Regulierung im Digitalen Leben?

Es gibt doch nun wahrlich genug Regulierung im wahren Leben. Warum sollten wir denn auch Regulierung im Digitalen Leben haben wollen?

Ganz einfach: weil es benötigt wird und weil wie im wahren Leben von wirtschaftlich orientierten Firmen keine freiwillige Selbstkontrolle erwartet werden darf.

Regulierung ist nicht schlecht. Vor allem ist Regulierung in den meisten Fällen kundenfreundlich. Ein schönes Beispiel ist die Aufhebung der unverschämt teuren Roaming-Gebühren bei der Mobil-Telefonie im Ausland. Auch diejenige Regulierung ist gut und wichtig, wonach Google jedem User offenlegen muss, welche Informationen über ihn vorhanden sind und gespeichert werden. Ohne Regulierungsmaßnahmen durch öffentliche Regulierungsbehörden hätten wir keine günstige Telefonie im europäischem Ausland bekommen und hätten auch keine Datentransparenz bei Google.

Was sollte denn alles reguliert werden?

Grundsätzlich geht es im Digitalen Leben um unsere Daten. Daten, die wir freiwillig bereitstellen, wie z.B. Fotos und persönliche Daten. Daten, die wir unfreiwillig bereitstellen, wie z.B. Bewegungsdaten. Und Daten, die aus unseren freiwillig und unfreiwillig bereitgestellten Daten abgeleitet werden. Algorithmen mit künstlicher Intelligenz kennen uns mittlerweile besser als wir uns selbst.

Daten werden an unterschiedlichste Service Provider abgegeben, die diese mehr oder weniger dauerhaft speichern. Viele Daten werden nicht anonymisiert und sind personalisiert vorhanden. Diese Daten gehören uns in den seltensten Fällen, wie uns die Allgemeinen Geschäftsbedinungen der Service Provider glauben machen wollen.

Datenschutz (Bild: Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat)

Und das ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Punkte, die zu regulieren sind. Es muß sichergestellt sein, daß alle Daten über uns, gespeichert bei Service Providern überall auf dieser Welt, auch uns gehören. Wir müssen um unserer Zustimmung angefragt werden, wenn diese Daten verwendet werden sollen, und wir müssen die Löschung und Übertragung unserer Daten an uns oder andere Service Provider beauftragen dürfen.

In der Vergangenheit haben wir für kostenlose Services mit unseren Daten „bezahlt“, damit diese Services überhaupt entstehen können und wir die Vorteile dieser Services auch in Anspruch nehmen können.

Mittlerweile verdienen diese Service Provider gutes Geld mit unseren Daten, entweder indem sie diese Daten verkaufen oder diese Daten anderweitig verwerten. Außerdem binden sie die User dauerhaft an ihre Services, Plattformen oder Ökosysteme. Dies erreichen sie dadurch, daß sie den Wechsel zu einem anderen Anbieter erschweren, zu dem der User seine Daten über einen Datenexport mitnehmen möchte.

Ein Regulierer muß die Anforderung formulieren können, daß Userdaten zwischen Service-Providern auszutauschen sind, wenn der User den Wechsel anfordert. Ohne eine solche Anforderung werden Service Provider kein Datenaustauschformat nutzen, um einen Wechsel zu ermöglichen. Dieses Datenaustauschformat sichert ab, daß ein User einen Service Provider mit all seinen Daten wechseln kann und die gesamte über die Jahre „erarbeitete“ Datenhistorie zu einem neuen Service Provider mitnehmen kann. Damit wird sichergestellt, daß unersetzliche Daten erhalten bleiben und daß diese nicht mühsam bei einem anderen Service Provider aufgebaut werden müssen.

Ein typisches Beispiel sind z.B. Music-Playlisten, die man bei Service Provider 1 über die Jahre zusammengestellt hat. Wenn man Service Provider 1 (aus welchem Grund auch immer) den Rücken kehren möchte und bei Service Provider 2 einsteigen möchte, dann sollte man diese Playlisten übertragen können und weiternutzen können. Dies macht gerade vor dem Hintergrund Sinn, daß die Zukunft von Streaming Service nicht gesichert ist, und man deshalb einfach wechseln muss.

Weitere Regelungsbereiche der Regulierung von Daten beinhaltet natürlich auch Datensicherheit, Datenkonsistenz und Privatsphäre.

Was ist zu tun?

Service Provider überall in der Welt verfügen über unsere Daten, ohne daß wir als Nutzer dieser Services Transparenz über den Umfang und die Verwendung unserer Daten hätten.

Diese Service Provider sind wirtschaftlich agierende Unternehmen, die Umsätze und Gewinne generieren müssen, um weiter bestehen zu können. Die User ihrer Services sind in diesen Modellen selten die wirklichen Kunden, sondern sie sind das Produkt, welches der Service Provider an seine Kunden verkauft.

Wir erleben das schön bei Facebook, bei denen die Daten der User an Firmen verkauft werden, die politische Entscheidungen herbeiführen wollen. Google verkauft seine User an Firmen, die ihre Werbung auf den Suchseiten der User platzieren wollen. Je besser die Kundengruppen zu der Werbung angepasst sind, umso besser für die Firmen. Amazon analysiert unser Kaufverhalten und unsere Suchanfragen über Alexa, um Up Selling und Cross Selling zu machen und seine Platform weiter auszubauen.

Der gesellschaftliche Konsenz muß hergestellt werden, daß jeder User der Herr über seine Daten ist. Service Provider, die unsere Daten halten, sind nur Verwalter unserer Daten und benötigen zwingend unsere Zustimmung für die weitere Verwertung unserer Daten. Und diese Zustimmung ist nicht nur einfach mit der Absegnung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen einzufordern, sondern bei jeder weiteren Verwertung unserer Daten. Daten sind soweit wie möglich anonymisiert zu halten. Daten bedürfen einer Alterungsregelung. Daten müssen auf Anforderung auch vollständig gelöscht werden dürfen. Der Life Cycle von Daten muss geregelt werden. Die User sind am Umsatz zu beteiligen.

Um dies zu durchdenken, zu konzeptionieren und in Anforderungen zur weiteren Umsetzung zu dokumentieren, werden zentrale gesellschaftliche Institutionen benötigt. Unternehmen alleine werden dieses nicht selbst regulieren wollen und können. Diese Anforderungen müssen in Gesetze umgesetzt werden, die über Grenzen hinweg gültig sein müssen und weltweit eingefordert werden können.

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