Ein Frager aus dem Hintergrund hinterfragt Apples Entscheidung für die 3,5″ Diskette (ab 53:17). Die Welt nutzt 5,25″ Disketten. Steve Jobs schmeißt als Antwort eine 3,5″ Diskette über die Bühne und weist auf deren Robustheit im Vergleich zur 5,25″ Diskette hin. Vor allem seien damit kleinere Produkte möglich und trotzdem könne man mehr Daten auf diesem Datenträger speichern. Man sei mit der Entscheidung so zufrieden, dass Apple deswegen alle Lisa-Computer auf 3,5″ umrüstet.

Wird es bald Farbgrafik auf dem Macintosh geben?

Derselbe Frager möchte wissen, ob es bald Farbgrafik auf dem Mac geben wird (ab 54:05). Laut Steve Jobs war die Entscheidung für einen Computer mit hochauflösender Schwarz-Weiß-Grafik sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Hochauflösende Farbgrafik-Systeme würden für 15000 bis 20000 Dollar verkauft. Die Optionen waren entweder niedrigauflösende Farbdarstellung oder hochauflösende Schwarz-Weiß-Darstellung. Aus drei Gründen hat man sich für den eingeschlagenen Weg entschieden. Als erstes würden zur Zeit Techniken für hochauflösende Schwarz-Weiß Grafiken weiterentwickelt. Dann würde man als zweites den Mac in ein kompaktes tragbares Gerät mit einem monochromen Flachbildschirm einbauen wollen. Und als drittes unterstützen Laser bis zu diesem Zeitpunkt vor allem die hochauflösende Schwarz-Weiß-Ausgabe. Steve Jobs weist darauf hin, dass Bill Atkinson Quickdraw von Anfang an farbfähig gemacht hat. Die Zukunft wird mit Sicherheit hochauflösende Farbgrafik auf einem Macintosh bringen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der erste Knubbel-Mac mit Farbgrafik der Macintosh Colour Classic von 1993 war. Die ersten Macs mit Farbgrafik waren dann schließlich die Macintosh II im Jahr 1987. Der erste tragbare Mac mit einem hochauflösenden monochromatischen Display war der Macintosh Portable von 1989.

Was ist schneller? Steuerung mit Maus oder mit Kommandos?

Ein älterer Frager stellt die Frage, die Steve Jobs schon im Rahmen seiner Präsentation teilweise beantwortet hat. Dieser Frager ist offensichtlich einer, der sich mit der Bedienung klassischer Software auskennt. Er möchte wissen, ob man mit der Nutzung von klassischen Steuer-Kommandos oder mit der Nutzung der Maus schneller ist (ab 56:07). Er sieht ein, dass Mac Write viel einfacher als Wordstar zu erlernen ist.

Diese Frage beantwortet Andy Hertzfeld. Alle Mac Experten bevorzugen die Nutzung der Maus. Danach führt Steve Jobs die Antwort noch weiter aus. Für die in der Mac Write Demonstration gezeigten Operationen mit der Maus gibt es natürlich auch Entsprechungen mit Kommandos. Fast alles kann man auf die ein oder andere Weise machen. Laut Erfahrungen von Apple ist aber der Wechsel von Tastatur auf Maus und wieder zurück nicht sonderlich zeitraubend und in vielen Fällen schneller als die Bedienung mit Kommandos.

Ich kann mich erinnern, dass in der Folge sehr häufig Artikel in Computermagazinen enthalten waren, wo diese Szenarien an unterschiedlichen Beispielen von Experten durchgespielt wurden. Es wurde die Zeit gemessen und die Ergebnisse wurden verglichen.

Bekommt man als Schule einen Macintosh für 1000 Dollar?

Die Fragerin weist auf die Erwähnung des Apple University Consortium hin und stellt die Frage, ob auch andere als die dort genannten Schulen die Möglichkeit eines vergünstigten Macintosh erhalten können (ab 57:27). Steve Jobs antwortet mit Nein, weil sie nicht pleite gehen wollen. Er deutet aber an, dass das Programm in Zukunft erweitert werden könnte. Schließlich wollen sie den Computer an Dutzende Millionen Anwender verkaufen. Natürlich können sich Studenten in dieser Phase ihres Lebens nicht ohne weiteres einen Computer zu diesem Preis leisten. Apple würde hier ein paar sehr kreative Lösungen suchen.

Heutzutage gibt es für jeden Schüler und Studenten die Möglichkeit Apple Hardware und Software günstiger zu bekommen. Leider wußte ich dies nicht während meines Studiums und habe mir meinen ersten Mac erst im Jahr 2007 zum vollen Einkaufspreis gekauft.

Woz, was ist die Zukunft des Apple II?

Woz wird von einem Frager nach der Zukunft des Apple II gefragt (ab 58:25). Er antwortet, dass aus dem Apple II Entwicklungsbereich viele großartige Produkte kurz vor ihrer Veröffentlichung stehen. Aber mehr darf er nicht sagen.

Steven Wozniak beantwortet Fragen zur Zukunft des Apple II
Steve Wozniak beantwortet Fragen zur Zukunft des Apple II (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Der einzige neue Formfaktor auf Basis des Apple II ist der Apple IIc, der drei Monate später im April 1984 auf den Markt kam. Der Apple IIGS kam erst im September 1986 raus.

Die nächste Frage betrifft die Möglichkeit des Upgrades eines Apple II auf den Apple IIe (ab 59:09). Woz unterstützt diese Initiative. Aber er weist doch darauf hin, dass die meisten Features des Apple IIe noch nicht am Markt genutzt werden. Zur Zeit dieser Präsentation ist man mit einem klassischen Apple II noch immer gut bedient.

Smalltalk auf dem Macintosh?

Smalltalk ist eine Programmiersprache, die in Xerox PARC entwickelt und angewendet wurde. Ein Frager möchte wissen, ob es bald auch Smalltalk auf dem Macintosh geben wird (ab 59:58). Steve Jobs gibt diese Frage an Bruce Horn weiter, weil er bei Xerox PARC gearbeitet hat. Bruce Horn teilt aber mit, dass Apple nicht an Smalltalk arbeitet. Stattdessen wird eine Pascal-Version kommen, die viele der Möglichkeiten von Smalltalk auf dem Macintosh ermöglichen soll.

Bruce Horn beantworten eine Frage zu Smalltalk
Bruce Horn beantwortet eine Frage zu Smalltalk (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Wie sieht die Zukunft vom Apple III aus?

Der Apple III ist bis jetzt überhaupt nicht angesprochen worden. Nun kommt eine Frage zur Zukunft des Apple III (ab 1:01:18). Steve Jobs fasst zusammen, dass mit 2500 monatlich verkauften Geräten der Apple III das viert-erfolgreichste Produkt im Computermarkt sei. Er sei der große Bruder des Apple II und habe eine rosige Zukunft vor sich. Er hätte nicht falscher liegen können mit seiner Antwort.

Danach fragt er das Publikum, ob es noch Fragen an das Softwareteam gäbe.

Unterstützt der Macintosh Multitasking?

Andy Hertzfeld antwortet auf die Frage nach den Multitasking-Fähigkeiten des Apple Macintosh, dass das Multitasking auf Desk Accessories wie Taschenrechner, Uhrzeit und Kalender eingeschränkt sei (ab 1:02:25). Außerdem habe der Mac zu wenig RAM, um mehrere Programme gleichzeitig im Speicher halten zu können. Erst im Jahr 1987 veröffentlichte Andy Hertzfeld den MultiFinder, der dann ein kooperatives Multitasking erlaubte.

Dies ist meiner Meinung nach die große Schwäche des originalen Macintosh Betriebssystems gewesen. Es wurde schnell und platzsparend für ein 64 KB ROM entwickelt, um auf einem Rechner mit 128 KB RAM laufen zu können. Dadurch war es später schwierig die grundlegenden Konzepte von Speicherschutz und präemptiven Multitaskings einzufügen. Viele Jahre mühte sich Apple damit ab, das Betriebssystem auf eine moderne Basis zu stellen. Erst mit dem Einkauf von NeXT kam dann ein Unix-Betriebssystem mit an Bord, welches als OS X diese essentiellen Komponenten für ein stabiles Betriebssystem lieferte. In meinem Beitrag über die Migration von Classic Mac OS auf OS X schreibe ich über diese schwierige Aufgabe.

Wird es jemals Macintoshs mit mehr als 128 KB RAM geben?

Ein Frager möchte wissen, ob es bald mehr RAM Speicher im Mac geben wird (ab 1:04:00). Steve Jobs antwortet, dass Burrell Smith eine Platine gebaut hat, die auch größere RAM Chips aufnehmen kann. Zur Zeit ist die Lieferbarkeit dieser Chips noch schlecht. Aber natürlich sei ein Macintosh mit 512 KB möglich. Der Macintosh 512K sollte dann im September desselben Jahres rauskommen. Der 512Ke konnte sogar 800 KB auf seiner Floppy speichern kam aber erst im April 1986 auf den Markt. Eine weitere Frage ist der Einbau eines zweiten Diskettenlaufwerks in das Gehäuse. Steve beantwortet diese Frage damit, dass man den Computer günstig halten will. Wer ein zweites Diskettenlaufwerk benötigt, kann ein externes Gerät anschließen.

Im März 1987 bot Apple mit dem Macintosh SE FDHD ein Gerät mit zwei Diskettenlaufwerken an. Ich selbst habe einen Macintosh SE 1/20 in meiner Sammlung, der neben einem Diskettenlaufwerk auch eine eingebaute 20 MB Festplatte verbaut hat.

Wird es eine Datenbank-Applikation für den Macintosh geben?

Steve Jobs ruft zu Fragen auf
Steve Jobs ruft zu Fragen auf (Quelle: Computer History Museum, YouTube)

Dies ist die letzte Frage, die Steve Jobs zuläßt (ab 1:05:18). Steve Jobs antwortet, dass viele Anbieter Datenbank-Applikationen für den Macintosh schreiben.

Der Rest des Films zeigt Ausschnitte aus der Hand-on Veranstaltung nach der Frage-und-Antwort-Session. Es gibt die Möglichkeit das Gesehene und Besprochene am Macintosh selbst auszuprobieren. Und es gibt Mitschnitte von Apple Ingenieuren, die Fragen von den Mitgliedern der BCS geduldig beantworten. Viel Spaß noch mit diesem Teil des Videos.

Fazit zu dieser Veranstaltung

Was kann es schöneres geben, als nach 40 Jahren erstmals eine solche Veranstaltung wahrzunehmen, die man bis dahin noch nicht kannte. Ich hatte viel Freude an der Analyse dieser Präsentation. Vor allem aus der Retrospektive betrachtet kann man viele der Aussagen von Steve Jobs und seinen Mitarbeitern einem Reality Check unterziehen.

Was die Mitglieder der Boston Computer Society damals erleben durften weckt Neid in mir. Dies war der Startpunkt einer großartigen Geschichte, die meine Welt und die Welt für die meisten Menschen verändert hat. Und diese Leute durften dabei sein und Steve Jobs und seinem Team Fragen stellen. Diese Frage-und-Antwort-Session hätte für mich noch stundenlang weitergehen können.

Für diejenigen, die den ersten Teil dieses Geburtstagsbeitrags noch nicht gelesen haben empfehle ich auf jeden Fall den Sales Pitch von Steve Jobs für den Macintosh.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.