80er Amstrad Atari Computer Computermuseum Retrocomputing

Tag 17: Big is beautiful – Breite zählt

Lesedauer: 4 MinutenWas sollte ich nur mit diesen breiten Tastaturcomputern machen? Breite zählt offensichtlich. Wo kann ich sie in meinem Museum ausstellen?

Der siebzehnte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 16 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Heute zeige ich zwei Computer, die wegen ihrer Größe nur schwer in ein kleines Regalfach zu plazieren sind. Der eine ist ein später Repräsentant der britischen 8 Bit Homecomputerära. Der andere dagegen ist ein früher Vertreter der darauf folgenden 16 Bit Ära von bezahlbaren Computern mit grafischen Benutzeroberflächen. Sie beide sind Beispiele dafür, dass Breite zählt.

Erfolgsmodelle aus den mittleren 80ern. Schneider CPC und Atari ST
Erfolgsmodelle aus den mittleren 80ern. Schneider CPC und Atari ST

Schneider CPC 464

Der Schneider CPC 464 war ein Produkt der Schneider Computer Division. Die Schneider Rundfunkwerke aus Türkheim gründeten diese Firma speziell für den Vertrieb von Computerprodukten. Ihr erster Computer war dieser CPC 464.

Aber ursprünglich kam dieses Produkt von Amstrad. Dies war die Firma von Alan Michael Sugar, der den Homecomputermarkt in England sehr genau beobachtete. Das Ergebnis seiner Analyse wurde ein Computersystem, was in dem gesättigten Markt noch Erfolge feiern sollte. Während alle anderen Anbieter Marktanteile verloren, folgte der neue Computer dem erfolgreichen Konzept von Alan Michael Sugar Trading (Amstrad), das er auch schon im HiFi-Markt angewendet hat. Ein Komplettsystem aus Computer, Speichermedium und Anzeigekomponente. So entstand die Hardware des Amstrad CPC 464. Bestehend aus einem langen Gehäuse, was neben einer vollwertigen Tastatur mit Zehnerblock auch noch ein Kassettenfach für die Speicherkassetten enthielt. Und einem Monitor, entweder Grün oder Farbe, dessen Netzteil auch den Computer mit Strom versorgte. Also ist ein Amstrad Computer ohne den Monitor nicht lauffähig. Softwareseitig war mit Locomotive BASIC ein sehr mächtiges und das am Markt schnellste BASIC in einem 8 Bit Computer eingebaut. Der Amstrad CPC 464 hatte bunte Sondertasten. Dagegen hatte die deutsche Version von Schneider keine farblich abgesetzten Sondertasten. Wie langweilig.

Zurück zu Schneider. Als Amstrad einen Vertriebspartner in einem ihnen unbekannten Markt suchte, trat Schneider auf den Plan. Daraus entwickelte sich eine lange Vertriebspartnerschaft. Ab 1988 brachte die Schneider Computer Division mit dem Euro PC ihr erstes eigenes Produkt in den Markt. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Vertriebspartnerschaft zwischen Amstrad und Schneider beendet. Der CPC 464 wurde insgesamt zwei Millionen Mal verkauft.

Atari 260 ST

Als Jack Tramiel mit einem motivierten Team von Commodore-Ingenieuren Atari übernahm, wurde der Atari ST (für Sixteen Bit externer Bus, Thirty-two Bit interner Bus) in nur 5 Monaten entwickelt. Der Computer in meiner Sammlung mit dem Namen Atari 260 ST sollte eigentlich mit 256 KB RAM rauskommen. Der Atari 520 ST sollte 512 KB RAM und der Atari 1040 ST sogar 1024 KB RAM spendiert bekommen. Es hat sich aber herausgestellt, dass die vorgesehenen 256 KByte RAM niemals ausreichend für TOS und die Applikationen waren. So wurde der „kleine“ Atari 260 ST auch mit 512 KB RAM ausgestattet, aber ohne ROM. Dieses mußte zuerst von einem externen Diskettenlaufwerk geladen werden. Die STs mit mehr Speicherplatz hatten das ROM bereits auf dem Motherboard integriert. Sie starteten gleich mit dem hässlichen grünen Desktop, wenn ein Farbmonitor angeschlossen war.

Der Atari 260 ST gehört auch zu den breiten Computern in meiner Sammlung. Neben der Tastatur mit Ziffernblock gab es auch dazwischen Sondertasten mit Cursorblock. Aber er war nicht so tief wie die späteren STs, die Netzteil und Diskettenlaufwerk schon eingebaut hatten. Der Atari 260 ST erschien übrigens erst im Dezember 1985 zusammen mit dem Atari 520 ST+, die den Atari 520 ST ablösten. Es war wirklich “Power without the Price” und der günstigste Rechner dieser Serie war der Atari 260 ST.

Für mich persönlich war der Atari ST der Computer mit der längsten Benutzungszeit von mehr als 10 Jahren. Sogar meine Diplomarbeit habe ich auf diesem Computer mit TeX/LaTeX gesetzt. Meine Beziehung mit diesem Computer habe ich in einem anderen Beitrag in einer Interview-Form beantwortet.

Fazit

Als der Schneider CPC 464 auf den deutschen Markt kam, war ich noch auf den Sinclair ZX81 konzentriert. Die Übernahme von Sinclair durch Amstrad führte dazu, dass günstige Sinclair QL Modelle auf den Markt geworfen wurden. Diesen habe ich dann gekauft.

Den Schneider CPC 464 habe ich von einem Freund geschenkt bekommen. Der Atari 260 ST ist allerdings ein von mir lange gesuchtes Exemplar auf eBay. Im Vergleich zu meinem Atari Mega ST sieht und fühlt man schon, dass die Tastatur und das Gehäuse billiger verarbeitet ist.

Bei beiden Gehäusen sieht man allerdings den Versuch vom Billigimage der Homecomputer der frühen 80er Jahre wegzukommen. Die Tastaturen sind vollwertig und haben eine gute Qualität. Zusatztasten wie Ziffernblöcke, Funktionstasten und Cursortasten platzieren diese Computer optisch in die Klasse der PCs. Im Gegensatz zu den PCs war aber in dem Gehäuse die vollständige Computertechnik enthalten. Eventuell wurde Schneider dadurch zum Euro PC inspiriert, der auch ein Tastaturcomputer mit eingebauten Massenspeicher war. So einen suche ich noch für mein Computermuseum.

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