Der zwölfte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 21 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Computerspiele sind eine der wichtigsten Motivationen, die seit den 70er Jahren die Jugendlichen dazu bringen sich Computer anzuschaffen. Manchmal getarnt mit der Absicht, was über Computer zu lernen, oder den Computer für wichtige Aufgaben nutzen zu wollen. Oder aber ganz offensichtlich durch den Kauf einer Spielkonsole, die für nichts anderes als Computerspiele konzipiert ist. Ich berichte hier über ein paar Sammlungsstücke, die für Digitale Spielkinder interessant sind.

Activision Pitfall
Activision ist eine Firma, die von ehemaligen Atari Spieleentwicklern gegründet wurde. Sie verließen Atari, nachdem Atari an Warner Communications verkauft wurde und mit Ray Kassar ein neuer CEO installiert wurde. Dieser hatte kein Verständnis dafür, dass die Spieleentwickler die kreative Arbeit leisteten und dafür entsprechend belohnt werden wollten. In den damaligen Zeiten waren die Bilddarstellung und die Soundmöglichkeiten noch nicht so weit fortgeschritten, dass optisch und akustisch hochwertige Spielwelten erschaffen werden konnten. Die Magie fand entweder in den Köpfen der Spieler oder auf den Covern der Spieleverpackungen statt. Dies hat das Buch The Art of Atari sehr schön dargestellt und die damaligen Künstler, sowohl die Programmierer als auch die Zeichner der Cover Art, vorgestellt.
Activision hat 1982 das Spiel Activision Pitfall für die Atari VCS herausgebracht, das als eines der besten Videocomputerspiele aller Zeiten gilt. Ich habe mich von diesem tollen Spiel inspirieren lassen und mein einziges selbstgeschriebenes Computerspiel auf dem Sinclair ZX81 nach dem Vorbild von Pitfall erstellt. Es hieß ZX Fall und ist meine Umsetzung dieses von Indiana Jones inspiriertem Videospiel.
Kempston Competition Pro
Wenn man in den 80er Jahren zuverlässig und erfolgreich mit Homecomputern spielen wollte, dann brauchte man gutes Handwerkszeug. Das Mittel der Wahl war damals der Kempston Competition Pro mit seinen Microschaltern. Das sanfte Klicken zeigte auf, daß eine Richtung erfolgreich eingeschlagen wurde. Der Joystick gilt als digitales Eingabeinstrument, da man nur die Einstellung an oder aus auswählen konnte, und keine Zwischenstufen, wie es bei analogen Eingabeinstrumenten der Fall ist. Er wurde über den damals in der Homecomputerwelt gängigen 9-Pin-D-SUB-Anschluss verbunden, der durch das Atari VCS zum de facto Standard für Joysticks wurde. Ich selbst habe den Kempston Competition Pro Mini in transparentem Blau mit verchromten Bedienelementen. Der Joystick wurde von der Firma Kempston Micro Electronics aus Kempston, UK, produziert. Diese ging allerdings 1993 in Konkurs. Heutzutage kommen Joysticks seltener vor. Die PC Gamer verwenden meistens Gaming Mäuse und die Tastatur. Konsolenspieler verwenden meistens die Controller ihrer Spielkonsolen.
Sony PlayStation 2
Die Sony PlayStation 2 gilt als die meistverkaufte Spielkonsole aller Zeiten. Über 150 Millionen Einheiten wurden über 12 Jahre produziert. Ich habe diese Spielkonsole Anfang der 2000er Jahre kennengelernt, als ich die IAA in Frankfurt besuchte. Was mich dort aber am meisten faszinierte waren nicht die Stände der unterschiedlichen Automobilhersteller, sondern das Spiel Word Rallye Championship (WRC) auf dem Skoda-Stand. Skoda war damals sehr erfolgreich in dieser Rallye-Serie mit seinem Fabia und promotete dieses Auto mit der PlayStation 2 und diesem Spiel. Über eine Stunde tauchte ich in die Kurven von Rallyestrecken mit dem Skoda Fabia ab und stürzte mehrfach in tiefe Schluchten, wenn ich die Kurve nicht richtig gefahren habe. Was war das faszinierend. Als ich diese Messe verließ wußte ich, dass ich diese Spielkonsole und dieses Spiel haben wollte.
Aber nicht nur mehrere WRC-Generationen habe ich mit der PlayStation 2 gespielt, sondern auch großartige Shooter wie Ratchet & Clank in unterschiedlichen Versionen. Die PlayStation 2 war in der Lage Spitzensound und -grafik auf Fernsehern auszugeben. Und Spiele wie Ratchet & Clank mit seinen toll erzählten und gestalteten Abenteuergeschichten rund um die beiden Hauptfiguren waren absolute Highlights. Die PlayStation 2 war für mich über 19 Jahre die einzige Spielkonsole, die bei mir zu Hause stand. Erst die PlayStation 5 im Corona-Jahr 2021 hat mich mit der Ankündigung von Ratchek & Clank Rift Apart wieder elektrisiert.
Sony PlayStation Portable PSP
Tragbare Spielkonsolen, oder auch Handheld-Konsole genannt, gab es schon ab der 80er Jahre. Die Microvision von MB war die erste und hatte auch das Konzept der austauschbaren Spielmodule eingeführt. Ich wollte dieses Spielzeug damals haben, aber meine Eltern konnte ich nicht erweichen es mir zum Geburtstag oder zu Weihnachten zu schenken. Ich kann mich immer noch an die großartige Werbung im Fernsehen erinnern mit einem Kind, das einen Gong schlägt und der dann angezeigte Spruch: „MB präsentiert“. Atari hatte den Lynx, Nintendo den Gameboy. Und spätestens mit dem Gameboy wollte jeder eine tragbare Spielkonsole haben.
Die Sony PlayStation Portable oder auch PSP genannt, ist die erste Handheld-Konsole von Sony. Sie wurde erst im Jahr 2004/2005 veröffentlicht. Zu dieser Zeit war ich gerade mit einem Projektteam überall in Europa unterwegs und unterstützte eine Firma dabei Sarbanes-Oxley (SOX) konform zu werden. Mein Projektkollege Kai und ich sind damals in den langen Projektnächten in Hotels auf die Idee gekommen uns die Sony PlayStation Portable zu kaufen und gemeinsam zu spielen. Über den Memorystick Pro konnte man damals sogenannte Homebrew-Software installieren und damit Sicherheitslücken in der Firmware ausnutzen. Was war das für ein Spass, wenn man erfolgreich die Firmware so angepasst hatte, dass man Spiele dann vom Memorystick starten konnte. Natürlich haben wir so auch Spiele untereinander ausgetauscht. Und natürlich hat Sony immer wieder versucht diese Sicherheitslücken zu schließen und hat neue Firmware ausgeliefert. Über die Projektlaufzeit von einem Jahr hatten wir viel Spass an diesem Katz und Maus-Spiel. Ich glaube, nach 2006 habe ich die PSP nicht mehr verwendet.
Eine weitere Besonderheit der PSP war das neue UMD Datenträger-Format. Kleine Datenscheiben in einem Gehäuse, welche nicht nur die Spiele enthielten, sondern auch für Filme genutzt wurden. Sony wollte natürlich auch seinen großen Filmkatalog auf diesen Medien vertreiben. Aus Sicht von Sony macht das wirklich Sinn. Aus Sicht der Benutzer macht es heute keinen Sinn mehr, da man für einen Film nicht mehrmals in unterschiedlichen Formaten bezahlen will.
Fazit
Ich habe in meinem Leben schon viele hundert Stunden für Computerspiele verbracht. Und trotzdem ist was aus mir geworden 😉 Heute verzichte ich auf News und Fernsehen, was noch viel mehr Potential hat, wertvolle Lebenszeit zu verschwenden. Computerspiele sehe ich als eine kulturelle Errungenschaft, die es wert ist, dass man sich damit beschäftigt. Dies wird mit den oben beschriebenen Sammlungsstücken treffend dargestellt. Aktuell bin ich Besitzer einer PlayStation 5 und habe meine Erfahrungen mit dieser in einem PlayStation 5 Special beschrieben. Auch die nächste Form der Visualisierung von Autorennspielen mit einer VR-Brille, der PSVR2 habe ich dort beschrieben.
Auch auf einem Mac habe ich Freude Spiele wie Tomb Raider zu spielen, weil die Spielwelten mit soviel Liebe an Details und Fantasie erstellt sind. Ich bin also wirklich ein Digitale Spielkind.
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