Commodore Computer – in Deutschland ganz groß

Wenn man in den 80er Jahren Computerfreak war, dann hatte man meistens einen Commodore-Computer zu Hause. In den frĂŒhen 80er Jahren war es vor allem der C64, der die Phantasie seiner User beflĂŒgelte. Es gab nur eine kleine Fraktion von Sinclair-Nerds, die auf den ZX Spectrum schwörte. Dazu gehörte auch ich.

C64: der König der Homecomputer (Bild: Wikipedia)

Der Brotkasten

Mir persönlich hat der Brotkasten, wie er abwertend, aber auch liebevoll genannt wurde, nie vom Look her gefallen. Aber ich muß zugeben, die Hardware und die Software war das beste, was man damals fĂŒr wenig Geld kaufen konnte. Obwohl natĂŒrlich ein System aus C64, Commodore Monitor und Diskettenlaufwerk, schon locker in den vierstelligen DM-Bereich kommen konnte. Da war die Sinclair-Welt immer gĂŒnstiger, aber natĂŒrlich auch technisch sehr viel eingeschrĂ€nkter.

Im Software-Bereich waren beide Computer gleichwertig. Aber in Deutschland war es immer einfacher an Software fĂŒr den C64 zu kommen. Damals begann das gegenseitige Kopieren von Disketten und das Aufbauen gewaltiger Software-Libraries. Es war damals kein besonders ausgeprĂ€gtes Schuldbewusstsein dafĂŒr vorhanden, daß man Raubkopierer war.

Aber diese leichte VerfĂŒgbarkeit von Software war auch einer der GrĂŒnde, warum der C64 in Deutschland der gefragteste Computer war. Software fĂŒr den ZX Spectrum bekam man meistens nur auf Cassetten und auch nur in wenigen LĂ€den (wie z.B. Vobis). Ich hatte keinen Tauschpartner fĂŒr ZX Spectrum-Software in meiner Schule. Bei dem C64 hĂ€tte ich jeden Tag ein Dutzend neuer Software auf dem Schulhof bekommen können. Auch hatte unsere Schule ein eigenes Computerlabor, in dem nur C64er standen. Ich habe damals Simons Basic auf diesen Computern gelernt.

Die Geschichte von Commodore

Commodore hat eine großartige Geschichte. Von Jack Tramiel gegrĂŒndet, war Commodore jahrelang mit Taschenrechnern erfolgreich bevor man in den spĂ€ten 70er Jahren die ersten Computer (z.B. PET) herausbrachte. Im Consumer Markt war der VIC 20 (in Deutschland der VC20 – Volkscomputer) erwĂ€hnenswert. Commodore und Texas Instruments bekĂ€mpften sich in den USA in einem ruinösen Preiskampf, der dazu fĂŒhrte, daß TI seinen 99/4a vom Markt nahm, weil er nicht mehr kostendeckend verkauft werden konnte. Commodore konnte den Preiskampf gewinnen, da sie die Prozessor-Firma MOS eingekauft hatten und deshalb die Kosten gering halten konnten. Das galt zwar auch fĂŒr TI, aber der im TI 99/4a verbaute Prozessor war bereits ein 16 Bit-Prozessor und deshalb aufwĂ€ndiger und teurer.

Der C64 gilt auch heute noch als meistverkaufter Homecomputer der Welt. Eigentlich gehört damit in jede Computersammlung ein C64. Da ich aber Sinclair-Fan bin, verzichte ich mal auf dieses StĂŒck fĂŒr mein Museum. Obwohl ich selbst auch viele schöne Erinnerungen mit dem C64 meines Bruders hatte, den dieser mit viel Zubehör und Software von einem meiner MitschĂŒler kaufte. Als ich im Jahr 2018 den C64 mini sah, wusste ich, daß ich dieses witzige GerĂ€t als Platzhalter fĂŒr den Original C64 haben wollte.

FĂŒr Jack Tramiel war Business auch Krieg und so agierte er auch am Markt. Commodore dominierte weltweit mit VC20, C64, C128 die frĂŒhen 80er Jahre. Nicht immer wurden seine Entscheidungen vom Board getragen. Er zerstritt sich mit dem damaligen Board-Vorsitzenden Irving Gould und schied bei Commodore aus.

Das Management nach Tramiel versuchte die damals schon in Entwicklung befindliche Nachfolgegeneration von 8bit-Computern marktfĂ€hig zu machen. Aber aus unterschiedlichsten GrĂŒnden waren der C116, C16 und Plus/4 am Markt nicht erfolgreich. Gerade der Plus/4 versprach viel und hielt nichts davon. TatsĂ€chlich war der Plus/4 einer der grĂ¶ĂŸten Fehler des neuen Managements. Der Plus/4 war ein Zufallskauf bei eBay. Auf einmal hatte ich ihn und habe ihn dann trotzdem in meine Sammlung aufgenommen als Beispiel fĂŒr schlechte Management-Entscheidungen.

Nachfolger fĂŒr den C64?

Plus/4: Business-Software installiert?

Was das neue Management allerdings gut machte, war die Übernahme der Firma Amiga, die die erfolgreiche 16bit-Zukunft der Firma Commodore sicherte. In meiner Sammlung habe ich ein weiteres Beispiel fĂŒr schlechte Management-Entscheidungen: den Commodore Amiga 600. Dieser Computer sollte ein gĂŒnstiger Ersatz fĂŒr den Amiga 500 sein, wurde aber dann mit der Modellnummer 600 als hochwertiger Nachfolger marketingtechnisch positioniert. Die Kunden erkannten diesen Move allerdings und straften den Amiga 600 ab. Er wurde kein Erfolg am Markt.

Amiga 600 = billiger Amiga 500?

Commodore pflegte ĂŒber die nĂ€chsten Jahre seine Amiga-Linie und die PC-Reihe weiter. Auch der C64 wurde noch bis in die 90er weiter vertrieben. Am 29.4.1994 ging Commodore offiziell in Insolvenz. Der Markenname lebt weiter. Vor allem Enthusiasten lassen die alten Commodore Computer immer wieder aufleben.

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