80 Jahre Sir Clive Sinclair

Am 30. Juli 1940 wurde Clive Marles Sinclair in Richmond, UK, geboren. Was hat mich dieser Mann in meinem Leben beeinflusst! Sein Computer ZX81 war meine erste BerĂŒhrung mit Computern, der Programmierung und einer ganz neuen Welt von Erfahrungen fĂŒr einen 14-jĂ€hrigen. Und der zweite Mann, der mich in meinem Leben genauso beeinflusst hat, war mein Vater, als er vor dem Sinclair ZX81 stand und mich fragte, wie man diese merkwĂŒrdige Tastatur bedient. Ich wollte es herausfinden.

Sir Clive Sinclair (Bild: Pinterest)

Was hat Sir Clive Sinclair ausgemacht? Was waren seine StĂ€rken, was seine SchwĂ€chen? Fragen, die ich mit einer ausgedehnten Analyse in vielen Quellen fĂŒr mich beantwortet habe. Ich werde private Aspekte wie seine Frauen nennen, ich werde seinen ausgeprĂ€gten Willen bis hin zur Sturheit analysieren, seine Produkte und die Menschen mit denen er gearbeitet hat beleuchten. Zum Schluß werde ich ein Fazit abgeben, wie ich persönlich diesen Menschen wahrgenommen habe.

Wer war Sir Clive Sinclair?

Die meisten Berichte ĂŒber Sir Clive fangen natĂŒrlich mit seiner Herkunft und Kindheit an. Sie beschreiben das familiĂ€re Umfeld, die von ihm besuchten Schulen und die Zeit in der er groß geworden ist. Dazu werde ich auch kommen, aber erst spĂ€ter, wenn ich seinen Charakter eingehender beschrieben habe und wie dieser Charakter geprĂ€gt worden ist.

Viele andere Berichte beschrĂ€nken sich auch meistens auf seine Erfolge und Misserfolge vor allem in den 80er Jahren. Seine Computerprodukte und seine elektrischen FahrrĂ€der. Auch dazu komme ich spĂ€ter, da diese Zeit natĂŒrlich unsere Wahrnehmung ĂŒber den Unternehmer und Erfinder Sir Clive Sinclair geprĂ€gt hat.

FĂŒr mich war Sir Clive die Person, die es mir ermöglicht hatte gĂŒnstig in die Computerwelt einzusteigen. Obwohl die hinzugekauften Artikel (Cassettenrecorder, Monitor, Speichererweiterung, Zusatztastatur, Quick Save-Lösungen) den Gesamtpreis des Paketes dann wieder ungĂŒnstiger verĂ€ndert hatten im Vergleich mit teureren Computern dieser Zeit, z.B dem Commodore C64.

Daß dieser Mann schon immer die besondere Leidenschaft hatte technische Produkte – vor allem elektronische – immer nach der Maxime „möglichst gĂŒnstig“ zu produzieren und zu verkaufen, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. DarĂŒberhinaus versuchte er alle seine Produkte auch bezĂŒglich der GrĂ¶ĂŸe immer zu minimieren.

Dazu gehörten

  • sein erster VerstĂ€rker (Sinclair micro-amplifier, 1962),
  • die kleinsten FM-RadioempfĂ€nger der Welt (Sinclair Micromatic, 1967),
  • die „Stereo Sixty“ genannten Hifi-VerstĂ€rker (1969),
  • die gĂŒnstigsten Taschenrechner mit ansprechendem Design (z.B. Sinclair Executive, 1972),
  • die kleinste Digitaluhr (Sinclair Black Watch, 1976),
  • der kleinste mobile Fernseher (Sinclair Microvision TV1A, 1977)
  • und auch das „einfachste und fortschrittlichste“ Microcomputerboard (Sinclair MK14, 1978).
Sinclair-Produkte der 60er- und 70er-Jahre

Eine vollstÀndige Liste seiner Produkte und Meilensteine findet sich auf dieser Webseite (Link).

Der Name Sinclair war auch immer verbunden mit Mail Order-Verkauf direkt an den Endverbraucher. Dabei sendete der interessierte KĂ€ufer einen Scheck an die angegebene Adresse und hoffte, daß er das Produkt von Sinclair schnell zugesandt bekam. Das ermöglichte Sinclair immer viel Geld einzusammeln und dann große Mengen an Bauteilen zu massiven Rabatten gĂŒnstig einzukaufen. Trotzdem ist das eine Methode mit der er immer nahe am Bankrott entlang glitt. Dieses war tatsĂ€chlich erstmals Ende der 70er-Jahre der Fall, als seine Firma Sinclair Radionics wegen des Desasters mit der Black Watch und dem mobilen Fernseher Microvision TV1 zuerst durch das National Enterprise Board (NEB) finanziell gestĂŒtzt werden musste. Kurz darauf wurde Sir Clive vom NEB ausbezahlt und verlor 1979 sein Firma Sinclair Radionics, die er im Jahr 1961 gegrĂŒndet hatte. Man spricht dabei von einem „Golden Handshake“ ĂŒber 10000ÂŁ.

Woran lag es, daß er so spektakulĂ€r scheiterte? Wenn man nur 7 Jahre weiter schaut, dann sieht man ihn wieder spektakulĂ€r scheitern. Im Jahr 1986 war seine nĂ€chste Firma Sinclair Research Ltd, mit der er noch erfolgreicher war, wieder kurz vor dem Bankrott. Alan Michael Sugar von Amstrad kaufte alle Rechte auf Sinclair Computer und den Sinclair Markennamen fĂŒr 5 Millionen Pfund. Hat er irgendwas gelernt aus den Erfahrungen mit Sinclair Radionics?

Sinclair und seine Leidenschaften

Da ist doch wirklich ein Blick in seine Kindheit und seine Erziehung hilfreich, um zu verstehen, wie Sinclair so spektakulĂ€r wiederholt scheitern konnte. Er wuchs in einer Mittelklasse-Familie in der Nachkriegszeit in einem Londoner Vorort auf. Sein Vater und sein Großvater waren Elektroingenieure und haben damit sein Interesse fĂŒr elektronische Bauteile und Schaltungen geweckt. Er konnte immer in die Tiefen der Wissensbereiche abtauchen, die ihn persönlich interessiert hatten. Bereiche, die ihn nicht interessierten hat er vernachlĂ€ssigt, was seine Lehrer stets kritisierten. Trotzdem hat er seine Schullaufbahn erfolgreich abgeschlossen und es hĂ€tte ihm ein Weg in eine UniversitĂ€t zum Studium offen gestanden. Er interessierte sich jedoch mehr fĂŒr praktische Dinge der Elektrotechnik und die konnte er sich schneller selbst erarbeiten, als durch ein Studium vermittelt zu bekommen.

Er entschied sich fĂŒr eine journalistische Karriere zur Finanzierung seiner Leidenschaft Elektrotechnik und arbeitete fĂŒr drei unterschiedliche Publikationen (Practical Wireless (1957), Bernards Publishers (1958) und Instrument World (1961)), fĂŒr die er auch viele fachliche Artikel beitrug.

Über die vielen Kontakte, die er dort aufbauen konnte, hatte er die Grundlage fĂŒr sein GeschĂ€ft aufgebaut. Er grĂŒndete 1961 seine Firma Sinclair Radionics. Seine große StĂ€rke, die Fokussierung auf seine Leidenschaften, war in der Folge aber auch seine grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che. Dadurch steckte er Zeit, Geld und Aufwand in Projekte, die vom Markt nicht ausreichend nachgefragt wurden.

In vielerlei Hinsicht schaffte er es aber immer wieder Cash Cows zu finden, die seine Leidenschaften ausreichend finanzierten (Link). Sinclair Radionics war in den 70er Jahren einer der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Anbieter von Taschenrechnern, aber er verbrannte noch mehr Geld in seine Hobbyprodukte Black Watch und das Microvision TV1A. Mit seiner Firma Sinclair Research Ltd war er einer der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Anbieter von gĂŒnstigen Home Computern. Aber er verbrannte das dadurch eingenommene Geld in seine persönlichen Interessen: das Sinclair C5, Flatscreen TV80 und Waferscale Chip-Technologien. Insbesondere war die GrĂŒndung von Sinclair Vehicles und die Entwicklung des elektrischen Dreirads namens Sinclair C5 der Sargnagel fĂŒr seinen kommerziellen Erfolg

Der C5 gilt als der grĂ¶ĂŸte Flop von Sir Clive (Quelle: YouTube)

Durch diese Fokussierung auf seine Lieblingsthemen nahm er nicht wahr, was um ihn herum passierte. In vielen FĂ€llen verschlimmerte er die Situation noch dadurch, daß er vermeintliche Cash Cows zu frĂŒh ankĂŒndigte (Link) und damit die Situation fĂŒr seine Firma und seine Kunden verschlimmerte. Dies sah man leider sehr deutlich an der AnkĂŒndigung seines neuen Computers Sinclair QL im Jahr 1984. Es war ihm wichtig, daß diese AnkĂŒndigung noch vor dem Mac, dem Atari ST und auch dem Amiga kam, obwohl er erst sehr viel spĂ€ter, nach vielen Nacharbeiten bei Hardware und Betriebssystem-Software, liefern konnte. Deshalb wurde das ProduktkĂŒrzel QL von vielen als „Quite Late“ ĂŒbersetzt. Diese AnkĂŒndigung gilt als eine der spektakulĂ€rsten marketing-technischen FehlschlĂ€ge von Sir Clive und ist bestens auf YouTube dokumentiert.

Sir Clive kĂŒndigt den QL an (Quelle: YouTube)

Marketing und Design der Sinclair-Produkte

Denn gerade beim Marketing seiner Produkte war Sinclair ĂŒber mehr als drei Jahrzehnte immer sehr gut gewesen. Mit großen, auffĂ€lligen und gut gestalteten Anzeigen lieferten Sinclair und seine Marketing-Agentur Primary Contact immer attraktive Motivation fĂŒr den Kauf der Produkte durch seine Kunden. Attraktive Preise unterstĂŒtzten den Sex-Appeal dieser Anzeigen und die große Gruppe der englischen Hobbyists fand bei Sinclair immer schöne Produkte (Link).

In dem verlinkten Artikel sind die Marketingprinzipien von Sir Clive schön zusammengefasst (Link). In der Folge möchte ich an typischen Sinclair-Anzeigen aus den 80er-Jahren zu seinen Computern aufzeigen, wie er diese Prinzipien schon seit den 60er-Jahren angewendet hat. Auf Archive.org und vielen anderen Webseiten findet man eine Vielzahl der großartig gestalteten und strukturieren Werbungen fĂŒr Sinclair Computer. Hier ist eine kleine Auswahl:

Sinclair ZX80
Quelle: Kio’s Sinclair ZX Computers Archive

Doppelseitige Anzeigen von Sinclair (Quelle: Link) zeigen den ZX80 zusammen mit Fernseher und Cassettenrecorder als Anzeige- und Speichermedium. Dazu ein Handbuch, das als „Sinclair teach-yourself BASIC manual“ angekĂŒndigt wird. Die Bestandteile des Bausatzes werden aufgelistet. Die Möglichkeit der BASIC-Programmierung wird hervorgehoben. Mit Mail Order Form.


Sinclair ZX81
Quelle: Imgur.com (Link)

Doppelseitige Anzeigen von Sinclair zeigen den ZX81 (Link) zusammen mit einer 16K Speichererweiterung und dem Sinclair Printer. Der Preis ist noch niedriger als beim ZX80, obwohl das GerÀt leistungsfÀhiger ist. Einsparungen konnten durch weniger Komponenten erreicht werden. Wieder wird auf die Möglichkeit hingewiesen, das Sinclair BASIC erlernen zu können. Wiederum mit Mail Oder Form.


Sinclair ZX Spectrum
Quelle: Imgur.com (Link)

Doppelseitige Anzeigen von Sinclair zeigen den ZX Spectrum (Link), den ZX Printer (Link) und das noch lange nicht verfĂŒgbare ZX Microdrive (Link). Er wurde in zwei SpeichergrĂ¶ĂŸen (16kB und 48kB) angeboten. Auf das noch fehlende Interface 1 (Link) wird hingewiesen. Wieder wird auf die „professionellen“ Möglichkeiten dieser Weiterentwicklung hingewiesen. Kein Wort zu Computerspielen, die den ZX Spectrum zum erfolgreichsten Computer in Großbritannien machten. Wiederum mit Mail Order Form


Sinclair QL
Quelle: The Register (Link)

Doppelseitige Anzeigen von Sinclair zeigen den QL (Link) mit einem Monitor und der Business Software von Psion (Link), die jedem QL auf einer Microdrive-Kassette beilag. Das Multitasking OS QDOS, die „professionelle“ Tastatur, die 16bit-Architektur und das neue Sinclair SuperBASIC wurden hervorgehoben. NatĂŒrlich darf wieder nicht die Mail Order Form fehlen

Auch Sir Clive war selbst hĂ€ufig Teil seiner Werbekampagnen. BerĂŒhmt geworden ist sein „Quantensprung“ ĂŒber die erfolgreichen, aber teuren Konkurrenzprodukte und den Sinclair QL.

Der Quantensprung von Sir Clive (Quelle: YouTube)

Cambridge Z88
Quelle: nosher.net (Link)

Nachdem er seinen Namen nicht mehr fĂŒr Computer verwenden durfte grĂŒndete er eine neue Firma namens Cambridge Computer. Doppelseitige Anzeige des Cambridge Z88 (Link). Speicherung von Daten auf EPROMS. Eingebautes BBC BASIC. Ein wirklich mobiler Computer. Eine bessere Tastatur als bei allen Sinclair-Produkten zuvor.


Das Design der Produkte war auch eine der StĂ€rken von Sinclair. Allein der ikonische Sinclair-Schriftzug gefiel mir schon immer sehr gut. Sir Clive involvierte in die Produktentwicklung auch immer Designer, die sich um ein attraktives GehĂ€use kĂŒmmerten. Beispielsweise wurde fĂŒr das Design von ZX80, ZX81, ZX Spectrum und QL ein junger Designer namens Rick Dickinson beauftragt. Auf seiner Flickr-Seite (Link) zeigt der heute leider nicht mehr lebende Designer die Herleitung der Design-Elemente fĂŒr die unterschiedlichen GerĂ€te. Auch fĂŒr das Zubehör wie die RAM Packs (Link), Interface 1 und 2 (Link) zeichnete er verantwortlich.

Das schönste Design ist fĂŒr mich auch heute noch der Sinclair ZX Spectrum 128k von 1985 (Link). Der schön in leuchtendem Rot abgesetzte Sinclair-Schriftzug auf dem schwarzen GehĂ€use ist großartig gelungen. Auch das kantige Industriedesign des QL ist einfach zeitlos. Ich bin der Meinung, daß Sinclair schon damals die DNA hatte, die Apple mit Jonathan Ive und Steve Jobs erst ab 1997 erhalten hat. Es ist schon bezeichnend, daß beide Designer auf derselben Hochschule ihren Abschluss gemacht haben.

Uncle Clive, Mensa und der Eierkopf

Das Bild von Sir Clive in der Öffentlichkeit ist teilweise geprĂ€gt durch die Vermarktungs-Maßnahmen seiner Marketing-Agentur Primary Contact und Berichte ĂŒber ihn und seine Produkte in der englischen Presse.

Computer galten immer als supermoderne Tools, welche die Gesellschaft weiter bringen sollten. Und Sir Clive war derjenige, der diese Computer bezahlbar machte. Er wurde von der Presse als Uncle Clive prĂ€sentiert, der es ermöglichte, daß die ganze Familie innerhalb kĂŒrzester Zeit „mit einem Computer wie mit einem Freund sprechen kann“ (Link).

Primary Contact went ’single-mindedly for the user-friendly strategy‘. One of the most successful slogans of the ZX80 campaign threatened ‚Inside a day you’ll be talking to it like an old friend‘.

David O’Reilly in Microscope, October 1982

In den 80er-Jahren begann die Schulung der englischen Gesellschaft fĂŒr mehr Knowledge-Worker ArbeitsplĂ€tze, an Stelle der immer mehr abgebauten Schwerindustrie-ArbeitsplĂ€tze. Die britische Regierung und die BBC starteten damals mit dem Computer Literacy Project eine umfassende Computer-Schulungsmaßnahme, die neben den programmiertechnischen Inhalten auch gleich den dazu passenden Computer mitlieferte (Link). Interessanterweise war der Computer nicht von der erfolgreichsten britischen Computerfirma der damaligen Zeit geliefert worden. Der Produzent fĂŒr den BBC Micro (Link) genannten Computer wurde in einer Ausschreibung ermittelt. Gewonnen hat Acorn und nicht Sinclair. Ein Umstand, der Clive Sinclair immer sehr gestört hat. Trotz dieser Niederlage waren seine Computer ZX81 und ZX Spectrum viel erfolgreicher als der Acorn BBC Micro (Link). Anscheinend hat er diese Niederlage mittlerweile ĂŒberwunden, da er und Acorns Chef von damals, Chris Curry, heute wieder zusammen auftreten können (Link).

DarĂŒberhinaus wurde er als die britische Persönlichkeit positioniert, die mutig gegen die ĂŒbermĂ€chtigen Computernationen USA und Japan bestehen kann und bezahlbare neue Computer fĂŒr die Massen erschafft (Link).

Sir Clive ĂŒber MSX. Japan und U.S.A. gegen die Briten (Quelle: YouTube)

Seit 1959 ist Sir Clive auch Mitglied von Mensa, der Gesellschaft fĂŒr Hochintelligente (Link). Ihm wird ein IQ von 159 nachgesagt. Von 1980 bis 1997 war er der Vorsitzende der britischen Mensa. Mit seinem Ansehen in der englischen Gesellschaft hat er damit auch der Organisation Mensa geholfen. In der Zeit seines Vorsitzes sind die Mitgliedszahlen sprunghaft gestiegen. Viel persönliches Geld hat er fĂŒr Veranstaltungen der Mensa gespendet. Man hat ihn auch gerne als „The Working Man‘s Boffin“ bezeichnet, wobei man Boffin als Eierkopf ĂŒbersetzen kann. Im Jahr 1983 wurde der erfolgreiche Unternehmer Clive Sinclair zu Sir Clive geadelt. Weitere Auszeichnungen folgten (Link).

Sir Clive war zweimal verheiratet. Nach seiner Scheidung von seiner ersten Frau sah man ihn hĂ€ufig mit viel jĂŒngeren Frauen ausgehen. Er hatte eine Beziehung mit seiner SekretĂ€rin und seine letzte Ehe war mit einer sehr viel jĂŒngeren TĂ€nzerin. Diese Ehe ist nach sieben Jahren wieder geschieden worden (Link).

Trotz aller privaten und beruflichen Eskapaden ist Sir Clive Sinclair immer noch eine respektierte Persönlichkeit in der britischen Gesellschaft. Noch immer wird der Erfinder und Entrepreneur hoch angesehen.

QualitÀtsprobleme und Lieferschwierigkeiten

Auf viel Licht folgt auch viel Schatten (Link). Unter der schlechten QualitĂ€t seiner Produkte mussten seine Kunden hĂ€ufig leiden. Sinclair hatte selten den Bedarf der beworbenen Produkte richtig eingeschĂ€tzt und wurde hĂ€ufig ĂŒberrascht, wenn seine Marketingkampagnen erfolgreich waren und tausende von Schecks per Post eingingen. Dann hieß es schnell die Produktion hochfahren. Sinclair kĂŒmmerte sich um den Einkauf, die Produktion hatte er schon frĂŒh ausgelagert. Erst an eine kleine Firma in Cambridge, spĂ€ter an Timex und Thorn EMI, aber auch Samsung waren Produzenten seiner Produkte.

Die QualitĂ€t litt nicht nur an externen Produzenten mit mangelnder QualitĂ€tskontrolle, sondern hĂ€ufig auch an den von Sinclair gĂŒnstig eingekauften elektronischen Bauteilen. FĂŒr die Hersteller war das hĂ€ufig Ausschuss, aber Sinclair verbaute diese trotzdem. Das war das Prinzip mit dem er groß geworden ist und dies wandte er konsequent an. Die hohe RĂŒcklĂ€uferquote kam manchmal auch daher, dass seine Kunden beim Zusammenbau der BausĂ€tze ĂŒberfordert waren und Fehler machten.

Und natĂŒrlich ist das Design der GerĂ€te immer auf die Maxime billig und einfach ausgerichtet worden. Wer fĂŒr „professionelles“ Arbeiten einen Computer wie den QL einsetzte, der verzweifelte an der mangelnden QualitĂ€t der Tastatur und der fehlenden ZuverlĂ€ssigkeit der Microdrives. Sinclair verbaute selbst fĂŒr dieses Produkt Komponenten, die in einem BusinessgerĂ€t nichts zu suchen hatten. Ich frage mich wirklich, ob Sinclair jemals ernsthaft glaubte, dass sein QL in BĂŒros neben IBM PCs und Apples stehen wĂŒrde und als gleichwertig angesehen wĂŒrde.

Ein weiteres großes Problem fĂŒr Sinclairs Kunden waren seine grossmundigen AnkĂŒndigungen zur VerfĂŒgbarkeit seiner neuesten Produkte. Das Muster ist nicht nur ein PhĂ€nomen der erfolgreichen 80er Jahre, was mit dem QL auf die Spitze getrieben wurde. Wie schon erwĂ€hnt, wurde dieser von seinen wartenden Kunden hĂ€ufig auch als „Quite Late“ bezeichnet. Die Advertising Standards Authority rĂŒgte Sinclair hĂ€ufig fĂŒr den laxen Umgang bezĂŒglich ĂŒbertriebener Beschreibungen der Eigenschaften seiner Produkte und zugesagter Liefertermine.

Ein anderes Beispiel war die AnkĂŒndigung des neuen „revolutionĂ€ren Massenspeichers“ Microdrive. Am Anfang ist man davon ausgegangen, dass es ein Floppy Disk Ă€hnliches Produkt werden wĂŒrde. Über die Zeit versuchte Sinclair ĂŒber die Presse die Erwartungen zu dĂ€mpfen und zum Schluss wurde es eine Mini-Kassette mit einem Endlosband zur Aufnahme der Daten. Um die ZuverlĂ€ssigkeit der Datensicherheit war es mit diesen Microdrives schlecht gestellt. Sinclair arbeitete zwar an der Verbesserung der ZuverlĂ€ssigkeit, aber die Sinclair-Microdrives setzten sich gegen die Industriestandards nie durch.

Vielleicht kann man auch dem Prinzip des Mail Order Vertriebs eine Mitschuld an den Lieferschwierigkeiten geben. Eine Planung der ProduktionskapazitĂ€ten ist damit schlecht möglich. Mail Order Vertrieb ermöglichte noch nicht große StĂŒckzahlen, aber hohe Renditen. Erst durch W.H. Smith and Son, eine Kette von Buch- und ZeitschriftengeschĂ€ften, wurde der Sinclair ZX81 und spĂ€ter der ZX Spectrum auch in die LĂ€den gebracht und dort in Massen verkauft (Link). Nach W.H. Smith folgten viele weitere Ketten, die dieses erfolgreiche Modell kopierten und dafĂŒr sorgten, daß man Sinclair Computer in diesen LĂ€den ausprobieren, kaufen und auch umtauschen konnte. In UK bezeichnet man den Vertrieb in LĂ€den als Verkauf in der „High Street“.

Sinclair und seine WeggefÀhrten

Eine Persönlichkeit wie Sinclair braucht natĂŒrlich auch UnterstĂŒtzung auf seinem Weg. Ähnlich wie Steve Jobs hat er mit seinem visionĂ€ren Vordenken einiges ermöglicht und auf den Weg gebracht. Aber im Hintergrund waren es dann andere Menschen, die die Produkte entwickelten und den Erfolg von Sinclair-Produkten erst ermöglichten.

Einige dieser WeggefÀhrten von Sir Clive Sinclair möchte ich hier nennen:

  • Jim Westwood: begann bereits 1963 bei Sinclair Radionics und wurde Sinclairs Chefingenieur. Wenn es um die Umsetzung der technischen Designs ging, war er immer zur Stelle
  • John Pemberton: Industriedesigner bei Sinclair Radionics. War unter anderem fĂŒr die Designs der Taschenrechner und des ZX80 verantwortlich
  • Richard Altwasser: Ingenieur, der am Layout der ZX81-Schaltkreise gearbeitet hat. War verantwortlich fĂŒr das Hardware-Design des ZX Spectrum und hat auch die Entwicklung des ZX Microdrive unterstĂŒtzt. 1986 begann er als Chefingenieur bei Amstrad und entwickelte die erfolgreichen Amstrad-Modelle Sinclair ZX Spectrum +2 und +3 weiter
  • Chris Curry: der bekannteste Wegbegleiter von Sir Clive. Er arbeitete 13 Jahre bei Sinclair und war verantwortlich fĂŒr die Aufnahme des MK14 in den Produktkatalog von Sinclair. 1978 trennte er sich von Sinclair und grĂŒndete mit Hermann Hauser die Computerfirma Acorn, die den BBC Micro und ARM-Prozessoren entwickelte. Diese Geschichte ist schön in dem BBC4 Microdrama „Micro Men“ (Link) beschrieben
  • Rick Dickinson: Industriedesigner mit Abschluss vom Newcastle Polytechnic. War verantwortlich fĂŒr die Designs der Computer nach dem ZX80 und genoss in der Sinclair-Fangemeinde Kultstatus. Hat zuletzt Crowdfunding fĂŒr Retrocomputer mit seinen Designs unterstĂŒtzt (ZX Vega+: Link) (ZX Next: Link)
  • Nigel Searle: arbeitet seit 1973 mit Sinclair zusammen. Zuerst als Vertriebsverantwortlicher fĂŒr Sinclair-Produkte in den USA. Ab 1982 war er Managing Director fĂŒr Sinclair in UK und wurde fĂŒr viele das Gesicht der QL-Kampagne
  • Tony Tebby: Entwickler des QDOS fĂŒr den Sinclair QL. Mit preemptiven Multitasking war es ein extrem fortschrittliches Betriebssystem (Link)
  • Steve Vickers: war der Autor der ROM Firmware und des Handbuchs fĂŒr den ZX Spectrum. GrĂŒndete zusammen mit Richard Altwasser die Firma Jupiter Cantab, die den Jupiter ACE ab 1982 entwickelte und vertrieb
  • John Rowland: Marketingentwicklungsleiter von WH Smith, der neue Produkte fĂŒr die Buch- und Zeitschriftenladenkette suchte. Er positionierte den ZX81 (Link) in der High Street und sorgte fĂŒr den massiven Vertrieb von Computern
  • David Karlin: Chief Design Engineer bei Sinclair fĂŒr den QL. Er hatte wie Steve Jobs bei Xerox den Alto gesehen und war von diesem Konzept begeistert. Mit dieser Vision erhielt er den Job bei Sinclair.
WeggefÀhrten von Sir Clive

Fazit

Mit der Persönlichkeit Sir Clive Sinclair beschĂ€ftigten sich unglaublich viele Zeitgenossen und auch noch Autoren unserer Zeit, die dem PhĂ€nomen auf die Spur kommen wollen. Die Artikel, die ich fĂŒr diesen Bericht analysiert habe sind alle verlinkt und geben einen tiefen Einblick ĂŒber seinen Charakter, seine Ideen und sein Leben. Auch in den letzten Jahren machte er immer wieder Schlagzeilen, entweder wegen seines Privatlebens oder seiner Umsetzungen von kompakten elektrisierten FahrrĂ€dern.

Vielleicht war er seiner Zeit immer voraus. Erst die heutigen Akkutechnologien ermöglichten den Erfolg von ElektrofahrrĂ€dern und -autos. Heutige Displaytechnologie sorgt dafĂŒr, daß jeder einen „tragbaren Fernseher“ in seiner Tasche mitfĂŒhrt. Das Smartphone ist die Umsetzung von Sir Clives Ideen aus dem letzten Jahrhundert. Class D-VerstĂ€rker sind heute auch in der HiFi-Welt nicht mehr wegzudenken. Diese Idee wurde bereits 1964 von Sinclair im X-10 VerstĂ€rker verbaut (Link), war aber technisch noch nicht ausgereift.

Menschen, die erfolgreich sind, spĂ€ter scheitern und danach wieder aufstehen können, verdienen unsere Bewunderung. Vor allem, wenn man erkennt, daß diese Menschen nur ihre Leidenschaft ausleben und ihre persönlichen Ziele verfolgen. All das Vermögen, welches er mit seinen erfolgreichen Produkten erzielt hat, hat er mit seinen Lieblingsprojekten wieder verloren. Es ging ihm nie um Geld oder den Fortbestand seiner Firmen Sinclair Radionics oder Sinclair Research. Wie gewonnen so zerronnen.

Mir persönlich und vielen Millionen Menschen hat er mit seinen Produkten den Weg in eine komplett neue Industrie und damit neue Berufe eröffnet. Ohne ihn hÀtte ich wahrscheinlich Medizin studiert und wÀre meinem Vater in seiner Praxis nachgefolgt. So habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und bin IT Berater geworden.

Sinclairs Produkte gehörten nie zu den „guten“ im Markt, denn sie waren billig und wenig professionell gemacht.

  • Der Sinclair ZX80 hatte mit seinem 1kB RAM die kleinste SpeichergrĂ¶ĂŸe aller Computer. Bei jeder Tastatureingabe flackerte der Bildschirm, weil der Z80-Prozessor sich auch um die Bildausgabe kĂŒmmern mußte und beim Lesen der Tastatureingabe diese unterbrochen wurde. Er hatte nur eine Festkommaarithmetik eingebaut und war deshalb fĂŒr wissenschaftliche Berechnungen nicht geeignet. Auf das GehĂ€use war ein „LĂŒftungsgitter“ geklebt worden, und der Computer ĂŒberhitzte manchmal, da es keine richtigen Öffnungen zum AbkĂŒhlen gab
  • Der Sinclair ZX81 hat vieles besser gemacht. Aber im Grunde war dieser nur eine Evolutionsstufe des ZX80. Man konnte mit einem neuen ROM und der ZX81-Tastaturfolie den ZX80 zum ZX81 machen. Allerdings konnte das ROM nicht die fehlende Hardware zum Bildschirm-Refresh ersetzen und so blieb das Bildschirmflackern beim ZX80. Im 8kB ROM des ZX81 waren auch Fließkomma-arithmetische Funktionen enthalten
  • Der ZX Spectrum war Sinclairs grĂ¶ĂŸter Erfolg. Aber gegen Konkurrenten wie den C64 von Commodore hatte er eine viel schlechtere Hardware. Keine Spezialchips fĂŒr Ton und Bild. Der sogenannte Colour Clash-Fehler brachte Programmierer dazu innovative Problemlösungen zu finden. Die schwammige Tastatur ist wieder ein Beispiel fĂŒr Sinclairs „cheap first“ Prinzip
  • Der QL war ein Schritt in die richtige Richtung. Es war die erste britische Umsetzung der 16bit-Prozessortechnologie im Home Computer Bereich. Aber auch hier wurde wieder gespart und es wurde ein eingeschrĂ€nkter Motorola 68008-Prozessor verbaut, um Geld zu sparen. Die Microdrives anstelle von Floppy Disks als Massenspeicher waren auch wieder so eine typische Sinclair-Entscheidung.

Aber das sei ihm alles verziehen. Durch den gĂŒnstigen Preis bekam ich einen Einstieg in die Computertechnologie und lernte programmieren (Link). Ich verbesserte mein Englisch durch englischsprachige LektĂŒre von Your Computer (Link) und Sinclair User (Link). Und ich verbrachte ungezĂ€hlte Stunden vor dem Monitor und gab Listings aus den Zeitschriften in die Computer ein. Ich lernte interessante Leute in Sinclair-Clubs kennen und tauschte mich mit ihnen aus. Und ich war schließlich in der Lage meinem Vater zu erklĂ€ren, wie man diese merkwĂŒrdige Tastatur des Sinclair ZX81 bediente.

Vielen Dank fĂŒr alles, Sir Clive Sinclair.

P.S.: wer noch einen großartigen YouTube-Bericht ĂŒber Sir Clive sehen will, dem empfehle ich diesen Film von Kim Justice.

Die wahre Geschichte ĂŒber Sir Clive Sinclair von Kim Justice (Quelle: YouTube)

3 Kommentare

  1. Sir Clive Sinclair ein Pionier der Microcomputer bezahlbar machte. Und Computer zum Teil unseres Lebens machte. Eine der großen Persönlichkeiten die Zeitgeschichte geschrieben haben.

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