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Tag 16: Tasten überall – Mobiltelefone aus den 90ern

Lesedauer: 4 MinutenMobiltelefone ermöglichten uns die ersten Freiheiten in der Kommunikation. Mein erstes GSM Handy war das Siemens S6D von 1997.

Der sechzehnte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 17 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Das besondere Merkmal des heutigen Faches in meinem Computermuseum sind Tasten über Tasten. Die Mobiltelefone der 90er Jahre hatten noch keinen Touchscreen. Das User Interface sah vor, dass man mit gewissen Tasten durch die Displaymenüs steuerte und gewisse Funktionen auswählte. Dann gab es das Standard-Nummernfeld, über das Telefonnummern oder Texte eingegeben wurden. T9 hieß der damalige Service, mit dem eingetippte Texte automatisch vervollständigt wurden. Dies war alles noch weit von heutigen Touchscreens und grafischen Benutzeroberflächen entfernt. Ich persönlich könnte diese Geräte heute wahrscheinlich nicht mehr richtig bedienen, so kompliziert wirken sie. Über die Jahre sind nicht nur meine Mobiltelefone, sondern auch viele andere Geräte von Freunden Teil meiner Sammlung geworden.

Soviele Tasten. GSM Handys und Taschenrechner
Soviele Tasten. GSM Handys und Taschenrechner

Nokia Mobiltelefone

Nach der Einführung des GSM-Standards waren in Deutschland die D-Netze (Telekom D1 und Mannesmann D2) und E-Netze (E-Plus, Viag Interkom) möglich geworden. Mobiltelefone wurden kompakt und unterschiedliche Hersteller bedienten einen immer größer werdenden Telekommunikationsmarkt. Anfang der 90er Jahre explodierte die Nachfrage nach diesen Geräten. Nokia wurde damals der größte Mobilfunkanbieter der Welt. In meinem Beitrag über Mobiltelefone und Featurephones habe ich beschrieben, welche vielfältigen Designs damals Nokia auf den Markt brachte. In meiner Sammlung habe ich drei Mobiltelefone von Nokia 

  • 3210: das kleine Kompakte. Es war das erste Handy ohne die vorher obligatorischen Antennenstummel. Sehr elegant und man konnte die Außenschalen austauschen und damit seinem eigenen Geschmack anpassen.
  • 6210: das Business Phone von 2000. Schlichtes, funktionales Design und gedeckte Farben.
  • 6310i: die verbesserte Version des Business Phone von 2002. Die Lebensdauer der Batterie, die Signalstärke und die Langlebigkeit dieses Mobiltelefons sind auch heute noch legendär. 

Von einem lieben Kollegen habe ich aus seiner Sammlung ein Nokia 5100 für meine Sammlung erhalten. Es ist mit seiner Plastikhülle als Outdoor Handy gedacht. Dieses Plastik klebt auch nach 20 Jahren – iiihh. Es hatte Sensoren für Temperatur, Kalorienverbrauch und zur Lautstärkemessung. Diese Sensoren waren aber nicht sehr genau.

Siemens Mobiltelefone

Siemens brachte erst 1994 mit dem Siemens S1 sein erstes GSM-fähiges Mobiltelefon auf den Markt. Von Siemens habe ich drei Telefone in mein Computermuseum aufgenommen

  • S3 com: das erste Mobiltelefon, das mit der Small Messaging Service (SMS)-Funktionalität ausgestattet wurde. Textnachrichten mit bis zu 160 Zeichen konnten an andere Empfänger mit der gleichen Funktionalität verschickt werden. Am Anfang wurde dieser Dienst als eine geringfügige Verbesserung betrachtet, aber in den Jahren danach war er der größte Umsatzbringer für Telekommunikationsunternehmen.
  • S6d: mein erstes eigenes Mobiltelefon. In Aachen in einem Mannesmann D2 Laden gekauft.
  • S35i: dieses unscheinbare Mobiltelefon war 2000 das Flaggschiff von Siemens. Siemens war damals der fünftgrößte Mobiltelefon-Hersteller in der Welt.

Von demselben Kollegen habe ich das Siemens A70 für meine Sammlung erhalten. Vielen Dank für dieses kleine Gerät, lieber Geert.

Sony Ericsson Mobiltelefone

Sony Ericsson war ein im Oktober 2001 gegründetes Joint Venture aus dem schwedischen Telekommunikationsunternehmen Ericsson und Sony. Ich habe in meiner Sammlung drei Telefone, wobei eines von Ericsson ist, und zwei von Sony Ericsson:

  • Ericsson T68: das Gerät war ein sehr erfolgreiches Gerät, was als T68i dann unter dem Label Sony Ericsson verkauft wurde. Es war eines der ersten Mobiltelefone mit dem teuren MMS Service.
  • Sony Ericsson T610: dieses Mobiltelefon aus dem Jahr 2003 war ein gefragtes Gerät. Es hatte ein schickes Retrodesign und eine gute Ausstattung. Dieses Gerät ist auch ein Geschenk von meinem sehr geschätzten Kollegen
  • Sony Ericsson W900: dieses Gerät gehört zu den sogenannten Walkman Mobiltelefonen und trägt das Walkman Logo auf seinem Gehäuse. Es hat ein interessantes Design. Über einen interessanten Drehmechanismus zeigt sich unter dem Bildschirm die Zehnertastatur. In diesem Zustand ist das Gerät doppelt so lang wie im geschlossenen Zustand. Aber nur so kann man es zum Wählen der Verbindung nutzen. Ein Geschenk von meinem Freund Bernd.

Das Joint Venture und die Marke Sony Ericsson bestand nur bis Februar 2012.

Motorola Mobiltelefone

Motorola war nicht nur ein wichtiger Prozessorlieferant (MC 68000, Power PC, DSP). Im Mobilfunk-Bereich ist Motorola seit 1983 tätig und baute das erste Mobiltelefon, das DynaTAC und viele andere wichtige Meilensteine im Mobilfunkbereich. Ich persönlich wurde vor allem auf Motorola im Mobilfunkbereich aufmerksam, als sie 2004 das stylische RAZR rausbrachten. Aber ich habe auch die Präsentation des ROKR in Erinnerung, welches das erste iTunes-Mobiltelefon sein sollte. Aber dieses Gerät war wirklich schlecht und ein Grund dafür, dass Apple das iPhone gebaut hat.

Ich habe leider kein RAZR mit seinem Metalltastenfeld bekommen. Stattdessen habe ich das MOTOKRZR K1 in meiner Sammlung. Es ist die eher schmale Variante, aber auch mit dem eleganten Tastenfeld aus Metall.

Das zweite Motorola Mobiltelefon ist von 1998 und ist ein Motorola MC2-41E11 und wird auch manchmal als Mini StarTAC bezeichnet. Das StarTAC war schon 1996 das leichteste und kleinste Mobiltelefon der Welt. Mein Bruder schenkte mir dieses sehr gut erhaltene Klapphandy für mein Computermuseum

Fazit

All diese Mobiltelefone sind übersäht mit Tasten. Im Vergleich zu heutigen iPhones mit ihren 4 Tasten waren all diese Tasten zur Bedienung erforderlich. Eingabe von Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen, die Steuerung der Menüstruktur des meistens proprietären Betriebssystems, waren die üblichen Einsatzzwecke all dieser Tasten. Heute bin ich froh, dass wir uns nicht mehr mit diesen Geräten auseinandersetzen müssen. Aber damals haben sie uns den Zugriff auf die digitalen Datennetze erstmals ermöglicht. Und die Killerapplikation war damals nicht Datennutzung, sondern mobile Telefonie. Es war mein erster Einkauf von meinem ersten Gehalt, damit ich jederzeit telefonieren konnte und erreicht werden konnte. Das Jahr 1997 war mein Einstieg in die mobile Kommunikation mit GSM Mobiltelefonen.

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