Heute möchte ich eine Reihe von Beiträgen beginnen, in denen ich spannende Gespräche mit anderen Computer-Sammlern dokumentiere. Immer wieder gibt es die Möglichkeit sich mit Gleichgesinnten in Foren und auf Messen auszutauschen und interessante Gespräche zu führen. Aber selten hat man die Möglichkeit bei diesen Computer-Sammlern vor Ort zu sein und die Sammlungen zu sehen. Das letzte Wochenende fuhr ich mit meiner Frau nach Rheinhessen, um dort den Computer-Sammler Roland zu treffen. Bei wunderschönem Wetter zeigt sich diese Weinregion von seiner schönsten Seite. Wir wurden von Roland und seiner Frau herzlich willkommen geheißen und es gab zur Begrüßung einen leckeren Brotkuchen mit Kirschen. Und ich durfte mir danach seine Apple-Sammlung anschauen.
Roland hat ein bewegtes Leben hinter sich und arbeitete auch zwei Jahre in Kalifornien – aber nicht bei Apple 😉. Er und seine Frau lernten sich bei einem Fernsehsender kennen und haben auch in gemeinsamen Film-Projekten gearbeitet. Dort hat er sich auch ein Netzwerk von befreundeten IT-Experten aufgebaut, woher er immer wieder gebrauchte Computer zu günstigen Konditionen bekommen konnte. Angefangen hat zwar alles mit einem 386er-PC, aber Apple-Produkte sind seine wirkliche Leidenschaft.
Mac-Leidenschaft
Sein erster Mac war dann auch schon ein sehr leistungsfähiger. Der Power Mac G4 (Mirrored Drive Doors) war ein sehr bemerkenswerter Einstieg in die Apple Computerwelt. Danach hatte er einen Power Mac G5 mit Dual CPU. Wer mit diesen Rechnern anfängt, der wird wohl nicht auf den Gedanken kommen, dass Apple Computer leise sein können.

Über die Jahre hat er eine beeindruckende Sammlung von Apple Desktops und Laptops zusammengetragen. Diese sind leider heute nicht mehr bei ihm. Er hat sich entschieden, seine Sammlung aufzulösen. Deshalb hatte er mich kontaktiert und mir iPods oder iPhones aus seiner Sammlung angeboten.
Geblieben sind ihm nur noch ein paar Apple-Tastaturen, darunter auch eine original verpackte A1048 mit Schweizer Tastaturlayout.
Wir beide sind ins Gespräch gekommen und haben ein gemeinsames Treffen bei ihm vereinbart. Bei dieser Videokonferenz bot er mir einen ganz besonderen Apple Monitor an, den es in dieser Qualität heute nur noch ganz selten gibt. Ich war sofort Feuer und Flamme und wir vereinbarten, dass ich diesen Monitor kaufen werde.

Es handelt sich dabei um das Apple Studio Display (21″ CRT), ein massives Gerät mit über 35 kg Gewicht und entsprechenden Ausmaßen. Nach etwas längerem Nachdenken war mir klar, dass ich dieses Monstergerät nirgends unterbringen könnte. Ich muss zugeben, dass ich sehr unglücklich über diese Entscheidung bin. Aber ich freue mich für denjenigen, der dieses Gerät von Roland bekommen wird. Das Gerät selbst ist einfach wunderbar mit seinem transparenten, Blueberry-farbenen Gehäuse und wurde von Januar 1999 bis Juli 2000 als externer Monitor für den Power Mac G3 und G4 produziert.



Zusätzlich hat er noch Cinema Displays in den Größen 20 und 23 Zoll in seiner Sammlung. Wunderschöne Displays mit Aluminium-Gehäuse, die in den Jahren 2004 bis 2008 gebaut wurden.



i-Devices
Zu meiner Freude hatte er aber noch seine komplette Sammlung an i-Devices. Dort fanden sich iPods aller Größen und Formen. Von den ersten iPods mit Touch Wheel, iPod minis in unterschiedlichen Farben, iPod Shuffles von vielen unterschiedlichen Generationen, iPod Nanos aller Größen, Farben und Formen, iPod Touch bis hin zum letzten Modell. Und natürlich auch eine Auswahl an iPhones. Was für eine außergewöhnliche Sammlung.

Da konnte ich mich nicht zurückhalten und musste Roland fragen, ob er mir einen iPod mit Touch Wheel aus dem Jahr 2002 überlassen würde. Dieser ist bemerkenswert, weil er noch nicht den 30pin Stecker hatte, den danach jeder Apple iPod spendiert bekam. An diesem gibt es nur eine Firewire 400 Schnittstelle, die für schnelle Datenübertragung und für die Stromversorgung genutzt wurde. Neben einem noch originalverpackten weißen Kopfhörer gab er mir noch ein Netzteil mit Firewire-Anschluss mit. Roland gab mir einen Tipp, wo ich ein Firewire-Kabel finden kann, das auch zur Stromübertragung fähig ist.
Außerdem sind noch vier separate Tasten für die Steuerung rund um das Touch Wheel angeordnet, welche ab der nächsten Generation als separate Knöpfe oberhalb des Touch Wheels angeordnet wurden.




Das Gerät ist in einem tollen Zustand, die Metall-Rückseite hat bemerkenswert wenige Benutzungsspuren. Gegenüber meinem iPod U2 von 2006 und einem iPod von 2009 ist dieser historische iPad sehr dick, da dort noch eine 20GB Festplatte verbaut ist. Was mir ganz besonders gefällt ist die dicke Glasschicht, die die Oberseite elegant abdeckt und erhaben über dem metallischen Gehäuse schwebt. Was für ein klobiger, aber wegweisender iPod.




Vielen Dank, Roland, dass ich dieses tolle Apple-Gerät von Dir bekommen konnte. Eigentlich hätte ich noch den lustigen iGhost als Ladestation und Lautsprecher mitnehmen sollen.

Was passiert mit unseren Computer-Sammlungen?
Dieses Thema habe ich bereits 2018 in meinem Beitrag Digitales Leben über das Leben hinaus behandelt. Nur selten können die Familie oder Freunde etwas mit den Sammlungen anfangen, die uns persönlich wichtig sind. Im Grunde muss man zu Lebzeiten schon die Nachfolge für unsere Computer-Sammlungen regeln.
Auch Roland hat sich dieser Herausforderung gestellt. Er hat beschlossen, dass er sich schon jetzt von seinen über viele Jahre zusammengetragenen Sammlungsstücken trennen möchte. Dazu hat er Kontakt mit Personen aufgenommen, die eine Leidenschaft für das Sammeln alter Computer haben. Ein solches Netzwerk von Sammlern erhält man entweder über Foren wie das vom Verein zum Erhalt klassischer Computer (VzEkC), oder auf Websites wie Apfeltalk.de. Auf diesem Weg hat er auch mich gefunden und kontaktiert.
Und Roland ist auch Teil eines Netzwerkes von Personen, das dabei unterstützt, aufgelöste Sammlungen durch die Republik zu transportieren und ihren neuen Besitzern zu übergeben. Genauso ist auch dieses großartige Apple Studio Display (21″ CRT) zu ihm gelangt und wird bald eine andere Heimat finden.
Ich persönlich werde mir diese Frage auch bald mal stellen müssen. Dazu werde ich dann über den VzEkC die Verteilung anstossen. Eine andere Möglichkeit ist es, dass ich alle Geräte noch über einen eigenen Online-Store verkaufen werde. Ich wollte schon immer meine Website um einen Online-Store (z.B. WooCommerce) erweitern. Vielleicht packe ich das irgendwann mal an.
Fazit
Einen Nachmittag mit Gleichgesinnten über das Thema Computer-Sammlungen zu verbringen, ist etwas ganz besonderes. Die Zeit vergeht wie im Flug. Jeder Computer-Sammler setzt unterschiedliche Schwerpunkte für seine Sammlung. Während ich englische Homecomputer der 80er, Apple-Computer und Design Computer sammle, hat Roland sich auf Apple-Produkte spezialisiert. Leider konnte ich seine Mac-Sammlung nicht mehr sehen, umso interessanter war sein Bestand an i-Devices. Ich durfte ihm einen iPod abkaufen, den ich in Ehren halten werde.
Was mit unseren Computer-Sammlungen geschieht, sollten wir frühzeitig selbst vorbereiten und entscheiden. Je älter man wird, umso weniger Sinn macht es sich mit solchen irdischen Gütern zu belasten. Was war ich froh, als ich bei meinem Umzug in unsere neue Wohnung auch den Umzug meines Computermuseums abgeschlossen habe. Ich habe über diese Erfahrung im November und Dezember 2023 in 34 Beiträgen auf meinem Blog berichtet. Ich persönlich bin froh, dass ich alle Stücke meiner Sammlung auch in digitaler Form verewigt habe. Auch den iPod with Touch Wheel von Roland habe ich dort bereits dokumentiert.
Nochmals ein herzliches Dankeschön an Roland und seine Frau für dieses schöne Treffen.

Nachtrag: Mac Pro (Late 2013)
Ich erzählte Roland bei diesem Treffen von meinem Traum einmal einen Mac Pro (Late 2013) in gutem Zustand für einen guten Preis in meine Computersammlung aufzunehmen. Wenige Tage später hatte Roland über seine Kontakte bei einem Fernsehsender diesen Rechner für mich besorgt. Am 27.06.2025 konnte ich dieses Designstück bei ihm abholen. Wahnsinn, ich bin überglücklich, dass ich Roland kennengelernt habe. Was für ein tolles Erlebnis.

