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Hörgeräte – digitale akustische Helferlein

Mein HNO-Arzt war der Meinung, daß ich nicht gut höre. Ich stimme ihm zu. Hörgeräte sind weitere digitale Helferlein für mein wahres Leben.

Höreinschränkungen machen das tägliche Miteinander schwerer. Kommunikation mit anderen Menschen ist ohne Fehler im Verständnis des Gesagten nicht möglich. Ein Tinnitus auf beiden Ohren überlagert zusätzlich wichtige Frequenzen. Keine einfache Situation. Weder für mich, noch für meine Mitmenschen. Nach einigen Jahren regelmäßiger Hörtests hat mein HNO-Arzt nun entschieden, dass ein Hilfsmittel zum besseren Hören sinnvoll wäre. Eine Empfehlung für einen Hörakustiker habe ich auch bekommen. Also auf geht‘s. Schließlich sind Hörgeräte sind seit einigen Jahren auch digitale Helferlein. Analoge Signalverarbeitung gibt es schon lange nicht mehr, da die Krankenkasse dafür die Kosten nicht übernimmt.

Eine ganz neue Erfahrung, die mein Leben sehr verändern wird. Vor allem, da ich die digitalen akustischen Helferlein erstmal ausgiebig testen möchte. Und ich will die neuesten Trends auf dem Markt der Hörgeräte kennenlernen. Ich werde in diesem Beitrag über meine Erfahrungen mit Hörgeräten berichten. Das erweitert auf jeden Fall meine Erfahrungen mit Audiogrammen, die ich bereits mit den AirPods Pro und den AirPods Max gemacht habe.

Das Ökosystem im Markt der Medizinprodukte für Schwerhörige

Zuerst aber mal ein paar Erläuterungen über das für mich neue Ökosystem von HNO-Ärzten, Hörakustikern, Hörgeräteherstellern, Krankenkassen und Schwerhörigen. Ein Milliardenmarkt.

Seit drei Wochen bin ich nun auch ein Teil davon. Als nun offiziell von meinem HNO-Arzt als leicht bis mittel Schwerhöriger eingestuft, darf ich als sein Patient nun einen Hörakustiker aufsuchen. Dazu erhält man eine Hörgeräte-Verordnung, die man dem Hörakustiker vorlegt.

Patient als Kunde des Hörakustikers

Ab diesem Moment ist man dann Kunde des Hörakustikers, der einem dann seine Produkte anbietet. Dabei geht er natürlich nach marktwirtschaftlichen Kriterien vor, die seinen Gewinn optimieren und nicht die Kosten des Kunden minimieren. Als Kunde hat man es aber selbst in der Hand wieviel man persönlich hinzuzahlen möchte.

Neben selbständigen Hörakustikern gibt es Hörakustiker-Ketten wie Geers oder Fielmann, die auch sehr häufig im Besitz von Hörgeräteherstellern sind. Die Aufgabe eines Hörakustikers besteht darin, dem Kunden unterschiedliche Möglichkeiten aufzuzeigen. Preislich ist von 10 Euro Zuzahlung bis zu mehreren 1000 Euro Zuzahlung alles möglich.

In einem ersten Termin fragt der Hörakustiker die aktuelle Situation seines Kunden ab. Er stellt neben gesundheitlichen Fragen auch Fragen zu den persönlichen Präferenzen, wie z.B. der Bauform der Hörgeräte oder gewünschten technischer Features.

Dann kommt es zu einem Hörtest. In diesem Hörtest wird die Hörschwelle über einige Punkte des Frequenzspektrums ermittelt. Außerdem wird für einige Frequenzen auch die Schmerzschwelle ermittelt, ab der die Lautstärke zu hoch ist und als Schmerz empfunden wird.

Mein erster Termin mit dem Hörakustiker

Ich speziell habe auch noch darum gebeten, dass die Tinnitusfrequenz auf beiden Ohren ermittelt wird.

Mein Hörakustiker hat ohne spezielle Erläuterung ein in-dem-Ohr (IdO) Hörgerät von Signia als erstes Testgerät für mich gewählt. Signia ist eine Marke der Sivantos Group, die früher unter Siemens Audiology Group firmierte. Jetzt ist die Sivantos Group auch Teil von WS Audiology geworden.

Signia Silk Nx Hörgeräte im Größenvergleich mit einer Apple Watch 44mm
Signia Silk Nx Hörgeräte im Größenvergleich mit einer Apple Watch 44mm

Dieses Gerät mit der Bezeichnung Signia Silk 3Nx ist sehr kompakt und verschwindet komplett im Gehörgang. Ein Nylonfaden erleichtert das Entnehmen der Geräte aus dem Ohr. Es gibt ein blaues Gerät für das linke Ohr und ein rotes Gerät für das rechte Ohr. Die Bezeichnung 3Nx deutet auf eine Technik von 2018 hin. Die 3 wiederum deutet auf eine mittlere Leistungsstufe hin. Die Topkonfiguration heißt dann 7Nx. Wie in der Automobilindustrie üblich sind in jedem Gerät die vollständigen technischen Möglichkeiten eingebaut. Die gewünschte Leistungsstufe wird vom Hörakustiker in der Konfigurationssitzung mit seinem Kunden freigeschaltet.

Sondereinstellungen

Der Hörakustiker muss unterschiedliche Hörprogramme auf ein Hörgerät laden können. Standard ist das Programm Universell, was sich dynamisch an die gerade vorherrschende Situation einstellen soll. Wie gut das funktioniert werde ich noch in der Folge darstellen. Dann gibt es noch weitere Programme. Mein Hörakustiker belegte die noch freien 5 Plätze mit folgenden Programmen:

  • Laute Umgebung: zum Beispiel in einem Restaurant oder in einer Kneipe einzusetzen
  • TwinPhone: man hält bei einem Telefongespräch den Hörer an das rechte Ohr und die Sprache wird auch über das linke Hörgerät wiedergegeben
  • Musik: das möchte ich verwenden, um Musik von meiner HiFi-Anlage zu genießen. Ob das funktioniert?
  • TV: zur Unterstützung beim Fernsehkonsum
  • Im Freien/Sport: wie der Name schon sagt ist das unter anderem für den Sport gedacht.

Ein weiteres Programm hätte meinen Tinnitus-Therapiewunsch adressiert. Dabei werden einem ein Dauerrauschen (Weißes oder Rosa Rauschen) oder Brandungsgeräusche vorgespielt. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig konsterniert war. Dies soll die Antwort dieses Hörgeräteherstellers sein, wie man Kunden mit Tinnitusproblemen helfen will? Gibt es keine wissenschaftlicheren Lösungen? Welche Lösungsansätze verfolgen andere Hersteller? Auf jeden Fall habe ich erstmal darauf verzichtet, dieses Programm zu aktivieren.

Konfiguration der Hörgeräte durch den Hörakustiker

Die Connexx-Applikation (V9) unterstützt den Hörakustiker bei der Konfiguration des Signia Hörgeräts. Da die Geräte so klein sind werden spezielle Flachbandkabel zum Aufspielen der ermittelten und konfigurierten Daten auf das Hörgerät verwendet. Danach ist das Gerät für bis zu 420 Stunden im Testmodus für den Kunden verfügbar.

Ich kann es dann sofort verwenden. Über einen QR-Code kann die Signia App mit dem iPhone verbunden werden. Allerdings weiß ich nicht, welches Übertragungsprotokoll Signia hier verwendet. Es müsste eigentlich Bluetooth sein. Aber interessanterweise findet mein iPhone das Gerät nicht über Bluetooth. Auch ist das Signia Silk Nx kein Made for iPhone (Mfi) zertifiziertes Gerät und ich kann es deshalb nicht mit den Hörgeräte-Erweiterungen des iPhones nutzen.

Mit der Signia App kann man dann zwischen den vorkonfigurierten Programmen umschalten. Die Lautstärke kann ich in einer Skala von 0 bis 15 für jedes Programm anpassen und auch die Höhen kann ich verstärken.

Außerdem bekommt man vom Hörakustiker noch ein Batteriepack mit sehr kleinen Batterien der Größe 10. Es sind Zink-Luft-Batterien in Knopfzellenbauform. Das erste Set hat knapp fünf Tage gehalten. Am sechsten Tag kamen akustische Signale in schneller abfallender Folge, die andeuteten, dass die Batterien fast leer sind. Weniger als eine Stunde später stellten sie die Funktion ein.

Das schwierige Marktumfeld im Bereich der medizinischen Hörhilfen

Nach diesen ersten Erfahrungen beim Hörakustiker möchte ich das schwierige Marktumfeld im Bereich der medizinischen Hörhilfen betrachten. Es gibt zuerst die Krankenkassen, die den Umfang der finanziellen Förderung von medizinischen Hörhilfen festlegen. Dann gibt es die HNO-Ärzte, die bestimmen, wann ein Patient eine medizinische Hörhilfe benötigt. Dann kommen die Hörakustiker ins Spiel, die medizinische Hörhilfen und alle Services dafür – wie Konfiguration und Wartung – verkaufen. Und schließlich gibt es die Hörgerätehersteller, die ihre Produkte an den Kunden bringen wollen.

Leistungen der Krankenkassen

2013 wurden die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen für Hörgeräte deutlich erhöht und die beidohrige Versorgung als Standard definiert. Für das zweite Gerät werden etwa zwanzig Prozent abgezogen. Außerdem zahlen die Kassen eine Reparaturpauschale und beteiligen sich an den Kosten für die Otoplastiken. Grundsätzlich steht jedem Schwerhörigen nach sechs Jahren ein neues Hörgerät zu, bei starken Veränderungen der Hörfähigkeit unter Umständen auch schon früher.

Der Spitzenverband der Krankenkassen hat einen Festbetrag von bis zu 786,86 € pro Ohr festgelegt.

HNO-Ärzte und Hörakustiker

Das Verhältnis von HNO-Ärzten und Hörakustikern ist kompliziert. In der Vergangenheit gab es Berichte, daß HNO-Ärzte von den Verschreibungen zu Hörakustikern finanziell profitieren wollten. Das Wort Erpressung machte die Runde. Oder HNO-Ärzte beteiligten sich direkt oder indirekt an Hörakustik-Studios. Alles nicht im Sinne der Gesellschaft, der Krankenkassen und auch nicht der Patienten.

Hörakustiker und Hörgerätehersteller

Auch das Verhältnis von Hörakustikern zu Hörgeräteherstellern ist schwierig. Grundsätzlich sind Hörakustiker in der Auswahl der Produkte unabhängig. Finanzielle Zuwendungen von den Hörgeräteherstellern können aber dazu führen, dass Hörakustiker diese Produkte in ihr Angebot aufnehmen. Diese Praxis war den Hörgeräteherstellern auf Dauer zu aufwändig und deshalb haben sie viele Hörakustikerketten einfach übernommen. Natürlich ist bei diesen Ketten die Auswahl der Produkte dann sehr eingeschränkt.

Die Hörgerätehersteller

Meine Marktbeobachtung in den ersten Wochen hat mir aufgezeigt, dass die Hersteller alle unterschiedliche Labels für ähnliche Techniken und Lösungen haben. Es war für mich nicht transparent, ob es Hersteller gibt, die bessere Produkte haben als andere. Alle behaupten für das Grundproblem, nämlich den Schwerhörigen beim besseren Hören zu unterstützen, die richtige Lösung zu haben. Alles andere ist nice to have und muß teuer privat bezahlt werden.

Folgende große Gruppen von Hörgeräteherstellern und Hörakustikern gibt es zur Zeit am Markt.

Sonova Gruppe (Schweiz)

Dazu gehören die Hersteller Hansaton, Unitron und Phonac. Ausserdem haben sie die AudioNova Group übernommen. Nebst AudioNova gehören unter anderem auch die Marken, Audium, AuditionSanté, Boots Hearingcare, Connect Hearing, Fiebing, Geers, Hansaton Akustische Geräte, Lapperre, Lindacher, MiniSom, Schoonenberg, Triton und Vitakustik zur Gruppe. Sonova gilt in der Branche als Nummer 1.

William Demant Holding Group (Dänemark)

Dazu gehören Oticon, das als weltweit größter Hörgerätehersteller gilt, sowie Bernafon und Phonic Ear. Die William Demant Holding Group gilt als die Nummer 2 in der Welt.

WS Audiology

Früher firmierten diese unter Widex (Dänemark) & Sivantos Group (Singapur). Folgende Marken gehören zu WS Audiology: Widex, Audio Service, Signia, Rexton, TruHearing, Audibene, HearUSA und Hear.com. Die Nummer 3 am Markt. Signia ist eine ehemalige Siemens-Tochter.

GN Gruppe (Dänemark)

Mit Interton, Beltone und GN Resound die Nummer 4.

Starkey (USA)

Dazu gehören die Marken Audibel, NuEar, MicroTech, Starkey, Telefunken. Starkey ist vor allem in den USA stark vertreten und weltweit die Nummer 5.

Kategorien von Hörgeräten

Für alle Geräte, deren Kosten die Kassen ganz oder teilweise übernehmen, gibt es Mindeststandards. So muss das Hörgerät mit Digitaltechnik ausgestattet sein und mindestens drei Programme für unterschiedliche Hörsituationen installiert haben. Vier unabhängig voneinander regelbare Frequenzbereiche (Kanäle), damit es optimal auf die Hörstörung eingestellt werden kann, sind ebenfalls Voraussetzung. Außerdem muss es Störgeräusche sowie Rückkopplungen unterdrücken können. Letzteres verhindert das lästige Pfeifen.

Durch die Erhöhung des Festbetrages im Jahr 2013 sind viele Standardgeräte – oder Kassengeräte, wie man auch sagt – technisch ausreichend gut, um den Patienten bestmöglich zu unterstützen. Diese gibt es in allen Formen und Farben. Grundsätzlich unterscheidet man folgende Bauformen:

  • IdO = in dem Ohr geeignet für leichtere bis mittlere Schwerhörigkeit. Man unterscheidet hier drei Größen: 1. In-The-Ear (ITE)-Geräte füllen die Ohrmuschel komplett aus. 2. In-The-Canal (ITC) ist schon dezenter, da das Gerät mit dem Gehörgang abschließt. 3. Complete-In-Canal (CIC) werden in den Gehörgang geschoben und sind von außen so gut wie unsichtbar. Sie haben oft einen kurzen Nylon-Faden, um es aus dem Ohr zu ziehen
  • HdO = Hinter dem Ohr. Die Standardgeräte, deren Technik ausgereifter ist als bei den kompakten IdO. Der Lautsprecher sitzt auch hinter dem Ohr. Der erzeugte Schall wird über ein Schallrohr in das Ohr geleitet.
  • Ex Hörer = HdO + Lautsprecher im Ohr. Diese haben den besten Klang, da die Wandler relativ groß sind und relativ nah am Trommelfell positioniert sind

There is an app for this – Einstellungsmöglichkeiten für Kunden

Die Signia App erlaubt die Steuerung der Hörgeräte im Alltag. Einmal vom Hörakustiker konfiguriert wird ein QR Code generiert, mit dem sich Hörgeräte und App verbinden.

Der zentrale Bildschirm bietet an die Lautstärke je nach Situation individuell anzupassen. Das rechte untere Icon schaltet um auf die Einstellung der Höhen. Ein Klick auf das Batterie-Symbol oben rechts bietet dann die Möglichkeit den Batteriestatus von beiden Hörgeräten abzufragen. Die Rückmeldung erfolgt akustisch. Drei Töne bedeuten, dass die Batterie des Gerätes noch voll geladen ist. Ein Ton zeigt auf, dass die Batterie bald leer sein wird.

Das aktive Hörprogramm wird oben im Bildschirm angezeigt. Durch einen Klick auf das Hörprogramm wird dann ein Auswahlbildschirm mit allen Hörprogrammen angezeigt. Wenn man ein anderes Programm auswählt, dann bekommt man auch eine akustische Rückmeldung.

Meine ersten Erfahrungen

Die ersten drei Wochen konnte ich die Signia Silk Nx nutzen. Sie gelten als Complete-in-Channel (CIC) Geräte. Es ist schon etwas komisch mit Fremdkörpern im Ohr herumzulaufen. Ich habe mich über meine langjährigen Erfahrungen mit InEar-Kopfhörern an dieses Gefühl schon gewohnt. Darum fällt mir auch gleich auf, wie wenig ich diese kleinen CIC-Hörgeräte wirklich wahrnehme. Der Tragekomfort ist hervorragend. Man vergisst mit der Zeit manchmal, dass man Hörgeräte trägt.

Die ersten zwei Wochen wurden diese Geräte als 3Nx konfiguriert. Die Woche darauf als 7Nx. Die 7Nx-Version ist die teuerste Technologiestufe. Die 3Nx-Version gilt als mittelpreisig. Der Unterschied sind die Anzahl der Frequenzkanäle, die vom Hörgerät separat aufbereitet werden müssen. Je mehr Frequenzkanäle, umso teurer die Konfiguration. Übrigens muß bei einer Neukonfiguration das Hörgerät von der Signia App entfernt werden und über einen neuen QR-Code neu verbunden werden.

Die eigene Stimme hören

Die eigene Stimme zu hören, wie sie mit den Hörgeräten wiedergegeben werden, ist die größte Umgewöhnung. Mal ist sie zu laut. Mal ist sie zu leise eingestellt. Aber immer hört sich meine eigene Stimme anders an als ich es gewöhnt bin.

Zum ersten Termin beim Hörakustiker habe ich die eigene Stimme relativ stark ausfiltern lassen. Es hörte sich ansonsten so an wie bei einer Telefonkonferenz, wenn man das eigene Echo hört. Man kann sich dann einfach nicht konzentrieren, weil man seine eigene Stimme zeitverzögert nochmals hört. Dieser Echo-Effekt ist bei Hörgeräten deutlich weniger stark ausgeprägt. Aber mit diesem Beispiel kann man den Effekt am einfachsten beschreiben, weil wir das alle wahrscheinlich schon mal bei Telefonkonferenzen erlebt haben. An diesen Effekt hat man sich dann aber schnell gewöhnt. Tatsächlich begrüße ich es jetzt, wenn ich meine eigene Stimme deutlich höre. Denn dann weiß ich, daß die Stimmlagen gut verstärkt werden.

In den Tagen danach war aber ein anderer Effekt viel ärgerlicher. Der Effekt, der entsteht, wenn Stimmlagen aufgrund von starken Lärmgeräuschen ausgefiltert werden. Keine Ahnung was sich die Hersteller dabei denken. Den Umgebungslärm zu verstärken auf Kosten der Stimmlagen ist für mich nicht nachvollziehbar. Es ist dann anstrengend andere Stimmen und die eigene zu verstehen. Man spricht dann automatisch lauter und man hört Stimmen wie aus größerer Entfernung und viel leiser. Ganz besonders negativ habe ich diesen Effekt empfunden, wenn ich im Auto gefahren bin und mein Beifahrer mit mir sprach.

Das Hörprogramm Universell versucht permanent die Umgebungsgeräusche zu analysieren und die richtige Einstellung zu liefern. Das funktioniert alles andere als zuverlässig, obwohl die digitale Technik schon so lange am Markt ist.

Umschalten auf andere Programme

Neben dem Programm Universell gibt es noch andere Programme, die man über die Signia App einstellen kann. Einerseits ist das sehr komfortabel, weil es meinen Spieltrieb befriedigt und ich die unterschiedlichen Einstellungen intensiv austesten kann. Andererseits ist die Logik der Hörgeräte-Software immer noch nicht in der Lage selbständig auf das richtige Programm umzustellen. Und so war es manchmal notwendig das Programm Laute Umgebung über die App auszuwählen, da nur damit die Stimmen richtig verstärkt wurden.

Vor dem Fernseher ist das Programm TV besser als die Universell-Einstellung. Und das Programm Musik soll den Musikgenuss unterstützen. Aber dazu habe ich in einem gesonderten Kapitel mehr zu berichten.

Das Programm Im Freien / Sport habe ich beim Badminton eingesetzt mit einem sehr enttäuschenden Ergebnis. Der Umgebungslärm wurde verstärkt und ich konnte meine Mitspieler kaum verstehen. Auch diese Konfiguration erschließt sich mir nicht. Ich kam mir in der Kommunikation mit meinen Mitspielern vor, als würde ich hinter einem Vorhang stehen. Positiv anzumerken ist, daß beim Sport die Hörgeräte zuverlässig im Ohr blieben.

Das Programm TwinPhone ist von der Funktionalität und von der Idee gut, aber man kann die Einstellung nicht während eines Telefongesprächs einstellen. Nur ganz selten hat man diese Einstellung schon vorgewählt, wenn man angerufen wird. Also ist auch dieses Programm nicht sehr praxisnah.

Deshalb habe ich bei meinem zweiten Besuch beim Hörakustiker darum gebeten, das Programm TwinPhone mit dem Programm Tinnitussignal zu ersetzen. Ich wollte dann doch Signias Lösungsansatz für Menschen mit Tinnitusproblemen mal ausprobieren. Leider nahm ich das rosa Rauschen auf dem rechten Kanal als sehr viel lauter wahr als auf dem linken Kanal. Darauf muß ich den Hörakustiker nochmal hinweisen, daß er den linken Kanal verstärkt. Vor allem, da der Tinnituston auf meinem linken Ohr viel lauter ist.

Hifi-Musik und Hörgeräte

Dies ist für mich ein ganz besonderes Kapitel. Musik ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich liebe es Musik über meine Anlage zu hören. HiFi ist ein wichtiges Thema meines Blogs. In den letzten Jahren habe ich aber auch immer darüber geschrieben, wie sehr der Tinnitus den Musikgenuss schmälert.

Ich liebe es, intensiv in die Musik einzutauchen. Meine Anlage unterstützt mich dabei sehr. Die Lautsprecher habe ich auf meine Sitzposition ausgerichtet. Aber die ersten Momente mit den Hörgeräten und meiner HiFi-Anlage haben mir schnell aufgezeigt, wie wenig Mitten und Höhen ich mittlerweile wahrnehme. Nichtsdestotrotz ist die musikalische Balance immer noch gut und auch ohne Hörgeräte macht es Freude meine Musik zu hören.

Eine ähnliche Erfahrung habe ich gemacht, als ich das Audiogramm auf die AirPods Max angewendet habe. Der Gewinn in den Mitten und Höhen war gewaltig und am Anfang eher ungewohnt. Auf Dauer empfinde ich allerdings den festen Sitz der Hörschalen auf dem Kopf als unangenehm. Lange kann ich die Musik nicht mit den AirPods Max genießen.

Eigentlich sind Hörgeräte nicht für Hifi-Musik gedacht. Im Grunde sollen sie vorrangig den Stimmbereich verstärken. Hörgeräte sind nicht dafür ausgelegt einen so breiten Klangbereich wie Hifi-Musik effizient zu verarbeiten. Aber es gibt Möglichkeiten, wie die Hersteller oder Hörakustiker die Geräte für Hifi-Musik konfigurieren können.

Deshalb war ich dann auch gespannt, was mir das Programm Musik auf den Hörgeräten bringen würde. Der Zugewinn an Mitten und Höhen hat mir viel Spaß gemacht. Ich liebe diesen Effekt und habe deshalb meine Hörtest-Playlist rauf und runter gespielt, um die Auswirkungen auszutesten. Ich kenne die Musik in der Playlist sehr genau.

Erste HiFi-Hörerfahrungen

Umso erschreckter war ich wie die Frequenzen bei Schlagzeuginstrumenten wie Becken oder hellen, lauten Stimmen (z.B. Bono von U2) wiedergegeben wurden. Es war ein schrilles Scheppern, was ich als sehr unangenehm empfand. Mit den Signia Silk 3Nx bin ich noch davon ausgegangen, dass es an der eingeschränkten Konfiguration liegt. Aber nachdem mein Hörakustiker die Geräte auf die höchste Technologiestufe 7Nx konfiguriert hatte, wollte ich doch positiv überrascht werden. Vor allem da der Hörakustiker auch die verbesserte Musikprogrammstufe CD Qualität einstellte. Das Ergebnis war aber genauso schlecht. Das Scheppern der Becken – anstelle eines hellen Zischens – war weiterhin schrill und unangenehm. Es lag also nicht an der Konfiguration.

Auch habe ich meinen Hörakustiker gebeten die akustische Schmerzschwelle um 6dB über alle Frequenzkanäle zu erhöhen. Ich bin davon ausgegangen, dass das Hörgerät den vorher eingestellten niedrigen Wert nimmt und durch die Lautstärkeabsenkung dabei Kompressionseffekte erzeugen würde, die sich dann als Scheppern akustisch zeigen.

Aber auch diese Maßnahme hat nicht geholfen. Der akustische Effekt ist derselbe und damit hat dieses Hörgerät von Signia nicht diese (herausfordernde?) Aufgabe erfüllen können.

Meine Hoffnung liegt jetzt auf einem anderen Gerät. Vielleicht ist das Signia Silk Nx defekt, was ich trage. Vor allem, weil ich den Effekt verstärkt auf der linken Seite wahrnehme.

Diese Woche werde ich das Signia Active Pro austesten können. Und der HiFi-Test wird die ganz große Herausforderung werden. Das Active Pro hat aber auch die neueste Technik von Signia, während das Silk Nx noch Technik von 2018 ist.

Wie geht es weiter?

Dies ist erst der Beginn einer langen Reise. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ich auf der Reise noch machen werde. Ziel ist natürlich, daß ich akustisch in die Lage versetzt werde bei Unterhaltungen wieder voll aufnahmefähig zu sein und aktiv teilzunehmen. Das hat die erste einfache Konfiguration schon ermöglicht.

Überraschend ist es schon, daß die digitale Hörgerätetechnik trotz aller Erfahrungen noch immer nicht die richtige Einstellung für die Hörsituation selbständig auswählt. Ich hätte da mehr Erfolg in den unterschiedlichen Situationen erwartet. Die manuelle Auswahl eines Hörprogramms ist deshalb unbedingt erforderlich und nicht nur ein nice to have.

Batteriegestützte Hörgeräte sind meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Die vielen Zink-Luft Batterien, die pro Monat verbraucht werden (ca. 12) sind eine Belastung für unsere Umwelt. Akkugestützte Hörgeräte sind auf jeden Fall vorzuziehen. Leider haben wir als Smartphone-Besitzer gelernt, daß Akkus nach spätestens zwei Jahren ausgetauscht werden müssen. Dies wird auch für Hörgeräteakkus gelten. Ich sehe im Moment nicht, daß diese ausgetauscht werden können. Stattdessen wird wahrscheinlich dann eher ein neues Gerät erforderlich. Auch das ist nicht gut für die Umwelt und vor allem nicht gut für unser Konto. Die Krankenkasse fördert nur alle sechs Jahre ein neues Hörgerät.

Trotzdem möchte ich diese Erfahrung mit einem Akkugerät mal machen. Dafür war meine Erfahrung mit den Batterien zu ernüchternd. Man kann zwar von ca. fünf Tagen Nutzungszeit für eine Batterie ausgehen und dementsprechend vorsorgen, daß man immer Ersatzbatterien zu diesem Zeitpunkt dabei hat. Aber schon in dieser kurzen Testzeit ist es mir mehrmals passiert, daß eines oder beide Hörgeräte zu einem ungünstigen Zeitpunkt nicht mehr funktionierten, da die Batterien leer waren.

Außerdem nimmt man für die Nacht die Hörgeräte aus den Ohren, öffnet das Batteriefach und läßt die Geräte für die Nacht in einer Box liegen. Diese Zeit kann man stattdessen nutzen, um die Akkus wieder aufzuladen bei einem akkugestützten Gerät. Die Ladeschalen für die Akkus sind dann wie bei den AirPods Pro für mehrere Ladungen gut und können auch mitgenommen werden.

Eine spannende Zeit liegt vor mir.

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