Schattenseiten der Social Media – Fake News und Verschwörungstheorien

Ich habe die erklärte Absicht die Chancen und Möglichkeiten unseres Digitalen Lebens grundsätzlich positiv zu sehen. Trotzdem ist mir sehr bewußt, dass wir damit auch unkritisch vieles anwenden, was große, manchmal negative Auswirkungen auf unser normales Leben hat. In zwei Artikeln habe ich bereits die Schattenseiten des Digitalen Lebens aufgezeigt:

  • Regulierung im Digitalen Leben (Link) und
  • Digitales Leben – Fluch oder Segen (Link).

Weitere Auswirkungen erleben wir nicht nur in den USA seit 2016 mit den Beeinflussungen von Meinungen und Stimmungen vor Wahlen durch psychologisch geschulte Angreifer. Angreifer, die nur schwer zu greifen sind und die sich die Möglichkeiten der Sozialen Medien zu Nutze machen, um schneller größere Bevölkerungsschichten zu erreichen und zu beeinflussen. Die Ziele sind nicht immer so klar, wie es 2016 bei der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten war.

Verschwörungstheorien, -gläubige und -ideologen

Verschwörungstherorien finden rasenden Zulauf auf digitalen Plattformen, die eine großflächige Verbreitung in kürzester Zeit ermöglichen. Jeder von uns ist mittlerweile bei Diensten wie Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Telegram und anderen angemeldet und kann auf deren Inhalte zugreifen und sie verbreiten, ohne diese noch groß zu hinterfragen. Die Digitalisierung hat diese Form der Inhaltsverbreitung unglaublich beschleunigt.

Wir erleben millionenfache Kommentare und Views von Videos von völlig abstrusen Verschwörungstheorien:

  • die Erde ist flach;
  • Bill Gates will uns alle kontrollieren und beherrschen;
  • die Mondlandung war inszeniert;
  • die Eliten („die da oben“) trinken das Blut von Neugeborenen, um sich jung zu halten;
  • der Versuch das deutsche Volk allmählich zu ersetzen;
  • und vieles unsinniges mehr.
Sinnbild für Verschwörungstheorien (Quelle: de.wikipedia.org)

Verschwörungstheoretiker, oder besser Verschwörungsgläubige, glauben, sie wissen nicht. Und deshalb ist es schwierig mit Fakten gegenüber diesen zu argumentieren. Diese „Theorien“ könnten lustig sein, tatsächlich ist die Verbreitung extrem gefährlich.

Meiner Meinung nach gibt es zwei Klassen von Verbreitern von Verschwörungstheorien.

  • Auf der einen Seite sind das Verschwörungsideologen, die eine eigene Agenda fahren und ihre Ideen verbreiten. Man kann diesen Menschen eine gewisse Intelligenz zusprechen, da sie Menschen mit diesen Verschwörungstheorien manipulieren wollen.
  • Andererseits fühlen sich Menschen von Verschwörungstheorien angezogen, wenn ihnen die Fähigkeit oder Motivation fehlt, selbst Information an anderer Stelle zu suchen. Deshalb sollte eher der Begriff Verschwörungsgläubige verwendet werden. Deren kognitive Fähigkeiten können sehr eingeschränkt sein. Es ist zu vermuten, dass sie einen niedrigen Level analytischen Denkens haben und keine systematische Vorgehensweise bei Denkprozessen und Lösungsstrategien haben. Und sie gehören meistens zu Gruppen und Individuen, die sich bereits von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen.

Menschen mit höherem Bildungsgrad tendieren weniger dazu an leichte Lösungen für komplexe Probleme zu glauben.

Menschenfeindlichkeit und Wissenschaftsfeindlichkeit der Verschwörungsgläubigen spielt den Verschwörungsideologen in die Karten. Rezo hat es mal schön ausgedrückt:

Bullshit überzeugt als Wahrheit rüberbringen. Klingt trivial ist aber erstaunlich effektiv.

Rezo „Die Zerstörung der Presse“ (Quelle: YouTube (Link))

Welche Techniken verwenden Verschwörungsideologen?

Die Techniken, die dabei verwendet werden, sind auch in Rezos Beitrag umfänglich dokumentiert.

  • Manipulative Fragen stellen,
  • spekulative Behauptungen machen und
  • Konjunktive nutzen.

Fragen darf man doch wohl stellen, oder?

Dann werden Titel und Überschriften mit deutlichen Übertreibungen genutzt. Diese lenken das Verständnis von Lesern, Zuhörern oder Zusehern. Auch ich verwende das häufig für meine Blogtitel, weil ich die Leser meines Blogs auf meine Artikel aufmerksam machen will. Aber ich versuche natürlich Titel und Inhalt des Blog-Artikels synchron zu halten. Wie häufig habe ich schon erlebt, dass der Titel nichts mit dem Inhalt des Beitrags zu tun hatte und der Autor nur auf Click und Cash aus war.

Es werden immer gerne sprachliche Tricks angewendet. Gerade Donald Trump wendet diese Tricks instinktiv an: er behauptet immer „die anderen (oder: die Bevölkerung; oder: die Community) sehen es so, jeder weiß“. Diese Techniken werden von Verschwörungsideologen und auch der etablierten Presse genutzt.

Eine ganz schlimme Technik sind Falschbehauptungen oder Fake-News. Leider hat Donald Trump auch die etablierte und gute Presse mit diesem Substantiv versehen, so daß der Begriff Fake-News nicht mehr alleine für Falschbehauptungen genutzt wird. Je mehr Falschbehauptungen oder Fehler, desto mehr sinkt das Vertrauen, und desto mehr profitieren Hetzer und Verschwörungsideologen.

Normalerweise müßten alle Aussagen von Verschwörungsideologen einem Fact-Check unterworfen werden. Das kostet Zeit und ist sehr aufwändig. Ich würde mir wünschen, daß Soziale Medien (speziell Facebook und Twitter) es schaffen ein solches Fact-Checking zu automatisieren, und damit in Echtzeit Bewertungen über die Richtigkeit der Aussagen geben können.

Twitter checkt einen Tweet von Donald Trump (Quelle: Twitter; Screenshot aus bbc.com)

Verschwörungsideologen pflegen einen interessenten Umgang mit Quellen und Belegen. Normalerweise sollten Aussagen gravierend und nachprüfbar sein. Wenn man Belege und Quellen verwendet, dann sollten diese die Aussagen unterstützen. Viele zitierte Belege und Quellen belegen genau das Gegenteil dessen, was eigentlich belegt werden sollte. Aber egal: ein Beleg oder eine Quelle wird genannt. Ein Schelm der Böses dabei denkt.

Beliebt ist auch diese Form, die in den Känguru-Hörbüchern mehrfach zitiert wird: ich habe über einen geheimen Bericht der CIA gelesen, in dem steht, dass schwedische Wissenschaftler herausgefunden haben sollen, daß (und jetzt folgt Bullshit) …

Fazit

All diese Erkenntnisse sind nicht neu. Vor der Einführung von Social Media sind diese Techniken und Methoden bereits von Medienspezialisten, Verschwörungsideologen und Hetzern angewendet worden. Nur wird dies heute viel schneller und weiter verbreitet.

Andererseits lernen wir auch durch diese Dauerberieselung von Verschwörungstheorien immer mehr diese Techniken und Methoden selbst anzuwenden. Ich sehe das als großes Risiko, weil die Wahrheit immer mehr in den Hintergrund tritt, „alternative Wahrheiten“ sich überall verbreiten und das Vertrauen in Nachrichten und wichtige und richtige Informationen verloren geht.

Wir sehen das vor allem in Corona-Zeiten bei Demonstrationen gegen die Einschränkungen, die uns von Politik, Medien und Wissenschaft vorgegeben werden. Gerade in Deutschland können wir eigentlich froh sein, wie wir alle gemeinsam die Krise kontrolliert haben. Die Zahlen sind im europäischen Vergleich gut (Link). Aber Verschwörungstheoretiker verfolgen wieder ihre eigene Agenda und ihnen folgen leider viele Verschwörungsgläubige, ohne die grundlegenden Regeln von Social Distancing, Maskenpflicht und Hygienevorschriften einzuhalten.

2 Kommentare

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