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Defying Gravity – The Making of Newton

Lesedauer: 17 Minuten Defying Gravity ist ein Buch, das zusammen mit dem Apple Newton auf den Markt kam. Die Autoren geben einen Einblick in die Entwicklung

Vor kurzem wurde ich auf ein Buch über den Urvater aller PDAs und auch Smartphones aufmerksam: Defying Gravity – The Making of Newton, geschrieben von Markos Kounalakis und ausgestaltet mit großartigen Schwarz-Weiß-Bildern des Fotographen Doug Menuez.

Der Umschlag des Buches Defying Gravity - The Making of Newton
Der Umschlag des Buches Defying Gravity – The Making of Newton (Quelle: Defying Gravity)

Ich bestellte das Buch über Amazon, welches nur noch als gebrauchtes Buch lieferbar war. Es kam direkt aus den USA, was natürlich ein wenig Zeit erforderte bis es da war. Aber als ich es in Händen hielt tauchte ich gleich in diese großartige Visualisierung einer spannenden Zeit mit einem visionären Produkt ein. Ein Produkt, was seiner Zeit voraus war, aber noch nicht gut genug war. Erst das iPhone war der erste würdige Nachfolger von Apple, der lieferte was der Newton schon Anfang der 90er Jahre versprach.

Dieser Beitrag ist meine Zusammenfassung dieser spannenden Geschichte aus diesem Buch. Es beschreibt die Entstehung des Newton und auch die Hauptakteure, die für das Entstehen des Newton verantwortlich waren. Ausserdem möchte ich in diesem Beitrag ein wenig Hintergrundinformation darüber vermitteln, wie PDAs mit Handschrifterkennung auf einmal das heisseste Produkt der damaligen Zeit wurden.

Vor dem Newton – der Knowledge Navigator

Der Name John Sculley ist eng mit dem Newton verbunden. Von ihm kam auch der Begriff Knowledge Navigator für ein Gerät, was Menschen besser im täglichen Leben unterstützt als ein Computer. John Sculley gilt als der visionäre Apple CEO, der den Begriff Personal Digital Assistant (PDA) geprägt hat und das Produkt Newton marktreif gemacht hat. Vielleicht ist deshalb der Newton eines der ersten Produkte gewesen, was Steve Jobs nach seiner Rückkehr ab 1998 eingestellt hat. Die beiden verstanden sich nicht gut, nachdem Steve Jobs wegen seiner Angriffe auf John Sculley seinen Hut bei Apple nehmen musste.

Sculley erwähnte das Konzept des Knowledge Navigators erstmals 1987 in seinem Buch Odyssey. Apple erstellte daraufhin ein Video, das Sculley als Visionär wirken lassen sollte. Der Apple Ingenieur Steve Sakoman sollte diesen Knowledge Navigator bauen. Hinzu kamen Steve Capps, Walter Smith und Michael Tchao. Von Sakoman kam der Name Newton.

Knowledge Navigator – eine Vision von John Sculley (Quelle: Mac History auf YouTube)

1989 überzeugte der Apple Mitarbeiter Marc Porat schließlich John Sculley, dass das Next Big Thing eine Kombination von Elementen aus der Computertechnik und Kommunikationskomponenten sein sollte und eher als elektronisches Konsumentenprodukt vermarket werden muss. Dieses andere Produkt sollte Pocket Crystal heißen und das dazugehörige Projekt namens Paradigm wurde aufgesetzt.

Die Ausgründung von General Magic

Da innerhalb Apples nicht genügend Momentum aufgebaut werden konnte, um neben dem Newton auch Pocket Crystal zu entwickeln, wurde das Projekt Paradigm als Management-Spinoff unter dem Namen General Magic ausgegründet. Gründer waren Marc Porat, Andy Hertzfeld und Bill Atkinson. Viele weitere Apple-Mitarbeiter folgten in diese neue Firma. Apple war mit einem kleinen Anteil beteiligt und John Sculley war Mitglied des Aufsichtsrates von General Magic. Die Vision war damals schon ein kleines Smartphone, obwohl dieser Begriff erst sehr viel später geprägt werden sollte. Bis 1992 wurden viele namhafte Firmen Partner von General Magic. Aber Apple betrieb mit Newton seine eigene Initiative, die in dieselbe Richtung wie das von General Magic erdachte Produkt ging. Statt Steve Sakoman trieb seit 1990 Larry Tesler das Projekt weiter und brachte Acorn mit seinem stromsparenden ARM Prozessor an Bord.

Am 3. August 1993 kam der Apple Newton auf den Markt. Von General Magic kam nie das sehnlichst erwartete Hardware-Produkt Pocket Crystal auf den Markt. Stattdessen kamen im Jahr 1994 auf Basis von General Magics Betriebssystem-Produkt Magic Cap zwei Produkte seiner Partner auf den Markt: Motorola Envoy und Sony Magic Link PDA. Magic Cap hatte allerdings keine Handschrifterkennung, wie die meisten PDA Betriebssysteme, die damals den Markt eroberten. Handschriftliche Notizen galten damals als die technische Herausforderung, die jeder PDA-Hersteller anbieten musste.

ParaGraphs Handschriftenerkennung

Apples Ingenieure waren nicht in der Lage die Handschrifterkennung selbst zu entwickeln. Aus diesem Grund kauften sie die Lösung der russischen Softwarefirma ParaGraph ein. Aber auch dieses CalliGrapher genannte System war nicht wirklich nutzbar. Trotzdem setzte das Apple Marketing auf dieses innovative Feature, um den Newton zu bewerben. Das erzeugte natürlich zu große Erwartungen bei Presse und Nutzern, die nicht erfüllt werden konnten und damit schließlich zum schlechten Ruf des Newton führte. Zwar entwickelte Apple später mit dem Ingenieur Larry Yaegar eine verbesserte Version 2.0, dies konnte den Ruf des Newton aber nicht mehr retten.

Übrigens haben die russischen Köpfe von ParaGraph im Jahr 2002 Evernote gegründet. Evernote, die meine Lieblings-Notizsoftware auf dem iPad Penultimate gekauft haben, und diese tolle Software für mich unbenutzbar machten 🙁

Andere PDA-Produkte ab 1993

Das Buch Defying Gravity – The Making of Newton beginnt kurz vor der Ankündigung dieses neuen revolutionären Produktes auf der CES in Las Vegas am 7.1.1992 durch John Sculley. Er prägt während dieses Vortrags den Begriff des Personal Digital Assistant (PDA).

John Sculley führt die Presse durch die MacIntosh-Fabrik in Fremont, Kalifornien
John Sculley führt die Presse durch die MacIntosh-Fabrik in Fremont, Kalifornien (Quelle: Doug Menuez)

Knapp fünf Monate später kann er bereits einen Newton-Prototypen auf der Chicago CES präsentieren. Es dauerte allerdings noch fünfzehn weitere Monate bis August 1993, bis schließlich der Newton gekauft werden konnte. Eine Ewigkeit in der Tech-Branche.

In dieser Zeit nutzen viele Konkurrenten die Chance auf den Zug aufzuspringen, den Apple mit seiner Ankündigung des Newton in Fahrt gebracht hat. Durch Apple und seine Partner wird ein unglaublicher Hype erzeugt. Ein riesiger neuer Markt entsteht und andere Hersteller versuchen schneller auf den Markt zu kommen und Apple Marktanteile abzunehmen.

Computer Chronicles Review der PDAs

Der Blog myapplenewton hat einen Computer Chronicles Review von PDAs aus dem Jahr 1983 aufgeteilt auf 4 spannende Videos mit Präsentationen der damaligen Wettbewerber. Wirklich spannend anzuschauen.

Amstrad PenPad

Zuerst sei erstmal der Amstrad PenPad oder PDA600 genannt, der auch im Buch vorkommt. Das Gerät ist 350$ günstiger und natürlich weniger leistungsfähig. Aber man konnte es schon vor dem Newton kaufen.

Casio Zoomer

Dann ist da der Casio Zoomer (benannt nach Consumer) vom Palm Mastermind Jeff Hawkins. Dieses Produkt wurde im August 1993 unter dem Tandy-Label herausgebracht und vom Tandy-OEM Casio produziert. Dieses Gerät war mit 599$ knapp 100$ günstiger als der Newton. Dokumentiert ist diese frühe Geschichte in dem folgenden Lowendmac-Artikel.

Kleine Tastaturcomputer

Andere Produkte wie der Psion 3a und HP 100LX waren kleine Tastaturcomputer mit PDA-Funktionen, die aber nicht in die neue Klasse der Geräte mit Stiftbedienung und Handschriftenerkennung gehörten. Aber auch sie wollten ein Stück von diesem Kuchen abhaben und positionieren sich auf dem neuen Markt der PDAs, den Apple geschaffen hatte. Ich habe Nachfolger dieser beiden Computer und sie gehören zweifelsfrei nicht in die Klasse der PDAs wie der Newton. Dies sind das Psion Netbook und der HP 200LX.

AT&T EO Communicator

Ein ganz anderes Ding war der AT&T EO Communicator 440 und 880. Ausgestattet war er mit dem Hobbit-Prozessor von AT&T, der eigentlich auch im Newton verbaut werden sollte. Er sollte die perfekte Kommunikationslösung für Business-Kunden darstellen. Fax, Email und Telefonkommunikation sollten voll integriert sein.

Newton Derivate

Und dann gab es neben Apples Newton noch die Produkte der Apple-Partner mit Newton-Technologie. Diese waren der Sharp PI-7000 ExpertPad und das umgelabelte Siemens Notephone, der Teil einer Telefonie-Lösung von Siemens wurde.

Apple Personal hinter Newton

Bereits ab 1987 wurde nach der Veröffentlichung von Sculleys Buch Odyssey an einem Kommunikationscomputer bei Apple gearbeitet. Bis August 1993 zum Marktstart des Newton waren eine Vielzahl von Apple-Mitarbeitern involviert. Im Buch Defying Gravity – The Making of Newton sind viele dieser Personen in grossartigen Bildern festgehalten. Hier eine kleine Auswahl.

Bilder, die aufzeigen, wie anstrengend und manchmal auch befriedigend der Prozess der Entwicklung des Newton für diese Menschen war. In diesem Beitrag nenne ich nur ein paar der vielen Apple-Mitarbeiter, die ihren Beitrag dazu leisteten den Newton Wirklichkeit werden zu lassen. In der Reihenfolge, wie die Personen in der Newton-Geschichte auftauchten.

Steve Sakoman

Er kam von HP und erhielt von seinem Chef Jean-Louis Gassée die Möglichkeit eine unabhängige Einheit in Apple aufzubauen, die an seiner Vision eines mobilen Kommunikationstool mit allen technischen Highlights arbeitet. Sakoman hatte auch einen Namen dafür: Newton. Er und Gassée kündigten im Frühling 1990.

Sakoman chose Newton not only because the original Apple Computer logo depicted the 17th-century English scientist beneath an apple tree, but mainly because he believed that “Newton shook up people’s ideas about the way things are.”

Quelle: Defying Gravity

Larry Tesler

Larry Tesler feiert die erfolgreiche Präsentation des Newton auf der CES Chicago im Mai 1992
Larry Tesler feiert die erfolgreiche Präsentation des Newton auf der CES Chicago im Mai 1992 (Quelle: Doug Menuez)

Er prüfte die Ergebnisse des Newton-Teams nach dem Ausstieg von Steve Sakoman und war so sehr überrascht und auch überzeugt, dass er das Team weitermachen ließ. Er übernahm die Leitung des Teams und entschied sich für den ARM-Prozessor anstelle des bis dahin favorisierten Hobbit-Prozessor von AT&T. Der Newton sollte seiner Meinung nach ein klassischer Computer mit neuen Funktionalitäten sein.

Steve Capps

Steve Capps spielt seinen Jaminator. Damit kann man perfekte Solos von Rock-and-Roll Songs spielen
Steve Capps spielt seinen Jaminator. Damit kann man perfekte Solos von Rock-and-Roll Songs spielen (Quelle: Doug Menuez)

Lead Software Engineer, Programmierguru und User Interface Architect. Läuft immer in Shorts und Vans-Tennisschuhen rum. Er zeigte im April 1990 einen sehr frühen Newton-Prototyp dem Aufsichtsrat und John Sculley. Er war erfolgreich und er und das Team bekamen eine Deadline von zwei Jahren für die Marktreife des Newton. Die nächsten dreieinhalb Jahre arbeitete er hart an der Software bis der Newton im August 1993 auf den Markt kam.

Michael Tchao

Michael Tchao nach einem langen Meeting mit Apple-Mitarbeitern in Paris
Michael Tchao nach einem langen Meeting mit Apple-Mitarbeitern in Paris (Quelle: Doug Menuez)

Apple Marketing Specialist, Product Marketing Manager, 26 Jahre alt im Jahr 1990. Versucht John Sculley den Newton als ein persönliches Consumer-Produkt zu verkaufen. Was ihm dann auch gelingt. Gemeinsam mit Steve Capps überzeugen sie schließlich Larry Tesler den Newton „Junior“ als erstes Produkt der Newton-Familie zu bauen.

John Sculley

Porträt von John Sculley, CEO von Apple und Visionär des Knowledge Navigator
Porträt von John Sculley, CEO von Apple und Visionär des Knowledge Navigator (Quelle: Doug Menuez)

Apple CEO. Er nahm die Idee eines kompakten persönlichen digitalen Assistenten auf und unterstützte Michael Tchao dabei das Produkt in diese Richtung weiterzuentwickeln. John Sculley und Tchao beendeten die von Larry Tesler angestrebte „große“ Version des Newton, Codename „Senior“. Er kündigte der Welt einen neuen Markt für PDAs an und setzte dann alles daran den Newton auf den Markt zu bringen.

Keith Yamashita

Keith Yamashita, der Verantwortliche für den BrainTank. Ein Raum, in dem die Marketingmaterialien für den Newton erdacht wurden.
Keith Yamashita, der Verantwortliche für den BrainTank. Ein Raum, in dem die Marketingmaterialien für den Newton erdacht wurden (Quelle: Doug Menuez)

Baute den BrainTank auf. Ein Raum ohne Fenster, an dessen Wände alle Ideen zum Marketing des Newton platziert werden. Außerdem entstanden dort die kompletten Marketingmaterialien für die CES 1992 in Chicago. Die Einkäufer der Retailketten waren begeistert. Diese Qualität und Vielfalt an Material hatten sie noch nicht gesehen.

James Joaquín

James Joaquín präsentiert den Newton der europäischen Presse
James Joaquín präsentiert den Newton der europäischen Presse (Quelle: Doug Menuez)

Product Line Manager for Software and Tools. Präsentierte Newton der europäischen Presse auf der Apple Expo in Paris im September 1992. Und er präsentierte das Newton Toolkit auf Apples Developer Conference im Mai 1993 den begeisterten Entwicklern.

Gaston Bastiaens

Gaston Bastiaens, der belgische Chef der neugebildeten PIE Division
Gaston Bastiaens, der belgische Chef der neugebildeten PIE Division (Quelle: Doug Menuez)

Ehemaliger Manager bei Philips. Leiter der Personal Interactive Electronics (PIE) Group innerhalb Apples. Das Newton Team ging in dieser Gruppe auf. Seine Aufgabe ist es das Team motiviert zu halten, weitere Partner an Bord zu bringen und Newton fertig für die Auslieferung zu machen.

Tricia Chan

Tricia Chan nach dem Pressebriefing auf der CES Las Vegas im Jahr 1993
Tricia Chan nach dem Pressebriefing auf der CES Las Vegas im Jahr 1993 (Quelle: Doug Menuez)

Public Relations Whiz. Sie wollte die hohen Erwartungen an den Newton dämpfen. Gerade die schlechte Handschriftenerkennung war ihrer Meinung nach nicht geeignet für die erfolgreiche Positionierung des Newton. Stattdessen sollte das Kommunikationstalent hervorgehoben werden. Immerhin konnte der Newton emailen, faxen und beamen.

Timeline der öffentlichen Newton-Entstehungsgeschichte

Newton hatte bereits vor 1990 die Phantasie eines ausgewählten Kreises von Apple-Mitarbeitern angeregt. Aber erst ab September 1991 wurde Newton konkret auch außerhalb Apple kommuniziert.

  • September 1991

    Apple und Sharp beginnen Verhandlungen für Partnerschaftsverträge. Sharp soll die Newton-Technologie lizensieren und in eigenen Produkten einsetzen dürfen

  • Januar 1992

    John Sculley beschreibt den neuen PDA Markt auf der CES in Las Vegas. Außerdem kündigt er an, dass Apple ein PDA-Produkt in Kürze auf den Markt bringen wird

  • Mai 1992

    Ein Newton-Prototyp wird auf der CES in Chicago im Nachtclub Park West präsentiert. Ein riskantes Spiel. Apples Reputation würde sehr leiden, wenn sie es nicht schaffen das Produkt zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt zu bringen. Steve Capps liefert eine perfekte Präsentation der Newton-Technologie. Die Veranstaltung ist ein voller Erfolg. Außerdem kündigt Apple Partnerschaften mit Sharp, Motorola, PacTel, Random House und anderen an.

  • September 1992

    Apple Expo Paris. Apple Frankreich Präsident Michael Spindler kann das neue Produkt stolz der europäischen Presse präsentieren. Der Newton stiehlt allen anderen Apple Produkten die Show.

  • Oktober 1992

    Die europäischen Töchter wollen auch informiert werden über das neue, zukunftsweisende Produkt. Das Newton Team rotiert.

  • Herbst 1992

    Newton „Senior“ wird aufgegeben. Tesler versuchte zwar alles, um das größere Produkt zu erhalten, aber ohne Erfolg.

    Das Newton Team wird Teil der Personal Interactive Electronics (PIE) Group innerhalb Apples. Mehraufwand für das Newton-Team, um die Kollegen auf den neuesten Stand zu bringen.

  • November 1992

    Es wird klar, dass der Newton niemals zum Weihnachtsgeschäft 1992 verfügbar sein wird. Trotz des unermüdlichen Einsatzes aller Newton Teammitglieder, die Tag und Nacht durcharbeiten. Privatleben findet nicht mehr statt. Alles ordnet sich der Vision unter, die den Newton als Endprodukt beschreibt.

  • 12. Dezember 1992

    Ein Newton Teammitglied nimmt sich das Leben.

  • Januar 1993

    CES in Las Vegas. Apple präsentiert die Alpha-Version des Newton. Die Software ist voll mit Fehlern, trotz all des Einsatzes der Entwickler des Newton Teams. Michael Tchao und Steve Capps präsentieren den Newton und seine Technologie. Nicht alles funktioniert wie es soll.

  • März 1993

    Präsentation des Newton auf der CeBIT in Hannover. Amstrad stellt seinen PenPad vor. Über 350$ günstiger als der Newton. Die PDA-Konkurrenz zeigt sich auf dieser Messe. Matsushita, Sharps stärkster Konkurrent in Japan wird auch Apple Partner. Bastiaens kündigt die Beta-Phase der Software an

  • Juni 1993

    Newton Progress Report auf der CES in Chicago. Die Stimmung ist schlecht. Das Team ist ausgelaugt. Der Casio Zoomer wird vorgestellt. 100$ günstiger als der Newton

  • Juni 1993

    John Sculley tritt als CEO ab. Michael Spindler tritt an. Apple entläßt 15% seiner Mitarbeiter weltweit.

  • 2. August 1993

    Apple kündigt den fertigen Newton auf der MAC World in Boston an. Newton is coming! Newton is coming!

Newton is coming! Newton is coming!

Mit diesem angepassten Paul Revere-Zitat wurde die Präsentation des Newton in der Boston Symphony Hall am 2. August 1993 angekündigt. Sehr passend für Boston😀

Leider konnte ich kein YouTube-Video von diesem Tag finden, aber vom September 1993 gibt es ein Video von der Apple User Group Connection, wo ab 22:21 das Newton-Team auf die Bühne gebeten wird und eine Präsentation des Newton macht.

Präsentation des Newton durch das Newton-Team auf der Apple User Group Connection September 1993 (Quelle: The Unofficial Apple VHS Archive, YouTube)

Michael Tchao fasst in seinem Redebeitrag auch nochmal die Entstehungsgeschichte des Newton zusammen. Sie deckt sich mit den Informationen, die ich aus dem Buch Defying Gravity – The Making of Newton entnommen habe. Also viel Vergnügen bei der Erzählung der Story von Michael Tchao aus erster Hand.

Your World Your Newton

Ab dem 2. August 1993 konnte man Newton kaufen. Ein Produkt, was so anders war, dass man es erklären musste. Es sollte leicht bedienbar sein. Der Nutzer sollte keine Bedienungsanleitung mehr benötigten, um sich in die Bedienung einzuarbeiten. Das Gerät sollte intuitiv sein. Zum damaligen Zeitpunkt hatte sich der normale Computernutzer gerade an die Bedienung eines Computers mit einer Maus gewöhnt. Und jetzt kam ein Stift dazu. Mit diesem drückte man auf Icons, Texte und Buttons, um Aktionen durchzuführen. Auch wurden Gesten angewendet, um Elemente auf dem Screen zu selektieren oder zu löschen.

Your World, Your Newton – so erklärte Apple seinen Usern die Benutzung des Newton (Quelle: Blake Patterson, YouTube)

Außerdem war der Newton ein Kommunikationstalent. Er konnte Daten auf einen Drucker ausgeben. Der Nutzer konnte Daten faxen, emailen und beamen. All das war in der damaligen Zeit Stand der Technik bei Computern. Und nun konnte dieses kleine, kompakte Gerät das auch?

Das erste MessagePad der Baureihe hatte einen mit 20 MHz getakteten ARM-Prozessor 610. Außerdem waren 4 MByte ROM und 640 KByte RAM-Speicher, sowie ein monochromer Touch-LCD mit 336 × 240 Pixeln eingebaut. Die vier AAA Batterien betrieben das Gerät für mehrere Wochen.

Newton Commercials

Neben dem Your World, Your Newton Video wurde eine gewaltige Marketing-Aktion mit vielen Fernsehwerbungen gestartet. Jedes dieser Werbefilmchen hob ein Feature des Newton hervor. Und immer wurde auch die Anwendung der Handschriftenerkennung gezeigt, die noch in V1.0 der CalliGrapher Software nicht richtig funktionierte. Aber der Effekt war einfach zu schön, als dass man auf ihn verzichten wollte. Eben noch stand der handgeschriebene Text da, und voila – der Text war sauber übersetzt. Es dauerte zwar immer eine Gedenksekunde, aber das war damals Rocket Science.

Die Texterkennung war allerdings so schlecht und die Frustration der User so hoch, dass das Apple Marketing einen Film mit besonderer Erläuterung der Handschrifterkennung produzierte. Ab 4:00 gibt James Joaquín Handwriting Tips, mit dem Ziel, dass man eine höhere Texterkennungsrate erhält.

Handwriting Tips von James Joaquín (Quelle: Roger Hawkins, YouTube)

Es zeigte sich leider schnell, dass der Newton und seine Texterkennung noch nicht ausgereift war. Witze über die Texterkennung gab es viele. Auch die Simpsons nahmen dieses Thema in einer Folge auf. Der eingegebene Text Beat up Martin wurde von Newton als Eat up Martha erkannt. Wenigstens konnte man den Newton leicht werfen.

Apple versuchte die negative Presse mit einer Vielzahl von Fernsehwerbungen zu beantworten. Alle Newton-Werbungen sind in einem Video auf YouTube zusammengefasst.

Fazit

Dieses Buch ist von Insidern geschrieben, die den Entwicklungsprozess des Newton begleitet haben. Die Fotos, die die Leiden und Freuden des Newton-Teams dokumentieren, erlauben einen großartigen Einblick in Apple und ihre Mitarbeiter. Geheimhaltung ist normalerweise eine der wichtigsten Säulen für den Erfolg eines neuen Produktes bei Apple.

Meine erste Berührung mit einem PDA kam erst im Jahr 2000, als ich einen Palm Vx von meiner Firma zur Verfügung gestellt bekommen habe. Die Handschrift wurde besser erkannt, weil man die Buchstaben- und Zahlen-Eingabe nach dem Grafitti-Standard lernen musste. Ein Newton MessagePad habe ich erst sehr viel später gekauft. Es war ein MessagePad 130 von 1996. Und kurz darauf habe ich auch einen Apple eMate 300 von 1997 bekommen. Dieses Produkt hatte es nur im Bildungsmarkt in den USA gegeben.

Der Newton ist mir in Erinnerung geblieben als technisches Wunderwerk, das seiner Zeit voraus war. Die Vision des Newton und seiner angedachten Fähigkeiten ist erst später mit iPhone und iPad richtig umgesetzt worden. Aber vieles was in diesen Jahren zwischen 1987 und 1993 entwickelt wurde, ist später in anderen Systemen verwendet und weiterentwickelt worden. Die Persönlichkeiten aus dem Newton-Team haben auch in anderen Bereichen ihre Erfahrungen eingebracht. Steve Capps und Walter Smith wechselten später zu Microsoft, um die Entwicklung des Tablet PC zu unterstützen.

Auch dieser Beitrag war für mich wieder ein tiefes Eintauchen in historische und revolutionäre Zeiten und Ereignisse. Und dieses Buch hat mir diese Einblicke gegeben. Einen herzlichen Dank an die Autoren Markos Kounalakis und Doug Menuez.

Nachtrag: wie wurde das Buch produziert?

Wer auf die letzten Seiten dieses Buches springt findet Hinweise darauf, wie dieses Buch produziert wurde. Das ist so schön nerdig, dass ich daraus zitieren will:

Defying Gravity was designed and produced on an extremely accelerated schedule by utilizing Macintosh computers and the latest in desktop publishing technology.

… The book was written and edited in Microsoft Word. Captions were done in ClarisWorks. AppleLink was used extensively to speed up editing and proofing of the manuscript.

Principia Graphics of Portland, Oregon designed the book using Apple Macintosh Quattro 950 and 700 computers with Apple 19” monitors driven by SuperMac Thunder accelerated graphic cards. QuarkXpress was used for page layout, and Adobe Photoshop to colorize high-res photos supplied by the prepress company.

… All color work and desktop assembly was produced using Apple Macintosh Quadras.

Quelle: Defying Gravity
Großartige graphische Aufbereitung des Buches. Schwarz-Weiß Bilder. Bunte Rahmen. Text in allen Größen und Schriften
Großartige graphische Aufbereitung des Buches. Schwarz-Weiß Bilder. Bunte Rahmen. Text in allen Größen und Schriften (Quelle: Defying Gravity)

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