Der fünfzehnte Beitrag in meiner Reihe von Beiträgen zur Neugestaltung der Ausstellung in meinem Computermuseum. Heute und an weiteren 18 Tagen stelle ich die Zusammenstellung meiner Ausstellungsstücke vor. Das iPhone hat den Smartphone-Markt revolutioniert. Windows Mobile und HTC sind total verschwunden. Auch webOS von Palm hat nicht überlebt, trotz Übernahme durch HP. Und schließlich ist auch RIM, die Firma hinter den Blackberrys verschwunden. Heute machen wir einen großen Sprung ins nächste Jahrtausend. Die 2000er beginnen mit der vollen Smartphone Herrlichkeit

HTC T-Mobile MDA Compact und MDA III
Mein erstes privates Smartphone war das T-Mobile MDA Compact. Es hatte als Betriebssystem Windows Mobile 2003 und hat mich bei meinem großen europäischen Beratungsprojekt im Jahr 2005 begleitet. Der SD Karten Slot erlaubte die Erweiterung nicht nur um mehr Speicher, sondern auch um eine Radioempfangs-Karte oder Wifi-Karte. Ja, weder Wifi noch GPS konnte dieses Gerät. Für GPS verband ich ein kleines mobiles GPS-Device über Bluetooth mit dem MDA Compact. So war ich für alles vorbereitet und fühlte mich ganz vorne mit dabei. Während alle um mich herum auf den Flughäfen ihre Blackberrys nutzten, so war ich mit meinem MDA Compact völlig zufrieden. Ich hatte sogar TomTom mit der Deutschland-Karte installiert und navigierte mit diesem Gerät durchs Land. Das einzige Problem was ich hatte, war regelmäßiger Datenverlust auf der SD-Karte. Wie häufig musste ich feststellen, dass die Daten wieder mal verloren gegangen sind ohne einen besonderen Anlass? Ich habe die Daten mehrfach während dieser Zeit wiederherstellen müssen. Und das hat genervt.
Leider hatte das MDA Compact nur einen 2,8“ großen Bildschirm. Wie neidisch habe ich auf die Kollegen geschaut, die ein T-Mobile MDA III mit seinem 3,5“ Screen und der Slider-Tastatur hatten. Diese Displaygröße war riesig für 2004. Immerhin hatte das erste iPhone drei Jahre später auch keinen größeren Screen als das MDA III. Außerdem hatte dieses Smartphone auch schon Wifi. Es war einfach in jedem Belang besser.
Das MDA Compact und das MDA III waren zwar beide von T-Mobile gelabelt, aber hergestellt hatte HTC diese Geräte. HTC war damals noch unbekannt, und hat seine Geräte für die Telekommunikationsanbieter dieser Welt produziert. Erst viele Jahre später ist HTC mit Produkten unter eigenem Namen (z.B. das wunderschöne HTC One) und auch als Tour de France Team aufgetreten. Der MDA Compact war der HTC S100 (Codename: Magician). Der MDA III war der HTC 9090 (Codename: Blue Angel).
HTC Vodafone VPA Compact V
Während die HTC Geräte bei T-Mobile als MDA („Mobile Digital Assistant“) bezeichnet wurden, waren die Vodafone gelabelten Geräte als VPA („Vodafone Personal Assistant“) auf den Markt gebracht worden. Vodafone hatte auch eine Reihe von VPAs. Das Gerät in meiner Sammlung war das VPA Compact V (HTC TyTN II, Codename: Kaiser), welches auch nur einen 2,8“ großen Bildschirm bot, aber eine breite Ausziehtastatur unter dem Display versteckte. Dieses Gerät hatte ich während meiner Projektarbeit für unseren Kunden Vodafone erhalten. Es hatte eine Frontkamera, mit der man Selfie-Videos erstellen konnte. Das war schon Fortschritt 😉
Mit seinem schnellen Datenfunk HSDPA war man bestens online verbunden. Es lief unter Windows Mobile 6 und die QWERTZ-Tastatur konnte man gut für längere Texte nutzen. Das Display konnte bei ausgezogener Tastatur angewinkelt werden und damit hatte man dann ein sehr kompaktes Laptop vor sich stehen. Das VPA Compact V war ein rundum solides Paket. Ich habe es erst einige Jahre später durch ein Palm Pre Firmentelefon ersetzt.
Palm Vx
Bevor ich den Übergang zum Palm Pre beschreibe, möchte ich auf ein ganz besonderes Gerät aufmerksam machen, das für mich den Vorläufer der Smartphones darstellt. Der Palm Vx war ein PDA („Personal Digital Assistant“), der von seinem innovativen Firmengründer Jeff Hawkins geschaffen wurde. In ein wunderschönes Aluminium-Gehäuse gewandet, bot der Palm Vx die Möglichkeit die wichtigen Businessdaten mitzuführen und mobil zu benutzen. Neue Daten wurden mit der Graffiti genannten Schrift über einen Stylus eingegeben. Diese Schrift war erforderlich für eine erfolgreiche Handschrifterkennung. Die Technik im Newton MessagePad versuchte wirklich die Handschrift des Nutzers zu entziffern und scheiterte bemerkenswert häufig. Mit Graffiti war die Erkennung deutlich besser, aber man musste diese Schrift lernen und die Buchstaben auf genau diese Art und Weise schreiben. Daten tauschte man mit der Welt entweder über Infrarot-Schnittstelle oder über ein Kabel mit dem PC aus. Dieses Gerät war also kein Smartphone. Aber seine PDA-Funktionen platzierten Palm und seine Produkte schon früh im Business Markt. Und schließlich war Handspring/Palm einer der ersten, der eine Mobilfunk-Komponente zu seinen PDAs hinzufügte. Diese Geräte wurden später Palm Treo genannt.
Palm Treo 750V
Das Palm Treo 750V war kein frühes Smartphone von Handspring/Palm. Handspring war die zweite Firma von Jeff Hawkins nachdem er Palm verließ. Dort entstand die innovative Smartphone-Technik, die die Treos von Handspring so erfolgreich machten. Palm und Handspring fusionierten später wieder zu Palm One und damit entstand die Palm Treo Smartphone-Reihe. Das in meiner Sammlung befindliche Palm Treo 750V ist ein von Vodafone gelabeltes Gerät. Es hat nicht das Palm OS installiert, sondern Windows Mobile 6.1 Professional. Das Display war noch kleiner als das MDA Compact und das VPA Compact 5. Es hatte nur eine 2,4“ Bildschirmdiagonale. Aber direkt unter dem Display war auf der Front die kompakte Tastatur angebracht. Damit konnte man schon gut tippen. Leider verwendete Palm für seine Gehäuse minderwertiges Material, das über die Jahre klebrig wird.
Palm Pre 2 und HP Pre 3
Das Palm Pre 2 habe ich in bester Erinnerung, obwohl es aus dem gleichen minderwertigen Material wie das Palm Treo 750V bestand und deshalb heute das Gehäuse klebrig ist. Das Palm hatte das innovative WebOS an Bord, was Matias Duarte gestaltet hatte. Es war entstanden als Anerkennung der Tatsache, dass man nach dem iPhone etwas neues herausbringen musste. Das Palm OS wurde nicht mehr weiterentwickelt und so griff das WebOS viele Features vom damaligen iPhone OS auf, aber stellte auch viele neue Konzepte vor. Auf der CES 2009 stellten CEO Ed Cooligan und Entwicklungsleiter Jon Rubinstein das neue Palm Pre mit WebOS vor. Die Präsentation war wirklich außergewöhnlich und so erhielt Palm den Best of CES 2009 und People‘s Voice Preis. Was Palm dort hervorragend choreografiert vorstellte hat viele Bedienparadigmen definiert, die erst viel später von Apple in seinem iPhone X übernommen wurden und die wir heute als selbstverständlich ansehen. Heute weiß allerdings keiner mehr, dass diese Gesten-Steuerung, die Karten-Darstellung von laufenden Apps und das Synergy genannte Feature einer Unified Mailbox an diesem Januar-Morgen in Las Vegas von Palm vorgestellt wurden.
Trotzdem reichte das Pre 2 nicht aus, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. HP kaufte dann Palm auf und brachte das größere HP Pre 3 und das kleine HP Veer heraus. Ich bin stolz, dass ich als ehemaliger HP Mitarbeiter das Gerät ersteigern und meiner Sammlung hinzufügen konnte. Zu diesem Zeitpunkt habe ich allerdings schon das Nokia Lumia 920 als Firmentelefon genutzt.
Nokia Lumia 920
Ich habe noch das Interview mit Steve Ballmer in den Ohren, wo er auf die Frage nach dem iPhone antwortet:
Five hundred dollars? Fully subsidized? With the plan for the data it is the most expensive phone in the world. And it doesn’t appeal to business customers because it doesn’t have a keyboard which makes it not a good email machine.
Now, it may sell very well. We have our strategy. We’ve got great Windows Mobile devices in the market today.
Steve Ballmer im Jahr 2007 (Quelle: smugmacgeek auf YouTube)
Windows Mobile 6.1 konnte 2007 nicht mit dem attraktiven iPhone OS mithalten. Das war relativ schnell klar, aber Microsoft hatte die Signale nicht erkannt. Sie brachten erst 2009 mit Microsoft Windows Mobile 7 eine neue Version unter dem Markennamen Windows Phone heraus. Den Vorsprung von Apple (iPhone) und Google (Android) konnte Microsoft aber nicht mehr aufholen. Stattdessen sorgte man dafür, dass Nokia auf seinen Lumias Windows Phone installierte.
Auch Nokia war mit seinem Symbian am Ende und fand keine Lösung. Eine neue Vision sollte durch den ehemaligen Microsoft Manager Stephen Elop kommen. Dieser stellte die Kontakte zu Steve Ballmer her, der gerne einen Partner wie Nokia für sein Windows Phone OS akzeptierte. Damals habe ich das Spitzengerät Nokia Lumia 920 von meiner Firma als Firmentelefon erhalten. Es leistete mir gute Dienste und ich konnte es noch nachträglich auf Windows 8.1 upgraden. Den Sprung auf Windows 10 machte mein Nokia Lumia aber nicht mehr mit.
Microsoft übernahm im April 2014 schließlich Nokias Smartphone-Sparte. Die Geräte vermarktete Microsoft nicht mehr unter Nokia Lumia, sondern unter Microsoft Lumia. Diese Produkte wurden dann nur noch bis Mai 2016 weiter gebaut. Die Software wurde noch bis 2020 aktualisiert.
Blackberry Bold 9700
Und nun zum letzten großen Smartphone-Konkurrenten von Apples iPhone und Googles Android. Die Firma Research in Motion (RIM) ist eine kanadische Firma, die schon früh mit ihren Smartphones den Business Markt beherrscht hat. Ihren großen Aufstieg und den langsamen Fall habe ich in einem Beitrag festgehalten. Auf Software-Seite hatten sie mit den BlackBerry Enterprise Service (BES) und dem BlackBerry Messenger (BBM) gute und sichere Lösungen, die im Business-Bereich einfach gesetzt waren. Dadurch konnte RIM auch zu Zeiten, als alle anderen Anbieter ihre Marktanteile an Apple und Google verloren, noch weitere Erfolge feiern.
Auch versuchten sie ihre Geräte weiterzuentwickeln. Die ersten Touchscreen Blackberrys hatten eine spezielle Mechanik, die ein haptisches Feedback erlauben sollte, wenn man den Touchscreen drückt (SurePress). Vor allem für die eingeblendete Bildschirmtastatur (SureType, wenn hochkant gehalten; QWERTZ, im Querformat) sollte dies ein besseres Gefühl beim Tippen als bei normalen Smartphones mit kapazitiven Touchscreen ergeben. Aber das Gerät ohne WLAN (Storm 9500) auszuliefern, war wirklich nicht praxisgerecht. Auch der Browser war nicht leistungsfähig genug und auf Flash mußte man damals auch verzichten. Manche behaupten, daß das Storm der größte Misserfolg in der Geschichte der Smartphones war.
Dagegen ist das Blackberry Bold 9700 ein Klassiker und Erfolgsmodell gewesen. Es hatte die ikonischen Zutaten, die einfach zu Blackberry Modellen gehörten. Das kleine Trackpad zur Navigation des Cursors und die exzellente Tastatur unter dem Display.
Fazit
Das iPhone war ein Zerstörer der alten Marktordnung im Smartphone-Markt. Zwar versuchten alle Marktteilnehmer mit neuen Geräten gegen Apples iPhone zu bestehen, aber alle haben letztendlich den Kampf verloren und sind in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Nur Google mit seinem Android hatte einen Gegenentwurf parat, der ihnen heute die Marktführerschaft weltweit im Smartphone-Business ermöglicht.
Windows Mobile war schon Anfang dieses Jahrtausends ein ausgereiftes Smartphone OS. Es fehlte halt die kompromisslose Steuerung über das kapazitive Display und damit eine angepasste Oberfläche für die Fingerbedienung. Erst mit Windows Phone hatten sie ihre Lösung mit großen Kacheln auf dem Screen. Dieses haben sie aus dem User Interface von Windows 8 entlehnt. Aber da war es schon zu spät.
Palm beziehungsweise HP hatten mit dem Treo und dem Pre zwei gute Smartphone-Plattformen, die aber nach 2007 nicht mehr erfolgreich genug waren. HP hat schließlich seine WebOS-Kronjuwelen an LG verkauft. Man findet WebOS immer noch in LG Fernsehern.
Und Blackberry, formerly known as RIM, konnte nur hilflos zusehen, wie seine Business Kunden iPhones und Android-Smartphones als Email-Maschinen akzeptierten. Die externen Keyboards wollte dann keiner mehr haben.
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