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Tag 10: erste mobile Computer mit LCD Technik

Lesedauer: 4 MinutenDer Epson HX20 und der Cambridge Z88 sind gute Beispiele für mobile Computer der 80er Jahre. Die ersten Computer mit eingebautem LCD

Der zehnte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 23 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Mobile Computer mit eigenem Display und Batteriebetrieb in den 80er Jahren zu bauen war nicht einfach. Erste Taschenrechner hatten damals vor allem spezielle Mehrsegment-Anzeigen mit Elektronenröhren- oder LED-Technik, die noch sehr energiehungrig waren. LCDs mit einer Punktmatrix waren schon herausfordernder in der technischen Entwicklung, aber dafür auch energiesparender. Gerade Epson war ein Pionier in der Technik von LCD Displays und stellte 1982 den ersten LCD Fernseher der Öffentlichkeit vor. Die LCD Technik wurde im heute vorgestellten Epson HX20 verbaut. Und Sinclair machte dies 1988 mit seinem ersten wirklich tragbaren Computer, dem Cambridge Z88.

Kompakte Rechner aus den 80er Jahren. Epson HX20 und Cambridge Z88.
Kompakte Rechner aus den 80er Jahren. Epson HX20 und Cambridge Z88.

Epson HX20

Als der Epson HX20 1982 herauskam war er wirklich der erste batteriebetriebene mobile Computer, der ein eingebautes LCD zur Steuerung, einen eingebauten Massenspeicher und einen eingebauten Drucker bot. Der Epson HX20 war eine Offenbarung. Auch ich habe damals sehnsüchtig auf dieses Gerät geblickt. Er war wirklich der erste Laptop der Welt. In einem Beitrag des WDR Computerclubs von 2003 betrachteten die beiden Wolfgangs auch den Epson HX20 und seine Nachfolger (ab 24:16).

Der Massenspeicher war ein Bandlaufwerk für Microcassetten, die man für Diktiergeräte kannte. Den Matrixdrucker fand man in kleinen Registrierkassen wieder. Dieser Computer wurde bis vor wenigen Jahren noch von der Bundesluftwaffe im operativen Einsatz verwendet. Deshalb bekommt man den Epson HX 20 sehr häufig auf eBay mit der deutschen Tastatur angeboten. Auch ich habe wahrscheinlich einen solchen Rechner aus Militärbeständen ersteigert.

Der Epson HX20 hatte zwei Hitachi Prozessoren, die im Master/Slave Modus liefen und miteinander verbunden waren. Mit dem eingebauten Akku waren Arbeitszeiten von bis zu 50 Stunden möglich. Er hat ein 32×120 Pixel LCD (4×20 Zeichen), die über einen Drehregler dem Umgebungslicht im Kontrast angepasst werden konnten. Wer mehr als diese Auflösung nutzen und darstellen möchte, dem empfehle ich den Beitrag von Homecomputerguy.

Cambridge Z88

Sir Clive Sinclair hatte sich schon früh das Ziel gesetzt, kompakte Fernseher zu entwickeln. Die Bildschirmtechnik, die er entwickelte war zwar kompakt, basierte aber auf einer normalen Kathodenstrahltechnik und war den LCDs weit unterlegen. Dieser Bildschirm war bei weitem nicht wirklich nutzbar für einen kompakten, tragbaren Rechner, der mehrere Stunden mit einem Batteriesatz laufen sollte. Der One Per Desk von ICL sollte eigentlich Sinclairs Bildschirmtechnik enthalten, was aber dann verworfen wurde. Erst 1988 verbaute Sinclair dann mit seinem neuesten Produkt, dem Cambridge Z88, ein LCD. Damit konnten 64×640 Pixel, oder 8 Zeilen mit jeweils 106 Zeichen dargestellt werden, die auch relativ kontrastreich ohne Hintergrundbeleuchtung anzeigt wurden. Mit vier AA Batterien konnte dieser Computer 20 Stunden benutzt werden.

Sinclair hatte nach dem Verkauf seiner Firma Sinclair Research an Amstrad seine lang gehegte Idee eines mobilen Computers Wirklichkeit werden lassen. Diesmal unter dem Label Cambridge Computer. Es war ein typisches Sinclair Produkt. Schwarz, relativ günstig, eine zumindest fragwürdige Tastatur und Speichertechnik auf EPROM-Modulen, die sehr wie Microdrives aussahen. Der Z88 bot eingebaute Software und ein BBC BASIC. Das Programm Pipedream enthält eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation und eine Datenbank. Und er wurde gerne von Journalisten genutzt. Er war komplett leise. Kein Lüfter oder Tastenklicken stört die Konzentration eines Interviews, obwohl man über den Lautsprecher einen Tastenklick wiedergeben kann. Er ist leicht und passt sehr gut auf den Schoß, wenn keine Tisch in der Nähe ist. Außerdem ist das Gerät gegen Flüssigkeiten gut abgedeckt. Ein umgekippter Kaffee kann nicht zwischen die Tasten in das Gehäuse fließen. Auch der Science Fiction Autor Arthur C. Clarke hatte zwei Cambridge Z88.

Ohne Anleitung wird man nicht herausfinden, wie der Z88 an- und ausgeschaltet wird. Beide Shift-Tasten müssen gleichzeitig gedrückt werden.

Fazit

Die Urväter der heutigen Laptops hatten ihre große Zeit in den 80er Jahren. Damals gab es auch portable Computer wie den Osborne 1, die Kaypro-Serie, den Apricot Portable und den Apple Macintosh Portable. All diese waren weit davon entfernt, dass man sie auf den Schoß legen konnte und ernsthaft damit arbeiten wollte. Ein Tisch war erforderlich, um das Gewicht dieser Rechner zu tragen. Die heute gezeigten Epson HX 20 und Cambridge Z88 waren Beispiele für wirklich mobile Rechner und echte Laptops. Stromversorgung und Bildschirm waren eingebaut. Auch Massenspeicher waren vorhanden, um Programme und Daten zu sichern. Der Epson HX20 hatte sogar einen kleinen Drucker eingebaut.

Die LCD-Technik hat wirklich kompakte Rechner in der Folge ermöglicht. Später kamen auch farbige LCDs und mit LED hinterleuchtete LCDs auf den Markt. Heutzutage sind OLEDs das Mittel der Wahl. Diese Displaytechnik wird in Smartphones, Smartwatches, Laptops und Fernsehern eingesetzt. Durch diese Bildschirme sind wirklich kompakte mobile Geräte entstanden. Angefangen hat alles mit den hier gezeigten mobilen Computern mit LCD Technik in den 80er Jahren.

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