Dies ist ein Beitrag über eines der bemerkenswertesten Computerspiele, das ich vor knapp 40 Jahren gespielt habe. Nächtelang habe ich an dem Commodore C16 meines Bruders gesessen, um durch die 178 Bildschirme des Spiels zu laufen und zu springen. Diese hat der Spieleentwickler Udo Gertz in die knapp 16 KB RAM des C16 gepackt. Eine beeindruckende Leistung zur damaligen Zeit. Immerhin war der C16 wie alle Computer mit TED-Prozessor weniger leistungsfähig als der Vorfahre C64. Es handelt sich um das Spiel Tom von Kingsoft, einer deutschen Softwarefirma. Der Held Tom muss den Schatz in Manilos Pyramide finden.
Ich feiere mit diesem Beitrag auch vierzig Jahre Veröffentlichung der Commodore-Computer der 264-Serie. Diese sind der C16, der Plus/4 und der C116. Alle diese Computer wurden im Juni 1984 angekündigt und kamen in der Folge auf den Markt.

Der Weg durch Manilos Pyramide
Dabei läuft, klettert und springt er durch die dunkle Pyramide, er sucht Schlüssel, um Türen zu öffnen, muss merkwürdigen Wesen ausweichen oder sie überspringen. Immer wieder verschwindet der Boden unter seinen Füßen. Er sammelt Schatzkisten ein auf seinem Weg immer weiter nach oben.

Spiralen schiessen ihn mühelos mehrere Etagen nach oben. Tom muss das richtige Timing für Energiebarrieren herausfinden, damit er unbehelligt durchlaufen kann. Manchmal stechen Speere aus dem Boden nach unserem Helden. Auch hier ist Geduld erforderlich, um den Helden sicher weiterzubringen. Tempelwächtern mit ihren Speeren springt man auf den Kopf. So kommt man an diesen vorbei.

Manchmal rutscht Tom schiefe Ebenen herunter, nur um sich schnell der nächsten Gefahr anzunehmen. Laserstrahlen leuchten regelmäßig auf. Auch denen gilt es auszuweichen.
Wenn man einen Schlüssel gefunden hat, dann wird der Bildschirmrahmen blau und wenn man eine Tür aufgeschlossen hat, wechselt die Rahmenfarbe auf Schwarz. Die Motivation in diesem Spiel ist immer hoch. Man möchte immer weiter laufen, mehr entdecken, aber man darf sich keine Fehler leisten. Und immer muss man aufpassen, dass man den richtigen Weg nach oben findet. Manchmal glaubt man einen neuen Weg gefunden zu haben und stattdessen findet man sich wieder in einem Bereich, den man schon lange durchlaufen hat wieder. Mist.

Steuerung und Sound

Es gibt drei Sprungmethoden: einen senkrechten Sprung mit Laufmöglichkeit auf dem höchsten Punkt, einen hohen Sprung schräg nach vorne und einen schnellen flachen Sprung. Die muss man sicher zur richtigen Zeit und am richtigen Ort anwenden. Das Timing ist ganz wichtig. Es gilt den Rhythmus von den auftauchenden Hindernissen zu beobachten.

Und immer wieder hört man entweder die ikonische Tom-Melodie, oder im Wechsel dazu das Lauf- und Sprunggeräusch. Die Tom-Melodie ist ein Klassiker und ist mir selbst nach 40 Jahren noch im Gedächtnis geblieben. Ich gebe zu, auf Dauer ist sie nervig.

Mit vier Leben beginnt Tom. Es werden aber mehr. Viel zu schnell verliert man diese Leben wieder auf seinem Weg nach oben Richtung Manilos Schatz. Auch muss man immer bei der letzten geöffneten Tür beginnen, wenn man ein Leben verloren hat.
Das merkwürdige Ende des Spiels

Nach mehreren Stunden Spielspaß und 28 geöffneten Türen kommt man an eine Stelle, an der es einfach nicht mehr weitergeht. Eine Lanze ist auf einer Falltür platziert. Und da kann Tom einfach nicht von unten durchklettern. Auch ich bin dort angekommen, und habe mich damals gefragt, ob ich irgendwas übersehen habe.
Udo Gertz – Programmier-Magier am C16
Bi-direktionales sanftes Scrolling ist schon eine besondere Leistung auf einem der TED-Commodores. Der VIC-II des C64 war viel leistungsfähiger und einfacher zu programmieren. Obwohl ich in Quellen gelesen habe, dass der TED Hardwarescrolling konnte. Aber Sprites gab es nicht beim C16. Und trotzdem hat Udo Gertz das Spiel als absolutes Meisterstück auf diesem massiv eingeschränkten Computer entwickelt. Udo Gertz war einer von vielen freiberuflichen Programmierern, der für Kingsoft gearbeitet hat.
Neben der C16-Version hat er auch noch Versionen für den C64 und VC20 geschrieben. Aber Tom für den C16 bleibt sein Meisterstück. Wie konnte man in den knappen Speicher eine solch große Spielemap unterbringen? Das Spiel bot stundenlangen Spaß, guten Sound und Grafik. Leider, leider gibt es keinen finalen Raum mit dem Schatz des Pharaos Manilo zu finden. Sehr traurig.
In jedem seiner Programme hat sich Udo Gertz mit seinem Namen verewigt. Deswegen ist mir sein Name auch in Erinnerung geblieben. Und natürlich wollte ich wissen, was aus ihm geworden ist. Er scheint aber nicht zu wollen, dass man was über ihn erfährt, oder dass man ihn findet. Er soll heute in der Schweiz leben.
Mehr wissenswertes zu Tom von Kingsoft
Der Blog Videospielgeschichten.de schreibt auch über diesen Klassiker auf dem C16. Das Spiel kam 1984 über Kingsoft auf den deutschen Markt, erst 1986 wurde die englische Version unter dem Namen Tom Thumb von Anirog vertrieben. Auf der Seite von Videospielgeschichten.de gibt es auch die komplette Karte der Pyramide.
Die Musik zum Spiel auf dem C64 schrieb laut c64-wiki.de die Schwester von Udo Gertz: Brigitte Gertz. Wer sich die Noten anschauen will, der findet diese hier als pdf-Dokument. Die Musik für die C16-Version ist von Udo Gertz himself, die Laufgeräusche sind ähnlich wie in einem anderen Spiel des Programmierers: Ghost Town.
Ein schönes Interview mit Kingsofts Gründer Fritz Schäfer findet man in der Retro Gamer Spezial 2/2017. Dort wird nicht nur Tom und sein Entwickler Udo Gertz erwähnt, sondern auch die Top-Spiele der damaligen Zeit für die Commodore Computer C16 und Plus/4 werden vorgestellt. Ein Must Read für all diejenigen, die damals den ersten Aldi-Computer gekauft haben. Ja, der C16 wurde im Aldi gebündelt mit Datasette für 149 DM als „Computer-Lernkurs: Basic-Programmiersprache“ verkauft. Dieses Konzept war für Aldi so erfolgreich, dass sie dann in den folgenden Jahren immer wieder Computer über ihre Filialen verkauften. Später waren es aber dann PCs.
Auch mein Bruder hat 1986 bei Aldi dieses Packet gekauft.
Fazit
Tom von Kingsoft ist eine meiner ganz intensiven persönlichen Erinnerungen an Computerspiele aus dem Jahr 1986.

Der Commodore C16 kam genauso wie seine Brüder C116 und Plus/4 nach Juni 1984 auf dem Markt. Eigentlich wollte Commodore seinen Markterfolg mit dem C64 noch verstärken, indem sie die neue 264-Serie auf den Markt gebracht haben. Aber sie haben alles falsch gemacht, was man sich vorstellen konnte. Es gab keinerlei Kompatibilität mit dem C64. Keine Software konnte wiederverwendet werden. Die Speicherausstattung von 16 KB RAM für C116 und C16 war für damalige Verhältnisse einfach zu gering. Es konnten nicht die Standard-Joysticks verwendet werden. Der Plus/4 war mit seinem eingebauten Softwarepaket eigentlich sogar für den Business-Bereich gedacht. Aber die Software war einfach und nur schlecht.
Commodore hat diese Computer mit dem TED-Prozessor ausgestattet. Leider war dieser Prozessor nur als Sparmassnahme gedacht und hielt nicht lange durch. Die meisten Computer der 264-Serie sind heute defekt, weil der TED-Prozessor nicht mehr funktioniert.
Software-Magier wie Udo Gertz entwickelten auf diesen sehr eingeschränkten Computern magische Spiele wie Tom und Winter Olympiade. Schöne Erinnerungen haben mein Bruder und ich an durchgespielte Nächte mit dem C16 und Tom von Kingsoft.


wow!! 33Tom von Kingsoft auf dem C16 – 40 Jahre Kultspiel
ich hab immer gedacht bei Hunderttausend Punkten ist Schluß bei Tom…abernixda…… 😀