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Amstrad – ein Spätzünder im britischen Computermarkt

Baron Alan Sugar gilt als einer der besten Geschäftsmänner seiner Zeit. Er hat Amstrad spät in den Computermarkt geführt. Und er hatte Erfolg.

Amstrad wagte erst relativ spät den Einstieg in den Computermarkt. Diese Geschichte ist in der Amstrad-Story dokumentiert. Man kann dieses Buch heute auf Archive.org finden. Ich bin fasziniert vom Business Man Alan Michael Sugar und seiner Firma Amstrad (Alan Michael Sugar Trading).

Dieses Buch kann man bei Amazon nur noch als gebrauchtes Buch bestellen.

Das Buch über Alan Sugar. The Amstrad Story. Dieses Buch ist über Archive.org lesbar
The Amstrad Story (Quelle: Amazon)

Amstrad begann mit HiFi

Er ist groß geworden im HiFi-Business, weil er Elektronik-Komponenten billig in Fernost eingekauft, diese intelligent zusammengestellt und verpackt hat und die Einsparungen günstig an die Endabnehmer weitergab.

Er wurde vor allem durch die Amstrad Tower Systeme bekannt. Einsparungen konnte er zum Beispiel dadurch erzielen, dass er billige Komponenten in hohen Stückzahlen bei seinen asiatischen Lieferanten einkaufte und nur ein Netzteil für alle verbauten HiFi-Komponenten verwendete. Die Verkabelung war dadurch einfach und der Kunde konnte schnell nach dem Aufbau Musik hören. Die Produkte waren zwar weit entfernt von der Qualität von Hifi-Produkten, aber sie waren für den Einsteiger völlig ausreichend und vollständig ausgestattet.

Seine Produkte hat er nicht nur auf dem englischen Markt verkauft, sondern auch auf anderen europäischen Märkten.

Mit seinem Business Model war er als erfolgreicher und aggressiver Geschäftsmann bekannt. Seine Methoden und sein Auftreten waren eher rüde, aber sein Erfolg gab ihm und seinem kleinen Team in Brentwood recht.

Einstieg in das Computerbusiness

Neugierig auf das Computerbusiness wurde er, als er bemerkte, dass Anfang der 80er jeder einen Homecomputer kaufen wollte und eine Firma nach der anderen entstand und diesen Markt bediente.

Die folgende Grafik zeigt eindrucksvoll wieviele unterschiedliche Computer, vor allem von englischen Herstellern, in diesen Jahren auf den Markt kamen. Märchenhafte Stückzahlen wurden verkauft und irrwitzige Gewinne wurden damals auf diesem neuen Markt erwirtschaftet.

Zeitleiste der Neuveröffentlichungen von Homecomputern in den 80er Jahren. Amstrad kam April 1984 spät in den Computermarkt
Homecomputer-Boom der frühen 80er-Jahre

Spätestens 1982 mit dem Auftauchen des Sinclair ZX Spectrum und des Commodore C64 heizte sich der Markt so sehr auf, dass immer mehr Hersteller die Kundennachfrage bedienen wollten. Firmen wie Dragon Data, Oric, Jupiter Cantab, Timex, Memotech, Spectravideo, Camputers, Colecovision und viele mehr brachten untereinander völlig inkompatible Produkte auf den Markt. Das Weihnachtsgeschäft 1982 und 1983 war der totale Goldrausch für diese Firmen. Aber spätestens 1984 wurde klar, dass die großartigen Steigerungsraten nicht mehr zu erreichen waren. In der Folge gingen viele der oben genannten Firmen pleite.

Und in dieser Marktsituation betrat Alan Sugar mit seinem Amstrad CPC 464 den Markt: und war trotzdem erfolgreich. Wie ist ihm das gelungen? Und wieso konnte er schließlich 1986 seinen großen Konkurrenten Sinclair übernehmen?

Erfolgsfaktoren

Alan Sugar beobachtete 1983 den Markt und probierte selbst die Nutzung von Homecomputern aus. Dabei fiel ihm auf, dass alleine die Inbetriebnahme der Computer und der benötigten Peripherie und Kabel sehr aufwändig war. Dies war alles nur für Computer-Enthusiasten gedacht und nicht für einfache Benutzer. Das musste doch einfacher gehen.

Da kam wieder die bewährte Amstrad-Methode zum Zug, um günstige Komplettgeräte an einen noch größeren Benutzerkreis verkaufen zu können. Er machte sich sogleich an die Arbeit. Er war überzeugt davon, dass er mit seiner Methode den Markt für sich erobern konnte.

Das grundlegende Konzept hatte er im Kopf. Innerhalb kürzester Zeit war auch ein Plastikgehäuse gestaltet, das eine professionelle Tastatur und einen eingebauten Kassettenrecorder enthielt. Schnell war auch klar, dass der Computer seinen Strom von einem Netzteil im Monitor erhalten würde, der auch gleich mitgeliefert würde. Man konnte zwischen einem monochromen und einem Farb-Monitor wählen.

Einbindung von MEJ Electronics und Locomotive Software

Jetzt musste jemand gefunden werden, der was von Computerhardware und -Software verstand. Man fand mit Mark-Eric Jones (MEJ Electronics) und Locomotive Software zwei Partner, die sich der Aufgabe und der herausfordernden Zeitvorgabe stellten. Projektmanager wurden die Geschäftsführer von Ambit, die früher schon mit Amstrad zusammengearbeitet hatten. Dieses Team schaffte es tatsächlich der Herausforderung gerecht zu werden.

Um Zeit zu sparen wurde statt des MOS 6502-Prozessors der Z80 verwendet. Kosteneinsparungen beim Design wurden erreicht, indem viele Komponenten in Logic Arrays zusammengefasst wurden.

Um einen neuen Computer am Markt zu positionieren benötigte man auch Software und deshalb bezog man vor der Veröffentlichung auch 50 Software-Firmen ein, die für den Amstrad die ersten Software-Titel herausbringen sollten. Ein Amstrad User-Club wurde gegründet. Eine eigene Software-Abteilung AmSoft sollte weitere Titel für den CPC 464 entwickeln.

Wie immer wurden die Kontakte in Fernost für den günstigen Einkauf der Komponenten und die Produktion der Computer in der benötigten Menge und Qualität aktiviert. Die Sahnehaube war dann der Preis für das Paket:

  • £199 mit dem Monochrom-Monitor
  • £299 mit dem Farbmonitor.
Ein Amstrad CPC 464 mit Monchrom-Monitor
Amstrad CPC 464 mit Monochrom-Monitor (Quelle: Catawiki)

Amstrad erobert den Computermarkt

Der Erfolg ab April 1984 kam für viele Marktbeobachter überraschend. Amstrad eroberte den Computermarkt. Vor allem auf dem englischen und französischen Markt war er mit seinen Vertriebspartnern erfolgreich. Aber Alan Sugar hat den Markt der Nicht-Computer-Enthusiasten richtig eingeschätzt und mit seinem günstigen All in One Paket den Nerv der Zeit getroffen. Auch wenn sich zu diesem Zeitpunkt schon die ersten 16bit-Systeme auf Motorola 68000-Basis ankündigten, hat die Erfolgsgeschichte von Amstrads CPC-Computern jetzt erst begonnen.

Nicht nur in England und Frankreich, sondern auch in Spanien und Deutschland war man erfolgreich. Auch wenn man in Deutschland eine Partnerschaft mit Schneider eingehen musste, weil man noch keinen Vertrieb aufgebaut hatte.

Die mit Schneider Computer Division gelabelten CPC-Computer verkauften sich auf dem deutschen Markt trotz der Dominanz von Commodore hervorragend. Leider war das Design der Schneider-CPCs sehr viel zurückhaltender als das Amstrad-Original.

Mein Schneider CPC 464. Teil meines Computermuseums. Ein Geschenk von einem Freund
Schneider CPC 464

Im Mai und August 1985 brachte Amstrad dann die Folgegeräte CPC 664 und CPC 6128 mit integrierten 3“-Diskettenlaufwerken auf den Markt.

Übernahme von Sinclair

Und dann kam im Jahr 1987 die im Buch so schön und detailliert beschriebene Übernahme von Sinclair. Ein Schock für alle Sinclair-Fans. Der Business Man Alan Sugar übernimmt vom Erfinder und der Industrieikone Sir Clive Sinclair die Namensrechte und alle Computer-Bestände und -Rechte.

Innerhalb kürzester Zeit passt Amstrad den Sinclair ZX Spectrum seinem bewährten Konzept an. Ein ZX Spectrum +2 mit integriertem Kassettenrecorder und ein ZX Spectrum +3 mit integriertem 3“ Diskettenlaufwerk werden bis 1987 auf den Markt gebracht.

Weitere erfolgreiche Amstrad-Produkte auf dem Computermarkt

Ein weiterer Meilenstein war das Textverarbeitungssystem Amstrad PCW 8256. Die Idee war es ein Gerät günstiger als die meisten Schreibmaschinen, aber viel billiger als elektronische Textverarbeitungssysteme der damaligen Zeit anzubieten. Auch hier wendete er seine bekannte Amstrad Methode an und entwickelte einen Renner. Viele kleinere Firmen und Selbständige kauften diese Kombination von Bildschirm mit eingebauten Diskettenlaufwerk, Tastatur und Drucker. In Deutschland war Schneider nicht in der Lage dieses Produkt zu platzieren, da die Deutschen genauso wenig wie die US-Amerikaner mit diesem kaum leistungsfähigen Computer etwas anfangen konnten.

Stattdessen forderten die deutschen Partner endlich einen PC. Auch da ließ Alan Sugar nicht lange auf sich warten und revolutionierte auch mit seinem Amstrad PC1512 den PC Markt. In den Anfängen gehörten Amstrad damit 25% des europäischen PC Marktes. Trotz des Kampfpreises gelang es ihm auch MS DOS günstig zu lizensieren.

Baron Sugar

Die Geschichte von Amstrad als Computerfirma geht noch viele Jahre weiter. Der erfolgreiche Business Man Alan Michael Sugar wurde 2000 für seine Verdienste in der Home Computer und Elektronik-Industrie zum Ritter geschlagen. Sir Sugar darf sich seit 2009 auch Baron Sugar nennen. Im Jahr 2015 wurde ihm ein Vermögen von 1 Milliarden Pfund Sterling attestiert.

Er ist eine schillernde Persönlichkeit der englischen Gesellschaft. Er polarisiert mit seinem Auftreten. Unbestritten sind seine Errungenschaften und seine Leistungen. Er ist der Star der Show The Apprentice. Für knapp 10 Jahre war er Besitzer der Tottenham Hotspurs. Nicht gerade eine Liebesbeziehung, würde man heute sagen.

Für mich persönlich ist er der Mann, der Sir Clive Sinclair seinen Markennamen und das Computergeschäft abgekauft hat. Dieses Bild der beiden Männer bei der Pressekonferenz bleibt mir ewig in Erinnerung. Zu dem Zeitpunkt war ich gerade auf den Sinclair QL umgestiegen und natürlich traurig, daß Amstrad diese Produktlinie sofort beendet hat. Während Alan Sugar den 8bit-Homecomputer Markt mit seinen All in One CPCs beherrschte, war ich schon auf der nächsten technischen Entwicklungsstufe mit den 16bit-Computern angekommen. Und ab 1988 war ich dann für viele Jahre Nutzer meines Atari Mega ST. Einen Amstrad-Computer hatte ich nie gehabt, bis ich von einem Bekannten einen Schneider CPC 464 für meine Sammlung geschenkt bekam.

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