Desktop-Virtualisierung

Privat nutzen wir eigene Hardware, OS und Software, um am Digitalen Leben teilzuhaben. Im beruflichen Leben gibt es mehrere Konzepte, wie man auf Firmenressourcen zugreifen kann.

Einerseits kann eine Firma einem einen Computer zur Verfügung stellen. Auf dem sind OS und Software installiert und der Rechner ist so konfiguriert, daß er sich sicher ins Firmennetzwerk einbinden kann und auf Firmendaten zugreifen kann. So macht das meine Firma.

Andererseits kann eine Firma einem ein dummes Netzwerkterminal hinstellen, das im Firmennetzwerk angemeldet ist und sich über das Netz alle Informationen holt. Das Terminal, oder auch NetPC genannt, stellt nur einen Desktop auf dem Bildschirm dar, der auf Terminalservern als virtueller Desktop läuft. So habe ich das über mehrere Jahre bei einem Kunden erlebt.

Auch das Onboarding von neuen Mitarbeitern oder Externen Mitarbeitern wird einfacher, da diesen nicht mehr ein eigener Rechner bereitgestellt werden muß, sondern nur ein sicherer Login, der auf jedem Computer innerhalb des Firmennetzwerks genutzt werden kann.

Für mich persönlich war die Erfahrung mit den virtualisierten Desktops großartig. Nie hätte ich mir vorstellen können, daß ein „gestreamter“ virtueller Desktop eine befriedigende und performante Arbeitsumgebung sein könnte. Vor allem ist der Wechsel auf einen anderen Rechner in einem anderen Gebäude herrlich unkompliziert. Und während der Corona-Zeit waren der VPN-Zugriff vom Home Office auf die virtualisierten Desktops trotz langsamer 16MBit-Datenanbindung ausreichend performant.

Schon einmal habe ich mit einem Hochperformance-Virtual Desktop von Shadow.tech gearbeitet (Link). Damals wurde versprochen, daß aktuelle Spiele auf einem entfernten Rechner ablaufen und mit höchster Qualität nach Hause gestreamt wird. Aber gerade bei Spielen sind kurze Aussetzer problematisch und deshalb stand ich der Lösung ein wenig reserviert gegenüber.

Aber Desktop-Virtualisierung ist nur die moderne Inkarnation der Mainframe-Computer der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, über die mit Terminals auf gesharte Ressourcen des Großrechners zugegriffen wurde.

Welche Desktop-Virtualisierungslösungen gibt es am Markt?

Drei große Desktop-Virtualisierungslösungen gibt es von Citrix, VMware und Microsoft. Diese werden entweder von diesen Firmen direkt vertrieben, oder über Cloud-Anbieter wie AWS, Google oder Microsoft als Desktop-as-a-Service (DaaS) angeboten. Microsoft führt den Markt mit Windows Virtual Desktop (WVD) an.

Microsoft beschleunigt den Desktop-as-a-Service-Markt durch WVD

Oder natürlich werden diese Lösungen in Firmen-Rechenzentren installiert und die Ressourcen können dann gut skalierbar an Mitarbeiter verteilt werden.

Alle Lösungen basieren seit Mitte der 2010er-Jahre auf der Virtual Desktop Infrastructure (VDI) und erlauben dieselben Funktionalitäten. Sie unterscheiden sich wahrscheinlich nur in wenigen Features. Grundlage dürfte bei allen Lösungen ein lokaler Client sein, der die Kommunikation mit den Terminal Servern herstellt und absichert. Kein volles Desktop-OS ist mehr erforderlich, sondern ein auf Sicherheit, Verwaltbarkeit und Netzwerk- oder Cloud-Zugriff optimiertes OS.

Ich selbst habe jetzt Erfahrung mit der Citrix-Lösung gemacht. Dort wird eine Software namens CitrixReceiver entweder auf einem Windows PC oder einen Mac geladen und gestartet. Nach einer kurzen Konfiguration ist man dann in der Lage sich mit den Terminalservern zu verbinden und die Verbindung aufzubauen.

Mein Kunde setzte noch eine virtualisierte Windows 7 Desktopumgebung ein. Auf einem Windows-PC ist die Bedienung und die Arbeit mit dem virtualisierten Desktop einwandfrei. Dort wird abgesichert, daß alle Tastatureingaben nur an den virtualisierten Desktop gehen und nicht an das Wirtssystem.

Dies ist aber das große Problem auf dem Mac. Da es dort andere Tasten (z.B. die CMD-Taste) und ein anderes Tastaturlayout gibt, werden Tastaturkombinationen wie CMD-TAB (Wechsel der Applikation) an das Mac OS weitergeleitet, obwohl in die nächste Windows App auf dem virtualisierten Desktop gewechselt werden sollte. Mir ist es nie gelungen, mit den Einschränkungen auf dem Mac zuverlässig zu arbeiten. Ich mußte meine Workflows massiv umstellen und das habe ich nach kürzester Zeit aufgegeben.

Meine Firma stellt mir ein Laptop mit Windows 10 zur Verfügung, und darüber läuft der virtualisierte Desktop zuverlässig, wie man es mit einem Windows-System gewohnt ist.

Sieht so die Zukunft aus?

Virtueller Windows 7 Desktop basierend auf Citrix Technologie
Virtueller Windows 7 Desktop basierend auf Citrix Technologie

Ich persönlich kann mir gut vorstellen, daß dies die Zukunft sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld ist. Ich persönlich möchte mich nicht mehr darum kümmern, meinen Rechner, dessen OS und die Applikationen regelmäßig aktuell halten zu müssen. Ich brauche nur ein dummes Terminal und ausreichende Connectivity, um auf meine entfernten Ressourcen, wie Desktop, Apps und Daten zugreifen zu können. Dazu standarisierte Eingabe- und Ausgabegeräte, so daß ich nicht die Bedienungsprobleme bekomme, wie ich sie oben beschrieben habe.

Außerdem habe ich auf diese Weise in vielen Fällen sehr viel leistungsstärkere Prozessoren und Grafikkarten im Einsatz. Natürlich könnte das von den Anbietern über den Preis geregelt werden. Je mehr man zahlt, um so mehr MIPS und FPS bekommt man dann angeboten.

Da immer mehr in der Cloud läuft (Link) und wir mit immer mehr Usern in geteilten Umgebungen arbeiten, benötigen wir kaum mehr eigene Rechnerinfrastruktur, OS und Applikationen lokal installiert.

Was natürlich dazu führen wird, daß ich bald keine sammlungswürdige Computer mehr für mein Computermuseum finden werde, wie ich das in diesem Artikel (Link) mal dokumentiert habe.

Für Firmen kann sich dies als Segen erweisen, da sie sich nicht mehr um Gerätemanagement und die Aktualisierung der Hardware, des OS und der Applikationssoftware auf den Endgeräten der Mitarbeiter kümmern müssen. Natürlich ist es aber doch nicht so einfach. Auch bei Virtuellen Desktops muß man sich weiterhin Gedanken darüber machen, welches Betriebssystem wann ausgerollt wird, welche Firmenapps auf dieser Umgebung laufen, welcher Benutzer welche Applikationen speziell zugeordnet bekommt. Und die NetPCs haben ja auch ein Leasing-Ende oder sonstiges Verfallsdatum und müssen ggfls. durch neuere Geräte ausgetauscht werden. Aber eine Standardisierung sollte mit diesem Ansatz besser möglich sein als das, was wir in den letzten 20 Jahren mit dem Gerätemanagement von Desktop- und Laptop-Geräten erlebt haben.

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.