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Hörakustik und Computertechnik? Fallstricke in der Konfiguration

Hörakustik und Computertechnik muß der moderne Hörakustiker als Fähigkeiten vereinen. Die neuen Hörsysteme erfordern diese Kenntnisse

Die Einbindung von Made for iPhone (MFi) zertifizierten Hörsystemen in Apples technisches Ökosystem ist eine unglaubliche Erleichterung für den Höreingeschränkten im Umgang und in der Nutzung von Hörsystemen. Hier kommen allerdings Hörakustik und Computertechnik zusammen und fordern den Hörakustiker und seine Kunden in der Konfiguration heraus.

Deshalb konnte ich bei der Anpassung meines persönlichen Hörsystems Signia Active Pro einige Fallstricke erleben, die sich in der schönen neuen Welt digitaler Hörsysteme ergeben können.

Der Hörakustiker wird immer mehr zum Computertechniker. Er muss es sein, da er die heutigen digitalen Hörsysteme nur noch über einen Computer konfigurieren kann. Die alten analogen Hörgeräte konnte der Hörakustiker noch mit viel Fingerspitzengefühl und einem feinen Schraubendreher einstellen.

Aufsetzen eines neuen Signia Active Pro

Ich habe mich nach einer knapp zweimonatigen Test- und Eingewöhnungsphase für die Signia Active Pro in der schwarzen Ausführung entschieden. Nachdem die bestellten Geräte angekommen waren konfigurierte mir der Hörakustiker die Hörsysteme in einem Termin.

Zuerst verbindet er seine PC-Software Connexx mit der Noah Link Wireless Programmierschnittstelle. Danach ruft er meine Kundendaten mit den gespeicherten Einstellungen von meinem bisherigen Testsystem auf. Dort sind mein Audiogramm und alle bis dahin erfolgten persönlichen Anpassungen gespeichert.

In dem Moment wo sich die PC-Software und die Hörsysteme über den Noah Link per Bluetooth verbinden, könnte man dann diese Einstellungen vom alten auf das neue System übertragen. Aber da sieht die heutige Computertechnik manchmal noch einen zusätzlichen Schritt vor.

Fallstrick 1: Firmware Update

Technische Geräte haben heutzutage eine Firmware, die die Hardware über Software zugänglich macht. Diese Firmware kann die Connexx-Software aktualisieren, wenn z.B. Signia Softwarefehler der Hörsysteme korrigieren muss, oder neue oder verbesserte Funktionalitäten der Hardware ermöglichen will. Firmware-Updates sind eher selten. Aber sie sind ein Zeichen von Produktpflege durch den Gerätehersteller und sind daher zu begrüßen.

Im Falle meiner neuen Hörsysteme Signia Active Pro war dies genau in dem Moment fällig, wo sie sich erstmals über die Noah Link Wireless Programmierschnittstelle mit der PC-Software verbanden.

Firmware-Updates können manchmal richtig schief gehen. Geräte können bei einem Abbruch manchmal unbrauchbar sein. Der Hersteller muss diese dann neu aufsetzen. Ich habe einen Heidenrespekt vor Firmware-Updates und versuche einen endlos dauernden Updateprozess nicht ungeduldig zu unterbrechen.

Bei meinen Hörsystemen funktionierte tatsächlich der erste Versuch nicht und der Hörakustiker wagte einen zweiten Versuch, der anscheinend erfolgreich war. Auch die Konfigurationsdaten des alten Hörsystems konnte er dann übertragen. Die Geräte waren einsatzfähig.

Fallstrick 2: Verbindung mit dem iPhone

Ein MFi-zertifiziertes Hörsystem wie das Signia Active Pro bindet sich als Hörhilfe in den Bedienungshilfen des iPhones ein. Wenige Sekunden nach der Bluetooth-Verbindung sind in den Hörhilfen-Einstellungen sowohl die verbleibende Akkuladung sichtbar, als auch die konfigurierten Hörprogramme auswählbar.

Als nächsten Schritt verbindet man noch die Signia App über Bluetooth. Damit sind dann zusätzliche Features wie die Ausrichtung der Mikrophone in den Hörsystemen steuerbar. Auch den Maskenmodus kann man konfigurieren. Eine Funktionalität, die in Zeiten von Corona sehr hilfreich ist. Außerdem ermöglicht der Signia Assistant eine Benutzer-spezifische Konfiguration des Hörsystems ohne den Hörakustiker.

Als willkommenes Zusatzfeature aus der MFi-Zertifizierung kann man die Signia Active Pro komfortabel über die Apple Watch steuern. Sehr praktisch, weil man die Watch immer im direkten Zugriff hat, um die Hörprogramme umzustellen.

Mit den Testgeräten, die ich vorher nutzte hat das auch bestens funktioniert. Allerdings nicht mit meinen neuen Hörsystemen. Was war passiert? War das Firmware-Update das Problem?

Keine Steuerung über die Apple Watch möglich – Panik

Bei meinem ersten Signia Active Pro konnte ich die Steuerungsfunktion auf der Apple Watch perfekt nutzen.

Und jetzt die große Enttäuschung auf den neuen Hörsystemen. Nachdem der Hörakustiker sie für mich angepasst hatte und ich sie mit dem iPhone als Hörhilfe verband, sah ich auf der Apple Watch

  • keine Akkulevel-Anzeige,
  • keine Auswahl von Hörprogrammen.
Warum kann ich hier nichts einstellen? Was ist bei der Konfiguration schiefgegangen?

Und da war ich nun. Ich hatte ein Hörsystem, das mich in Konversationen perfekt unterstützte. Und eine liebgewonnene, aber weniger wichtige Funktionalität konnte ich nicht mehr nutzen. Ich wollte aber die Hörsysteme über die Apple Watch steuern. Ich musste was tun.

Problemlösung

Eine Störung muß in unserer heutigen digitalisierten Welt gemeldet werden – idealerweise in einem Ticketsystem. In diesem Fall nimmt Signia keine Fehlermeldungen von Hörsystemträgern entgegen. Der Signia Kundenservice spricht nur mit den Hörakustikern. Das sind die wahren Kunden von Signia.

Ich habe eine Mail mit meiner Fehlerbeschreibung und Screenshots von der Apple Watch (siehe oben) an meinen Hörakustiker gesandt. Der hat diese an seinen Sales Manager weitergeleitet. Und anscheinend ist meine Nachricht beim Signia Kundenservice angekommen. Eine Woche später erhielt ich die Problemlösung.

Signia war der Überzeugung, dass ihr Firmware-Update nicht für das Problem verantwortlich war. Stattdessen war der Kundenservice der Überzeugung, dass die alten Bluetooth-Verbindungsdaten von der Apple Watch gelöscht werden mussten. Das ist aber nur möglich, wenn man die Apple Watch vom iPhone entkoppelt und wieder neu verbindet.

Bei dieser Operation wird ein Backup erzeugt, das nicht die Kopplungsdaten mit Bluetooth-Geräten enthält. Beim Wiederverbinden wird der vorherige Zustand wiederhergestellt. Danach werden die Hörsysteme automatisch wieder verbunden. Und voila: die verlorenen Steuerelemente sind wieder verfügbar. Sieg auf der ganzen Linie.

Hörakustik und Computertechnik?

Das beschriebene Beispiel beschreibt sehr deutlich, dass die neuesten Hörsysteme nicht nur in der Sprachverstärkung glänzen müssen. Sie müssen sich auch mit modernen Smartphones und Smartwatches zuverlässig verbinden können. Der Hörakustikerberuf muss sich auch auf diese Funktionalitäten neben der reinen Audiologie verstehen. Und das kann deutlich mehr Aufwand bedeuten in der Beratung der Kunden und bei der Fehlerbehebung.

Den hier beschriebenen Fall habe ich selbst lösen können. Weniger technikaffine Kunden werden sich dabei auf ihren Hörakustiker verlassen wollen. Schöne neue Welt 😉 mit vielen neuen Herausforderungen. Aber die neuen Funktionalitäten bereichern wirklich das Leben und Hören der Kunden.

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