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Der Commodore 64 erobert die Welt

Lesedauer: 6 Minuten Der Commodore 64 ist eine 40 Jahre alte Industrieikone. In Deutschland hatte sie gefühlt jeder. Meine Erinnerungen zum Jubiläum des C64

Im August 1982, vor ziemlich genau 40 Jahren, kam der meistverkaufte Heimcomputer der Welt auf den Markt. Der Commodore 64, oder wie er auch oft genannt wurde, der C64 eroberte die Kinderzimmer dieser Welt.

Das Jahr 1982 war der Höhepunkt dieser Homecomputer-Zeit. Es kamen auch Ikonen wie der Sinclair ZX Spectrum und der Dragon 32 auf den Markt.

Die großartige Zeit der Homecomputer

Angespornt vom großen Erfolg dieser Computer kamen in den Folgejahren viele weitere Hersteller mit ihren neuen Produkten auf den Markt, konnten aber nicht mit Commodore und Sinclair mithalten. Nur Amstrad/Schneider waren ab 1984 in der Lage ihre Computer als Gesamtpakete mit Monitor noch in großen Stückzahlen zu verkaufen.

UK Verkaufscharts July 1983 bis Januar 1984 (Quelle: theregister.com)

Ach, was war der Markt doch damals bunt und vielseitig. Wie traurig sind die heutigen Wintel, Linux, Mac, Android und iOS Monokulturen. Der C64 war allerdings während seiner Bauzeit so dominierend im Bereich der 8Bit-Homecomputer, dass selbst der zweitmeistverkaufte Homecomputer, der Sinclair ZX Spectrum, weit abgeschlagen ist.

Es ist heute nicht schwer auf eBay und anderen Plattformen einen gut erhaltenen C64 zu bekommen. Es gab einfach so viele. Auf der Seite von Homecomputerguy gibt es eine großartige Beschreibung all der Variationen des C64, die gebaut wurden. Wer alles über diesen Computer wissen will, der ist auf seiner Webseite bestens aufgehoben. Ich möchte mit diesem Beitrag dem Commodore 64 zum 40. Geburtstag gratulieren und ein paar persönliche Erfahrungen einstreuen.

Was machte den C64 so besonders?

Die Spezialchips VIC-II für Grafik und SID für Sound sorgten dafür, dass Commodore einen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz hatte. Der VIC-II sorgte unter anderem für die Hardware-Sprites und der SID für den Mehrkanal-Sound. Diese Chips entstanden in der Prozessorschmiede MOS Technology, die von Commodore im Jahr 1976 übernommen wurde.

Außerdem hatte der C64 üppige 64KB RAM. Dieser Speicher war sogar vollständig adressierbar. Extra für schnelle Speicheroperationen gab es den 6510-Prozessor von MOS, anstelle des 6502. Der Prozessor konnte die Memory-Map des Computers durch Bank Switching umschalten. Die meisten Konkurrenten hatten maximal 48 KB RAM zu bieten (Sinclair ZX Spectrum, Oric, Atari 800 XL). Von diesen waren beim Anschalten des C64 noch 38911 Bytes free. Jeder erinnert sich heute noch an genau diese Meldung auf dem Bildschirm.

Startbildschirm des C64 (Quelle: gamestar.de)

Ein Monitor-Anschluss war neben einem TV-Anschluss auch vorhanden. Damit konnte der C64 ein sehr gutes Bild auf einem hochwertigen Farbmonitor (z.B. Commodore 1702) anzeigen. Aber man konnte auch günstig starten und den Computer an den Heimfernseher anschließen.

Zwei Joystick-Ports für den damaligen Joystick-Standard von Atari hatte man dem Rechner auch spendiert. Und als Sinclair-Jünger habe ich immer neidisch auf die hochwertige Tastatur geschaut, die im Brotkasten verbaut war. Eine Designikone war dieser Computer wirklich nicht. Die später folgenden Gehäusevarianten würde ich auch eher als zweckmäßig bezeichnen.

Das BASIC V2 von Microsoft war sehr eingeschränkt und bot keine speziellen Grafik- und Soundbefehle. Deswegen waren später BASIC-Erweiterungen wie Simons‘ BASIC sehr gefragt. Ich selbst habe im Computerlabor meiner Schule damit programmiert.

Aber dieses Paket „Commodore 64“ war einfach rund und war damit ein voller Erfolg.

Preislich war die Kombination des C64 mit Floppy und Monitor sehr teuer. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Homecomputern dieser Zeit waren dies Alleinstellungsmerkmale.

Was machte den C64 erfolgreich?

Es war die Software, die den C64 zum Erfolg machte. Damals hatte gefühlt jeder diesen Computer und man teilte die Software auf dem Schulhof mit seinen Freunden. Jeder C64-Besitzer hatte große Sammlungen von Disketten in langen Diskettenboxen.

Es wurde in großem Stil raubkopiert. Damals hatte man kein Verständnis für die Nöte der Softwarefirmen, die ein Mehrfaches der damaligen Softwarevertriebszahlen hätten erreichen können. Aber andererseits ist erst durch diese massive Softwareverfügbarkeit der C64 so viel verkauft worden. Erst dadurch ist ein großer Softwaremarkt entstanden. Hier begannen die Zeiten der Raubkopierer und der Cracker.

Wie neidisch war ich damals mit meinen Sinclair ZX81 oder Sinclair QL auf die ganzen C64 Kids. Auch hatten sie mit den Floppy-Laufwerken vernünftige Massenspeicher, während ich mit Kassetten und Microdrives rumhantierte. Zwar war die Floppy 1541 notorisch langsam, aber dies war die Zukunft. Manche hatten Diskettenbeschleuniger wie SpeedDOS im Einsatz, was dieses Problem wirksam bekämpfte.

Und die Software setzte die Fähigkeiten der Spezialchips des C64 richtig gut in Szene. Selbst 40 Jahre später gibt es noch Softwareentwicklungen, die versuchen alle Features (auch die nicht-dokumentierten) von VIC-II und SID auszunutzen.

Ich selbst hatte keinen C64. Mein Bruder hat allerdings seinen C64 von meinem Schulfreund (Hallo King Mike) gekauft. Was hatten wir Spaß mit all der geilen Software. Es war eine tolle Zeit.

Vor ein paar Jahren habe ich schon mal einen Beitrag zu Commodore geschrieben und dabei auch begründet, warum ich selbst keinen C64 in meiner Computersammlung habe. Viel Spaß beim Nachlesen.

Was ist das Erbe des C64?

Anfang 1983 konnten auch die Deutschen den Computer kaufen. Damals kostete er knapp 1400 DM. Bereits ein Jahr später waren die Preise schon auf unter 700 DM gesunken. Der Preiskampf im Homecomputermarkt mag auch den Zusammenbruch des Videospiel-Marktes beschleunigt haben. Die meisten Software-Firmen, die für Ataris VCS entwickelt hatten sprangen auf den C64-Zug, der mit Volldampf weiterfuhr. Alleine 500.000 C64 wurden zu Weihnachten 1983 verkauft. Commodore Deutschland hat sogar zum 1.000.000sten in Deutschland verkauften C64 eine goldene Kleinserie aufgelegt und an Journalisten verteilt. Das sind heute gesuchte Sammlerstücke in der Retrogemeinde.

Der C64 wurde noch bis zum Bankrott von Commodore im April 1994 verkauft. Vor allem in Europa war er sehr gefragt. Er war auch immer noch profitabel für die Firma. Angeblich wurden 12,5 Millionen C64 in allen Varianten verkauft. Ich kann mich noch an die Aldi-Angebote erinnern, die damals auftauchten.

Auf dem C64 entwickelte sich die Demo-Szene, die spektakuläre Software-Demos auf diesem kleinen Computer entwickelte. Dies ist Digitale Kunst.

Corona-beeinflusste Demos auf dem C64 (Quelle: Vintage Is The New Old auf YouTube)

Der SID erzeugte einen Sound, der auch heute noch besonders ist. Meine Güte, war das ein Erlebnis, als ich damals das erste Mal die Ghosts’n Goblins Musik auf dem C64 hörte.

Ghosts‘n Goblins (C64) Main Theme (Quelle: cheetahman91 auf YouTube)

Nach seinem Produktionsende gab es mehrere Versuche aus der Retroszene den C64 wieder neu zu beleben. Der C64 mini von 2018 ist ein relativ neuer Versuch von Retro Games. Vom selben Hersteller gibt es auch einen C64 Maxi mit großem Gehäuse. Spiele erscheinen immer noch neu sowohl als physikalisches Medium als auch in digitaler Form. Es gibt wirklich eine rege Retro-Szene um den C64. Die ZZAP 64 ist als Printmedium wieder erschienen.

Im Jahr 2020 hat ein Kollege von mir nochmal seinen C64 aufgebaut, um die Erstellung eines Briefes mit GEOWrite von vorne bis hinten durchzuexerzieren. Was für ein Abenteuer damals und auch heute unter GEOS. Ich habe über dieses C64 Re-Enactment einen ausführlich bebilderten Beitrag geschrieben. Vielen Dank, lieber Jörg für diese tolle Retrocomputing-Geschichte.

Fazit

Der C64 war ein Computer for the masses, not the classes. So hat es Jack Tramiel, der damalige Commodore Chef ausgedrückt. Genauso wie es der Sinclair ZX Spectrum in England vorgemacht hat, hat der C64 viele Coder hervorgebracht, die heute in der Welt der IT wichtige Rollen wahrnehmen.

Happy Birthday, lieber Commodore 64, zum 40. Geburtstag. Du bist gut gealtert. Du wirkst immer noch jung heute.

2 comments

  1. Hallo Andreas, danke für die schönen Erinnerungen an den Brotkasten! Ist das jetzt auch schon wieder 40 Jahre her? Wow! Die Zeit vergeht wohl auch deshalb so schnell, weil uns der C64 im Grunde die ganze Zeit begleitet. Wie du es ja selbst beschreibst, gibt es immer noch Software, Demos, Erweiterungen, etc., damit uns auch nach 40 Jahren nicht langweilig wird mit den alten 8-Bit-Kisten. Danke auch wieder für das Verlinken 😉

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