Tag 8: Military Grade Computing Power von Apple
Lesedauer: 4 MinutenDass Rechner mit der Computing Power eines Power Mac als Waffe deklariert werden können, war mir nicht klar. Mehr Infos in diesem Beitrag
Der achte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 25 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Habe ich schon erwähnt, dass ich ein großer Apple Fan bin? Und dass die größten Macs der letzten 25 Jahre in meinem Computermuseum stehen? Ja, es sind die Power Macs mit den letzten Power PC Prozessoren, die Apple in der Steve Jobs Ära verbaut hat. Computer in Towergehäusen, die so anders als der Marktstandard aussehen, weil auch hier Jony Ives als Designer seine Hände im Spiel hatte. Einer von diesen wurde wegen seiner Computing Power sogar als Waffe eingestuft und durfte nicht in den Ostblock exportiert werden.

Apple Power Mac G3
Der Apple Power Mac G3 ist die erste Interpretation eines Computers im Towergehäuse und der Computing Power einer Workstation durch Jony Ive in der Steve Jobs Ära. Er hatte diesen Computer für den letzten noch nicht besetzten Quadranten der Apple Produktmatrix geschaffen. Nach iMac G3, iBook G3 und Powerbook G3 fehlte noch der Desktop für den professionellen Anwender. Folgerichtig musste Power im Namen stehen und Mac gehörte auch zum Namen dazu. Der iMac und das iBook aus dem Consumerbereich waren sehr bunt gestaltet und begeisterten die Kunden. Für den professionellen Desktop waren die Erwartungen aber eher so, dass Apple ein eher dezentes Design wie beim professionellen Laptop, dem Powerbook G3, liefern würde.
Und dann war er da. Ebenfalls mit einem transparenten Gehäuse und einer hellblauen Plastikfront wie beim ersten iMac G3. Ein riesiges Apple Logo zierte die Seiten und der Schriftzug G3 konnte durch die transparente Außenhülle bewundert werden. Die Profis waren geschockt. Aber es war nicht alles dem Design untergeordnet. Die Funktionalität und die Erweiterungsmöglichkeiten begeisterten die Profis. Das Gehäuse konnte leicht aufgeklappt werden und der Anwender erhielt einen leichten Zugang zu allen Hardwarekomponenten. Dieses Design hatte eine sehr kurze Lebensdauer. Nur von Januar bis August 1999 konnte der Rechner gekauft werden. Dann folgte schon der neue Power Mac G4.
Apple Power Mac G4
Ab 1999 kam dann der Apple Power Mac G4 auf den Markt. Und um diesem Upgrade an Power auch eine optische Entsprechung zu geben, kam auch ein neues Design heraus. Dieses Design war deutlich nüchterner und dezenter von den Farben her. Diesmal gab es keinen Schriftzug G4 auf der Seite. Auf dem silbernen Kunststoffgehäuse prangte wiederum ein großes Apple Logo. Wieder gab es die praktischen Haltegriffe, die in das Gehäuse integriert waren. Ich habe einen der ersten Computer dieser Reihe in meiner Sammlung, da er noch mit einem G3 Motherboard bestückt war.
Der G4 Prozessor war aber leistungsmässig eine solche Verbesserung, dass es Exportbeschränkungen für den Computer gab. Apple hat dies in einer Werbung mit einem Augenzwinkern deutlich gemacht.
Dieses Design wurde bis Juli 2001 verwendet bis dann das QuickSilver genannte Design herauskam.
Apple Power Mac G5
Der letzte Apple Power Mac G5 ist eine komplett aus Aluminium gestaltete Workstation und viel größer als die doch recht kompakten G3 und G4 Power Macs. Aber der von IBM entwickelte G5 Prozessor brauchte diesen Raum vor allem auch zur Kühlung. Der G5 Prozessor wurde als der erste 64Bit Desktop-Prozessor angekündigt und ist aufgrund seiner Hitzeentwicklung nicht in den Laptops von Apple verbaut worden. Apple konnte mit diesem Prozessor nur noch mühsam der Intel Power folgen und hat folgerichtig im Jahr 2006 dann den Wechsel auf die Intel Plattform vollzogen. Im Juni 2003 hatte Apple schon eine neue Designsprache entwickelt und dieser Computer bekam damals sein „Käsereiben“ Aussehen. An der Front gab es hunderte kleiner Löcher, die diese Assoziation auslösten.
Durch die Größe und das Material ist dieses Gerät sehr schwer. Nach der Transition zu Intel ist dieses Gehäusedesign noch bis 2013 unverändert weiterverwendet worden. Mit knapp 10 Jahren hatte dieses Design die längste Nutzungsdauer aller professionellen großen Macs.
Fazit
Das Bild dieser drei faszinierenden Powerhouses von Apples professionellen Desktop-Modellen löst bei mir Respekt aus. Über 14 Jahre lang hat Apple seine leistungsfähigsten Computer in faszinierende Gehäuse gesteckt. Anfangs waren es quietschbunte und weichgelutschte Plastikbodies. Bis schließlich das Design eine Seriösität und Größe ausstrahlte, das dann für eine Dekade gültig war. Und in diese Gehäuse wurde immer das Beste vom Besten eingebaut, was die Computertechnik zu bietet hatte.
Um so härter war der Kontrast als Apple 2013 den Mac Pro vorstellte, der so gar nicht mehr die Profis ansprach. Trotz der Aussage von Phil Schiller „Can‘t innovate anymore, my ass“ wurde der runde und wenig erweiterungsfähige Mac Pro 2013 als vollkommene Abkehr Apples von den professionellen Kunden wahrgenommen. Dieser Rechner wurde respektlos als Mülleimer bezeichnet. Erst sechs Jahre später gab Apple seinen Fehler zu und stellte 2019 wieder einen Mac Pro vor, der intern massiv erweitert werden kann. Außerdem hatte er wieder ein „Käsereiben“-Design. Beide Computer, der Mac Pro 2013 und der von 2019 sind Designcomputer, die ich noch für meine Sammlung haben möchte.
Nachtrag 29.6.2025: der Mac Pro 2013 ist da
An diesem Tag habe ich den Mac Pro von 2013 endlich meiner Sammlung hinzufügen können und ihn gleich mit den mächtigsten Macs ihrer Zeit vergleichen können.
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