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Tag 25: Minicomputer und Mäuseklaviere

Lesedauer: 7 MinutenKann man Minicomputer und Mäuseklaviere sinnvoll einsetzen? Hier sind Beispiele dafür was die Industrie verkaufen wollte und scheiterte.

Der fünfundzwanzigste Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 8 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Viele kleine Computer passen in ein Fach des Regals. Ihre Tastaturen sind winzig. Kann man diese Geräte wirklich sinnvoll nutzen? Egal, heute präsentiere ich meine Minicomputer und Mäuseklaviere. Es sind Geräte aus drei Jahrzehnten, begonnen mit dem Atari Portfolio aus dem Jahr 1989, dem HP 200 LX aus dem Jahr 1994 und dem Psion Netbook aus dem Jahr 1999. Die Zusammenstellung geht weiter mit dem Sony Vaio UX aus dem Jahr 2006 und dem Sony Vaio P11Z von 2009. Und den Abschluss macht das OQO 2 aus dem Jahr 2007.

Minicomputer mit Mini-Tastaturen. Aber auch damit konnte man arbeiten
Minicomputer mit Mini-Tastaturen. Aber auch damit konnte man arbeiten

Atari Portfolio

Kleine Computer haben immer die Phantasie angeregt. Was könnte man alles damit machen? In Terminator 2 hat John Conner den Atari Portfolio dafür benutzt, um einen Geldautomaten zu hacken. Atari war 1989 sehr erfolgreich mit seinen ST Computern. Für diese Plattform gab es auch mobile Varianten. Eines wurde Stacy genannt und war bei Musikern sehr gefragt. Ein anderes war das ST Book und war nicht wirklich erfolgreich. Beiden Rechnern war gemeinsam, dass sie nicht lange mit einer Batterieladung liefen. Dann mussten sie wieder ans Netz. Und beide sind bei Sammlern heute sehr gefragt.

Beim Atari Portfolio hat Atari einen anderen Weg eingeschlagen. Dieser Rechner ist eine von Atari für den US, deutschen, italienischen und spanischen Markt lizenzierte Kopie des DIP Pocket PC. DIP war eine englische Firma, die bereits früh Erfahrungen mit kompakten Rechnern wie dem Psion Organiser gemacht hat. Der DIP Pocket PC war ein MS DOS kompatibler Rechner mit einem stromsparenden Intel 80C88 Prozessor.

Damit war der Atari Portfolio nicht mit den ST Computern kompatibel. Der DIP Pocket PC und der Atari Portfolio gelten als die ersten Palmtop PCs. Über einen Erweiterungslot konnte man diese kleinen Computer extrem erweitern. Außerdem war Software bereits eingebaut. Neben einem Texteditor, einer Tabellenkalkulation, Kalender, Taschenrechner war auch eine Adressverwaltung enthalten. Ich habe die Version HPC-006 mit QWERTZ-Tastatur in meiner Sammlung.

HP 200 LX

Auch der HP 200 LX ist ein Palmtop PC. Als HP Mitarbeiter wollte ich dieses Gerät unbedingt für meine Sammlung haben. Ich bekam von einem Kollegen den Tip auf diesen kleinen Computer. Er sagte mir, dass er dieses Gerät wirklich sehr gut einsetzen konnte. Das Mäuseklavier, sprich die Tastatur ist viel kleiner als das des älteren Atari Portfolios. Außerdem hat es noch einen Ziffernblock und viele Sondertasten. Das macht den Zugriff auf die eingebauten Programme natürlich sehr einfach. Eingebaut waren Lotus 1-2-3 als Tabellenkalkulation, Kalender, Telefonbuch, Eingabeaufforderung, Lotus cc:Mail, Taschenrechner und ein Datenbankprogramm. Das Betriebssystem war MS DOS 5.0 und der Prozessor war ein Intel 80186-kompatibler „Hornet“ Prozessor. Natürlich konnte man den Speicher erweitern und dann war sogar Windows 3.0 auf dem HP 200 LX lauffähig. Ich selbst habe die deutsche Version mit QWERTZ-Tastatur und 2 MB RAM.

Im englischen Wikipedia-Eintrag zum HP 200 LX habe ich gelernt, dass LX für „Lotus Expandable“ steht. Und beim genaueren Hinschauen konnte ich erkennen, dass dieses Gerät auch ein Pocket Quicken Logo aufgedruckt hat. Also ist auch die mobile Version des Finanzprogramms Quicken von Intuit vorinstalliert.

Psion Netbook

Psion wurde von David E. Potter gegründet. Folgerichtig ist Psion eine Abkürzung für „Potter Scientific Instruments Or Nothing“. Psion ist eine unglaublich innovative Firma. Nicht nur haben sie Software für meine geliebten Sinclair Computer (ZX81 Flight Simulator, QL Office Software) hergestellt. Sie hatten schon früh mobile kleine Geräte angeboten wie den Psion Organiser II, den ich auch in meiner Sammlung habe. In den 90er Jahren brachten sie eine Reihe von PDAs mit Tastatur auf den Markt. Und das Betriebssystem EPOC wurde die Grundlage für das Symbian Betriebssystem, welches Nokia und die Symbian-Partner weiterentwickelten und nutzten.

Das Psion Netbook war das letzte und größte Produkt einer Reihe von Electronic Organizer, die Psion herausgebracht hat. Diese Electronic Organizer unterschieden sich von den PDAs durch die eingebaute Tastatur. Und die Tastatur dieses Geräts ist wirklich sehr gut für die kompakte Größe. Der Öffnungsmechanismus des Netbooks ist wirklich gut gelungen. Es zeigt dann die Tastatur und einen großen Bildschirm. Die Oberseite ist mit Leder bezogen und sauber in den Öffnungsmechanismus eingebunden. Eine vollständige Software-Suite ist installiert und macht dieses Gerät zu einem der professionellsten Handhelds des Jahres 2000. Das Gerät wurde damals für 3000 DM angeboten.

Sony Vaio UX

Das Sony Vaio UX ist ein Produkt der UMPC-Initiative von Intel und Microsoft. In einem ultramobilen Gehäuse sollte ein vollwertiger PC eingebaut sein. Was für ein Schwachsinn. Alles ist Kompromiss-behaftet bei diesen Computern. Speziell der Sony Vaio UX ist ein Beispiel dafür, was man machen kann. Aber er ist auch ein Beispiel dafür, was man nicht machen sollte.

Versteht mich nicht falsch. Dieses Gerät ist faszinierend. Es ist unglaublich, was die Sony-Ingenieure schon damals alles in das Gerät integriert haben. In meiner Variante VGN-UX50 sind eine Front- und Back-Kamera integriert. Ein Fingerabdrucksensor ist ebenfalls enthalten. WLAN und Bluetooth waren eingebaut. Mit einem Trackpoint steuert man den Mauszeiger auf dem Screen. Es gab einen Kopfhörer- und Microphon-Anschluss. Ein USB- und ein PCMCIA-Port sorgten für Erweiterbarkeit. Und als Massenspeicher war ein MemoryStick Duo-Slot vorhanden. Das Display konnte nach oben geschoben werden und darunter zeigte sich die Tastatur.

Über eine Schnittstelle konnte der Sony Vaio UX in eine Art Dockingstation (VGP-PRUX1 Port Replicator) eingeschoben werden. An diese konnte man einen Netzstecker, ein Netzwerkkabel, drei USB-Stecker und einen externen Monitor anschließen. Außerdem gab es noch eine A/V Out-Steckerbuchse. Das ganze fühlt sich absolut hochwertig an.

Der Sony Vaio UX hatte einen Intel Core Solo Prozessor und der Screen stellte auf seinen 4,5“ insgesamt 1024×600 Pixel dar. Aber wer wollte ehrlich mobil mit diesem Gerät und einem Windows XP oder Windows Vista in dieser Auflösung arbeiten. Niemand. Es war einfach nicht ergonomisch einen vollwertigen Desktop auf diesem kleinen Display anzuschauen, oder mit diesem Mäuseklavier tippen zu wollen. Diese Tastatur gehört wirklich zu den ganz schlechten.

Aber wegen seines kompakten und coolen Looks war dieses Gerät ein Filmstar. Auch dieser Sony wurde von John Connor in Terminator Salvation zum hacken von Skynet verwendet. Diese kleinen Computer sind also die letzte Hoffnung, um gegen tödliche Roboter-Netzwerke bestehen zu können. Faszinierend 😉

Sony Vaio P11Z

Sony hatte viele unterschiedliche Formfaktoren in der UMPC-Zeit ausprobiert. Der Sony Vaio P11Z gehört zu den späten Beispielen dieser Ära. Im Vergleich zum Sony Vaio UX ist der Bildschirm fast doppelt so groß. Seine Diagonale von 8“ entspricht heute kleinen Tablets. Aber der Formfaktor des Displays (UWXGA) ist schon eher breit als hoch. Damit sollten die Geräte in eine Sakkotasche passen. Auf Werbefotos steckte dieses Gerät in der Po-Tasche einer Jeans-Trägerin. Mit seinen vier bunten Farben sollten diese Geräte schick aussehen und die junge Generation ansprechen. Der Preis lag damals bei knapp 1000 €.

Das Gerät stellt sich als klassischer Laptop mit einer separaten Tastatur dar. Diese gehört nicht zu den guten, vor allem weil die Tasten klein sind. Auch hier gilt die gleiche Kritik wie bei allen UMPC-Konzepten. Auf diesen Geräten will man kein vollwertiges Windows Vista bedienen. Aber trotzdem sind diese Geräte wunderschöne hochintegrierte technische Gadgets und machen sich in meiner Sammlung von Minicomputern und Mäuseklavieren gut.

OQO 2

Ähnlich wie das Sony Vaio UX ist das OQO 2 ein sehr kompaktes UMPC-Modell. Der Vorgänger war 2004 der kleinste tragbare PC der Welt. Der vorherige Besitzer war von diesem Gerät begeistert, weil er es wirklich sinnvoll beruflich einsetzen konnte. Aber auch hier gilt die gleiche Kritik wie bei allen UMPC-Konzepten.

Die Firma ist 2009 in den Bankrott gegangen, weil diese Geräte wirklich keinen Sinn machten. Sie waren einfach nicht praxisgerecht, obwohl (oder gerade weil) sie so klein waren.

Das OQO 2 ist ein Gerät, das jeder in seiner Sammlung haben will. Ich habe bereits einige Nachfragen erhalten, ob ich es nicht verkaufen will. Das Gerät ist hochwertig verarbeitet und in einem Top-Zustand. Es ist überraschend schwer, weil Teile des Gehäuses aus Metall verarbeitet sind. Aber die Tastatur ist wirklich das kleinste Mäuseklavier aller heute gezeigten ultramobilen Computer. Neben dem Trackpoint auf der Tastatur gab es noch sensitive Flächen unterhalb und rechts des 5“ großen Displays, die man zur Steuerung des Computers nutzen konnte.

Fazit

Diese Minicomputer und Mäuseklaviere sind schöne technische Gadgets. Egal, was man in drei Jahrzehnten an kompakten Computern gestaltet hat war wirklich wenig nutzbar und hat sich nicht durchgesetzt. Heute verwenden wir eher Smartphones mit ganz anderen User Interfaces und kapazitiven Touchscreens mit Fingerbedienung. Oder Tablets, wenn es etwas größer sein darf. Aber die Idee einen PC mit seinem PC-Betriebssystem in eine kleinere Form zu pressen, war zum scheitern verurteilt. Auch Microsoft hat seine Tablet PCs nur minimal in der Oberfläche verändert, damit man diese mit einem Stylus bedienen konnte. Trotzdem ist ein solcher Tablet PC nie wirklich erfolgreich geworden. Erst mit angepassten User Interfaces wie bei iOS oder iPadOS ergeben sich sinnvolle Nutzungsszenarien und haben iPhone und iPad zu Millionensellern gemacht.

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