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IBM Thinkpad 701CS

Dies ist ein mechanisches Wunderwerk in der Computertechnik. Das IBM Thinkpad 701 ist ein kompakter Designcomputer mit Spitzentastatur.

Ich bin immer auf der Suche nach großartigen StĂŒcken der Computergeschichte. Speziell bei solchen, wo Ingenieure neue Wege beschreiten mußten, um herausfordernde Vorgaben zu erfĂŒllen. Das IBM Thinkpad 701 ist ein solches MeisterstĂŒck.

Dr. John Karidis von IBM ist derjenige, der damals die Lösung fand, fĂŒr ein kompaktes GerĂ€t eine vollwertige Tastatur zu entwickeln. Vor allem wo doch IBM immer zu recht stolz auf die Tastaturen seiner Thinkpads gewesen ist. Mit der einen Ausnahme des Thinkpads 500, welches eine Art „MĂ€useklavier“ mit kleinen Tasten und geringen Tasten-AbstĂ€nden hatte. Diese Tastatur war nicht ergonomisch.

IBM hat bei der Entwicklung des IBM Thinkpad die Anforderung formuliert, eine der anerkannten guten Thinkpad-Tastaturen zu verbauen. Aber wie sollte das gehen, wenn die GehĂ€usemaße (Breite 24,6 cm) des Notebooks kleiner als die TastaturgrĂ¶ĂŸe (Breite 29,2 cm) waren?

Die Lösung war so innovativ wie einfach, so daß das Museum of Modern Art, MOMA, in New York dieses GerĂ€t auch heute noch ausstellt.

Es war Zufall, daß ich eines dieser GerĂ€te auf eBay ersteigern konnte. Es ist ein Thinkpad 701CS, welches die weniger fortschrittliche Displaytechnik verbaut hat und deshalb auch gĂŒnstiger ist. Das CS hatte ein 10,4″ Dual-Scan Super-Twisted Nematic (DSTN) Passive Matrix Display. Das C hatte dagegen ein Thin-Film Transistor (TFT) Black Matrix Display,

Mein GerÀt hat leider keinen Akku und keine Festplatte mehr. Der Festplattenhalter ist aber noch vorhanden.

Wie wurde die Tastatur konstruiert?

Im Grunde besteht die Tastatur aus zwei Dreiecken, die mechanisch verschoben werden. Im geschlossenen Zustand ist der rechte Teil der Tastatur (das obere Dreieck) im oberen Teil des GehĂ€uses geparkt. Der linke Teil der Tastatur (das untere Dreieck) ist im unteren Teil des GehĂ€uses geparkt. Beide Teile sind auf der selben Ebene positioniert, damit das GehĂ€use nicht zu dick wird. In einem Tangram-Spiel kann man schön mit zwei rechtwinkligen Dreiecken dieses Verhalten nachvollziehen. Dankenswerter Weise hatten die Displays damals noch ein 4:3-VerhĂ€ltnis und dadurch war genĂŒgend Platz in der Tiefe des GehĂ€uses vorhanden.

IBM Thinkpad 701 „Butterfly Keyboard“

Diese beiden Dreiecke wurden durch eine großartige Mechanik verschoben. Beim Öffnen des Display-Deckels verschob ein spezielles Scharnier aus Metall die beiden Dreiecke zueinander, bis schließlich im voll geöffneten Zustand beide Tastaturdreiecke sauber nebeneinander standen. Die Tastatur hing dann auf jeder Seite um knapp 2cm ĂŒber dem Außenrand des ComputergehĂ€uses darunter. Beim Schließen kam dieselbe magische Mechanik zum Einsatz und die beiden HĂ€lften verschoben sich sanft ĂŒbereinander und verschwanden komplett im GehĂ€use. Ein großartiges Schauspiel, von dem man nicht genug bekommen kann.

Öffnung und Schließung eines IBM Thinkpad 701 (Quelle: Giphy)

Wie erfolgreich war dieses GerÀt?

Das GerĂ€t kam zur falschen Zeit und war nicht erfolgreich. Zu dem Zeitpunkt, als das Thinkpad 701 auf den Markt kam, wurden grĂ¶ĂŸere Displays gĂŒnstiger und fortan waren kompakte GerĂ€te nicht mehr im Trend. Stattdessen wollte jeder grĂ¶ĂŸere Bildschirme haben und Notebooks mit BildschirmgrĂ¶ĂŸen ab 12″ wurden nachgefragt.

ZusĂ€tzlich war der 486 Prozessor zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ und nicht mehr leistungsfĂ€hig genug. Bastler bauten spĂ€ter in das GehĂ€use stĂ€rkere AMD-Prozessoren und mehr Speicher ein und verlĂ€ngerten damit das Leben dieses kleinen SchmuckstĂŒcks.

Lenovo hat spĂ€ter die Thinkpad-Produktion von IBM gekauft und vermarktet die Thinkpads weiterhin, diesmal aber unter dem Lenovo-Branding. Der Name Thinkpad steht weiterhin fĂŒr großartige Tastaturen und den roten Touch-Stick innerhalb der Tastatur, welcher ein hervorragendes Pointing-Device darstellt. Im Jahr 2017 feierte Lenovo das 25jĂ€hrige Bestehen der Thinkpad-Marke.

Heutzutage ist die typische Bildschirmdiagonale 16:9, manchmal sogar 18:9, was dafĂŒr sorgt, daß Tastaturen breiter gebaut werden können und keine Kompromisse bei der SchreibqualitĂ€t eingegangen werden mĂŒssen. Deshalb wird man diese großartige mechanische Lösung nie mehr angewendet sehen. Schade.

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