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Vintage Computing Festival Berlin 2020 – eine Computermesse in Corona-Zeiten

Das Vintage Computing Festival Berlin ist einmal im Jahr eine großartige Plattform für das Retrocomputing-Publikum

Dieses Wochenende fand die virtuelle Veranstaltung „Vintage Computing Festival Berlin (VCFB) 2020“ statt. Unter dem Einfluss von Corona konnte man sich nicht wie üblich in den Vorjahren im Deutschen Technikmuseum in Berlin treffen.

Aber die Struktur konnte doch beibehalten werden. Es wurden Ausstellungen präsentiert und es gab Vorträge und Workshops wie in den Jahren davor. Lediglich die Form der Präsentation wurde komplett remote über Streams und interaktive Videokonferenzen realisiert.

Das Programm des Vintage Computing Festival 2020 - ein virtuelles Programm
Das Programm des VCFB 2020

Der Stream

Der Stream ist meiner Meinung nach die wichtigste Einrichtung des VCFB im Jahr 2020. Im Grunde kann der virtuelle Besucher dort der zentralen Agenda des VCFB 2020 folgen. Entlang dieser Agenda kommt ein Vortrag nach dem anderen und wird dort gestreamt.

Diesen Stream haben die Organisatoren der Veranstaltung meiner Meinung nach auf ihrer Webseite www.vcfb.de/2020 nicht ausreichend in den Vordergrund gestellt. Ich bin am 10.10. noch davon ausgegangen, dass man auf den „Vorträge und Workshops“ Bereich gehen muss, und dort auf die einzelne Veranstaltung klickt. Tatsächlich sind in den Veranstaltungsbereichen dann nur die Links auf die nachträgliche interaktive Session mit dem Vortragenden zu finden.

Das hat leider dazu geführt, dass ich nicht den Vorträgen im Stream gefolgt bin, sondern in den Home Rooms gewartet habe, auf dass endlich die Veranstaltung losgeht. Erst am 11.10. morgens wurde ich durch den Vortragenden des HNF freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass ich zuerst in den Stream gehen muss. Vielen Dank für den Hinweis. Hoffentlich war ich einer von sehr wenigen, die dieses Konzept nicht richtig verstanden haben 😀

Die interaktiven Videokonferenzen

Dies war für mich der beste Teil dieser virtuellen Veranstaltung. Sowohl in Workshops als auch in Ausstellungen konnte man über das Videokonferenzsystem mit den Vortragenden interaktiv in Kontakt treten. Man konnte sowohl über Chat, als auch über Ton und Bild sich an diesen Veranstaltungen beteiligen.

Und die Vortragenden nutzten diese Möglichkeit sehr gerne, um mit ihren Besuchern in Kontakt zu kommen.

Ich habe die Veranstaltungen gerne genutzt, um entweder nach dem Stream mit dem Vortragenden in Kontakt zu treten, oder bei den Ausstellungen mit den Ausstellern zu kommunizieren. Einfach großartig, da dort immer direkt auf die Fragen der Teilnehmer eingegangen wurde und ein interessanter Dialog geführt werden konnte.

Auch interessante Persönlichkeiten wie z.B. Dr. Dr. Stefan Höltgen, ein Medienwissenschaftler und Informatiker aus Berlin, konnte man dort treffen und sprechen. Ich konnte ihm sagen, dass mich seine Doktorarbeit „OPEN HISTORY – Eine Archäologie der frühen Mikrocomputer und ihrer Programmierung. (Diss., Dr. rer. nat.). Berlin 2020 (DOI: 10.18452/21165)“ sehr interessiert hat und ich bereits in einem Blogbeitrag darüber geschrieben habe. Für all diejenigen, die Schwierigkeiten hatten mit den manchmal medienphilosophischen Inhalten der ersten Kapiteln, hatte er die Empfehlung bereit, dass man sich zuerst die Schlusszusammenfassungen im Kapitel 6 durchlesen sollte 😉

Fazit

Während ich diese Zeilen schreibe läuft die Veranstaltung noch. Ich will noch der ab 14 Uhr laufenden Fragestunde zu Technikmuseen und Sammlern folgen und ab 16 Uhr an der Führung durch das Oldenburger Computer-Museum (OCM) teilnehmen. Diese Veranstaltung des OCM findet „normalerweise“ während der Corona-Zeit jeden Dienstag ab 18:30 als Facebook-Stream auf deren Facebook-Seite statt. Nur diese Woche haben sie diesen wegen ihrer Teilnahme am VCFB 2020 nicht durchgeführt.

Das Format als virtuelle Konferenz fand ich hervorragend umgesetzt. Gerade die Ausstellungen haben von dem Konzept sehr profitiert, weil die Aussteller life aus ihren Ausstellungen streamen konnten und die Teilnehmer damit einen kompletten Eindruck erhalten konnten. Bei richtigen Präsenzveranstaltungen kam der Aussteller meistens mit ein paar wenigen Exponaten vor Ort. Sehr gelungen und mit Sicherheit eine Verbesserung für zukünftige Veranstaltungen.

Allerdings ist die Anzahl der Teilnehmer noch sehr überschaubar. Während die Vortragenden die technischen Möglichkeiten schon sehr gut ein- und umsetzen, haben viele Personen aus der Vintage Computing-Szene noch nicht den Zugang über Computer, Browser und moderne Kommunikationsmethoden gefunden. Das überrascht, da doch alle sehr Technologie-affin sind. Aber viele sind auch älter und nutzen diese virtuellen Kommunikationsmethoden eher selten.

Vielleicht ist aber in solchen Communities auch das physikalische Treffen und der direkte persönliche Austausch mit Menschen wichtiger, als die reine Kommunikation über technische Themen.

Ich bedanke mich bei den Veranstaltern für diese großartige Umsetzung der VCFB 2020 in Corona-Zeiten.

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