Computermuseen – oder was passiert mit unserer Sammlung, wenn wir nicht mehr sind

Schon lĂ€nger wollte ich ĂŒber Computermuseen in Europa schreiben, da diese sich dem Erhalt der Erinnerungen und GerĂ€te unserer Jugend verschrieben haben. Genauso wie andere das privat machen, wie z.B. viele Mitglieder des Vereins zum Erhalt klassischer Computer e.V. (VzEkC).

Mein Computermuseum
Mein Computermuseum

Auch ich habe jetzt auf der Seite des Vereins mit den Sammlungen der Mitglieder (Link) einen Link auf mein Computermuseum (Link) veröffentlichen lassen und zeige damit fĂŒr die Mitglieder und Besucher ganz öffentlich auf, welche SchĂ€tzchen sich in den letzten Jahren bei mir angehĂ€uft haben.

Ähnlich wie die anderen Kollegen habe ich meine nostalgischen und verklĂ€rten Erinnerungen an Computer und das Hobby der letzten 40 Jahre in Taten umgesetzt und dabei ein reales und virtuelles Computermuseum aufgebaut. Und wie ein Schock hat mich ein Forumbeitrag (Link) im Forum des Vereins, gestartet von Wolfgang_A, getroffen:

Was passiert mit der Sammlung, wenn der Super GAU eintritt? Genauer gesagt: was passiert mit unserer Sammlung, wenn wir verstorben sind? Oder auch im Fall, wenn wir kein Interesse oder keine Möglichkeit mehr haben, uns weiter um unsere Sammlung zu kĂŒmmern.

Ein interessanter Gedanke, den ich ich mir auch schon gestellt habe, aber noch keine Antwort darauf gefunden habe. Viele Argumente, die die Kollegen in diesem Thread dann gebracht haben, hÀtte ich auch so gebracht.

Die Angehörigen (Frau) stehen alleine da! WĂ€re es nicht schön wenn der Verein da Hilfe leisten könnte? Wenn ein jĂŒngeres Mitglied sich zur Hilfe bereit erklĂ€ren wĂŒrde um Ansprechpartner fĂŒr die Angehörigen zu sein. Ich fĂ€nde es toll wenn meine Frau eine Tel.-Nr. zur Hilfe hĂ€tte und nicht alleine dastehen mĂŒsste, …

Wolfgang_A im VzEkC-Forum

Meine Frau (inkl. Kinder) wĂŒrden keine Ansprechpartner im Forum kennen … und wĂŒrden den „Wert“ der Sammlung nicht einschĂ€tzen können, ebay ist ihr relativ fremd, die Kinder weit weg. Also hier wĂŒrde wohl alles auf den Wertstoffhof/Container wandern.

rechnerfreak im VzEkC-Forum

Also ich habe bereits vor einiger Zeit verfĂŒgt, dass alle Computer- und Retrosachen einem bestimmten Vereinsmitglied ĂŒbergeben werden. Dieses Vereinsmitglied darf davon behalten, was es möchte und der Rest soll dann dem Verein gespendet werden. Meine Erben haben sich gewĂŒnscht, dass sie die ganzen Sachen auf keinen Fall, weder einzeln noch komplett, bei eBay verkaufen mĂŒssen, sondern einfach alles an eine Person ĂŒbergeben können, die sich dann darum kĂŒmmert, dass die Sachen in gute HĂ€nde kommen.

Antikythera im VzEkC-Forum

Ich finde die Frage sehr berechtigt, weil ich Single bin. Mögliche Erben betrachten manche mĂŒhsam zusammengetragene Sammlung als Edelschrott und versenken sie im MĂŒll. UnabhĂ€ngig vom möglichen Wert gehen da womöglich kostbare Hardware, Software und Infos fĂŒr immer verloren. Der Verein, da nicht erbberechtigt, kann da kaum helfen. Mein Appell wĂ€re da eher an die Sammler: VerfĂŒgt, dass die GerĂ€te an ein Museum oder einen befreundeten Sammler gehen.

willers im VzEkC-Forum

Ich wĂŒrde erstmal alles katalogisieren/einsortieren/digitalisieren. Eine Lebensaufgabe, wenn man so will. Digitale Inhalte werde ich sofern möglich allen zur VerfĂŒgung stellen oder als digitale Sammlung/Collection, bspw archive.org, spenden (bin dran). – Die harte Ware (HW+Medien+Literatur) dann verteilen, bspw. ĂŒber Testamentsfestschreibung, an renommierte Computer-Museen, ggf auch Vereine mit einem Ziel zum Erhalt. 

escimo im VzEkC-Forum

Laßt es mich mal auf den Punkt bringen.

Eine Sammlung, egal welcher Art, ist immer eine sehr persönliche Entscheidung etwas zu sammeln, was einem frĂŒher wichtig war und wo man die Erinnerung an diese Zeiten bewahren möchte. Diese Begeisterung kann man den folgenden Generationen nicht vermitteln. Vor allem, weil jede Generation ihre eigenen prĂ€genden Erfahrungen und Erinnerungen in der Jugend aufbaut und diese wieder ganz anders sind, als unsere eigenen. Selbst die Lebenspartner und Freunde, obwohl im selben Alter, sind anders sozialisiert worden und haben ganz andere Schwerpunkte in ihrem Leben entwickelt.

Ich selber habe meine Motivation und die anderer Sammler in einem Artikel (Link) beschrieben.

Aber ich habe mich noch nicht mit dem Gedanken beschĂ€ftigt, was mit meiner Sammlung in der Zukunft passieren wird. Ich selbst bin Anfang 50 und werde mich wahrscheinlich auch die nĂ€chsten 20 Jahre intensiv damit auseinandersetzen. Aber dann ist mit Sicherheit die „Nachfolge“ zu klĂ€ren, wie es so schön heißt.

Nachfolgeregelung

Ich kann mir mehrere Szenarien vorstellen:

  1. Sammlung irgendwann selbst verkaufen, z.B. ĂŒber eBay. Aber ganz ehrlich gesagt, wĂŒrde ich nicht vermuten, daß man das Geld wiederbekommt, was man selbst in diese GerĂ€te gesteckt hat. Nur solange auf diesem Markt eine Nachfrage besteht, wie in den letzten 10 Jahren und wahrscheinlich noch in den nĂ€chsten 10 Jahren, wird man KĂ€ufer finden, die einen angemessenen Betrag dafĂŒr bezahlen werden. Der Markt setzt sich aus anderen Enthusiasten gleichen Alters und aus Spekulanten zusammen, die immer Rendite-Möglichkeiten suchen. Ich persönlich habe mir mal ausgerechnet, daß der Wert meiner Sammlung laut eBay um 56% gestiegen wĂ€re. Das könnte fĂŒr Spekulanten eine interessante Wertanlage sein.
  2. Sammlung wegschmeißen. Wegen all der PlastikgehĂ€use und Umweltgifte in den Bauteilen mĂŒssten diese im Wertstoffhof entsorgt werden. Transport und Entsorgung wĂ€ren damit die Kosten, die man selbst tragen mĂŒĂŸte. Aber da man so sentimentale GefĂŒhle fĂŒr diese StĂŒcke hat, ist dies das letzte Szenario, was man selbst als Sammler wĂ€hlen wĂŒrde. Es sei denn, diese Entscheidung wird erzwungen. Furchtbare Vorstellung.
  3. Sammlung verschenken oder als Spende weitergeben. Das hört sich fĂŒr mich nach der wahrscheinlichsten Möglichkeit an, die ich persönlich wĂ€hlen wĂŒrde. Ich habe schon einige ForenbeitrĂ€ge gesehen, in denen andere Vereinsmitglieder ihre Sammlungen aufgelöst haben und diese den Foren-Teilnehmern angeboten haben.

Neben potentiellen Interessenten im VzEkC wĂŒrde ich natĂŒrlich auch etablierte Computermuseen anschreiben, die am ehesten personell gut ausgestattet sind, um eine solche Übernahme zu machen.

  • Heinz Nixdorf Forum in Paderborn: die Kontaktdaten zeigen mehrere Museums-Kuratoren auf;
  • Binarium in Dortmund: ein sehr engagiertes Team rund um Christian Ullenboom kĂŒmmert sich um die Sammlung (Link);
  • Computermuseum Oldenburg: die Organisatoren (Link) arbeiten eng mit der Stadt Oldenburg und anderen Sponsoren zusammen. Auch wenn das Museum wegen Corona noch geschlossen ist, so ermöglichen sie doch virtuelle Touren (z.B. heute um 18:30 in Facebook) fĂŒr jedermann
  • The Centre for Computing History: fĂŒr meine sehr anglophilen SammlungsstĂŒcke ist dieses Museum mit Sicherheit am besten geeignet und sie nehmen Donations an (Link)
  • Apple Museum in Prag: bereits sehr vollstĂ€ndige Sammlung von Apple-Produkten. Donations mit dem Apfel-Logo können gerne an dieses Museum geschickt werden. Kontaktaufnahme ĂŒber diese Email-Adresse: info@applemuseum.com

Welche weiteren Computermuseen fallen euch denn ein? Was wĂ€ren noch weitere potentielle Interessenten fĂŒr die Übernahme einer solchen Sammlung?

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