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Ohne News im Digitalen Leben – geht das?

Lesedauer: 15 Minuten Ohne News im Digitalen Leben auskommen? Ist dies nicht gerade ein Vorteil unserer Generation? Aus dem Buch Die Kunst des digitalen Lebens.

Rolf Dobelli ist der Autor einer Ratgeber-Buchreihe, die beschreibt, wie wir uns in unserer modernen (digitalen) Welt zurechtfinden können. Ratgeber wie Die Kunst des klaren Denkens, Die Kunst des klugen Handelns und Die Kunst des guten Lebens. In seinem neuesten Buch von 2019 will er uns Die Kunst des digitalen Lebens aufzeigen. Der Titel hat mich magisch angezogen. Ich wollte wissen, was ich für meinen Blog und mein digitales Leben von ihm und seinen Erfahrungen lernen kann. Ganz speziell kümmert er sich darum uns darüber aufzuklären, dass News schlecht für uns seien. Und dass News keine wirklich relevanten Informationen für unser persönliches und berufliches Leben liefern würden. Ohne News im Digitalen Leben? Steile Thesen.

Die Kunst des digitalen Lebens von Rolf Dobelli in Apple Book-Store. Geht es ohne News im Digitalen Leben?
Die Kunst des digitalen Lebens von Rolf Dobelli in Apples Book-Store

Ganz konkret bin ich auf das Buch gestoßen, als ich wieder mal nach einem allgemeinen Thema über das Digitale Leben gesucht habe. Bereits im August 2019 hatte ich eine solche Suche in Google gestartet. Die damaligen Ergebnisse habe ich in einem Beitrag dokumentiert. Mich hat damals die Breite der Themen begeistert, die unter dem Begriff Digitales Leben behandelt wurden. Die neue Suche brachte Rolf Dobellis Buch Die Kunst des digitalen Lebens hervor mit seinem interessanten Untertitel: Wie Sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern.

Ich war überrascht. Was sollte an News schlecht sein? Gerade seit den Internet-Zeiten haben wir fast unbegrenzten Zugang zu News. Ist Wissen nicht Macht? Ist es nicht sinnvoll, über ein umfassendes Allgemeinwissen zu verfügen? Zu wissen, was in der Welt los ist? Über News zu erkennen, wie sich die Welt verändert? Informiert zu sein? Ich war verwirrt.

Zumal der Autor in den ersten Minuten des Hörbuchs darauf hinweist, dass er auch seit seiner frühesten Jugend alle Formen von News verschlungen hat. Aus denselben von mir oben genannten Gründen, die ich in den obigen Fragestellungen aufgezählt habe. Und dass er bereits seit zehn Jahren abstinent von News lebe, und es ihm dadurch besser gehe.

Was sind meine aktuellen Herausforderungen mit News?

Ich habe das Hörbuch kurz vor den Midterms in den USA gekauft. Ein News-Event erster Güte. Ich bekomme auf Flipboard aus unterschiedlichsten Quellen alle News zur amerikanischen Politik, dem Kampf der Republikaner gegen die Demokratie, the Big Lie, Protagonisten wie Trump und Ron DeSantis geliefert. Ich schaue auf YouTube regelmäßig den Late Night Talkern Steven Colbert, Jimmy Kimmel, Jimmy Fallon, Seth Meyers und Trevor Noah dabei zu, wie sie sich mit dieser gefährlichen Gemengelage in der amerikanischen Politik humoristisch abmühen. Die vier Jahre Trump-Zeit waren eine unglaublich lebensnahe Präsentation darüber, wie man eine demokratische Gesellschaft über (Fake-)News noch mehr polarisieren und unterwandern kann. Die Coronapandemie-Zeit war ein Paradebeispiel dafür, wie News in sozialen Medien Verschwörungsbewegungen wie QAnon und die Freidenker hervorbringen und verstärken können.

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Und jetzt am Vorabend der Midterms hörte ich den Argumenten von Rolf Dobelli zu, warum wir uns diese News ersparen sollten. Über vier Stunden reiht er einen Grund nach dem anderen auf, warum News für den Geist dasselbe sind wie Zucker für den Körper. Wir haben in den letzten Jahrzehnten gelernt, Zucker für unseren Körper zu vermeiden. Dass aber die Vermeidung von News unserem Geist gut tun würde, dies ist mir bisher nicht in den Sinn gekommen.

Statt mich nun mit den News rund um die Midterms in den USA und den damit verbundenen politischen Entwicklungen zu beschäftigen, möchte ich mich nun ernsthaft mit dem Buch von Rolf Dobelli auseinandersetzen. Und dies gerade vor dem Hintergrund, dass auf den Geräten meines Digitalen Lebens nicht nur Flipboard als News-Quelle installiert ist, sondern noch viele weitere Apps und Services, die mich jederzeit mit speziell für mich aufbereiteten News versorgen.

Der Verzicht auf News solle einem reichlich Zeit verschaffen, die man besser nutzen kann. Ich will es mal versuchen.

Was sind News?

News sind laut dem Autor Kurznachrichten aus aller Welt. Sie stellen Informationsschnipsel dar, die einen speziellen Betrachtungswinkel auf eine Thematik bringen. Wir werden an jedem Tag mit vielen News bombardiert. Unsere Aufgabe ist es diese Newsflut zu bewältigen und für uns relevante Informationen herauszuziehen. Und dies wird in unserer digitalen Lebenszeit immer schwieriger und aufwändiger.

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Vor der Zeit der digitalen Medien standen die News in Zeitungen, Zeitschriften, Flugblättern und anderen Printmedien. Kurze Artikel verteilt auf die Seiten einer Ausgabe. Der Autor teilt seine Beobachtung, dass der Umfang von Zeitungen, bis auf wenige Ausnahmen wie Wochenend- oder Sonder-Ausgaben, immer denselben Umfang haben. Egal, ob es an einem Tag viele News gegeben hat, oder wenige. Wie kann das sein? Später sind es Radio und Fernsehen, welche auf akustischem und optischem Weg News während ihrer immer gleich langen Sendezeiten ausstrahlen. Wie entscheidet eine Redaktion mit ihren Journalisten und Redakteuren darüber, was relevante News sind? Was ist berichtenswert?

Aber gibt es auch Qualitätsunterschiede bei News? Die Tagesschau hat mit Sicherheit eine höhere Glaubwürdigkeit als jedes News-Format eines privaten Senders. Man kann auch der Wochenzeitung DIE ZEIT ohne Zweifel mehr Relevanz zusprechen als der BILD. Und ein Magazin wie die c’t ist mit Sicherheit seriöser als die Gala.

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Heutzutage gibt es digitale Formate wie Newsletter, RSS Feeds und Newsseiten im Internet. News sind fast immer (vordergründig) kostenlos. Wir bekommen sie gepusht auf unsere Geräte oder navigieren auf diese Seiten. Wir bezahlen mit unserer Aufmerksamkeit, denn News werden immer begleitet von Werbung. Und wir bezahlen mit unserem persönlichen Bewegungsprofil, das wir im digitalen Leben hinterlassen. Tausende von Vertretern der Werbeindustrie wollen alles über uns und unsere Vorlieben erfahren und mit diesen Daten arbeiten. Dafür setzen sie sich auch über Gesetze wie die GDPR und DSGVO hinweg, wie die belgische Datenschutzbehörde aufgezeigt hat.

Was ist schlecht an News?

„News sind für den Geist, was Zucker für den Körper ist.“

„News sind so gefährlich wie Alkohol, nein sogar gefährlicher.“

„News sind heimtückisch.“

„News sind appetitlich, leicht verdaulich, und gleichzeitig höchst schädlich.“

„News sind geistige Umweltverschmutzung. Halten Sie Ihr Gehirn sauber. Es ist ihr wichtigstes Organ.“

Zitate von Rolf Dobelli in Die Kunst des digitalen Lebens

Man kann den News kaum mehr entfliehen, weil sie omnipräsent sind und alle Medienkanäle überfluten. Und damit nehmen sie Raum in unserem Denken ein. Das beeinflusst natürlich auch unsere Entscheidungen, da diese News verfügbar sind in unserem Denken.

In diesem Sinne können News unsere persönlichen Entscheidungen beeinflussen. News-Journalisten und ihre Auftraggeber beeinflussen damit Entscheidungsträger in Business und Politik.

Newsorganisationen produzieren News-Müll. Und wir konsumieren diesen Müll. News sind kleine Appetithappen und erzählen trotzdem sehr vereinfacht eine Geschichte. Es wird damit suggeriert, dass die Welt einfach ist. Komplexität wird in News vermieden. News können deshalb keinen vollständigen Blick auf die Situation und alle wesentlichen Hintergründe und Ursachen liefern. Das können nur die langen Formate, wie lange Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Essays, Features, Dokumentarsendungen, Reportagen und Bücher.

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Aber auch bei den langen Formaten ist nicht garantiert, dass eine ausgewogene und vollständige Betrachtung der Situation erreicht wird. Solange diese Formate in Medien erscheinen, die sich über Werbung finanzieren, bleibt die Gefahr bestehen, dass die Inhalte im Sinne der Auftraggeber geschrieben sind und für uns keine Relevanz und keinen Wert haben.

Sind News wirklich relevant für uns? Laut Rolf Dobelli ist etwas relevant, was uns hilft bessere Entscheidungen zu treffen. Oder dabei hilft die Welt besser zu verstehen. Deshalb hätten News keinerlei Relevanz nach diesen beiden Definitionen.

Je mehr Breaking News, um so belangloser und weniger relevant sind sie für uns persönlich. Stattdessen wird uns suggeriert, das Neue sei das Relevante. Relevant ist für uns aber nur das, was wir selbst beeinflussen können im privaten oder beruflichen Leben.

Der Autor teilt seine Erkenntnis, dass News wertlos sind, meistens sogar schädlich. Eine gesunde geistige Ernährung sei wichtig und News gehören nicht zu einer ausgewogenen geistigen Ernährung.

Sein Fazit: Newskonsumenten setzen ihre psychische und physische Gesundheit aufs Spiel.

Begründungen im Buch, warum News schlecht für uns sind

Die folgende Auflistung zeigt uns, wie der Autor über viele Kapitel im Detail ausführt, warum News für uns schlecht sind. Einige Überschriften sind schon sehr erklärungsbedürftig. Meine Empfehlung: kauft und lest das Buch. Es lohnt sich.

Ich muss zugeben, dass meine größten Bedenken bezüglich des News-Verzicht erst in den letzten drei Aufzählungspunkten dieser Auflistung (kursiv markiert) behandelt wurden. Ich war der Überzeugung, dass ein mündiger und informierter Bürger sich nicht aus dem News-Konsum ausschließen darf.

  • News sind irrelevant
  • News gehören nicht in ihren Kompetenzkreis
  • News bewerten Risiken falsch
  • News sind Zeitverschwendung
  • News schränken das Verständnis ein
  • News sind Gift für den Körper
  • News bestätigen unsere Irrtümer
  • News verstärken den Hindsight Bias
  • News lassen den Meinungsvulkan brodeln
  • News hemmen das Denken
  • News verändern unser Gehirn
  • News produzieren Fake Fame
  • News machen uns kleiner, als wir sind
  • News machen uns passiv
  • News werden von Journalisten gemacht
  • News manipulieren
  • News töten die Kreativität
  • News fördern den Mist – Sturgeons Gesetz
  • News geben uns die Illusion von Mitgefühl
  • News fördern den Terrorismus
  • News zerstören unsere Seelenruhe
Überschriften in Die Kunst des digitalen Lebens, warum News schlecht für uns sind

Wer profitiert von unserem News-Konsum?

Newsorganisationen wollen uns vorgaukeln, dass der Newskonsum uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Newsorganisation produzieren leicht verdauliche News-Häppchen und kreieren damit mehr Aufmerksamkeit als Werke der langen Formate.

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News-Journalisten versorgen uns gerne mit vereinfacht dargestellten Geschichten. Wir nehmen als Leser gerne diese einfache Perspektive und Erläuterung an. News-Journalisten sind in Newsorganisationen angestellt, die nichts mehr mit echten Journalismus zu tun haben. Tatsächlich wollen Newsorganisationen nur unsere Aufmerksamkeit. Ihr Geschäftsmodell basiert auf Werbung, die ihre Werbepartner mit den News platzieren. Und sie wollen möglichst viele Daten von uns Newskonsumenten erhalten, um uns transparenter für ihre wirklichen Kunden zu machen. Nicht wir sind die Kunden, sondern die Firmen, die Werbung schalten, um ihre Produkte zu verkaufen.

Wir bekommen nur noch die News vorgesetzt, die wir mit Vorliebe konsumieren. Ich persönlich habe versucht auf YouTube eine ausgewogene Sicht auf die politische Situation in den USA zu erhalten. Also neben linken und liberalen Quellen auch rechte Medien wie Fox News zu erhalten. Ich wollte die Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft verstehen. Aber das war nicht möglich.

Die rechten Quellen sind nach kurzer Zeit wieder aus den vorgeschlagenen Videos verschwunden. Wir werden also in den Newsblasen gehalten, in denen wir uns laut Ansicht der Newsorganisationen wohlfühlen. Der Autor nennt das einen einprogrammierten Confirmation Bias. Unternehmen wie Google und Facebook zeigen einem genau das, wovon sie vermuten, dass wir es am liebsten sehen wollen. Wir landen damit in Informationsblasen, aus denen wir uns schwer herausarbeiten können. Wir bekommen immer dasselbe serviert, das wir als unsere Weltsicht akzeptiert haben.

Damit werden News, News-Journalisten und Newsorganisationen zu Erfüllungsgehilfen von Ideologien. Dadurch werden Polarisierungen in unserer Gesellschaft ermöglicht.

Die News-Industrie ist der Blinddarm der Gesellschaft. Permanent entzündet, aber ohne Funktion. Am besten man schneidet ihn weg.

Rolf Dobelli in Die Kunst des digitalen Lebens

Dass News den Terrorismus fördern sollen, hat mich sehr nachdenklich gemacht. Aber die Argumentation des Autors ist schlüssig. Nur durch News und damit verbunden unsere Aufmerksamkeit und unser Mitgefühl bekommen Terroristen die Bühne, die sie haben wollen.

Bin ich ein Ignorant, wenn ich den Konsum von News vermeide?

Dies war die dringendste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich die Thesen und Argumente des Autors verarbeitete. Ich war der Überzeugung, dass es ein Zeichen von Bildung und emotioneller Intelligenz ist, offen und aufmerksam für Neuigkeiten aus aller Welt zu sein.

Mit unserer Aufmerksamkeit würden wir aber nicht diejenigen Menschen unterstützen, über die in den News berichtet wird. Wir unterstützen stattdessen die Newsorganisationen und ihre Werbepartner, wenn wir die News auf ihren Plattformen konsumieren. Wenn wir wirkliches Mitgefühl für die betroffenen Menschen zeigen wollen, dann sollten wir Geld spenden. Und zwar über Hilfsorganisationen. Die wissen, wo an welcher Stelle auf der Welt Hilfe benötigt wird. Mit unserem Geld helfen wir besser statt mit unserer Aufmerksamkeit und unserem Mitgefühl.

Und wenn wir die Welt besser verstehen wollen, dann nicht über Newskonsum. Über Newskonsum sind wir zwar gut informiert, aber wissen doch wenig. Das wirkliche Wissen haben wir nur in unserem Kompetenzkreis. Der Kompetenzkreis ist laut Warren Buffet das Werkzeug, mit dem wir Informationsquellen in wertvolle und wertlose trennen. Alle Informationen, die in unseren Kompetenzkreis passen sind wertvoll, alle anderen wertlos.

Information ist keine knappe Ressource heute. Unsere Aufmerksamkeit schon. Laut dem Autor gibt es keine einfachere und ergiebigere Methode mehr Lebenszeit für uns zu gewinnen, als den Verzicht auf News. Untersuchungen würden zeigen je höher der Ausbildungsgrad, desto höher ist der Newskonsum. Man kommt selbst bei konservativen Schätzungen auf gut 90 Minuten pro Tag. Dies entspricht einem Arbeitstag pro Woche. Und das summiert sich dann auf zu einem Monat pro Jahr nur für den Newskonsum.

Um mein Gewissen zu beruhigen, führe ich mir folgende Argumente des Autoren immer wieder vor Augen:

  • News sind das Gegenteil von Weltverständnis. Sie werden höchst subjektiv von Newsorganisationen ausgewählt und in unser Bewusstsein übertragen.
  • Sie suggerieren es gäbe nur Events. Events ohne Zusammenhänge.
  • Aber fast alles, was in der Welt geschieht ist komplex.

Und abschließend: News zu konsumieren, um die Welt zu verstehen ist schlimmer, als keine News zu konsumieren.

Wie und welche News konsumiere ich heute selbst?

Das iPhone und das iPad sind meine zentralen News-Hubs. Die beiden Macs und meine beruflichen Computer sind relativ News-frei. Früher waren auf den Browsern dieser Computer oft standardmäßig irgendwelche News-Portale als Startseiten eingestellt. Das ist glücklicherweise vorbei. Meistens habe ich meinen Blog als meine Startseite vorgewählt. Oder auf dem Firmenrechner ist das Firmen-Intranet vorkonfiguriert.

Zeitungen und Zeitschriften

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Ich habe die digitale Version der Rheinischen Post abonniert, schaue aber nur selten in diese Zeitung. Die c’t ist die Fachzeitschrift, die mich für meinen Beruf und meine Hobbys mit News und langen Fachartikeln versorgt. c’t und der herausgebende Heise-Verlag bieten zusätzlich vertiefende Audio- und Video-Podcasts über die Fachartikel an. Diesen Service nehme ich auch gerne an, wenn ich unterwegs bin.

Fernsehen

Einen Fernseher habe ich noch, aber ich konsumiere kein Fernsehprogramm mehr. Das habe ich bereits vor mehr als drei Jahren abgeschafft, da ich nichts mehr mit dem „seriellen“ Fernsehen anfangen konnte. Und natürlich wurde viel zu viel Werbung auf den meist privaten Sendern gezeigt. Reine Zeitfresser.

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Radio

Radio höre ich heute nur noch im Auto. Aber seitdem ich Apple CarPlay in meinen Autos nutzen kann, höre ich meistens nur noch meine Musik, Hörbücher oder Podcasts. Auch das „serielle“ Radioprogramm überzeugt mich nicht. Verkehrsmeldungen und live Fussballkommentierungen sind die einzig wirklich überzeugenden Services des Radioprogramms.

Online News

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Spiegel Online war meine zentrale News-Seite, die ich seit Ende der 90er-Jahre für mich entdeckt habe. Interessanterweise hat sich Spiegel Online selbst für mich als nicht länger zugänglich disqualifiziert, da sie mittlerweile 80% der Beiträge hinter der Paywall Spiegel+ verstecken.

Ich hatte mir einen Shortcut in Safari erstellt, der die Startseiten der folgende News-Sites auf Knopfdruck öffnet: Spiegel Online, iFun, mTechNews, The Verge, Ars Technica, Mac & I und Readly. Dies war meistens der erste Klick, nachdem ich Safari geöffnet habe.

Auch Blogs wie appletechnikblog liefern jeden Tag Dutzende von News aus dem Apple-Umfeld.

News Apps

Die App Flipboard ist ein News-Aggregator. Nachdem ich einen Account dort angelegt habe, habe ich diese App auf meine News-Vorlieben trainiert. Flipboard serviert seitdem diese Themen als schön zusammengestelltes buntes Puzzle von News-Beiträgen.

Dazu habe ich News-Apps wie iFun und mTechNews installiert, die mich mit News rund um eines meiner Lieblingsthemen, Apple, versorgen.

Readly ist eine Flatrate für Zeitschriften und Zeitungen. Dort konsumiere ich vor allem Magazine im Hifi/Audio-, Computer- und Automobilbereich. Zeitschriften, die voll mit Werbung sind. Deshalb kann man über die Relevanz der Inhalte diskutieren. Werbung und Inhalte sind immer stark korreliert. Nebenbei bekomme ich auch alles andere an Magazinen serviert, was an einem typischen Zeitungskiosk ausgelegt ist. Voll mit wenig relevanten News für mich.

Soziale Netzwerke

Auf Facebook bekomme ich mittlerweile 80% Werbung und laut Facebook-Algorithmus für mich relevante News angezeigt. Leider kann ich diese für mich tatsächlich irrelevanten News nicht ausblenden. Selbst eine Meldung der Werbung bei Facebook als irrelevant für mich sorgt nicht dafür, dass der Auswahl-Algorithmus lernt und News und Werbung nicht mehr zeigt. Stattdessen bekomme ich andere irrelevante News und Werbung gezeigt. Darüberhinaus werde ich auf jeder sozialen Media-Plattform mittlerweile mit Filmfetzen a la TicToc überschwemmt, die meine Zeit und Aufmerksamkeit verlangen. Auf der einen Plattform nennt sich das Reel, auf der anderen Shorts. Und natürlich ist da auch wieder Werbung eingebunden, die man nicht mehr schnell wegklicken kann.

Notifications sind Zeitdiebe

All dies führt auch zu regelmäßigen Notifications, die mich auf dem Homebildschirm der mobilen Apple-Geräte daran erinnern, dass neue News eingetroffen sind und zum Abruf bereit liegen. Sehr häufig erwische ich mich dabei, dass ich dabei schon vergessen habe, was ich eigentlich erledigen wollte und stattdessen in die News mit ihren reißerischen Titeln eintauche. Mich dann wieder zu konzentrieren und mit meinen wirklichen Aufgaben weiterzumachen erfordert auch wieder Zeit.

Ich würde dem Autor Recht geben und vermute, dass mein täglicher Newskonsum und die damit verbundene Ablenkung bei 90 Minuten pro Tag liegt.

Erste Maßnahmen zu meiner News-Abstinenz

Mein erster Schritt war die Löschung der Flipboard App und der beiden News-Apps iFun und mTechNews. Das war einfach. Beim appletechnikblog und weiteren News Blogs habe ich mich von der Email-Liste genommen.

Die nächste Aufgabe war für mich festzustellen, von welchen Apps ich noch ablenkende Notifications bekomme, die mich auf irrelevante News hinweisen. In den Benachrichtigungseinstellungen des iPhones habe ich die Notifications für all diese Apps und Services abgestellt. Dies betraf vor allem die Soziale Medien Apps von Facebook, Twitter und Pinterest.

Gelöscht habe ich diese Apps aber nicht, da ich diese Services weiterhin für die Promotion meiner Blog-Beiträge nutze. Und weil ich News aus meinem privaten Kreis als relevant ansehe.

All diese Massnahmen haben die tägliche Ablenkung schon sehr reduziert. Dadurch war ich übrigens in der Lage das Hörbuch von Rolf Dobelli noch zweimal weiter durchzuhören, um seine Argumentation für diesen Beitrag besser zu verstehen. Wow, wie schnell man Zeit gewinnen kann, wenn man auf News verzichtet.

Auf Readly wollte ich nicht verzichten. Die darüber konsumierten Zeitschriften sind zwar eine große Ablenkung. Diese App präsentiert aber für mich relevante Themen. Manchmal nutze ich diese Plattform auch für eine „Literaturrecherche“ zu weiteren Beiträgen auf meinem Blog.

Fühle ich mich besser, wenn ich auf News verzichte?

Verstehe ich die Welt jetzt besser? Treffe ich nun bessere Entscheidungen?

Der Autor verspricht höhere Lebensqualität, klareres Denken, wertvollere Einsichten, weniger Nervosität, bessere Entscheidungen und mehr Zeit.

Dafür bin ich viel zu früh im News-Abstinenzprozess. Die Midterms sind vorbei und ganz News-abstinent bin ich nicht geblieben. Über die Late Night Talker habe ich doch alles mitbekommen. Deren Geschäftmodell besteht darin, die News des Vortages humoristisch zu verarbeiten. Und da liefern Trump und seine Gehilfen seit mehr als sechs Jahren einen steten Strom von ablenkenden News. Das wird wirklich schwierig, dieser News Maschine aus dem Weg zu gehen.

Aber das Buch Die Kunst des digitalen Lebens hat mir eine Inspiration dafür gegeben, wie ich die Welt besser verstehen kann und bessere Entscheidungen für mich treffen kann. Und ich freue mich, die gewonnene Zeit in bessere Literatur und Informationsquellen zu investieren. Rolf Dobelli schreibt: lesen Sie Bücher und lange Artikel, die der Komplexität der Welt gerecht werden.

Der Satz in dem Buch, der mich am meisten angesprochen hat ist der folgende:

Gehen Sie in die Tiefe und nicht in die Breite

Rolf Dobelli in Die Kunst des digitalen Lebens

Ich fühle mich hier mit meinem Blog und auch meiner Art zu schreiben bestätigt. Ich lege immer Wert auf tief und detailliert ausgearbeitete Beiträge, die einen Mehrwert liefern sollen und hoffentlich auch für meine Leser relevant sind.

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