Der elfte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 22 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Commodore Computer waren in Deutschland ganz groß. Der C64 und der Amiga waren Millionenseller überall in der Welt. In Braunschweig wurden viele dieser Computer gebaut. Die Geschichte von Commodore und seiner Produkte ist sehr spannend. Auf der 20. Classic Computing 2023 in Dietzenbach traf ich einen ehemaligen Manager von Commodore, der viele interessante Anekdoten erzählte. Meine Commodore-Sammlung ist in keinster Weise repräsentativ, da ich mit Sinclair Computern und dem Atari Mega ST groß geworden bin.

The C64 mini
In Deutschland hatte jeder Nerd einen C64. Der Brotkasten, wie er auch wegen seiner Form genannt wurde, war der perfekte Homecomputer. Er dominierte auch deswegen, weil die Software auf den Schulhöfen der Republik raubkopiert wurde. Ich selbst hatte keinen Commodore 64, aber mein Bruder hatte seinen von einem meiner Schulfreunde abgekauft. Mit einer riesigen Softwaresammlung auf Disketten und Speed DOS, das die Lesezugriffe auf die Disketten massiv beschleunigte. Spiele wie Fort Apocalypse, Summer Games und Mission Impossible sind mir in Erinnerung geblieben. Vor allem wegen seiner Titelmusik habe ich Ghosts ‘n Goblins geliebt. Die Grafik und der Sound war jedem anderen 8 Bit Homecomputer dieser Ära überlegen. Dies hatte Commodore mit Spezialchips erreichen können. Der VIC II für die Grafik und der SID für den Sound sind legendär. Da ich als Sinclair Fanboy keinen eigenen C64 besaß, empfehle ich die Seite von Homecomputerguy, der über seinen C64 berichtet.
Aber natürlich benötigt eine ernsthafte Computersammlung einen C64. Ich habe mich allerdings entschieden, eine Mini-Kopie des Commodore 64, genannt The C64 mini zu kaufen und auszuprobieren. Das Gehäuse ist Ergebnis einer Retrocomputer-Initiative und sieht wie ein C64 aus, aber die kleine Tastatur ist nicht wirklich nutzbar. Stattdessen schließt man den Computer mit einem HDMI-Kabel an einen Fernseher an und verbindet es mit dem Netzteil ans Stromnetz. Danach erscheint ein Menü mit bereits vorinstallierten Programmen. Man schließt den mitgelieferten Mini-Joystick an, der wie ein kleiner Kempston Competition Pro aussieht. Leider hat dieser nicht die tollen Microschalter des Originals und ist deshalb nicht so exakt und belastbar. Aber das Spielen macht viel Spaß. Man kann auch seine eigenen C64 Spiele installieren. Ich habe hier mein absolutes Lieblingsspiel Fort Apocalype installiert.
Commodore 16
Der Commodore 16 ist einer der drei Rechner aus der Commodore 264 Reihe, der als Nachfolger für den VC20 gedacht war. Commodore positionierte ihn im Niedrigpreis-Segment und stattete ihn deswegen auch nur mit 16 KB RAM aus. Als Aldi diesen Computer verkaufte, hat mein Bruder zugeschlagen. Es war übrigens der erste bei Aldi jemals verkaufte Computer. Viele weitere sollten folgen, vor allem PCs.
Das Spiel, was für mich den C16 ausmacht, ist Tom von Kingsoft. Dass man ein solches Spiel in nur 16 KB RAM unterbringen konnte, war ein Wunder. Stundenlang haben mein Bruder und ich dieses Spiel gespielt. Eigentlich bis zum Ende, aber das Spiel hatte einen Fehler, so dass man das Ende nicht erreichen konnte.
Commodore ersetzte die exzellenten Spezialchips des C64 durch einen neuen Spezialchip namens TED. Dadurch konnten sie den Herstellungspreis dieser neuen Computer sehr verringern. Aber der TED bot keine Hardwareunterstützung für Sprites. Und außerdem überhitzte dieser Prozessor und fiel dann aus. Schlecht war auch, dass Commodore einen neuen achtpoligen Joystickport verbaute, für den man nicht die Standard Joysticks vom C64 verwenden konnte. Bis auf die erfolgreiche Aldi-Verkaufsaktion war der C16 ein Flop.
Commodore Plus/4
Der Commodore Plus/4 war das Spitzenprodukt der Commodore 264 Reihe. Eigentlich sollte dieser Computer dem C64 nachfolgen. Aber auch dieser Rechner hatte denselben TED Spezialprozessor ohne Hardwareunterstützung für Sprites. Deshalb war der Plus/4 dem C64 hardwaremäßig unterlegen. Schon eine sehr merkwürdige Entscheidung des Commodore Managements.
Ursprünglich sollte dieser Computer unter dem Name Commodore 232 mit 32 KB RAM auf den Markt kommen. Das Homecomputermuseum in Helmond hat einen solchen Prototypen in seiner Ausstellung. Allerdings positionierte Commodore den Plus/4 dann neu als Bürocomputer. Neben einer Erweiterung des RAM-Speichers auf 64 KB war auch eine eingebaute Software Suite namens 3-plus-1 enthalten. Dadurch entstand der Name Plus/4. Eine Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation, ein Grafikprogramm zur Visualisierung der Tabellendaten und eine Dateiverwaltung waren allerdings in keinster Weise sinnvoll nutzbar. Wenn man dagegen das Psion Softwarepaket für den QL vergleicht, dann wird klar, wie wenig durchdacht die Software 3-plus-1 war. Nicht mehr als 830000 Exemplare des Plus/4 wurden weltweit verkauft.
Ich selbst habe diesen Computer bei eBay für einen lächerlich geringen Preis ersteigen können. Beim Reinigen der Tastatur habe ich leider einige Tastenbefestigungen beschädigt. Sehr traurig.
Commodore Amiga 600
Die Firma Amiga hat eine interessante Geschichte, bevor Commodore sie kaufte, um gegen Atari mit seinem ST anzutreten. Tatsächlich hatte Amiga einige sehr leistungsfähige Spezialchips entworfen, die Atari finanziert hatte. Jay Miner und seine Firma Amiga nannten sie Paula (Sound), Denise (Grafik) und Agnus (Kontrollzentrale). Die vertragliche Regelung sah vor, dass das intellektuelle Kapital für diese Spezialchips auf Atari übergehen würde, wenn Amiga die Kredite nicht rechtzeitig zurückzahlen würde. Mit einem Trick konnte Commodore die Firma Amiga kaufen und die Spezialchips Atari vor der Nase wegschnappen.
Der erste 16 Bit Computer von Commodore wurde schließlich der Amiga 1000. Die Grafik und der Sound der „Freundin“ waren spektakulär. Dieser Computer setzte neue Standards, die im professionellen Bereich nur mit teuren Karten erreicht wurden. Das AmigaOS basiert auf dem Multiuserbetriebssystem TRIPOS der britischen Firma MetaComCo und bot präemptives Multitasking. Das waren die richtigen Zutaten zu einem erfolgreichen Computersystem. Während der Amiga 1000 zu teuer war, präsentierte Commodore mit dem Amiga 500 einen Millionenseller.
Schließlich wurde 1992 der Amiga 600 veröffentlicht, den ich in meiner Sammlung habe. Das Commodore Marketing platzierte diesen Computer über dem Amiga 500. Tatsächlich war der Amiga 600 allerdings eine Mogelpackung und nicht wirklich besser als der ältere Bruder. Der Amiga 500 wurde weiter erfolgreich verkauft. Der Amiga 600 war dagegen ein Flop. Dieser Computer wurde als einer der Sargnägel der Firma Commodore bezeichnet. Am 29.4.1994 ging Commodore in Insolvenz. Ich hatte die Gelegenheit auf der 20. Classic Computing 2023 den ehemaligen Commodore Manager Petro Taras Tyschtschenko zu treffen und Anekdoten über Aufstieg und Fall der Firma Commodore und seiner Amiga Computer zu hören.
Fazit
Von 1954 bis 1994 existierte mit der Firma Commodore eine der erfolgreichsten Computerfirmen ihrer Zeit. Erst mit der Übernahme des Chipherstellers MOS Technology und seinem Ingenieur Chuck Peddle begann die erfolgreiche Computerära von Commodore Business Machines. Der PET von 1977 mit seiner Taschenrechner-Tastatur ist ein Muss für jedes gut sortierte Computermuseum. Er war Teil der damaligen Dreieinigkeit (Trinity) von erfolgreichen Heimcomputern auf dem Markt, bestehend aus dem PET, dem TRS 80 und dem Apple II.
Im Jahr 1984 verließ der Gründer Jack Tramiel mit seinen Söhnen und ein paar wichtigen Ingenieuren Commodore und brachte bei Atari die Atari ST Modellreihe heraus. Commodore kaufte stattdessen die Firma Amiga ein. Dadurch hatte Commodore wieder einen Millionenseller im Angebot, und konnte gegen Atari und Commodores dynamischen Gründer Jack Tramiel weiter bestehen.
Da ich als Sinclair und Atari ST Fanboy auf der anderen Seite der Macht war, habe ich in meiner Sammlung wenige Commodore Computer. Aber ich habe eigene Erfahrungen sowohl mit C64, C16, C128, Amiga 1000 und Amiga 500 gemacht und weiß, wie viel besser diese Computer als alles andere am Markt waren. Auf Retrocomputertreffen in Deutschland dominiert deshalb natürlich der C64 und auch der Amiga. Und das zu Recht.
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