eBikes – ein neues Thema für meinen Blog über mein digitales Leben. Ich möchte gerne elektrische Unterstützung beim Radfahren haben. Ein teures Thema – meistens über 2000 Euro, eher mehr 🙁 Ich möchte mein geliebtes „analoges“ Scott Atacama Tour von 2004 durch ein eBike ersetzen. Ob das eine gute Idee ist? Ich habe mir vom eBike-Veteranen Yamaha das CrossCore RC angeschaut und probegefahren. Dieser Beitrag beschreibt meine Erfahrungen, die ich gemacht habe.

Die analoge Fahrrad-Welt
Mein Scott Atacama Tour ist ein sogenanntes Cross Bike, was eine 28“ Größe und schmale Reifen hat. Es hat keine Schutzbleche und keinen Gepäckträger – total reduziert. Die Form des Diamantrahmens macht das Rad zu einem sportlichen und eleganten Fahrrad, was mir immer sehr gut gefallen hat. Im Jahr 2004 habe ich dieses Bike in Frankfurt auf der Hanauer Landstraße bei einem großen Fahrradladen für damals knapp 650€ günstig gekauft.
Nach nunmehr 21 Jahren Nutzung zeigen sich trotz regelmäßiger Wartung langsam Schwächen. Vor zwei Jahren ist mir die Halterung des Sattels abgebrochen. Genau in dem Moment, wo ich auf einer Rüttelstrecke in Richtung Mont Saint Michel gefahren bin. Shit happens, konnte aber im nächsten Fahrradladen schnell repariert werden. Immer wieder verbiegen sich Speichen und die Schaltung lässt mich immer wieder im Stich. Aber ich liebe, wie mein Fahrrad aussieht und fährt (wenn es fährt 😉). Und deshalb habe ich auch einen ähnlich aussehenden Nachfolger gesucht, der mir genauso viel Spaß bereitet.

eBike-Kandidaten nach meinem Geschmack
Die Kriterien waren einfach:
- Cross Bike Stil ohne viel Schnick-Schnack (z.B. Schutzbleche und Gepäcktrager)
- Federgabel vorne
- cooles sportliches Design, also Diamantrahmen-Form
- gute Elektromotor-Unterstützung für leichte Steigungen und Gegenwind, muss aber nicht der stärkste am Markt sein. Ich fahre eher auf dem flachen Land, oder in der Stadt
- Mittelmotor. Bitte keinen Motor in den Radnaben
- Herausnehmbarer Akku
- Preis unter 3000 Euro. Ich akzeptiere auch gute gebrauchte eBikes
- Zuverlässigkeit und Langlebigkeit.
Auf der Suche nach dem perfekten eBike
Dass es nicht einfach werden würde ein passendes eBike zu finden, hätte ich am Anfang meiner Suche nicht gedacht. Zu lang sind die Listen der Angebote, die man im Internet findet. Einige Kandidaten, die meine Kriterien erfüllten, waren von KTM die Modelle Macina Cross SX 20, Macina Race SX 20 und Macina Urbanator SX ohne Schutzbleche und Gepäckträger. Nur nackt sehen diese gut aus. Mit Vollausstattung sehen sie nach normalen Trekking-Fahrrädern für den Familienvater aus 😉



Wichtig ist mir auch die Federgabel vorne. Deswegen fliegt das KTM Macina Urbanator SX aus meiner Liste, obwohl das eBike genau den von mir gewollten Look bietet.

Auch das Tenways CGO600 Pro hat mir gut gefallen. Aber dieses hat seinen Elektromotor in der Hinterrad-Nabe. Der Vorteil dieses Rades ist aber sein geringes Gewicht. Mit knapp 17 kg ist dieses eBike ein absolutes Leichtgewicht.
Auch die KTM Räder mit dem kleinen Bosch SX Motor sind mit 17 bis 21 kg sehr leichte eBikes im Vergleich zum Gros der Konkurrenz.
Irgendwann fand ich dann das Yamaha CrossCore RC. Dass mir dieses eBike vorher nicht aufgefallen ist, liegt vor allem daran, dass Yamaha seine eBikes nicht über den Fahrradfachhandel verkauft. Stattdessen kann man diese nur bei Yamaha-Motorradläden ansehen und probefahren. Mein Freund Elmar hat seit bereits sechs Jahren ein eBike mit Yamaha-Motor und ist sehr zufrieden. Also wollte ich mir dieses Fahrrad mal genauer anschauen.

eBike Geschichte
Yamaha hat eine Historie als eBike-Hersteller. Das allererste eBike der Welt brachte Yamaha 1993 auf den Markt. Wenigstens behauptet das Yamaha auf seiner Website.

Knapp acht Jahre vorher brachte Sir Clive Sinclair bereits am 10.1.1985 mit seinem C5 genannten dreirädrigen Elektrofahrzeug ein solches Produkt auf den Markt. Er ist aber extrem gescheitert. Seine Firma Sinclair Computer ist unter anderem am C5 im Jahr 1986 fast pleite gegangen. Sir Clive musste Sinclair Computer und die Sinclair Namensrechte an Amstrad verkaufen.

Trotzdem versuchte er 1992 sein neues, Zike genanntes eBike zu vermarkten. Nur knapp 2000 von diesen tragbaren eBikes konnte Sinclair in sechs Monaten verkaufen. Danach wurde auch hier die Produktion eingestellt. Der Markt war noch nicht reif für eBikes im Stil und Design von Sir Clive Sinclair. Dieser Visionär ist im Jahr 2021 im Alter von 81 Jahren verstorben.
Yamaha hatte danach mehr Erfolg. Fast-forward dreißig Jahre in die heutige Zeit dominieren eBikes den Fahrradmarkt. Leider sind sie wegen der zusätzlichen Technik und dem damit verbundenen Gewicht auch dreimal teurer als hochwertige Fahrräder ohne Elektroantrieb. Yamaha bietet seine Elektromotoren auch anderen eBike-Herstellern an.
Das Yamaha CrossCore RC

Das Yamaha CrossCore RC ist eine moderne Interpretation meines Scott Atacama Tour. Als ich die ersten Bilder dieses eBikes sah, war ich elektrisiert. Ich sprach mit meinem Freund Elmar, der mir bestätigte, dass die Yamaha-Elektromotoren und Akkus zuverlässig und langlebig sind.
Über die Yamaha Europe Website habe ich einen Termin beim nächsten Yamaha-Händler in der Nähe vereinbart. Leider hatte er nur ein Vorführbike in der Größe M. Aber ich wollte erstmal nur einen ersten Eindruck über die Elektrounterstützung durch den Yamaha PW ST Elektromotor erhalten. Vor allem die Zero Cadence-Technologie von Yamaha wollte ich testen. Für meine Körpergröße wird eher die Größe L empfohlen.

Beim Yamaha-Händler angekommen war ich verblüfft wie nah die Dimensionen dieses eBike an die meines Scott Atacama herankamen. Die Reifen sind allerdings deutlich breiter. Statt 24 Gängen werden nur 9 Gänge angeboten. Die Steuerungskonsole für den Elektromotor zeigt leider nur minimale Informationen wie gefahrene Kilometer und Geschwindigkeit an. Sehr reduziert 🙁










Das Unterrohr ist wegen des dort untergebrachten Akkus viel dicker, als ich es gewohnt bin. Man fühlt sich fast so, als hätte man ein Motorrad mit seinem breiten Tank zwischen den Beinen.
Knapp eine halbe Stunde lang fuhr ich 10km durch die Gegend. Gegenwind und Steigungen konnte ich mit den unterschiedlichen Unterstützungsstufen austesten. Selbst ohne Motorunterstützung bin ich gefahren.
Ergebnis meiner Testfahrt
Die stärkste Unterstützungsstufe ist beeindruckend. Schnell wird man nach vorne gezogen bis man 25 km/h erreicht. Auch die Standard-Stufe liefert noch eine beeindruckende Beschleunigung. Eco und Eco+ sind deutlich subtiler, aber immer noch praxisgerecht. Auch ohne Elektromotor kann man das mit 26 kg recht schwere eBike noch gut fahren. Es fühlt sich nicht an, als müsste man gegen einen Widerstand antreten.
Meine Hauptkritik ist, dass ich mit meinem „analogen“ Bike viel einfacher in den Geschwindigkeitsbereichen über 25 km/h beschleunigen kann. Da die Elektromotorunterstützung nur bis 25 km/h reicht, ist es viel mühsamer in den Geschwindigkeitsbereichen über 25 km/h zu fahren. Da fehlte mir wirklich die Agilität. Auch die dickeren Laufräder des CrossCore RC vermitteln weniger Agilität als die schmalen Räder des Scott Atacama Tour.
Aber die Leichtigkeit des Fahrens auf Steigungen und bei Gegenwind belohnt wieder.
Die angekündigte neue Version CrossCore RC (2025) mit dem neuen Elektromotor PW S2 (anstelle des PW ST, den ich gefahren habe) ist noch nicht lieferbar, wurde aber bereits auf der Eurobike2024 angekündigt. Deshalb würde ich noch auf diese neue Version warten wollen und nicht die Technik von vor drei Jahren kaufen.
Fazit
Das Yamaha CrossCore RC ist nicht meine erste Erfahrung mit eBikes. Einmal durfte ich das s-Pedelec meines Kollegen Hermann-Josef fahren. Was für eine geile Beschleunigung. Einmal bin ich das eBike meines Freunds Elmar mit dem Yamaha Motor gefahren. Und einmal haben wir im Urlaub in Südtirol eBikes von Kalkhoff gemietet und sind zum Kalterer See gefahren. Eine Strecke, die ich nie ohne Elektrounterstützung gemacht hätte.
eBikes sind eine interessante Klasse von Fahrrädern, die Anstiege und Gegenwindfahrten zum Kinderspiel machen können. Aber der Preis, den man dafür bezahlt ist immens. Das Yamaha CrossCore RC zählt mit einem Preis von 2799 Euro noch zu den „günstigen“ eBikes. Trekking eBikes mit meinen Anforderungen bekommt man von etablierten Herstellern eher ab 3500 Euro.
Ob man das bezahlen möchte hängt von vielen Faktoren ab. eBikes müssen zusätzlich gegen Diebstahl versichert werden. Man sollte sichere Stellplätze für die eBikes haben. Sichere Schlösser erhöhen zusätzlich das Gewicht des schon schweren eBikes. Aufgrund des hohen Gewichtes kann man maximal zwei eBikes auf einem Fahrradträger auf der Anhängerkupplung mitführen.
All das sollte man bedenken, wenn man sich für eBikes entscheidet.

