Allgemein Apple

Eine kleine Weihnachtsgeschichte – Weihnachten ohne Smartphone

Was macht ein Digital Native zu Weihnachten ohne Smartphone? Eine fiktive Geschichte mit leider allzu wahrem Hintergrund. Mehr im Bericht.

Es war einmal ein Digital Native, dessen iPhone funktionierte auf einmal am 24.12. nicht mehr. Es zeigte nur noch dauerhaft das Apple Logo an. Es versuchte zwar immer wieder neu zu starten. Aber es funktionierte nicht mehr. Mir stand ein Weihnachten ohne Smartphone bevor.

Da war guter Rat teuer. Die ĂŒblichen Maßnahmen, die ein iPhone-Nutzer anwenden kann brachten nicht das gewĂŒnschte Ergebnis. Man kann einen Neustart erzwingen, wenn man lange auf den Standby-Knopf drĂŒckt. Aber kein Erfolg. Oder man kann noch lĂ€nger gedrĂŒckt halten und hat dann den DFU-Modus aktiviert. Wenn man das iPhone dann an einen iMac anschließt, sollte der iMac das iPhone zum Neustart bewegen können. Dummerweise konnte der iMac das angeschlossene iPhone aber nicht erkennen. Was tun?

Weihnachtsgeschichte - iPhone startet nicht mehr
Weihnachtsgeschichte – iPhone startet nicht mehr

Frohe Weihnachten ohne Smartphone

Eine ganz neue Erfahrung fĂŒr einen Digital Native wie mich. Was haben wir alles mittlerweile auf dem Smartphone gespeichert? Was brauchen wir alles fĂŒr unser Digitales Leben? Und was brauchen wir wirklich noch an Weihnachten?

Ich versuchte erstmal ĂŒber meinen iMac einen Termin bei meinem Apple Store fĂŒr einen Reparaturversuch zu vereinbaren. Netter Versuch, aber die frĂŒhesten Termine sind natĂŒrlich erst nach Weihnachten verfĂŒgbar. Ein neues iPhone kann ich zwar kaufen, aber einen Abholtermin gibt es nicht mehr, da am Heiligabend-Morgen Termine nicht mehr frei sind.

Also musste ich mich auf ein Weihnachten ohne Smartphone einstellen. Ich war gespannt, was mich erwarten wĂŒrde.

Letzte WeihnachtseinkÀufe

Leider hat mich das Problem mit meinem iPhone ein wenig in meinen Weihnachtsvorbereitungen zurĂŒckgeworfen. Mit dem Bus fuhr ich in die Stadt. Aber ich bezahlte die Fahrt nicht wie ĂŒblich mit der App des Verkehrsunternehmens. Ich musste mal wieder seit langem an dem Automaten ein Ticket kaufen.

Im Laden angekommen wurde ich aufgefordert meinen Corona-Impfpass vorzuzeigen. Dies wĂ€re mit meinem Smartphone und der Corona-Warn-App einfach gewesen. Stattdessen musste ich die vom Arzt auf Papier ausgedruckten Impfnachweise vorzeigen. Zum GlĂŒck hatte ich die aufbewahrt.

Im Laden wollte ich schnell was recherchieren zu dem Produkt. Geht nur leider nicht ohne Smartphone. Hmmm. Stattdessen wollte ich einen Freund anrufen und ihn nach seiner Meinung zu dem Produkt fragen. Ups, auch nicht möglich. Dann eben schnell eine WhatsApp oder iMessage. Ach ja. Kein Smartphone.

Gut, ich habe das Produkt gekauft und mit meiner Apple Watch bezahlt. Das funktioniert immer noch ohne iPhone. GlĂŒck gehabt. Ich war mir nicht sicher, ob das noch klappt, wenn das iPhone nicht in der NĂ€he ist.

Wo ist meine Einkaufsliste?

Dann noch schnell in den Supermarkt. Ich habe in der Bring!-App meine Einkaufsliste gespeichert. Mist, wie komme ich denn jetzt an diese Liste? Auch auf der Watch habe ich die Bring!-App, die möchte sich allerdings mit dem iPhone verbinden, um die aktuellen EintrĂ€ge meiner Einkaufsliste abzufragen. Also musste ich mal ganz intensiv ĂŒberlegen, was ich noch fĂŒr die Weihnachtstage einkaufen wollte.

Es wĂ€re doch schön gewesen ein paar EindrĂŒcke von WeihnachtsmĂ€rkten und Weihnachtsdekorationen zu fotografieren. Aber ohne Smartphone-Kamera ist das leider nicht möglich.

So langsam wurde es eng und ich wollte meiner Familie sagen, dass ich etwas spĂ€ter kommen wĂŒrde. Telefonieren oder eine iMessage schreiben? Schwierig.

Zum GlĂŒck gibt es noch Festnetz

Zu Hause angekommen konnte ich zum GlĂŒck die Festnetztelefonie nutzen, um meine Familie zu informieren. Ich glaube, ich habe seit zwei Jahren dieses Telefon nicht mehr benutzt. Zum GlĂŒck funktionierte es klaglos. Meine Freundin informierte ich ĂŒber iMessage auf meinem iMac ĂŒber meine Situation.

WeihnachtsgrĂŒsse wollte ich noch an meine Freunde schicken, aber die erreiche ich nur ĂŒber WhatsApp. Das lĂ€uft zwar auch auf dem iMac, aber man muss diesen vorher erst mit der Smartphone-App verbinden. Toll, also keine WeihnachtsgrĂŒsse dieses Jahr senden oder empfangen. Jetzt war mir wirklich der Tag vermiest.

Ich wollte mir ein paar Notizen zu diesen Erfahrungen machen. Daraus wĂŒrde ich dann spĂ€ter in meiner WordPress-App die Weihnachtsgeschichte schreiben wollen. Normalerweise hĂ€tte ich mein iPhone dafĂŒr genutzt. Jetzt musste wieder der iMac ran. Schneller ging das alles mit dem Smartphone.

Autofahren ohne CarPlay?

Ich war spÀt dran und sprang ins Auto. Normalerweise hÀtte ich sofort CarPlay in meinem Auto aktiviert und Musik oder einen Podcast gehört. Ohne iPhone nicht möglich. Also habe ich seit langem mal wieder das Radio des Autos verwendet.

Ein Stau hÀlt mich auf. Anscheinend wollen andere auch zu ihren Familien. Mit Apple Karten oder Google Maps hÀtte ich sonst alle Staus umfahren. Das Navigationssystem des Autos zeigte mir keine Empfehlungen zur Umfahrung der Staus an.

Weihnachten fĂŒr einen Digital Native ohne Smartphone

Sehr viel spĂ€ter kam ich beim Haus meiner Familie an. In den letzten Stunden bin ich nicht angerufen worden und habe auch keine Nachrichten bekommen. Irgendwie war das ein komisches GefĂŒhl. Auch dass ich kein Smartphone mehr in der Hosentasche trug fĂŒhlte sich merkwĂŒrdig an.

Ich fĂŒhlte mich sehr alleine, als ich das Haus meiner Familie betrat. Aber dieses GefĂŒhl hielt nur kurz an. Hier begann wieder das wahre Leben. Ein Smartphone, Apps und Services waren die nĂ€chsten Stunden nicht mehr erforderlich. Und ich vermisste auch nichts.

Vielleicht hĂ€tte ich doch noch wissen wollen, wer mir alles WeihnachtsgrĂŒsse sendet. Und sich dabei wundert, dass ich nicht antworte.

Wir saßen gemĂŒtlich zusammen, es gab zu Essen, Geschenke wurden verteilt und viele Geschichten wurden erzĂ€hlt. Ich erzĂ€hlte natĂŒrlich auch von meinem kaputten iPhone und was ich alles seitdem erlebt hatte. Es war eine gute Geschichte.


Und nun zur wahren Geschichte

Alles was ich vorher geschrieben habe ist eine fiktive Geschichte mit einem sehr wahren Kern.

Die obige Geschichte zeigt auf, wie sehr wir uns mittlerweile auf unsere Smartphones, die Apps und Services verlassen, die wir nutzen. Und ein Digital Native hat ganz besonders viele Apps und Services im Einsatz. Diese mĂŒssen alle wiederhergestellt werden, damit wieder alles wie vorher funktioniert.

TatsĂ€chlich ist mein iPhone 11 Pro Max am 21.12. ausgefallen. Es war an meinem ersten Urlaubstag am Ende des Jahres. Den restlichen Tag habe ich mich dann damit beschĂ€ftigt dafĂŒr zu sorgen, dass ich wieder erreichbar wurde und selbst wieder aktiv werden konnte.

Kauf eines neuen iPhones

Im Apple Store gab es ein iPhone 13 Pro Max, das ich dann auch zwei Stunden spÀter abholen durfte. Mit den gedruckten Impfnachweisen kam ich in den Store und erhielt das iPhone und ein passendes Ladekabel, was ich dazu bestellt habe. Ich entschied mich, das iPhone direkt im Laden aufzusetzen.

Das iPhone 13 Pro Max und das MagSafe Ladekabel
Das iPhone 13 Pro Max und das MagSafe Ladekabel

Der Plan war das Smartphone innerhalb von 90 Minuten aufzusetzen und dann einen Genius Bar Termin fĂŒr die Fehlerbehebung des alten iPhones wahrzunehmen. Diesen hatte ich auch noch reservieren können.

Restore der Daten aus der iCloud

Im Grunde haben Apple und andere Smartphone-Anbieter dafĂŒr gesorgt, dass der Umstieg auf ein neues Smartphone einfach gemacht wird. Meistens sind die wichtigsten Daten in Cloud-Speichern gesichert und werden nach Anmeldung mit der persönlichen Login-Kennung direkt auf das Smartphone zurĂŒckgeladen. Alle Apps werden dann aus den App Stores gezogen und meistens ist nach dem Restore das Telefon genau so nutzbar wie das vorherige.

Der Teufel liegt allerdings im Detail. Manche App-Entwickler sehen vor, dass man nach einer Neuinstallation wieder sauber eingeloggt ist. Bei vielen anderen Apps ist dies aber nicht der Fall und man muss sich wieder mĂŒhsam selbst einloggen. Einige Apps speichern Daten wie die Apple Fitness-App. Dort sind alle DatensĂ€tze seit Mai 2015 nach dem Restore wieder verfĂŒgbar. Ein Gegenbeispiel ist die Corona Warnapp. Diese hat weder die Begegnungsdaten der letzten 14 Tage gespeichert noch die COVID-Impfnachweise.

Im Apple Store habe ich das Store-WLAN benutzt, um den Restore aus der iCloud zu starten. Leider bin ich nicht der einzige, der dieses Netzwerk nutzt. Das iPhone zeigte mir 4 Stunden fĂŒr das Update auf iOS 15.2. Mein Zeitplan geriet ins Wanken und ich entschied mich den Restore des iPhones zu Hause fortzusetzen. Dort hatte ich 500MBit zur VerfĂŒgung.

Auf der RĂŒckfahrt machte ich mir erstmal Sorgen, ob ich den unterbrochenen Restore in meinem WLAN fortsetzen konnte. Aber die Sorge war unbegrĂŒndet. Zu den ersten Daten, die Apple aus der iCloud zurĂŒcklĂ€dt gehören WLAN-Logindaten. Das neue iPhone erkannte also mein Funknetz und zeigte statt 4 Stunden nun 4 Minuten fĂŒr den Beginn des iOS-Updates an. Ab diesem Moment lief der Restore auf vollen Touren. Interessanterweise zeigte er mir allerdings nur ein zwei Tage altes Backup an, obwohl das letzte Backup am Vortag erfolgreich gelaufen ist.

Wiederherstellung des alten iPhones

WĂ€hrend das iPhone 13 aus dem iCloud Backup fĂŒr mich aufgebaut wurde, fuhr ich wieder zum Apple Store. Dort versuchte der Apple Genius zuerst das iPhone 11 in den DFU Modus zu versetzen und an ein MacBook anzuschließen. Ihm gelang es auch direkt, dass das MacBook das iPhone als GerĂ€t im Finder anzeigte. Das war mir nicht gelungen.

Aber ein Restart des iPhones war nicht möglich. Er musste schließlich das GerĂ€t komplett neu initialisieren. Das funktionierte endlich und ich konnte auch dieses Smartphone wieder aus dem iCloud Backup wiederherstellen. Interessanterweise bot mir Apple aber diesmal ein neueres Backup an. Warum? Wieso wurde mir fĂŒr das neue iPhone nicht auch das neueste Backup angeboten?

Wiederherstellungsversuch eines iPhones im Apple Store
Wiederherstellungsversuch eines iPhones im Apple Store

Wieder zu Hause angekommen konnte ich auch das alte iPhone 11 wieder aus dem iCloud-Backup vollstÀndig aufbauen.

Mein neues iPhone 13 Pro Max

Nachdem der Restore abgeschlossen war, hatte ich zwar ein funktionsfÀhiges iPhone, aber einige offene Punkte waren noch zu klÀren.

  1. Ich musste die eSIM von Vodafone fĂŒr meinen privaten Mobilfunkvertrag konfigurieren
  2. Ich setzte die Nano SIM von Vodafone fĂŒr meinen beruflichen Mobilfunkvertrag ein
  3. Alle Apps und Services prĂŒfte ich, ob die Anmeldung funktionierte, so dass ich die Apps und Services nutzen konnte
  4. Die Aktivierung der Banking Apps stellte sich als besonders schwierig fĂŒr das neue Smartphone heraus
  5. Die Impfzertifikate musste ich in der Corona Warn-App hinterlegen
  6. Die Konfiguration der Face ID hatte ich auf spÀter verschoben
  7. Die Kreditkarten fĂŒr Apple Pay aktivierte ich
  8. Mein Hörsystem Signia Active Pro stellte ich wieder als Hörhilfe ein
  9. Ich aktivierte die Zweifaktorauthentifizierung (2FA) fĂŒr kritische Services in den 2FA-Apps
  10. Und ich hinterlegte das neue iPhone bei einigen Services als neues GerĂ€t. Dies war zum Beispiel fĂŒr Google erforderlich, das immer noch 2FA-Anfragen an das alte iPhone stellte.

An dieser Liste erkennt man, dass ein Digital Native viel mehr Services als ein normaler Nutzer einsetzt. Und diese sind nicht mit dem Standard-Restore von Apple nutzbar. An zwei Beispielen möchte ich aufzeigen wieviel manueller Aufwand noch erforderlich ist, um ein Smartphone wiederherzustellen, so dass es wieder vollstÀndig nutzbar ist.

eSIM aktivieren

Vodafone beschreibt in einer Online-Anleitung, wie man eine eSIM von einem auf ein anderes Smartphone ĂŒbertragen kann. DafĂŒr ist es allerdings erforderlich, dass man dieses zuerst auf dem alten GerĂ€t löscht.

Was fĂŒr ein Quatsch, wenn das Handy verloren ging oder gestohlen wurde. Und was ist mit meinem iPhone 11, das seine Daten aus dem Backup bezogen hat?

Interessanterweise waren die eSIM-Einstellungen auf dem alten iPhone vorhanden aber nicht auf dem neuen, obwohl beide aus demselben Backup wiederhergestellt wurden.

GlĂŒck im UnglĂŒck. Ich konnte die eSIM auf dem iPhone 11 löschen. Wenige Minuten spĂ€ter zeigte die aufgerufene Vodafone-Webseite an, dass die eSIM wieder freigegeben war. Ich konnte den angezeigten QR-Code auf dem iPhone 13 einlesen und wenige Sekunden spĂ€ter war ich wieder telefonisch erreichbar.

Banking Apps nutzbar machen

Dies ist eine besonders herausfordernde Aufgabe. Aufgrund der Angreifbarkeit von Smartphones sind die Sicherheitsmaßnahmen bei Banking Apps verschĂ€rft.

So verlangt Comdirect eine PhotoTAN-App zur Freigabe von Transaktionen. Diese App muss mit einem speziell von Comdirect verschickten QR-Code autorisiert werden. Ich musste dieses Schreiben mit dem QR-Code finden, das ich vor mehr als 3 Jahren erhalten habe. Die Alternative war einen Auftrag an Comdirect fĂŒr einen neuen QR-Code zu senden. Ich fand tatsĂ€chlich das Schreiben von Comdirect.

Die ING DIBA App kann ich entweder mit einer bereits authorisierten App oder zwei ITANs auf dem neuen iPhone freigeben. Aber die App auf dem alten iPhone war nach dem Restore nicht mehr authorisiert. Die iTANs konnte ich zum GlĂŒck wiederfinden, obwohl ich sie seit mehr als sieben Jahren nicht mehr genutzt hatte. Mit zwei iTANs war dann auch die ING DIBA App auf dem neuen iPhone nutzbar.

Meine dritte Bank-App nutzte eine spezielle zweite App als zweiten Faktor. Um diese zu autorisieren benötigte ich ein Schreiben der Bank, welches ich nicht mehr finden konnte. Ich habe per Email einen neuen Freigabecode angefordert. Erst damit kann ich auch auf dieses Konto wieder zugreifen.

Ende gut, alles gut?

Das war eine ziemlich teure Weihnachtsgeschichte. Eine Geschichte, die aufzeigt wie abhĂ€ngig wir von unseren Smartphones sind. Und wie wahrscheinlich es ist, dass ein Smartphone verloren geht, gestohlen wird oder kaputt gehen kann. Und dass ein ErsatzgerĂ€t verfĂŒgbar sein sollte, wenn man weiterhin die Vorteile des Digitalen Lebens nutzen will. Am Besten sollte dieses ErsatzgerĂ€t auch schon fertig konfiguriert sein.

Wie schon oben gesagt, sorgen die Smartphone-Hersteller dafĂŒr, dass man schnell auf ein neues GerĂ€t umsteigen kann und seine Daten auf das neue GerĂ€t ĂŒberspielt bekommt.

In meinem speziellen Fall habe ich einen ganzen Tag benötigt (tatsÀchlich bis drei Uhr morgens), um das iPhone 13 auf denselben Stand wie das iPhone 11 zu bringen. Eine Erfahrung, die ich nicht nochmal machen möchte.

FĂŒr die Zukunft bin ich aber vorbereitet.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darĂŒber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefÀllt das: