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Von BASIC zur IT-Crowd – eine Buchbesprechung zu sechzig Jahre BASIC

Lesedauer: 14 MinutenZum sechzigsten Geburtstag von BASIC habe ich das Buch „Von BASIC zur IT-Crowd“ von Olde Hansen gelesen. Absolut empfehlenswert.

Wir feiern dieses Jahr am 1. Mai 2024 sechzig Jahre BASIC. Auf diesen Geburtstag wurde ich erst aufmerksam, als mich der Autor Olde Hansen anschrieb. Er bot mir sein Buch Von BASIC zur IT-Crowd: Eine kleine Geschichte des Programmierens mit BASIC in Deutschland zur Rezension an. Und während ich sein Buch las rundete sich dieser Meilenstein.

Vor sechzig Jahren wurde erstmals ein BASIC Programm im Dartmouth College ausgeführt. Am 1. Mai 1964 um vier Uhr morgens (ab 25:08 im verlinkten YouTube Video) war es soweit. Mit einem Knopfdruck starteten die Professoren Kemeny und Kurtz auf einem GE-225-Computer von General Electric das erste BASIC-Programm, das nur aus drei Zeilen bestand.

10 LET X = (7+8)/3
20 PRINT X
30 END

Was ist BASIC?

BASIC ist ein Akronym für Beginners‘ All-purpose Symbolic Instruction Code. Das Wort basic deutet schon an, dass es eine einfach zu erlernende Programmiersprache sein sollte. Nicht für ausgebildete Programmierer und Wissenschaftler, sondern for the rest of us.

Viele, die wie ich in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts groß geworden sind, hatten Kontakt mit dieser Programmiersprache.

Das damals tollste Gadget für Nerds war der Homecomputer, den es in allen möglichen Ausführungen und Preisen gab. Und all diese Homecomputer zeichneten sich dadurch aus, dass sie den Benutzer beim Start des Computers mit BASIC begrüßten. Auf diese kleinen Rechenmaschinen mit ihrer eingeschränkten Hardware passte keine ausgewachsene Profi-Programmiersprache wie ALGOL oder Fortran. Ein BASIC-Interpreter, der auch gleichzeitig den Zugriff auf die Systemresourcen ermöglichte, war in den ROMs gespeichert.

BASIC erlaubte uns damals kleine Programme zu schreiben, die einen von uns ausgedachten Algorithmus ausführten. Entweder einfache Berechnungen wie das oben gezeigte erste BASIC-Programm. Oder grafische Spielereien wie die Berechnung und Anzeige einer Sinusfunktion.

Dartmouth, Time Sharing und BASIC

Was macht diesen Tag vor sechzig Jahren so besonders?

An diesem Tag ging auch das neue Time Sharing Betriebssystem der Hochschule in den Betrieb über. Der erst kurz vorher vom Dartmouth College bei General Electric gekaufte Computer wurde mit dem auch selbst geschriebenen Time Sharing Betriebssystem in die Lage versetzt, viele Nutzer fast gleichzeitig zu bedienen.

Es gab keine aufwändige Stapelverarbeitung von Lochkarten mit Anweisungen aus professionellen Programmiersprachen. Stattdessen konnten mehrere Nutzer an Eingabe-Terminals ihre BASIC-Programme eingeben und starten. Keine Compilierung war erforderlich. Der BASIC-Interpreter lieferte die Ergebnisse des Programmcodes fast unmittelbar zurück.

Und dies waren keine professionellen Programmierer oder Wissenschaftler, die ihre Programme eingaben. Es waren einfache Studenten aller Fachrichtungen, die ihre ersten Schritte mit einer Programmiersprache machten. Einfache Probleme aus ihren Fachgebieten konnten sie damit programmatisch lösen.

Dartmouth und seine Professoren entwickelten diese Programmiersprache in den nächsten Jahren weiter. Erfolgreich wurde es dann ab Mitte der 70er-Jahre in Homecomputern eingesetzt. Microsoft baute auf BASIC (und mit Betriebssystemen wie MS DOS) sein Software-Imperium auf. BASIC wurde auch in der mittleren Datentechnik bei Nixdorf eingesetzt.

Von BASIC zur IT-Crowd - das neue Buch von Olde Hansen
Von BASIC zur IT-Crowd – das neue Buch von Olde Hansen (Quelle: epubli.com)

BASIC hat den Einstieg in die Programmierung einfach gemacht. Aber war es auch hilfreich für die weitere Karriere im Bereich der IT? Hat BASIC uns Computer Kids aus Deutschland Vorteile in unserer beruflichen Zukunft gegeben? Diesen Fragen widmet sich Olde Hansen in seinem Buch Von BASIC zur IT-Crowd: Eine kleine Geschichte des Programmierens mit BASIC in Deutschland.

Ich war gespannt auf seine Antworten zu diesen Fragen und seine Erkenntnisse.

Von BASIC zur IT-Crowd – das Buch von Olde Hansen

Dieses Buch untersucht auf 200 Seiten die Nutzung von BASIC in beiden Teilen Deutschlands. Der Autor hat 1041 Fußnoten mit Bezug zu untersuchten Quellen und 20 Seiten Literaturverzeichnis in sein Buch gepackt.

Der Umschlag des Buches beschreibt das Ziel und das Ergebnis des Buches folgendermaßen:

Olde Hansen stellt hier die Frage, inwieweit die Homecomputer und ihre BASIC-Dialekte eine Grundlage für den IT-Boom der 90er und 00er Jahre im wiedervereinigten Deutschland gewesen sein könnten.

Hansen kommt dabei zu dem Schluss, dass die Homecomputer und ihre BASIC-Dialekte, anders als zuweilen in der Öffentlichkeit dargestellt, für den beruflichen Erfolg der ehemaligen „Computer-Kinder“ nur eine untergeordnete Rolle spielten.

Dieses Ergebnis habe ich zum Anlass genommen, den Einfluss meiner BASIC-Kenntnisse aus dieser Homecomputer-Nutzung auf meine eigene Karriere in der IT-Industrie zu untersuchen.

Aber zuerst wollte ich wissen, wie der Autor vorgegangen ist, um zu diesem Ergebnis zu kommen. Also habe ich dieses Buch mit zunehmender Freude gelesen, da so viele schöne Erinnerungen an diese Epoche der 80er-Jahre wach gerufen wurden.

Zugegeben, das Buch hat eher den Charakter einer wissenschaftlichen Arbeit. Es ist mit seinen langen und verschachtelten Sätzen eher schwer zu lesen. SEO-freundlich ist der Satzbau nicht 😉

Aber die vielen Referenzen auf Literatur in den Fußnoten machen Lust darauf, noch tiefer in diese Quellen zu tauchen. Der Autor hat neben Sach- und Fachliteratur zu BASIC auch Handbücher dieser Homecomputer untersucht. Und er hat viele Magazine mit BASIC-Listings in seinem Literaturverzeichnis aufgelistet, die ich damals auch gekauft und gelesen habe. Was für ein großartiges Deja vu.

Da wünscht man sich ein eBook mit der Möglichkeit direkt auf diese verlinkten Quellen klicken zu können. Vor allem die Magazine sind in vielen Fällen noch auf Archive.org, dem Internetarchiv, online zu lesen. Zum Glück listet der Autor auch diese Links in seinem Literaturverzeichnis, wenn er diese benutzt hat. Was für eine großartige Recherche-Arbeit.

Struktur des Buches

Ich möchte mich beim Autor bedanken, dass er mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Ich bespreche Inhalte des Buchs in diesem Beitrag. Dabei habe ich mir einige Aspekte herausgepickt, die ich persönlich bemerkenswert fand. Ich lade alle Leser meines Beitrags ein, das Buch von Olde Hansen zu kaufen und noch viel mehr Details zu Homecomputern, BASIC und den Computer Kids aus beiden Teilen Deutschlands zu lesen. Es lohnt sich.

Einleitung

In der Einleitung erläutert der Autor die Fragestellung, ob die Computer Kids, die in den 90er Jahren auf den IT-Arbeitsmarkt drängten, Vorteile hatten. Vorteile durch die Erfahrung mit BASIC auf ihren Homecomputern. Seine Analyse zeigt auf, dass viele als Quereinsteiger in der IT-Branche Fuß fassten.

Die Quellen zeigen aber auch auf, dass BASIC bei den Profis einen schlechten Ruf hatte. Vorkenntnisse in dieser Programmiersprache waren nicht ausreichend, um die Herausforderungen der neuen Aufgaben in der IT-Branche zu bewältigen. Zusätzliche Ausbildungsanstrengungen mussten unternommen werden, wenn man nicht Informatik studiert hatte.

Dagegen steht sehr häufig die Selbstüberschätzung der Computer Kids, die ihre Erfahrungen und ihr Können oft verklärten. Der Autor erläutert die Begriffe der Generation C64, Schnacker, Cracker und Hacker. Den Begriff des Schnacker kannte ich noch nicht 😀

Olde Hansen stellt den Forschungsstand zu den Themen Homecomputer, BASIC, Computer Kids der 80er auf beiden Seiten der Mauer und technik- und wirtschaftsgeschichliche Hintergründe vor. Auch das Buch Resume von Stefan Höltken, was als Ausstellungskatalog des Oldenburger Computermuseums (OCM) dient, hat er in seine Analyse einbezogen. Abschließend beschreibt er seine Vorgehensweise in den nächsten Kapiteln.

Nutzung und Nutzen der Homecomputer

Im Kapitel Nutzung und Nutzen der Homecomputer zeigt er die begrenzten technischen Möglichkeiten der Systeme auf. Trotzdem begeisterten sie meine Generation nicht nur wegen der Spielmöglichkeiten, sondern vor allem wegen der kreativen Beschäftigung damit. Dies galt auf beiden Seiten der Mauer, aber die Zugänglichkeit zu den Geräten war in den deutschen Staaten sehr unterschiedlich. In West-Deutschland konnten Kinder gut-situierter Eltern eher diese Technik nutzen. In Ost-Deutschland standen diese Geräte nur in speziellen Bildungseinrichtungen zur Verfügung. Nicht jeder hatte Zugang zu dieser Bildung.

Gerade die Beschäftigung mit den unterschiedlichen West- und Ost-Perspektiven machen das Buch stark. Für mich als Westler ist dieser Einblick in das Seelenleben meiner Generation im Osten eine Offenbarung. Die aufgeführten Literaturquellen ergeben ein neues Verständnis zu den Unterschieden in der Verwendung von Homecomputern in West und Ost.

Die Programmiersprache BASIC

Ich kann leider nur die Themen streifen, die hier auf achtzig Seiten ausgebreitet werden.

Im Kapitel zu BASIC zeigt der Autor auf, wie wenig standardisiert BASIC auf den unterschiedlichen Computern war. Obwohl alle Dialekte auf den Grundlagen des Dartmouth College aufsetzen. Der Autor beschreibt die unterschiedlichen BASIC-Dialekte und ihre Anwendung. Der Versuch der Vereinheitlichung von unterschiedlichen BASIC-Dialekten über BASICODE wird erwähnt.

Obwohl BASIC einfach zu erlernen war, wurde es nicht von professionellen Stellen akzeptiert zur Software-Entwicklung. Dort wurden immer andere Sprachen bevorzugt, die komplexer waren und mehr Möglichkeiten boten.

Mehrere Seiten verwendet der Autor darauf, die Verwendung der wesentlichen BASIC-Befehle zu erläutern und die Unterschiede bei den Homecomputern hervorzuheben. Spannend ist der Abschnitt mit der Anwendung von BASIC aus der Perspektive eines Anfängers und eines professionellen Programmierers.

Auch der Niedergang der Homecomputer und damit das Ende der weitgehenden Nutzung von BASIC wird beschrieben. Mit dem PC kamen dann schließlich wieder BASIC-Dialekte auf, mit denen Fachabteilungen (an der IT-Abteilung vorbei) Software zur Unterstützung fachlicher Prozesse entwickelten.

Von den „Computer-Kindern“ zur „IT-Crowd“ der 00er-Jahre

Im abschließenden Kapitel untersucht der Autor die Generation der Homecomputer-Nutzer mit BASIC-Erfahrung und ihre Bedeutung für den gesamtdeutschen Arbeitsmarkt in der IT-Branche.

Spannend ist es der Argumentation des Autors zu folgen, wenn er darlegt wie wenig die Beschäftigung mit BASIC der IT-Crowd in ihrem beruflichen Leben weitergeholfen habe.

Aber die Erinnerung an diese Zeit hat zu einem Retro-Kult geführt, der sich Medien und Öffentlichkeit anschließen. Die Epoche der Homecomputer und BASIC wird mittlerweile verklärt und überhöht.

Erst im Dezember 2023 habe ich persönlich meinen ZX Spectrum Next erhalten. Eine Retro-Inkarnation des Sinclair ZX Spectrum+ von 1984. Und natürlich ist wieder ein BASIC-Dialekt dabei: das NextBASIC. Darüber werde ich in einem weiteren Beitrag schreiben.

Die Kernaussagen des Buches

Olde Hansen arbeitet in seinem Buch akribisch anhand von Quellen seine Kernaussagen heraus. Einige von diesen möchte ich beispielhaft vorstellen. Für alles weitere empfehle ich euch das Buch zu lesen.

1. Die Homecomputer der 80er-Jahre waren eine wesentliche Voraussetzung für den IT-Boom der 00er-Jahre.

2. Nur weil wir BASIC in den 80ern lernten, waren wir keine Computer Magier, die beherrschten, „was andere nicht können“.

3. Unsere BASIC-Kenntnisse haben uns nicht einen besonderen Vorteil beim Berufseinstieg mit Visual Basic oder anderen Programmiersprachen gegeben.

4. Homecomputer waren ein exklusives Lernmittel. Männliche Kinder aus priviligierten Familien profitierten in beiden Teilen Deutschlands.

5. Autodidaktisches Erlernen der BASIC-Programmierung barg ein Risiko der Überheblichkeit in der zukünftigen Anwendung dieser Fähigkeiten im Beruf.

Auf beiden Seiten der Mauer

Der Autor arbeitet schön heraus, wie unterschiedlich die Nutzung von BASIC in den beiden deutschen Staaten erfolgt ist. Dies ist die besondere Stärke dieses Buches.

Im Osten ist man viel pragmatischer an die Nutzung von Homecomputern und BASIC herangetreten. Im Westen wurden diese Geräte vom Marketing bezüglich ihrer Fähigkeiten stark überhöht. Deshalb war die gesellschaftliche Diskussion bei uns in vielen Fällen auch viel hysterischer als im Osten.

Die Eltern-Generation musste lernen mit diesen Computer Kids und ihrer neuen Leidenschaft umzugehen. Aber in beiden deutschen Staaten war man der Überzeugung, dass die Beschäftigung mit Computern wichtig für die berufliche Zukunft in der Gesellschaft war. Deshalb wurde die Beschäftigung mit Computern und BASIC unterstützt.

Ich finde mich persönlich in der Beschreibung des Autors wieder, wenn er die westliche Seite beschreibt. Die östliche Seite war mir vollkommen neu. Alleine deshalb lohnt sich das Buch, um diese Perspektive auf meine Altersgenossen im Osten kennenzulernen.

BASIC bei Heimcomputern – wie habe ich selbst angefangen?

Damals hat man in den Computerabteilungen der Kaufhäuser mit kleinen BASIC-Programmen begonnen. Die Computer standen angeschlossen an Monitoren oder Fernsehern und man konnte diese ausprobieren. Auch wenn dies manchmal nicht so gern von den Verkäufern gesehen wurde.

Die Tastatur des Sinclair ZX81 - BASIC-Programmierung leicht gemacht
Die Tastatur des Sinclair ZX81

Während man bei einem Commodore VC20 schon sehr genau wissen musste, was man eintippen wollte, konnte man bei einem Sinclair ZX81 auf der Tastatur jeden einzelnen Befehl und jede mögliche Funktion sehen. Trotzdem musste man auch da wissen, was man eigentlich programmieren wollte.

Die Entscheidung für den ersten eigenen Homecomputer ist nicht leicht gefallen. Vom Aussehen her hat mir der TI-99/4A von Texas Instruments am besten gefallen. Von Computer Persönlich (hier 6/1983) gab es Artikel zu den besten Computern für zu Hause.

Vobis hat damals schon Computer mit Hilfe von Checklisten verglichen. Diese Tabelle habe ich damals auch für mich ausgewertet. Auch die Leistungsfähigkeit des BASIC war ein Entscheidungskriterium. Der TI-99/4A und der C64 erhielten damals 10 Punkte für BASIC. Allerdings nur mit Extended BASIC beim TI oder Simons Basic beim Commodore.

Der ZX81, den ich mir damals gekauft habe, erhielt nur 4 magere Punkte für sein einfaches BASIC. Ohne BASIC-Erweiterung kamen aber auch der TI-99/4A nur auf 3 Punkte und der C64 auf 4 Punkte. Der TI-99/4A hatte auch eine der langsamsten BASIC-Implementierungen. Die Gewinner dieses Vergleichstests bei Vobis in der Kategorie BASIC waren der Sinclair ZX Spectrum (7 Punkte), der Oric 1 (8 Punkte) und der Dragon 32 (9 Punkte).

Der Wissensvorsprung der Computer Kids gegenüber der Eltern-Generation

Den Ausschlag für den ZX81 hat ein Besuch der Computerabteilung des Kaufhauses Horten an der Berliner Allee in Düsseldorf mit meinen Eltern gegeben. Als mein Vater sich die Tastatur des Sinclair ZX81 anschaute und mich fragte, wie das Gerät genutzt werden konnte, war es um mich geschehen. Ich musste dieses Rätsel lösen. Ich wollte endlich was verstehen, was mein Vater nicht verstand. Herrschaftswissen würde ein Psychologe das heute nennen, wenn dieser mein Verhalten heute bewerten müsste.

Meine eigenen Erfahrungen mit BASIC und Programmierung

Ich habe BASIC auf Sinclair Computern gelernt. In seinem Buch hat Olde Hansen auch beispielhaft das Sinclair ZX81 BASIC besprochen. Für mich waren das natürlich großartige Erinnerungen an eine spannende Zeit mit neuen Erfahrungen.

BASIC Handbuch für den ZX81
BASIC Handbuch für den ZX81

Sinclair ZX81

Ich kaufte mir den Sinclair ZX81, lernte BASIC programmieren aus dem Sinclair-Handbuch, aus Sach- und Fachbüchern und aus Computermagazinen. Ich habe hunderte von Listings aus diesen Magazinen abgetippt. Dabei habe ich Maschinencode-Routinen gesammelt, die ich später für eigene Programme anwenden wollte. All dies ist dann eingeflossen in mein einziges Spielprogramm, das ich in meinem Leben geschrieben habe: ZX Fall, ein Klon von Pitfall auf der Atari VCS.

In meinem Gymnasium gab es ein Computer-Labor, das mit einem Dutzend C64 bestückt war. Dort gab es BASIC-Kurse mit Simons Basic. Ich war aber kein guter BASIC-Programmierer. Natürlich hat das eingeschränkte BASIC des ZX81 eine saubere Programmierung erschwert. Aber kleine Routinen für den persönlichen Hausgebrauch waren damit möglich.

Sinclair QL

Mit dem Sinclair QL und seinem SuperBASIC sollte alles besser werden. Hier gab es Prozeduren und Funktionen. Und es gab mehrere Varianten von Schleifen. Strukturiertes Programmieren war damit möglich. Dies habe ich intensiv bei zwei größeren BASIC-Projekten angewendet.

Ein Programm entwickelte ich zur Darstellung von 3D-Objekten, wie z.B. Flugzeugen. Ich hatte damals ein Buch gekauft mit dem gezeigt wurde, wie man Gittermodelle von 3D-Objekten erstellt und Hidden Lines berechnet. Mit dem BASIC und den Grafikmöglichkeiten des Sinclair QL ging das sehr gut.

Der großartige Sinclair QL User Guide - wie lerne ich SuperBASIC?
Der großartige Sinclair QL User Guide

Ein anderes Programm habe ich für die Praxis meines Vaters in SuperBASIC geschrieben. Es ging um die Kontrolle der Quartalsabrechnung seiner Praxis. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich für diesen Zweck nicht das mitgelieferte Sinclair QL Office-Paket genutzt habe. Dort gab es mit Archive eine Datenbank, mit der dieselbe Aufgabe wahrscheinlich einfacher (und zuverlässiger) gegangen wäre.

Um diese Programme zu beschleunigen, setzte ich damals den BASIC Compiler QLiberator ein. Allerdings machte ich damit keine guten Erfahrungen. BASIC-Programme mussten an QLiberator-Anforderungen angepasst werden. Damit war der Spielraum in der Programmierung recht eingeschränkt.

Atari Mega ST

Auf dem Atari Mega ST habe ich nicht mehr in BASIC programmiert. Obwohl es mit ST BASIC, Omikron BASIC und GFA BASIC leistungsfähige Dialekte gegeben hätte, so habe ich doch mit diesem Computer nur noch mit Applikationen gearbeitet. Für fast alle Aufgabenstellungen gab es hervorragende Applikationen, die ich nutzte, anstatt sie selbst zu programmieren.

Studium der Mathematik

Mit dem Beginn meiner Diplomarbeit musste ich aber wieder meine Programmierkenntnisse auf dem Atari ST ausgraben. Diesmal war es Pascal mit einer Extension for Scientific Computing (Pascal XSC). Ich habe mich relativ schnell dort eingearbeitet und auch rekursive Funktionen für meine Aufgabenstellung verwendet.

Meine Diplomarbeit habe ich in LaTeX auf dem Atari ST gesetzt. Dazu programmiert man seinen Text in einer Art Seitenbeschreibungssprache, die sich besonders für den Satz von mathematischen Formeln eignete. Ähnlich wie HTML entstehen dadurch sauber formatierte Texte.

Während meines Studiums belegte ich auch ein Semester Informatik, bevor ich auf Wirtschaftswissenschaften umstieg. Ich erinnere mich noch, dass ich einen Quick Sort Algorithmus mit BASIC auf einem TRS80 programmieren musste. Furchtbar. In diesem ersten Semester lernte ich auch die Programmierung in Fortran auf dem Großrechner der Universität Düsseldorf.

Programmierung im Beruf

In meiner weiteren beruflichen Karriere kam BASIC nicht mehr zum Zug. Ich nahm wahr, dass Microsoft mit Visual Basic, VBA und VB.NET wieder BASIC-Dialekte für Fachabteilungen anbot, die die Funktionalitäten der Microsoft Office Applikationen erschloss.

Stattdessen lernte ich auf Großrechnern Programmiersprachen der 4. Generation kennen. Ich programmierte damals für meinen Arbeitgeber bei seinen Kunden Lösungen für Banken. Die Sprache hieß Gogol und wurde von meiner Firma GMI (Gesellschaft für Mathematik und Informatik) entwickelt. Dabei arbeitete ich an einem Siemens Großrechner mit BS2000 und auf einem IBM Großrechner mit MVS.

Auch in der IBM-Umgebung verwendete ich die Skriptsprache REXX für eine andere Aufgabenstellung.

Aber danach ging ich in die Prozessberatung und habe ab 2004 nicht mehr programmiert.

Dann waren Applikationen wie Word, Excel und PowerPoint meine Werkzeuge für die tägliche Arbeit. Und Lotus Notes oder Outlook waren die wesentlichen Kommunikationsmittel. Außerdem nutzte ich Spezialapplikationen für spezielle Aufgabenstellungen und Ergebnisdokumente.

Professionell programmieren lernen mit BASIC?

Auch ich habe wie viele der Computer Kids der 80er autodidaktisch programmieren gelernt. Für mich war die Programmierung Spaß und nicht Arbeit. Aber dadurch habe ich auch keinen guten Programmierstil entwickelt. Da kann ich dem Autor zustimmen, dass BASIC-Erfahrungen aus Homecomputer-Zeiten einen noch lange nicht zu einem guten Programmierer machen.

Auch während des Studiums habe ich mir die Programmierung in Pascal für meine Diplomarbeit selbst beigebracht. Natürlich hat es mir geholfen, dass ich vorher schon in BASIC programmiert habe.

Erst als mir mein erster Arbeitgeber die Programmierung seiner Programmiersprache der vierten Generation, Gogol, antrainierte, lernte ich richtig und strukturiert programmieren. Über die nächsten sieben Jahre habe ich professionell Banken-Applikationen entwickelt. Allerdings habe ich dabei nicht mehr diese besondere Freude wie in den 80ern mit BASIC empfunden.

Vielleicht habe auch ich geglaubt, dass mir die Beschäftigung mit BASIC auf den Homecomputern der 80er-Jahre einen natürlichen Vorsprung auf dem IT-Arbeitsmarkt gegenüber meinen Altersgenossen verschafft hat. Aber ich habe auch immer realistisch einschätzen können, wie wenig ich über professionelle Programmierung wusste. Ich lernte richtig programmieren erst bei meinem ersten Arbeitgeber. Objektorientierte Programmierkonzepte haben sich mir nie erschlossen.

Heute bin ich froh, wenn ich in Projekten mit richtigen, gut ausgebildeten Programmierern zusammen arbeiten kann, die ihr Handwerk wirklich verstehen.

Andere Erfahrungsberichte zu BASIC

Während ich das Buch las, prüfte ich immer wieder das Internet nach anderen Quellen bezüglich der Wahrnehmung von BASIC bei erfahrenen Programmierern. Dabei bin ich aufmerksam geworden auf Chris Boss, der mehr als dreißig Jahre Erfahrung mit der BASIC-Programmierung hat. In den folgenden drei Artikeln räumt er viele Mythen zu BASIC aus dem Weg. Er besitzt genug Selbstreflektion, um die Stärken und Schwächen dieser Programmiersprache in seiner Arbeit hervorzuheben. Absolut lesenswert.

Fazit

Ich möchte mich beim Autor Olde Hansen bedanken für die Gelegenheit der Programmiersprache BASIC zum 60. Geburtstag einen Beitrag zu widmen. Sein Buch hat viele Erinnerungen an eine prägende Phase meiner persönlichen Entwicklung wachgerufen. Der Fokus seiner Arbeit auf die Computer Kids aus beiden Teilen Deutschlands hat eine komplett neue Perspektive eröffnet.

Der Eiserne Vorhang war damals auch in den Köpfen. Ich wusste nichts über die Möglichkeiten meiner Generation im Osten Deutschlands bezüglich der Nutzung von Homecomputern und BASIC. Diese Wissenslücke hat dieses Buch geschlossen.

2 Kommentare

  1. Wow, dein Artikel hat mich echt begeistert! Du hast es geschafft, die Reise von BASIC bis zur modernen IT-Welt so lebendig und spannend zu erzählen. Vielen Dank für diesen tollen Rückblick und die persönlichen Einsichten – du hast mir wirklich eine neue Perspektive auf die Geschichte der Programmierung eröffnet!

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