Corona-Statistiken aus dem Internet (Update 28.10.)

Update 28.10.: seit dem 26.10. wird die Zahl der TodesfĂ€lle aufgrund COVID-19 mit 10.000 in Deutschland angegeben. Über mehrere Tage schon hat das RKI ĂŒber 11.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Wir konnten damit die Pandemie bis Oktober fĂŒr mehr als vier Monate auf einem niedrigen Niveau halten, aber jetzt wird wieder ĂŒber teilweise Lockdowns nachgedacht.


Seit dem 17.3.2020 habe ich diesen Text jeden Tag fortgeschrieben. FĂŒr die zwei Wochen zwischen dem 15.6. und dem 29.6. habe ich keine Updates durchfĂŒhrt, da die Statistiken sich zum GlĂŒck nicht mehr groß geĂ€ndert haben. Seit 29.6.2020 geht es weiter mit neuem Elan und neuen Zahlen. Am 7.7. habe ich mit Updates dieses Berichts aufgehört, da Deutschland die Pandemie zu diesem Zeitpunkt im Griff zu haben schien. Am 28.10. habe ich ein kleines Update in diesem Beitrag gemacht, da die Anzahl der TodesfĂ€lle durch COVID-19 die Marke von 10.000 ĂŒberschritten hat. Aber alle anderen Anmerkungen dieses Berichtes vom 7.7. gelten weiterhin.

Mit Sorge betrachten wir die Zahlen zu der Corona-Pandemie. Es gibt fĂŒr Deutschland unterschiedliche Quellen, die uns Zahlen ĂŒber die infizierten Personen, die Geheilten und die TodesfĂ€lle liefern.

FĂŒr mich sind auch weiterhin zwei Quellen fĂŒhrend.

  1. Der Bing Corona-Virus Tracker von Microsoft (Link), der Daten von seriösen Quellen wie CDC, WHO, ECDC und Wikipedia verarbeitet. Dazu gehören mit Sicherheit auch Daten der Johns Hopkins UniversitÀt dazu. Deren Forscher suchen im Internet nach öffentlich zugÀnglichen Quellen und greifen dort die neuesten Ziffern ab. Das sind Internetseiten oder auch Twitteraccounts von Behörden und Organisationen. Deshalb sind diese Zahlen in der Regel den Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) voraus
  2. Das Dashboard des RKI (Link) veröffentlicht erst die Zahlen, wenn der Berichtsweg komplett abgeschlossen ist.

Wie sieht der Berichtsweg des RKI aus?

Diese Information kann man ĂŒber folgenden Link im Detail abfragen. Ich habe hier eine Kurzversion zusammengefasst.

Ärzte und medizinische Labore in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, eine Corona-Infektion zu melden, sobald sie festgestellt wurde. Die Meldestellen sind die GesundheitsĂ€mter in den Stadt- und Landkreisen. Diese wiederum melden ihre Zahlen an die zustĂ€ndigen Gesundheitsbehörden der BundeslĂ€nder. Von dort erst bekommt das Robert-Koch-Institut meist mehrmals am Tag die Daten ĂŒbertragen.

Die Meldewege sind ĂŒberraschend hĂ€ufig nicht digital. Meldungen von Ärzten oder Laboren erfolgen telefonisch oder mit einem Papierformular. Große Labore erstellen die Meldung automatisch und versenden diese in der Regel per Fax.

Im Gesundheitsamt wird jeder Fall von Hand elektronisch erfasst. Die Mitarbeiter verwenden dabei eine Software des RKI. Jede Erfassung dauert mehrere Minuten, da auch weitere Informationen fĂŒr die medizinisch-wissenschaftliche Beobachtung einer Epidemie eingetragen werden mĂŒssen.

Über dieselbe RKI-Software ĂŒbermitteln die GesundheitsĂ€mter ihre Daten gesammelt an die Landesgesundheitsbehörde. Personenbezogene Daten werden auf dieser Ebene entfernt. Dann ĂŒbertragen die Landesgesundheitsbehörden mehrmals am Tag die gesammelten Falldaten an das RKI und melden damit die aktuellen Fallzahlen fĂŒr das jeweilige Bundesland.

Das RKI ĂŒbermittelt dann die Daten an die WHO.

Man kann an dieser Beschreibung schon erkennen, wo kritische Stellen in diesem Ablauf sind. Einerseits sind es nicht-digitale Übertragungswege per Telefon und Fax. Andererseits hĂ€ngt die Erfassung auch von der KapazitĂ€t, der Genauigkeit und der LeistungsfĂ€higkeit der Mitarbeiter in den GesundheitsĂ€mtern ĂŒberall in Deutschland ab. Damit ist auch klar, daß an Wochenenden die Zahlen nicht weiter angepasst werden können, und erst in der Folge am spĂ€ten Montag nachgearbeitet wurden.

Außerdem ist die Erhaltung der Gesundheit der an diesem Prozess beteiligten Personen erforderlich. Nur wenn Ärzte, Praxispersonal, Labormitarbeiter, Krankenhaus-Personal und Mitarbeiter in den GesundheitsĂ€mtern gesund bleiben, können Zahlen fĂŒr die wichtigen Statistiken geliefert werden.

Eine weitere Datenquelle, die sich das RKI jetzt eröffnet hat sind hunderttausende Fitness-Tracker. Sie liefern ĂŒber die App „Corona-Datenspende“ die erforderlichen pseudonymisierten Daten fĂŒr eine FrĂŒherkennung von möglichen neuen regionalen Infektionsherden. Ich habe hierzu einen Erfahrungsbericht (Link) geschrieben.

Warum sind die Statistiken wichtig?

FĂŒr mich persönlich sind sie leider eine Erinnerung und Mahnung, daß die Situation noch immer schlimm ist. Eine Entspannung der Situation ist aufgrund der Zahlen wahrzunehmen. Ich habe seit dem 17.3. regelmĂ€ĂŸig einen Screenshot der Zahlen des Bing Corona-Virus Tracker von Microsoft (Link) gemacht und diese Zahlen jetzt in eine Tabelle eingefĂŒgt und als Grafik sichtbar gemacht.

Neue Hotspots (z.B. in GĂŒtersloh) fĂŒhren zu steilen Anstiegen bei den Neuinfektionen. Todesfall-Steigerungen werden zwei Wochen spĂ€ter folgen (Update 07.07.)

Sie zeigen drastisch den Anstieg der TodesfĂ€lle und der Infizierten seit nunmehr den 114 Tagen, die ich schon zu Hause bin. Seitdem wurden die behördlichen Anforderungen an das Social Distancing immer weiter verstĂ€rkt. Langsam stellten wir fest, daß fĂŒr Deutschland eine Stabilisierung zu beobachten war. Ab dem 20.4. wurden bundesweit Lockerungen empfohlen.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen geht man davon aus, daß nach der Infizierung mit dem Virus innerhalb von 2-14 Tagen die ersten Symptome kommen können. Und wenn man infiziert ist und noch keine Symptome spĂŒrt kann man den Virus ungebremst weiter verbreiten. Es sei denn, jeder von uns nimmt das Social Distancing sehr ernst.

Damit sind immer ZeitrĂ€ume von mindestens zwei Wochen zu beobachten. Erst dann erhĂ€lt man ein GefĂŒhl dafĂŒr, wie sich die Statistiken verĂ€ndern. Seit dem 6.5. habe ich auch eine interessante Visualisierung der neuen Infizierten und TodesfĂ€lle als 3-Tages Durchschnitt bereitgestellt. Diese zeigt sehr eindrĂŒcklich, daß die Entwicklung der TodesfĂ€lle ziemlich genau zwei Wochen der Entwicklung der neuen Infizierten nachfolgt. Und außerdem zeigen sich immer durch die TĂ€ler in der Kurve die RĂŒckgĂ€nge in der Erfassung an den Wochenenden.

Entgegen meiner Erwartungen flachten sich die Kurven noch nicht Ende MĂ€rz ab. Meine Vorhersage bezĂŒglich der Auswirkungen bis 6.4. war glĂŒcklicherweise richtig. Die Social Distancing-Maßnahmen fĂŒhren dazu, daß die Kurven fĂŒr Infizierte merklich abflachten. Entgegen meiner Erwartung war auch die Kurve der TodesfĂ€lle abgeflacht. Ich hatte mit 1700 TodesfĂ€llen bis zum 6.4. gerechnet. Dadurch, daß die Steigerungsrate zu dieser Zeit auf unter 10% gesunken ist, waren die absoluten Zahlen mit 1584 TodesfĂ€llen immer noch hoch.

Leider sind die Steigerungsraten der Todeszahlen in dieser Zeit seit dem 17.3. bis heute erschreckend.

  • Vom 17.3. bis 2.4. sind die Zahlen von knapp 20 bis 1000 angestiegen. Das waren etwas ĂŒber zwei Wochen.
  • Um von dort auf 2000 TodesfĂ€lle zu kommen, waren nur 6 Tage nötig.
  • Und am 13.4. wurde die Marke 3000 ĂŒberschritten. Dies waren 5 weitere Tage.
  • Am 17.4. haben wir die Marke 4000 ĂŒberschritten. Dies waren dann gerade mal 4 weitere Tage. Einfach erschreckend.
  • Meine BefĂŒrchtung, daß wir am 20.4. 5000 TodesfĂ€lle in Deutschland wegen Covid-19 zu beklagen haben, hat sich zum GlĂŒck nicht bestĂ€tigt. Niedrige Steigerungsraten haben dazu gefĂŒhrt, daß wir am 20.4. bei 4648 TodesfĂ€llen lagen. TatsĂ€chlich hatten wir am 22.4. die Marke mit 5000 TodesfĂ€llen ĂŒberschritten. Damit hatte es 5 Tage gedauert fĂŒr die Steigerung um weitere 1000 TodesfĂ€lle.
  • Eine Verlangsamung zeigt sich endlich nach 7 weiteren Tagen. Am 28.4. haben wir die 6000er Marke in Deutschland ĂŒberschritten.
  • 9 Tage spĂ€ter wurde die 7000er Marke erreicht.
  • Am 16.5. ist der nĂ€chste traurige Meilenstein mit 8000 TodesfĂ€llen aufgetreten. Dieser wurde nach 10 weiteren Tagen erreicht.
  • Am 15.6. (also fast einen Monat spĂ€ter) haben wir mit 8867 TodesfĂ€llen und geringen tĂ€glichen Steigerungsraten zum GlĂŒck noch nicht den nĂ€chsten Meilenstein erreicht. An diesem Tag habe ich meine tĂ€glichen Beobachtungen und Updates fĂŒr diesen Beitrag fĂŒr zwei Wochen ausgesetzt.
  • Am 26.6. hat in Deutschland die Zahl der TodesfĂ€lle die Marke von 9000 ĂŒberschritten. Dies ist mehr als einen Monat spĂ€ter.
  • Am 26.10. wurden fĂŒr Deutschland 10.000 TodesfĂ€lle vermeldet. Wir sind mitten in einer zweiten Welle. Über mehrere Tage schon hat das RKI ĂŒber 11.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Wir konnten damit die Pandemie bis Oktober fĂŒr mehr als vier Monate auf einem niedrigen Niveau halten, aber jetzt wird wieder ĂŒber teilweise Lockdowns nachgedacht.

Lothar Wieler, PrĂ€sident des RKI, hatte allerdings schon Anfang April gesagt, er halte die Todesfallzahlen in Deutschland fĂŒr unterschĂ€tzt. Nicht jeder Gestorbene sei zuvor getestet worden, sagte er. „Ich gehe davon aus, dass wir mehr Tote haben als offiziell gezĂ€hlt werden.“ Damit mĂŒssen die niedrigen Todesfallzahlen in Deutschland im Vergleich zu den europĂ€ischen Nachbarn in einem anderen Licht gesehen werden. In Deutschland wird nachlĂ€ssig getestet!

Welche Entwicklung ist zu beobachten?

Anfang April machte ich mir Hoffnung, daß wir die Spitze bereits erreicht und hinter uns gelassen haben. Leider stellten wir am 7.4. fest, daß dies wieder nur ein Wochenendeffekt war. Es wurden nicht alle Zahlen ĂŒber das Wochenende gemeldet und dadurch war erst am Dienstag klar, daß die Todeszahlen weiterhin ungebremst stiegen.

Sollten wir wĂ€hrend der Ostertage nicht unvorsichtig geworden sein, dann besteht Hoffnung fĂŒr uns alle. Leider hĂ€uften sich aber auch die Meldungen, daß die Menschen sich wieder versammeln wollen. Sei es fĂŒr gemeinsame Treffen im Park, oder auch in Kirchen oder Moscheen. Wieder ist die Disziplin das grĂ¶ĂŸte Problem der Menschen dieser Zeit. Zum GlĂŒck haben auch die religiösen FĂŒhrer in aller Welt die physische Gesundheit ihrer GlĂ€ubigen als höchstes Gut erklĂ€rt und die Gottesdienste in anderer Form abgehalten. Auch die Zeit des Ramadan erfĂ€hrt EinschrĂ€nkungen durch Social Distancing.

Aber seit dem 14.4. sahen die Zahlen konsistent aus. Geringe Steigerungsraten bei TodesfĂ€llen ĂŒber mehrere Tage bedeuteten allerdings immer noch bis zu 300 Opfer pro Tag. Und das sah noch nicht gut aus. Trotzdem wurde im Sinne von Hammer and Dance (Link) eine Lockerung der Maßnahmen ab dem 20.4. empfohlen. Jedes Bundesland konnte Auflagen festlegen unter denen GeschĂ€fte und Schulen wiedereröffnen können.

Voraussetzung fĂŒr eine Lockerung der Maßnahmen ist, daß der mĂŒndige BĂŒrger auch weiter Social Distancing ĂŒbt. Meine persönliche Meinung ist, daß die Menschen undiszipliniert sind und deshalb eine zweite Welle auf uns zurollen wird. Diese Wirkung werden wir dann allerdings erst Mitte Mai in den Statistiken sehen können. Wichtig ist, dass frĂŒhzeitig im Sinne von Hammer und Dance wieder der Isolationshammer eingesetzt wird und die Lockerungen zurĂŒckgenommen werden. Vielleicht bekommen wir mit viel Testen diese feine Justierung hin. Leider zeigen Presseberichte auf, daß die TestkapazitĂ€ten in Deutschland nicht ausreichend genutzt werden. Das ist fahrlĂ€ssig. Gerade KrankenhĂ€user, Pflege- und Altenheime, Schulen und Kindergarten sollten regelmĂ€ĂŸig jetzt getestet werden.

Es werden immer hĂ€ufiger TodesfĂ€lle in Alters- und Pflegeheimen gemeldet. Die bis dahin geschĂŒtzten und isolierten Ă€lteren und vorbelasteten Menschen unserer Gesellschaft trifft es jetzt. Kritiker deuten an, daß durch die Lockerungen seit dem 20.4. italienischen VerhĂ€ltnisse eintreten werden, weil durch NachlĂ€ssigkeiten und Undiszipliniertheit in der Bevölkerung das Durchschnittsalter der Infizierten steigen wird. Der Vorteil, den Deutschland bis Mitte April hatte, ginge leider jetzt verloren.

Am 6.5. stellte ich voller Überraschung und Freude fest, daß nur drei (3!) weitere TodesfĂ€lle durch Covid-19 fĂŒr Deutschland gemeldet wurden. DafĂŒr wurde am 7.5. eine neue Spitze von 279 neuen TodesfĂ€llen vermeldet. Haben die Statistiker den Tag davor geschlafen und die Zahlen nicht verarbeitet?

Psychologie der zweiten Infektionswelle

Die Angst geht aber um, dass eine weitere Infektionswelle das Land viel stĂ€rker trifft als es die erste Welle im ersten Quartal 2020 getan hat. Die Angst ist nicht unbegrĂŒndet, da 1918 bei der Spanischen Grippe (Link) genau dies zu beobachten war. Nicht nur eine zweite, sondern auch eine dritte Welle, beide stĂ€rker als die erste Welle, sorgten fĂŒr großes Leid und noch gewaltigere Opferzahlen. Hoffentlich bleibt uns das erspart.

Seit Mitte April hĂ€ufen sich aber unangemeldete Demonstrationen und Ansammlungen von Gruppierungen, welche die strengen Distanzierungsregeln nicht mehr einhalten wollen. Interessant ist es die Zusammensetzung dieser Gruppen zu sehen. Von ganz links bis extrem rechts ist alles dabei. VordergrĂŒndig bewegt alle diese Menschen, daß die beschlossenen Maßnahmen gegen die Regeln unserer Demokratie verstoßen. Leider verfolgt jede Gruppierung ihre eigene Agenda. Viele sind Verschwörungstheoretiker, die ihre AnhĂ€nger und sich in Gefahr bringen. Auch die Demonstrationen am 1. Mai sind wieder ein Nachweis dafĂŒr, daß die jungen Autonomen nichts verstanden haben. Aber nicht nur die Autonomen, sondern auch die Menschen, die sich in Massen vor den Ikea MöbelhĂ€usern ohne Sicherheitsabstand und ohne Mundschutz drĂ€ngelten haben nichts verstanden. Leider bringen sie mit ihrem Verhalten auch uns alle und unsere Gesellschaft in Gefahr.

Ich wĂŒĂŸte gerne, wie diese Menschen denken. Ist es wirklich Sorge um die Demokratie? Ist es UnverstĂ€ndnis fĂŒr die Maßnahmen, obwohl vielleicht gerade deswegen die Todeszahlen in Deutschland so niedrig ausgefallen sind bis jetzt? Ist es mangelnde Geduld und der unbedingte Wille, wieder zum alten Leben (trotz des Virus) zurĂŒckzukehren? Ist es die Sorge um die Wirtschaft und die persönliche finanzielle Betroffenheit?

Oder ist es einfach Ignoranz, Dummheit, falsches VerstÀndnis von Sorge, politische Absichten?

Ich weiß es leider nicht. Ich wĂŒrde mich freuen, wenn ein Psychologe mal analysieren könnte, was und warum die Menschen auf die Strasse gehen und wirklich gut gemeinte Maßnahmen wie Social Distancing und das Tragen von Masken ablehnen? Warum dieser Trotz? Warum all diese Verschwörungstheorien? In der Geschichte gab es immer RattenfĂ€nger und SchlangenölverkĂ€ufer, die vermeintlich einfache Antworten und Lösungen hatten und mit Aufrufen gegen „die da oben“ Menschen um sich scharten, die dann zu einer Bewegung wurden. Die GrĂŒnen sind ein Beipiel aus den Protesten gegen Kernkraftwerke und die Startbahn West in Frankfurt. Die AfD ist ein Beispiel aus der Zeit des Euroskeptizismus. Aber ist dies in Zeiten einer Pandemie eine gute Idee, wo der Feind ein Virus ist, der alle befallen kann?

Wenn ich die Bilder von Massen vor der VolksbĂŒhne in Berlin sehe, Demonstrationen vor den RathĂ€usern in MĂŒnchen und NĂŒrnberg, wo Menschen ohne jeden Schutz dicht an dicht stehen, dann frage ich mich, ob diese Menschen verstehen, daß sie womöglich die Ursache einer zweiten Infektionswelle sind? Ich möchte keinen Kontakt mit diesen Menschen haben und auch nicht mit denen, die sie nach diesen Veranstaltungen treffen. Leider sind diese Massenveranstaltungen mögliche Hotspots fĂŒr die Ausbreitung des Corona-Virus. Ich werde meine Statistiken weiterfĂŒhren und werde ein Auge darauf haben, ob und wie sich eine zweite Corona-Welle andeutet.

Ab 11.5. sind in Deutschland weitere Coronavirus-Lockerungen, natĂŒrlich weiter unter strengen Auflagen ausgesprochen worden. Das Leben scheint sich zu normalisieren, aber Social Distancing und das Tragen von Masken in geschlossenen RĂ€umen zeigt immer noch wie weit wir vom „alten Normal“ entfernt sind. Im Sinne von Hammer and Dance (Link) ist ein Schwellenwert von 50 Neuinfizierten pro 100000 Einwohnern in 7 Tagen definiert worden. Ist dieser Schwellenwert ĂŒberschritten, dann sollen die lokalen Behörden wieder weitgehendere EinschrĂ€nkungen aktivieren dĂŒrfen. Die ersten Erfahrungswerte zeigen, daß viele Behörden diesen Schritt scheuen, obwohl der Schwellenwert ĂŒberschritten wird. Gerade in Gemeinden, in denen auslĂ€ndische Niedriglohnarbeiter unter beklagenswerten UmstĂ€nden in Deutschland leben und ĂŒber Sub-Unternehmen in der Lebensmittelindustrie vermittelt werden, entstehen ganz schnell neue Infektionsherde. Auch hier gilt wieder die Entwicklung zwei Wochen spĂ€ter zu betrachten. Ab 25.5. wußten wir, wie sich die Coronavirus-Lockerungen ab 11.5. auf die Zahl der Infizierten und der TodesfĂ€lle ausgewirkt haben. NĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht. Keine signifikante Steigerung der Infizierten- und Todeszahlen.

Mittlerweile funktionieren die Detecting und Tracking Mechanismen so gut, daß man neue Hotspots schnell erkennen kann. FĂ€lle in Kirchengemeinden, Familienfeiern und Restaurants konnten schnell nachvollzogen werden. Leider zeigt sich aber auch, daß die betroffenen Menschen immer weniger VerstĂ€ndnis aufbringen und Aufforderungen des Gesundheitsamtes zur Kontrolle nicht mehr folgen.

Auf der Suche nach glaubwĂŒrdigen Projektionen der aktuellen TodesfallverlĂ€ufe fĂŒr unterschiedliche LĂ€nder habe ich eine interessante Webseite (Link) des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) in Seattle gefunden. Hier wird unter Verwendung eines Modelles eine Aussage getroffen wie sich die Zahlen der TodesfĂ€lle bis in 3 Monaten entwickeln können. NatĂŒrlich unter Angabe des Bereiches, in den denen sich die Zahlen im besten und im schlechtesten Fall entwickeln können. Anbei die Grafiken fĂŒr die LĂ€nder USA, UK, Brasilien und Deutschland zum Stichtag 16.5.2020.

Nach diesen Projektionen ist Stand 16.5. fĂŒr die LĂ€nder bis zum 4.8.2020 folgendes zu erwarten (ohne die Annahme einer zweiten Infektionswelle):

  • fĂŒr Deutschland ein weiterer Anstieg der TodesfĂ€lle um 24% von 8001 auf 9905 (oder absolut: 1904);
  • fĂŒr UK ein weiterer Anstieg der TodesfĂ€lle um 28% von 33998 auf 43479 (oder absolut: 9481);
  • fĂŒr die USA ein weiterer Anstieg der TodesfĂ€lle um 66% von 88507 auf 147040 (oder absolut: 58533);
  • fĂŒr Brasilien ein weiterer Anstieg der TodesfĂ€lle um 490% von 14962 auf 88305 (oder absolut: 73343).

Zwei Wochen spĂ€ter habe ich mir die Projektionen nochmal angeschaut. Folgende Zahlen ergeben sich am 2.6. fĂŒr diese LĂ€nder bis zum 4.8.: Deutschland -> 9146 (-759); UK -> 44389 (+910); USA -> 135109 (-11931); Brasilien -> 125833 (+37528).

Ich habe am 15.6. beschlossen die Statistik fĂŒr zwei Wochen auszusetzen, da sich die Zahlen nicht groß verĂ€ndert haben. Am 29.6. habe ich die Statistiken wieder aufgenommen und mußte feststellen, daß es wieder ein paar schlimme Hotspots gegeben hat, die die Zahlen nach oben getrieben haben. Der Virus ist also nicht tot.

Es zeigt sich durch die Corona-Pandemie sehr deutlich, wo unsere Gesellschaft die SchwĂ€chsten schlecht behandelt. Diesmal sind es auslĂ€ndische Arbeiter, die ĂŒber WerkvertrĂ€ge mit geringen GehĂ€ltern in menschenunwĂŒrdigen UnterkĂŒnften zusammengepferscht werden. In den letzten Wochen waren es immer Schlachtbetriebe, in denen unglaubliche Infektionszahlen festgestellt wurden. Die letzten Wochen ist es der Schlachthof Tönnies in GĂŒtersloh, der in der Presse ist. Die NRW-Regierung hat bereits im Sinne von Hammer and Dance Maßnahmen ergriffen, um die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. Und Österreich hat schon eine Reisewarnung fĂŒr NRW ausgesprochen. Dadurch sieht man, wie wichtig es ist, daß jeder von uns dazu beitrĂ€gt eine zweite Welle zu verhindern.

Flatten the Curve – VerfĂŒgbarkeit von Intensivbetten

Eine weitere interessante Statistik ist die Anzahl der durch Covid-19-FĂ€lle belegten IntensivpflegeplĂ€tze in Deutschland. Und natĂŒrlich auch die Anzahl der schweren FĂ€lle mit Beatmung. Dies ist vor allem wichtig, da bereits zwei Kliniken in Wolfsburg und MĂŒnchen die Aufnahme gestoppt haben (Stand: 1.4.2020) und damit ausfallen in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Stand 2.4. gab es 6353 Intensivbetten fĂŒr leichte FĂ€lle von denen 46% verfĂŒgbar sind. FĂŒr schwere FĂ€lle gab es 13639 Intensivbetten von denen 41% verfĂŒgbar sind. Auf der Webseite der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) fand man den Tagesreport DIVI Intensivregister (Link). Dieser Report war eigentlich als Tagesreport angekĂŒndigt, wurde aber zuletzt am 3.4. aktualisiert und nicht tĂ€glich, da die Datenbank umgestellt wurde. Dort wurde in einem pdf-Dokument aufgelistet, wieviele Covid-19 FĂ€lle intensivmedizinisch behandelt werden und wieviele davon beatmet werden mĂŒssen. Stand 10.4. gibt es diesen pdf-Report nicht mehr. Stattdessen kann man unter folgender Adresse (Link) nun eine andere Ansicht auf die Daten erhalten. Laut diesem mĂŒssen 48,3% (Vortag 50,6%) der Covid-19-Patienten beatmet werden oder als absolute Zahl 144 (Vortag 161) Menschen. Außerdem wird aufgezeigt, daß 11602 (Vortag 11042) von 32573 (Vortag 32361) Intensivbetten (35,6%, Vortag 34,1%) noch belegbar sind (Stand 07.07.).

Ausgewertet wurde im alten Report auch, bei wievielen von den intensivmedizinisch behandelten Menschen die Behandlung als abgeschlossen betrachtet wurde (1532, Stand 3.4.) und wieviele von diesen „abgeschlossenen Behandlungen“ als verstorben vermerkt wurden (482, Stand 3.4.). Dieser hohe Anteil von 31% ist sehr erschreckend. Das könnte implizieren, daß weitere 44 (Stand 07.07., Vortag 49) Menschen sterben können, die zur Zeit in Beatmung sind.

Seitdem ich diese Statistik beobachte kann ich feststellen, daß die Zahlen der beatmeten Covid-19-Patienten stetig zurĂŒckgegangen ist und die Entwicklung insgesamt sehr positiv ist. Der Anteil der freien Intensivbetten lag wĂ€hrend der ganzen Beobachtungszeit zwischen 35% und 40%.

Warnung vor gefÀlschten Live-Karten, Apps und mehr

Jeder von uns bekommt gerade ĂŒber alle InformationskanĂ€le nicht nur glaubwĂŒrdige Zahlen. Deshalb meine Empfehlung. Nutzt nur seriöse wie die Zahlen im Bing Corona-Virus Tracker von Microsoft (Link) und vom RKI (Link).

Diese haben aufschlußreiche Kartendarstellungen bis auf Bundeslandebene herunter.

Bing Covid-19-Tracker (Update: 07.07.)

Leider gibt es auch solche Menschen, die unser BedĂŒrfnis nach Information schamlos ausnĂŒtzen. Diese bieten Live-Karten oder Apps an, die als Ransomware unsere Systeme und Daten gefĂ€hrden (Link).

Ein weiteres Problem spricht dieser Artikel des Deutschlandfunks an (Link). App-Anbieter versuchen immer wieder Möglichkeiten zu finden, wie man an die Daten der User kommt. DafĂŒr bieten sie fĂŒr die spezielle Situation Apps mit Mehrwerten an (wie z.B. Übersichten zu Covid-19-Statistiken), fordern aber weitgehende Zugriffe auf Daten der User bei der Installation.

Also, seid vorsichtig, was ihr euch auf eure GerĂ€te ladet und prĂŒft genau, welche Quellen seriös sind. Diese Regel ist auch in Zeiten einer Corona-Pandemie weiterhin gĂŒltig.

Empfehlenswerte Infos in YouTube-Videos

Ich habe vier bemerkenswerte Videos, die ich auf YouTube gefunden habe und die ich mit euch teilen möchte.

Das erste Video ist ein sehr emotionales Video, was von zwei italienischen Musikern anlĂ€sslich der Corona-Pandemie fĂŒr ihre Heimatstadt Bergamo geschrieben wurde. Laut einem der Musiker werden alle Einnahmen aus Downloads, Urheberrechten und Redaktionsrechten vollstĂ€ndig gespendet zugunsten des Papa Giovanni XXIII Krankenhauses in Bergamo fĂŒr den Kauf von medizinischen GerĂ€ten (Link).

Rinascero, Rinascerai: Video fĂŒr die von Covid-19 stark betroffene Stadt Bergamo (Quelle: YouTube)

Das zweite Video beschreibt, warum wir wirklich bei Corona aufpassen mĂŒssen und es nicht mit der normalen Influenza-Erkrankung vergleichen können. Auch kann ich eine Visualisierung der Zahlen von TodesfĂ€llen unterschiedlicher Epidemien empfehlen (Link). Dies ist auch all denjenigen gewidmet, die den Corona-Virus und seine Folgen leugnen – aus welchen GrĂŒnden auch immer.

Warum Covid-19 gefÀhrlicher ist als Influenza (Quelle: YouTube)

Das dritte Video zeigt, warum die USA gerade am Schlimmsten unter Corona zu leiden haben. Stand 12.4. fĂŒhren diese leider die Schreckensbilanz an. An diesem Tag haben sie auch Italien als das am schwersten belastete Land als Epizentrum dieser Pandemie abgelöst.

Quelle: worldometers.info vom 07.07.2020 13:20

Dieses Video zeigt deutlich die FĂŒhrungsschwĂ€chen in der amerikanischen Regierung auf. Dieser PrĂ€sident bekommt hoffentlich die Quittung beim Wahltermin im November prĂ€sentiert. Aber vielleicht gleitet auch diese Katastrophe wieder wie Teflon an ihm ab. Aber schaut euch das Video bitte an und ein Tip fĂŒr die Amerikaner unter euch: MAKE AMERICA GREAT AGAIN, BUT WITHOUT TRUMP. Eine Welt ohne ein starkes und kooperatives Amerika ist unvorstellbar.

Saluting the Heroes of the Coronavirus Pandumbic (Quelle: The Daily Show with Trevor Noah, YouTube)

Zum Schluss ein Beitrag des Auslandsjournals, hervorragend recherchiert und prĂ€sentiert, der aufzeigt warum Trump und seine UnterstĂŒtzer dieses Amerika (und unsere Welt) so sehr gefĂ€hrden. Zwar ist die Anzahl der TodesfĂ€lle pro 1 Millionen Einwohner noch weit unter der von europĂ€ischen LĂ€ndern wie Italien, Spanien, Frankreich, UK und Belgien (Stand 16.5.). Aber im Gegensatz zu diesen LĂ€ndern ist der Trend bei den Zahlen der Inifizierten und der TodesfĂ€lle nicht signifikant fallend, sondern zeigen eher eine SeitwĂ€rtsbewegung.

Beitrag des Auslandsjournal zu „Trump und die Coronakrise – der Unverantwortliche“ (Quelle: ZDF Heute, YouTube)

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