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40 Jahre PC-Plattform – zuerst IBM und dann Wintel

Lesedauer: 9 Minuten PCs sind seit 1981 auf dem Markt. Sie fingen sehr klein an und wurden immer weiter ausgebaut. 40 Jahre PC von IBM zu Wintel liegen hinter uns.

40 Jahre PC seit 1981. Im Jahr 2021 feiert die PC Plattform ihren vierzigsten Geburtstag. Happy Birthday IBM PC.

Wer meinem Blog bis hierhin gefolgt ist wird festgestellt haben, dass ich die PC-Plattform sehr vernachlässigt habe. Dies ist um so verwunderlicher, als dass doch die von IBM geschaffenen PCs seit 1981 auf dem Markt sind. Anfangs haben PCs die Business-Kunden und nach und nach auch die Consumer im Sturm erobert. Die von mir in meinem Blog gehypte Apple-Plattform hat dagegen so viel weniger Erfolg bezüglich des Marktanteils vorzuweisen.

Der IBM PC in seiner klassischen Erscheinung. Der IBM 5150.
Der Ur IBM PC (Quelle: By Rama & Musée Bolo – File:IBM_PC-IMG_7271.jpg, CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=94784371)

Woran liegt das? Nun ja, ich habe mich erst ab 1983 für Computer interessiert. Und da lagen mir Homecomputer in den ersten Jahren näher am Herzen. Sie waren günstiger und boten den Kids einfach mehr Spaß.

Der IBM PC 5150

Der Ur-PC war teuer, vordergründig wenig leistungsfähig. Farbgrafik und Sound musste erst mit Erweiterungskarten nachgerüstet werden und das ganze Paket brauchte viel Platz. Aber trotzdem hat dieses massive Stück Computertechnik für Sammler einen ungeheuren Reiz. Ich muss zugeben, dass ich gerne so einen IBM 5150 genannten Computer mit all seinen Komponenten besitzen möchte. Immer wieder tauchen diese bei eBay – zu Mondpreisen angeboten – auf.

Business-Kunden nahmen den PC gerne als neuen Standard an. Man brauchte Investitionsschutz für teuer einzukaufende Hard- und Software und das garantierte der Computer-Riese IBM.

Und IBM startete eine der erfolgreichsten und bekanntesten Marketingkampagnen im Computerbereich. Charlie Chaplin – oder eher ein Double – zeigte dem Publikum, wie man mit einem IBM PC spielerisch umging.

Der Tramp verkauft IBM PCs – und zwar sehr erfolgreich

Der Spiegel schrieb 2011 einen Artikel über den „Computerverkäufer“ Charlie Chaplin, der die Genialität der Marketingkampagne und den Erfolg am Markt aufzeigte. Ich kann mich noch an die Anzeigen in den Magazinen erinnern – wohlgemerkt nicht unbedingt Computermagazine, weil dieses Bild von Charlie Chaplin vor einem Computer so auffällig war.

Die Geschichte des IBM PC, seine technischen Merkmale, seine Weiterentwicklung zum XT und AT, Grafikstandards CGA, EGA und VGA und vieles mehr findet man im Artikel von Peter Dassow aus dem Jahr 2016 auf der Webseite des VzEkC. Sehr empfehlenswert zu lesen.

Clone erobern den Markt

Nach dem Erfolg von IBM wollten auch andere an den Marktanteilen des IBM PC knabbern. Clone wurden von neuen Anbietern wie Compaq auf den Markt gebracht. Sie erstellten ein zum IBM PC kompatibles BIOS und verbauten genauso wie IBM Hardwarekomponenten von der Stange. Dazu kam MS DOS und schon war der IBM PC-Clon fertig. Und diesen gab es dann für einen Bruchteil des Preises, den IBM von seinen Kunden verlangte. Auch die 8bit- und 16bit-Homecomputer-Könige Atari und Commodore waren mit PC-Clonen dabei. Einen solchen europäischen Clone, der aber nicht voll kompatibel ist, habe ich von Apricot.

IBM begegnete diesen Angriffen auf sein Markt-Monopol damit, dass sie die Architektur zweimal verbesserten. Sie brachten den IBM PC XT und den IBM PC AT heraus. Aber die Clone-Hersteller wurden immer mehr und schafften es tatsächlich mit Microsofts Hilfe, daß IBMs marktbeherrschende Stellung Ende der 80er Jahre vorbei war. Zu dem Zeitpunkt war für viele Consumer, zum Beispiel viele Mitstudenten von mir, ein PC ein attraktiver Computer trotz der mittlerweile am Markt erfolgreichen 16bit Homecomputer (z.B. Commodore Amiga und Atari ST). Mein Studienkollege Ralf hatte damals einen PC von Escom in einem attraktiven schwarzen Gehäuse. Er machte damit Packet Radio und schrieb Software für dieses Hobby.

IBMs Antwort auf die Clone

IBM brachte dann die PS/2 Reihe auf den Markt, die wieder wichtige neue Standards definierte. Der bis vor kurzem noch genutzte Maus- und Tastatur-Anschluss PS/2 gehörte genauso dazu wie 3,5“ Diskettenlaufwerke mit 1,44 MB Kapazität. Aber trotzdem hatte IBM gegen all die Clone-Hersteller verloren, da IBM mit der neuen Micro Channel Architektur nicht mehr IBM-kompatibel war. Sie waren nur einer von vielen, die sich den Markt teilten. Bekannt wurde IBM später nochmal durch die erfolgreiche Thinkpad-Reihe mit dem mechanischen Wunderwerk Thinkpad 701. Im Jahr 2004 hat IBM schließlich seine PC-Sparte an die chinesische Firma Lenovo verkauft, die das Thinkpad-Brand weiterpflegen.

Die Zeit von Wintel

Mit IBMs Abkehr vom AT-Bus (später ISA-Bus genannt) übernahmen andere die Standardisierung. Dies waren vor allem Intel auf der Hardware-Seite mit seinen Prozessoren und Chipsets und Microsoft mit seinem Windows-Betriebssystem. Dieses Wintel-Monopol breitete sich auf dem PC Markt aus. Auf Prozessor-Ebene dominierten die Intel 8086-Nachfolger 80486, Pentium 1, 2, 3 und weitere Generationen. Zwar gab es mit AMD, Cyrix, VIA und Transmeta immer wieder Konkurrenten, aber nur AMD ist heute noch am Markt aktiv.

Auf der OS-Seite hat Microsoft mit Windows 95 einen Meilenstein veröffentlicht, der den Konkurrenten Apple fast vom Markt verdrängt hätte. Digital Research von Gary Kildall musste schon viel früher aufgeben, da Microsoft die PC Hersteller und Händler inzentivierte, nur Microsofts OS auf die PCs zu installieren. Mit Direct X brachte Microsoft eine Spieleschnittstelle für Windows raus, die den Markterfolg der Wintel-Plattform bei den Gamern zementierte.

Massenware

Die Computerhändler Vobis und Escom gehörten viele Jahre zu den erfolgreichsten Anbietern von PCs auf dem deutschen Markt. Die Design-PCs von Colani bei Vobis waren der Versuch nicht nur hässliche Boxen herauszubringen. Schaut euch mal die „historischen“ Denkzettel von Vobis an.

Erfolgreiche Versandhändler wie Gateway 2000 und Dell dominierten die 90er-Jahre. Ab 1996 hatte zum Beispiel Dell den Vertrieb über das Internet gestartet und hatte ein unglaubliches Wachstum. Ich arbeitete 1997 im Computerstudio der Deutschen Bank an der Königsallee in Düsseldorf und damals war Dell der beste Wachstumswert, den die Aktionäre in der Bank uns immer wieder empfohlen haben.

Aber noch günstiger wurde es mit den Discountern Aldi und Lidl. Die langen Schlangen vor den Filialen sind mir noch in Erinnerung, wenn mal wieder ein neuer günstiger PC zu kaufen war. In dieser Zeit ist auch MEDION als Hersteller der Aldi-PCs groß geworden.

Egal welcher Formfaktor, PCs dominierten ab da als Desktop, Tower oder Laptops die Kinderzimmer oder Heimbüros der Consumer.

Das Geheimnis – Erweiterbarkeit über offene Architekturen

Der PC wurde zu einem Alltagswerkzeug. Mit jeder neuen Hardware-Architektur von Intel oder Software-Release von Microsoft musste der leistungshungrige User in neues Equipment investieren. Besonders die Gamer bekamen mit immer neuen Grafikkarten und Funktionen wie 3D Anreize, um die neuesten Computerspiele spielen zu können. Das aufkommende Internet benötigte entweder Investments in externe Modems oder Netzwerkkarten. Ich erinnere mich noch an das Rechenzentrum der HHU Universität in Düsseldorf, wo mehrere Dutzend PCs übers Netzwerk verbunden waren. Statt zu studieren haben wir Doom und Netzwerkspiele gemeinsam und gegeneinander gespielt. Oder war das auch Teil des Mathematik-Studiums? Egal, mir persönlich hat es viel Spaß gemacht.

Die Grafikauflösungen wurden immer höher und ab dem Jahrtausendwechsel wurden die Röhrenmonitore durch Flachbildschirme ausgetauscht.

Auch Laptops wurden immer leistungsfähiger, aber bei diesem Gerätetyp gilt es immer die thermischen Probleme im Griff zu haben. Nie waren Laptops so leistungsfähig wie Desktops oder Tower. Dort konnte immer grosszügig gekühlt werden. Trotzdem wurden Laptops immer erfolgreicher und leistungsfähiger, da es spezialisierte Mobil-Prozessoren gab. Ab den späten 2000er-Jahren hatten die Laptops die anderen Formfaktoren bei den Verkaufszahlen überholt.

Was macht eigentlich Apple?

Gerade in dieser Zeit kam ein anderer Konkurrent immer stärker auf und bedrohte die komfortable Marktdominanz der Wintel-Plattform. Wintel-PCs waren nie wirkliche Designstücke, deshalb habe ich auch keine in meiner Sammlung. Es waren immer wieder rechteckige beige Metallgehäuse mit abgesetzter Standard-Tastatur. Oder Laptops in dicken Gehäusen mit allen möglichen Schnittstellen. Und schwer waren sie.

Apple dagegen zeigte wie man schöne, elegante und schmale Computer in hochwertigen Aluminium-Gehäusen baute. Und ab 2005 passierte etwas, was Marktbeobachter als Hell freezes over bezeichneten: Apple kündigte die Migration vom Power PC zum Intel Core Duo Prozessor an. Über elf Jahre hatte Apple mit dem Power PC Prozessor gegen die Wintel-Allianz gekämpft und hatte aufgegeben. Intel hatte gewonnen und Intel hat Apple gerne als neuen Kunden begrüßt.

Damit war es unter anderem möglich auf jedem Apple-Computer über Boot Camp ein Windows zu installieren. Damit war Wintel auf Apple Computern angekommen.

Mac OS X und geniale kompakte Konzepte

Aber Apple hatte mit seinem Mac OS X ein Alleinstellungsmerkmal und deshalb gab es nicht viele, die einen Apple-Computer in einen Windows-PC umwandelten. Shame on you Horny 😉 Apple brachte mit der neuen Intel-Power, vor allem aber mit den energiesparenden Mobil-Prozessoren kompakte und flache Designs wie das MacBook Air und den iMac auf den Markt. Tatsächlich trieb Apple damit die Konkurrenten bei den PCs in die Ecke und so wurden Intel und Microsoft aktiv und veröffentlichten innerhalb kürzester Zeit mehrere Konzepte, die neue Arten von Wintel-PCs am Markt etablieren helfen sollten. Mit finanziellen Anreizen wurden die Hersteller von PCs gelockt, um diese Konzepte auf den Markt zu bringen und damit bei den Kunden wieder erfolgreich zu werden.

Die Antworten von Wintel

  • UMPC: der Ultra Mobile PC sollte ein vollwertiges Windows Betriebssystem auf einem kompakten Gerät ermöglichen. Allerdings waren Mini-Tastaturen und Mini-Displays überhaupt nicht geeignet, ein Full Size OS zu bedienen. Das Konzept war ein Rohrkrepierer. Aber es sind dabei nette Geräte entstanden, von denen ich drei in meiner Sammlung habe. Ein Sony Vaio UX, ein Sony Vaio P11Z und ein OQO2
  • Subnotebooks: eine kompakte, leistungsfähige und sehr teure Version von Laptops. Es mussten nicht soviele Kompromisse wie beim UMPC-Konzept eingegangen werden und deshalb konnte man gut damit arbeiten. Ich habe so ein Sony Vaio Subnotebook in meiner Sammlung
  • Netbooks: sie konnten nichts besser als andere Geräte. Sie waren einfach nur billig und gerade deswegen für ein paar kurze Jahre ein Riesen-Erfolg. Der EEE PC von Asus war ein typisches Beispiel. Ein Kollege von mir hat ihn geliebt, weil man günstig viele mobile Konzepte umsetzen konnte
  • Ultrabook: dies war die direkte Antwort auf das MacBook Air. Als Folge davon gab es dann auch im Wintel-Bereich flache und elegante Aluminium-Gehäuse mit wenigen Schnittstellen. Ob das wirklich der richtige Fortschritt war?

Ausblick

Vor allem durch die Smartphones (ab 2007) und Tablets (ab 2010) litt der PC-Absatzmarkt sehr. PCs werden nur noch seltener durch neue Geräte ausgetauscht.

Absatzzahlen des IBM PC über die letzten 15 Jahre
Absatz von PCs weltweit von 2006 bis 2019 (Quelle: Statista)

Die Absatzzahlen haben sich allerdings auf einem mittleren Niveau eingespielt. AMD zeigt auf der X86-Plattform zur Zeit die beste Performance. Intel stagniert und schafft es nicht neue innovative Fortschritte zu zeigen. Weder bei den Strukturbreiten noch bei der Geschwindigkeit.

Microsoft hat im Jahr 2015 Windows 10 veröffentlicht und bringt jedes Jahr zwei neue Versionen auf den Markt.

Wintel funktioniert also weiterhin seit über 25 Jahren. Aber mit Apple und seinem neuen M1 Prozessor zeigt sich eventuell eine neue Macht auf dem Prozessor-Markt. Es wird sich zeigen, ob ARM-Prozessoren in PCs die X86-Prozessoren von Intel und ARM verdrängen können. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.

Allen von euch, die ein besonders sentimentales Verhältnis zu der PC-Plattform haben, können sich ja mal in den Kommentaren äußern, was sie damals damit gemacht haben. Ich vermute, die meisten sagen Computerspiele, gefolgt von Office-Nutzung. Vielleicht sind ja viele dabei, die damals ein eigenes Business aufgebaut haben, z.B. Vermittlung von Computer-Trainings oder Softwareentwicklung. Ich bin sehr gespannt.

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